Schon öfters habe ich in diesem Blog über Unterrichtsstörungen geschrieben, und schon oft habe ich dabei gegenwärtige und aktuelle Literatur zitiert. Jetzt gibt es ein flott geschriebenes Buch über das Lehrersein heute. Lehrer, die dieses Buch lesen, werden sicherlich durch viele Situationen an eigene Erlebnisse erinnert. Nicht-Lehrer, die das Buch lesen, staunen sicherlich über die Herausforderungen, denen sich Lehrerinnen und Lehrer heutzutage stellen müssen.

Das Buch, von dem ich hier berichte, stammt von der Lehrerin Hildegard Monhein. Es trägt den Titel: Manchmal schauen sie so aggro und ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf in Berlin erschienen.

Hildegard Monheim erzählt in den 33 Kapiteln des Buches vieles zum Thema „Unterrichtsstörung“, sie erzählt von Schülern, deren Kreativität bisweilen keine Grenzen kennt:

„Wir Lehrer nehmen unseren Unterricht sehr ernst. Wir beklagen uns zwar ständig, dass nichts von dem hängen bleibt, was wir den Schülern an den Kopf oder zum geistigen Fraß vorwerfen, aber wehe, einer stört unseren Unterricht! Gerade hatte man die Aufmerksamkeit der Racker gebündelt! Gerade hatte man die Kerle endlich zur Ruhe gebracht! Gerade jetzt wäre es so wichtig geworden! Und da … Da stört jemand. Das darf nicht sein! Das ist eine Todsünde!“ (Monheim, Hildegard: Manchmal schauen sie so aggro, S. 46)

Unterrichtsstörungen werden von Monheim auf fünf verschiedene Störungsursachen zurückgeführt, für alle „Nicht-Insider“ beschreibt sie die
Hitliste der Störungen
:

Der Klassiker – Störungen durch die eigenen Schüler
Pädagogisch wertvolle Störungen – Schüler in Mission
Störungen auf Augenhöhe – Kollegen vor der Klassenzimmertür
Störungen rein akustischer Natur
Störungen rein visueller Natur

Ein wenig mehr zum Klassiker Nr. eins:
„Irgendeiner aus der Klasse ist sich der Wichtigkeit der Sekunde nicht bewusst. Es reicht ihm nicht dass er mit den Gedanken woanders ist, nein, er hat die Frechheit, genau in dem Moment zu schwatzen, abzutauchen oder gar zu lachen, in dem die Lehrkraft den einen wichtigen Satz von sich geben möchte.
Rein theoretisch weiß ich zwar, dass es zum Wesen des Schülers gehört, nicht aufzupassen. Dass die Unaufmerksamkeit üblicher ist als das An-den-Lippen-der-Lehrkraft-Hängen. Rein theoretisch. In der Praxis könnte ich austicken, wenn ich mich gerade so wunderbar in Hochform unterrichtet habe und dann einer das mit Füßen tritt: schwatzt laut und dauerhaft, muss plötzlich lachen, obwohl es nichts zu lachen gibt, fällt unter dem Gejohle seiner Mitschüler vom Stuhl, wirft zum vierten Mal sein Lineal zu Boden.“ (Monheim, Hildegard: Manchmal schauen sie so aggro, S. 46)

Und zu guter letzt stellt Moheim fest:
„Der Normalzustand ist aber die Störung, das Problem, die Herausforderung – und genau für diese sind die Pädagogen da.“ (S. 104)

Das ist natürlich überspitzt formuliert, aber sehr amüsant zu lesen.
Lehrer werden schmunzeln und Nicht-Lehrer werden sich wundern …
Ein Buch, das man also nicht verpassen sollte, wenn man sich für das Lehrerdasein heute interessiert.

Das Thema Unterrichtsstörungen ist und bleibt sicherlich auch in nächster Zeit noch für LehrerInnen ein ganz existentielles. In dem Zusammenhang möchte ich gerne nochmals auf mein Buch zum Thema „Unterrichtsstörungen“ verweisen. In diesem Buch werden Unterrichtsstörungen auf der Grundlage moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse aus den Fachgebieten Pädagogik, Psychologie und Kommunikationstheorie intensiv betrachtet. Drei Fälle werden exemplarisch anhand ihres Störprofils, Ursachenprofils und Lösungsprofils vorgestellt. Anhand dieser Fallpräsentationen, der zugehörigen Fallerschließung und der sich anschließenden Hypothetische Falllösung kann man Unterrichtsstörungen verstehen lernen und Rückschlüsse auf eigene Unterrichtsstörungen vornehmen.

Weitere Hinweise zu diesem Buch unter: Schäfer, Christa: Unterrichtsstörungen: Jugendliche verstehen – Schule verändern

Und weitere literarische Kostproben zum Thema Unterrichtsstörungen beispielsweise von Frau Freitag oder Stephan Serin

Christa D. Schäfer