Märchen und Mediation?
Die Verbindung liegt auf der Hand.
Betrachten wir beispielsweise Hänsel und Gretel.

Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Kinder. Hänsel und Gretel, und er hatte nach dem Tod seiner ersten nun eine zweite Frau. Mit denen lebte er in der Nähe eines großen Waldes, denn er war Holzfäller und musste für ihr Überleben hart arbeiten. Nun begab es sich, dass im Land alle Nahrungsmittel plötzlich sehr teuer wurden, sein Lohn aber nicht im gleichen Maß anstieg, als dass er die teuren Speisen hätte kaufen können …

Johannes Meier und Herbert Hofmann haben aus diesem Märchen und vielen weiteren ganz wunderbare Rollenspiele konzipiert. Da werden aus dem Märchen von Hänsel und Gretel verschiedene Familienmediationen. Mal steht im Mittelpunkt des Rollenspiels, dass Hänsel und Gretel nicht aus dem Hotel Mama ausziehen wollen, mal gibt es eine Mediationssitzung zwischen der Hexe, Hänsel und Gretel. In einem weiteren Rollenspiel sind H. Junge und G. Retel Auszubildende in einem streng aber schlecht geführten Hotel und bitten um eine Mediation mit der Hotelmanagerin.

Sehr kreativ und ideenreich werden die Märchen zu Rollenspielen umgeformt. Herausgekommen ist dabei ein Buch mit dem Titel „Märchenhafte Mediationen“. Es macht großen Spaß, dieses Buch zu lesen – und es macht noch mehr Spaß, die Rollenspiele durchzuspielen, sei es in Ausbildungsgruppen oder in Intervisionsgruppen. Jedes Rollenspiel bietet Rollenanweisungen für alle involvierten Personen. Mal bleibt das Rollenspiel nahe am Märchen, mal wird der Plot des Märchens in die neue Zeit versetzt und die Rollen werden in moderne und zeitgemäßen Figuren transferiert.

So wird G.Retels Rolle im Rollenspiel mit der Hotelmanagerin folgendermaßen beschrieben:

Ich hab’ zusammen mit H. Junge meine Ausbildung hier bei uns im Ort in einem kleinen Hotel begonnen. Die hatten damals zwei Lehrstellen frei, und ich fand, dass das richtig gut gepasst hat. Aber inzwischen kommen mir große Zweifel, ob ich hier richtig bin. In der Hotelfachschule erzählen die anderen Lehrlinge von ganz anderen Aufgaben. Ich war das ganze erste Lehrjahr nur in der Küche, in der Heißmangel und mit den Gängen zur Post beschäftigt. Das kann es nicht sein. … Ich hab’ das Gefühl, als ob ich hier als billige Arbeitskraft ausgenutzt werde. … Ich muss mir vielleicht auch eine andere Lehrstelle suchen.

Viele AusbildungsteilnehmerInnen in Ausbildungsgruppen haben zunächst Bedenken vor den Rollenspielen, manche haben gar Schwierigkeiten in Rollen hinein zu schlüpfen und diese auszufüllen, fast allen TeilnehmerInnen machen die Rollenspiele nach kurzer Zeit riesigen Spaß. Mit diesem Buch liegt nun ein großer Fundus an Rollenspielen vor, so dass mit großem Spaß geübt werden kann.

Christa D. Schäfer