Als ich vor 13 Jahren meine Mediationsausbildung absolviert habe, war in der Ausbildung keine Rede von einem Vorgespräch zur Mediation. Die Mediation begann laut Definition an der Stelle, an der sich zwei Menschen als Medianden treffen, voreinander sitzen, und ein dritter Mensch dabei ist, der die Mediation als Mediator durchführt.

In meinen ersten eigenen Mediationen vor 12 Jahren habe ich gemerkt, dass das allerdings gar nicht so einfach ist. Selten beginnen Mediationen so bilderbuchmäßig wie oben beschrieben. Meist ruft eine Streitpartei an und bitte um eine Mediation. Dann ist die Frage, wer spricht die zweite Streitpartei an? Traut sich der Anrufer, dies selber zu tun? Soll bzw. muss ich die zweite Streitpartei anrufen oder ihr einen Brief schreiben? Tue ich dies auch?

Hier schon scheiden sich die Meinungen von MediatorInnen, würde man eine Umfrage zum Thema machen. Manche MediatorInnen sind der Meinung, es ist und kann nicht ihre Aufgabe sein, die Medianden an einen Tisch zu bringen. Andere MediatorInnen stimmen dieser Aufgabe zu und haben ein gutes Procédere gefunden, die Medianden um einen Tisch zu einem gemeinsamen Mediationsgespräch zu versammeln.

Einige Zeit später habe ich begonnen das MediationsZentrum Berlin aufzubauen (das dieses Jahr 10 Jahre alt wird). Im MediationsZentrum habe ich in der Anfangsphase ebenfalls oft erfahren, wie schwierig es mitunter ist, alle Konfliktparteien für ein gemeinsames Mediationsgespräch zu gewinnen.

Heute bilde ich selber aus und habe natürlich das Modul der Pré-Mediation (oder der Vor-Phase) in die Curricula meiner Ausbildungsgruppen integriert. Ganz interessant ist es allerdings, dass es bisher noch kein einziges Buch gibt, das sich auf dieses Thematik spezialisiert hat. So habe ich mich auf die Suche begeben, wie andere Methoden und Verfahren diese Pré-Phase managen, und ich bin auf das Buch von Manfred Prior mit dem Titel „Beratung und Therapie optimal vorbereiten“ gestoßen. In diesem Buch aus dem Carl-Auer Verlag gibt es viele Informationen und Interventionen für die Phase vor dem ersten gemeinsamen Gespräch, alle fachlich hoch kompetent und leserfreundlich aufbereitet.

Wer eine Therapie oder eine Beratung mit dem ersten offiziellen Gesprächstermin beginnen lässt, hat das Beste versäumt. Schon das Telefonat zur Terminvereinbarung birgt nämlich für beide Seiten enorme Chancen: Richtig genutzt, kann es dem Klienten Vertrauen in seinen Entschluss zur Veränderung geben, eine motivierende Beratungsatmosphäre herstellen, den Therapieverlauf erleichtern und den Beratungszeitraum verkürzen. – So steht es auf der Rückseite des Buches.

Auf die Mediation gemünzt heißt es, dass ein Vorgespräch wichtig ist um den Auftrag zu bekommen. Viele Vorgespräche verpuffen, wenn nicht die richtigen Weichen im Gespräch gestellt werden. Die Pré-Phase in der Mediation ist zugleich schwieriger und einfacher als die Phase in anderen Beratungsformaten. Schwieriger, weil ich zwei Personen habe, die zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen kommen wollen bzw. sollen – und einfacher, weil der eigentliche Prozess nach gängiger MediatorInnenmeinung ja erst dann beginnen sollte, wenn beide Konfliktparteien gemeinsam beim ersten Termin am Tisch sitzen und zusammen sprechen. Dem ist natürlich nicht so, denn bereits in der Vorphase tut sich unendlich viel bei beiden Medianden. Insofern ist das Buch „Beratung und Therapie optimal vorbereiten“ für angehende MediatorInnen sehr hilfreich, es fehlt aber weiterhin ein Buch zum Thema „Mediationen optimal vorbereiten“. Einige Kapitel aus den Büchern würden sich gleichen, andere würden eine vollkommen andere Richtung nehmen.

Ähnlich aufgebaut würden beispielsweise Kapitel sein zu den Themen:
Informationen einholen: Was kommt auf mich zu?
Wie man auf die erste Kurzbeschreibung des Anliegens gut reagieren kann

Ergänzend müsste es Hinweise geben, wie die zweite Streitpartei am besten anzusprechen ist, wie Mediation am besten erklärt werden kann, was zu tun ist wenn die zweite Konfliktpartei nicht sogleich zu einer Mediation einwilligt, wie ich die Frage nach dem Zeitumfang einer Mediation beantworte, wie der Prozess der Terminvereinbarung am besten funktioniert usw. usw.

Ich habe mir eine kurze Checkliste für die Annahme von Mediationen gemacht, die folgende Punkte umfasst:

  • Worum geht es in dem Konflikt?
  • Wie viele Personen sind beteiligt?
  • Darf ich Ihnen nochmals erklären, was Mediation ist?
  • Weiß die 2. Streitpartei von Ihrem Wunsch nach Mediation?
  • Nehmen Sie Kontakt mit der 2ten Streitpartei diesbezüglich auf?
  • Ich stelle meinen Rahmen für die Mediation vor:
    Raum, Kosten, evtl. Co-MediatorIn …
  • Entscheidung des / der zukünftigen Medianden für die Mediation
  • Terminvereinbarung

Vielleicht gibt es ja demnächst ein Buch zum Thema?
Und in der Zeit bis dahin: Manfred Prior lesen …

Manfred Prior hat übrigens auch die MiniMax-Interventionen geschrieben. Über die VW-Regel können Sie Genaueres lesen, wenn Sie auf den roten Text klicken …

Christa D. Schäfer