das ist ein Thema, das von Grundschulen, Sekundarschulen, Gymnasien, Haupt- und Realschulen öfters für einen Studientag bei mir angefragt wird.

Betrachtet man die Berliner Verhältnisse, so liest man in den einschlägigen Statistiken, dass jedes zweite Berliner Schulkind bereits einen Mobbingfall in der Schule erlebt hat, sei es als Täter oder als Opfer. Ein Viertel aller Berliner SchülerInnen zwischen 11 und 15 Jahren klagt über psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Einschlafstörungen. Jede Berliner Schulklasse hat durchschnittlich zwei bis drei psychisch auffällige SchülerInnen. Diese Zahlen gehen aus einer Untersuchung zum Gesundheitszustand der Berliner SchülerInnen hervor. Im Jahr 2006 waren für diese Untersuchung insgesamt 1.300 Mädchen und Jungen aus fünften, siebten und neunten Klassen befragt worden. Im Rahmen der KIGGS Studie und der Health Behaviour in School Aged Children (HBSC) gibt es demnächst wieder aktuelle Zahlen zum Thema. Ich werde berichten.

Aber nicht nur an diesen Statistiken sieht man, wie wichtig die Gewaltprävention in Berliner Schulen ist. Auch wenn man die Zeitung aufschlägt, so fliegt einem die Notwendigkeit zur Gewaltprävention zu. Und auch, wenn man mit SchülerInnen, LehrerInnen und Schulleitungen spricht, so erkennt man zweifelsfrei die Dringlichkeit dieses Themas.

In der Zwischenzeit gibt es eine Vielzahl von Programmen zur Gewaltprävention, aus denen die Schulen auswählen können. Betrachte ich einmal nur den Grundschulbereich, so sind dies:

buddY-Programm
Denkzeit-Programm
Faustlos
Die Friedensbrücke
Klassenrat / Demokratiepädagogik (hands for kids)
Kooperatives Lernen
Stopp-Regel
Streitschlichter- bzw. Konfliktlotsen
Das Trainingsraum-Konzept
Wolfs- und Giraffensprache (GfK)
Weitere Soziale Kompetenztrainings

Themen, die in den Programmen behandelt werden sind u.a.:
Emotionale Kompetenz
Gefühle und Bedürfnisse erkennen und ausdrücken
Perspektivübernahme üben
Empathiefähigkeit stärken
Impulskontrolle / Umgang mit Wut
Konfliktfähigkeit
Kooperationsfähigkeit
Nachdenken über Werte und Normen
Problemlösekompetenz
Reflexionsfähigkeit
Sprache geben / Gesprächsführung
Helfen / Begleiten / Beraten (Peer-Ansatz)

Letztlich steht auch immer die Förderung und Stabilisierung des Selbstwertgefühls im Zentrum der Programme. Jede Schule muss sehen, welches das für sie geeignete Programm ist. Verschiedene Schulen haben verschiedene Vorlieben, ein unterschiedliches Schülerklientel und natürlich auch verschiedene Voraussetzungen, die unterschiedliche Programme erfordern.

Schön, dass es jetzt ein Buch zum Thema „Gewaltprävention an Schulen“ aus dem Beltz Verlag gibt, das den Prozess der Planung, Umsetzung und Verankerung von Strategien zur Gewaltprävention und Gewaltintervention in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Das Buch von Mustafa Jannan beschäftigt sich mit schulischer Intervention und Prävention:

Als Intervention verstehe ich die personenbezogene Reaktion auf einen Gewaltfall in der Schule, die zu einer zeitnahen Lösung des Problems führt. (Jannan: Gewaltprävention … S. 16)

Als Prävention verstehe ich Handlungskonzepte, die vorbeugend eingesetzt werden, um Gewalt langfristig zu minimieren. (ebenda, S. 22)

Als systemisch denkende Pädagogin und Mediatorin hat es mir die Grafik zur Mehrebenenprävention besonders angetan. Diese besagt, dass die Präventionsarbeit einer Schule nicht bei einzelnen SchülerInnen oder Klassen ansetzen, sondern das gesamte System Schule umfassen sollte. Wie dies gut funktionieren kann, dazu gibt Jannan vielfältige Hinweise und Übersichten, und natürlich werden im Buch auch ausgewählte Präventionsprogramme vorgestellt

 

Ich merke, dass sich immer mehr Schulen auf den intensiven Weg der Gewaltprävention machen, das freut mich sehr.

Kennen Sie übrigens schon die Initiative Schule im Aufbruch? Wenn irgendwann einmal alle Schulen so aufgestellt sind, dann brauchen wir höchstwahrscheinlich weniger Gewaltprävention, weil die Schulen per se schon gewaltpräventiv arbeiten …

Interessant auch ein Interview mit Mustafa Jannan zum Thema „Mobbing an Schulen“.

Ebenfalls ein super Buch zum Thema Gewalt und Mobbing an Schulen ist von Wilfried Schubarth …

Und interessant ist sicherlich auch für Sie ein Überblick über die Programme, die die Berliner Schulen zur Gewaltprävention nutzen.

Christa D. Schäfer