Es ist Montag Morgen 6:30 Uhr. Tim hat Geburtstag, er steht frohgemut auf, zieht sich an, hüpft in die Küche und freut sich, dort eine große Geburtstagstorte und viele Geschenke zu sehen. Er beschließt zu frühstücken, packt eines der Geschenke aus und muss dann schon lossausen zur Schule. Er geht in die 5te Klasse einer Grundschule gleich um die Ecke in Berlin Mitte. Schon auf dem Weg zur Schule wird ihm mulmig, denn er kennt die nun folgende Prozedur schon aus den letzten Jahren: Geburtstagsschläge.

Geburtstagsschläge?
Ja, das gibt es tatsächlich.

Vor einigen Jahren hörte ich das erste Mal davon, als meine eigenen Kinder noch in eine Berliner Grundschule gingen. Jetzt habe ich das erste Mal gelesen, dass dies anscheinend ein in einigen Berliner Bezirken und sogar ein bundesweit verbreitetes Phänomen ist. In Neukölln wurde vor zwei Wochen sogar ein Sekundarschüler von Mitschülern so mit „Geburtstagsschlägen“ traktiert, dass er anschließend ambulant behandelt werden musste. Zum entsprechenden Tagesspiegel-Artikel …

Um bei Tims Geschichte zu bleiben, dort funktionierte die Sache folgendermaßen: Eine Gruppe von sechs Jungs schnappt sich Tim, der 10 Jahre alt wurde. Jeder der Jungs durfte 10 Mal zuschlagen, denn Tim wurde schließlich 10 Jahre alt. Das machte dann 60 Schläge für Tim. Tim fand das nicht toll, aber was sollt er machen? Er bekam zwar später in der Klasse dann auch noch ein Geburtstagsständchen vorgesungen (die Gruppe der sechs Jungs sang natürlich mit), aber irgendwie war der Tag doch nicht mehr ganz so super.

Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, ist dem Phänomen der Geburtstagsschläge auf den Grund gegangen. Er sieht Neid als eine Ursache des Phänomens. Laut Pfeiffer ist es in muslimischen Familien nicht Tradition, den Geburtstag so ausgiebig und mit vielen Geschenken zu feiern, wie das in Deutschland üblich sei. Aus dem hierdurch entstehenden Neid und Ärger entwickelt sich dann manchmal der Wunsch, den anderen, der Geburtstag hat, klein zu kriegen. Die Berliner Polizei hat mitunter sogar schon Anzeigen wegen Körperverletzungsgeburtstagsschlägen aufgenommen und bietet dazu auch Präventionsveranstaltungen in Schulen an.

Ist das alles nicht unglaublich?
Soweit also zum Thema „Gewaltprävention in Schulen“ …

Christa D. Schäfer