Respekt ist

„… die Grundlage menschlichen Seins.
… Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen.
… zusammen weniger allein zu sein.
… eine angenehme Pause vom Ich.
… ein wirkungsvolles Beruhigungsmittel in hitzigen Situationen.
… das Offensein für neue Sichtweisen.
… die potenzielle Chance, große Gefühle zu erleben.
… die verlässliche Arbeit der Spiegelneuronen.“
(Carmen Kindl-Beilfuß: Einladung ins Wunderland. Heidelberg: Carl-Auer 2012. S. 18)

Nach dem Buch Fragen können wie Küsse schmecken ist dies nun der zweite Bestseller von Carmen Kindl-Beilfuß. Dieses Mal beschreibt sie Systemische Feedback- und Interventionstechniken als Handwerkszeug für Therapie und Beratung – und in einigen Ansätzen gelten diese Techniken natürlich auch für die systemische Mediation. Wieder stehen im ersten Kapitel Fragen im Mittelpunkt der Ausführungen. Fragen knüpfen Verbindungen zum Gegenüber. Fragen (er)finden Geschichten aus der Vergangenheit. Fragen weisen einen Weg in die Zukunft. Fragen dienen dazu verstehen zu wollen. Fragen stellen Stimmungen her – oder zerstören sie. Fragen zeigen Interesse und führen zu Bindungen. Fragen sind ein Tanz der Spiegelneuronen (letztes nach Manfred Bauer 2006).

Natürlich ist eine Frage auch eine mächtige Methode in der Mediation. Mitunter kann es passieren, dass eine Streitpartei mehr oder länger gefragt wird als die zweite Konfliktpartei, und dass dann ein Ungleichgewicht entsteht. Carmen Kindl-Beilfuß beschreibt dies auch für den therapeutischen Kontext, in dem dies passieren kann. Um die Ebene der Allparteilichkeit wieder herzustellen, sind dann in der Mediation Sätze möglich wie:

„Besten Dank Herr A, dass Sie die Geduld aufgebracht habe, dass Herr B etwas länger von den Dingen erzählen konnte, die ihn bewegen.“

„Besten Dank Frau C, dass Sie heute Herrn D seine Sicht der Dinge haben ausführlich schildern lassen. Ich verspreche Ihnen, Sie erhalten jetzt natürlich ebenso lange Zeit zur Schilderung Ihrer Sichtweise.“

„Herr E, besten Dank, dass wir uns heute der Aufmerksamkeit des Themas F widmen konnten. Ich weiß, dass Ihnen der Punkt G sehr wichtig ist, der in unserer Reihenfolge an nächster Stelle steht. Beim nächsten Termin werden wir mit diesem Punkt beginnen und ihn sicherlich ebenso zu einem guten Ende führen können, wie wir es heute mit Thema F geschafft haben.“

„Es ist immer anstrengend Zuhörerin und Zuhörer zu sein. Das ist Ihnen heute sicherlich beiden so gegangen. Aber sicherlich haben Sie auch gemerkt, dass es sehr gewinnbringend ist, sich gegenseitig zuzuhören und dass sich bereits dadurch ein Verständnis und auch ein Aufeinander-Zugehen einstellen kann.“

Was fallen Ihnen noch für Sätze ein, um die Medianden für Ihr Zuhören während der Mediation zu „loben“?!

Loben möchte ich an dieser Stelle auch das Buch „Einladung ins Wunderland“ von Carmen Kindl-Beilfuß. Das Buch bietet einen riesigen Fundus an kreativen Interventionen und ist gerade auch für den Bereich der Familienmediation eine nicht zu unterschätzende Anregung.

Christa D. Schäfer