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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Empathietraining mit Babys als Baustein der Gewaltprävention

Wann haben Sie das letzte Mal ein Baby lächeln sehen? Und was ist daraufhin passiert, haben Sie zurück gelächelt? Das ist sehr wahrscheinlich und hat etwas damit zu tun, dass Babys „unwiderstehlich“ sind, und dass unsere Spiegelneuronen schnell und zuverlässig reagieren.

Heute habe ich etwas Wunderbares im Berliner Tagesspiegel gelesen. Grundschulklassen von drei Bremen Schulen erhalten ein Mal wöchentlich Besuch von einem Baby (mit Mutter und „Trainerin“). Die Kinder lernen die Gesichtsausdrücke des Babys zu interpretieren und zu erspüren, wie es ihm geht. Die Kinder sind begeistert und das Baby findet die Stunde auch gut. Gemeinsam wird gesungen, gesprochen, geschaut und reagiert. Da lernen alle im Klassenraum eine ganze Menge. Manche Besucherbabys tragen sogar T-Shirts mit der Aufschrift „I am the teacher“. Und die TrainerInnen, die Mutter und Baby begleiten, haben eine spezielle Ausbildung für diese Aufgabe erhalten. Deutschland ist das 10te Land, das dieses Projekt ausprobiert.

Das dahinter stehende Konzept stammt von Mary Gordon, einer kanadischen Pädagogin. Sie initiierte im Rahmen des Projektes „Roots of Empathie“ einen wöchentlichen Besuch eines Baby (mit seiner Mutter) in einer Grundschulklasse. Die GrundschülerInnen waren gewöhnlich begeistert von dem Besuch, spielten mit dem Baby, sangen und versuchten die Gefühle des Babys herauszufinden.

Im Anschluss an den Besuch hat sich stets das Aggressivitätspotential der Klasse deutlich reduziert und es war ein friedvolleres Arbeiten im Klassenverband. Mary Gordon schlussfolgerte, dass der Kontakt mit dem Baby eine Art Empathietraining für die SchülerInnen der Klasse darstellt.

Wäre das nicht auch ein Konzept für eine Berliner Grundschule?
Ich jedenfalls wäre gerne einmal dabei und würde zusehen …

Ausgehend von dem Zeitungsartikel habe ich mich damit beschäftigt, was Empathie eigentlich genau meint. Der Begriff Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tieres zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Einfühlung als eigene Reaktion auf die Gefühle Anderer.

Die Perspektivenübernahme ist im Vergleich zur Empathie eine Fähigkeit, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen.

Untersuchungen zu Spiegelneuronen lassen zwischen einem Nachahmungsverhalten und der Fähigkeit zur Empathie einen Zusammenhang vermuten, beispielsweise beim Gähnen und Lachen. Dieses Phänomen wird jedoch als Gefühlsansteckung bezeichnet und nicht als Empathie.

Neuere Forschungen (Nathan Sprang u.a.) haben sich damit beschäftigt, wie sich die Empathie messen lässt, sie sind dabei auf folgende fünf Dimensionen gekommen:

Korrektes Entschlüsseln nonverbaler Botschaften
Die gleichen Emotionen wie andere empfinden (Mitgefühl)
Ähnliche Gedanken und Erinnerungen erleben
Auslösen gleicher physiologischer Reaktionen (Herzschlag, Beklemmung, „feuchte Hände“ etc.)
Auslösen helfender oder unterstützender Handlungsimpulse.

Howard Gardner und Daniel Goleman sehen die Empathie als einen Teil der Emotionalen Intelligenz. Die Intelligenzforscher Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer merken in ihrem kürzlich herausgegebenem Buch “Intelligenz. Große Unterschiede und ihre Folgen” an, dass Gardner und Goleman dazu neigen, den Intelligenzbegriff zu verwässern. Stern und Neubauer beschreiben die Intelligenz stattdessen als Begabung in kognitiven, also in sprachlichen, visuell-räumlichen, rechnerischen oder mathematischen Bereichen.

Sie zeigen in ihrem Buch, dass Intelligenz erblich ist, beschreiben jedoch auch, dass nur wenn bestimmte Umweltbedingungen gegeben sind, sich das genetisch angelegte Potential eines Menschen gut entwickeln kann. Ich habe zwar erst vier der acht Kapitel des Buches gelesen, kann aber jetzt schon sagen, dass es sich absolut lohnt, sich in dieses Buch zu vergraben um zu verstehen, wie sich Intelligenz entwickelt. Es ist spannend zu erfahren, welche Lebensbedingungen Babys, Kinder und Jugendliche herausfordern und welche Lebensumständen bei der Entwicklung ihrer Potentiale von großem Vorteil sind.

Interessant sind im Buch auch die Seiten, die sich mit der Erforschung der sozial-emotionalen Kompetenz beschäftigen. Ganz schwierig ist dieses Forschungsgebiet nach Meinung der beiden Autoren. Eine Beispielaufgabe: „Eine Freundin hat dich gebeten, für sie etwas zu besorgen. Leider hast du das Falsche gekauft, und sie regt sich darüber auf.“ Wer will bzw. kann bzw. darf hier entscheiden, was ein adäquates Verhalten wäre …

Christa D. Schäfer

Empathie ist übrigens auch eine Fähigkeit, die ein guter Mediator / eine gute Mediatorin benötigt …

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