Grundschulkinder lernen weitgehend intrinsisch und aus eigenem Antrieb. Mit dem Beginn der Pubertät werden äußere Einflüsse wie Belohnung, Lob und soziale Beziehungen wichtiger als Aspekte der inneren Motivation.

Ergebnisse der Gehirnforschung zeigen schon seit längerem, dass Angst der größte Lernhemmer ist. Sie zeigen ebenfalls, dass positiv wahrgenommene Emotionen sowie positiv erlebte soziale Beziehungen dazu in der Lage sind, das Lernen zu einem aufregendem und bereichernden Erlebnis zu machen und das körpereigene Belohnungssystem zu aktivieren.

Eine Gruppe von Erziehungswissenschaftern, Psychologen und Neurowissenschaftlern untersuchte kürzlich an der FU Berlin und der Charité den Einfluss sozio-emotionaler Lernfaktoren = SELF auf den schulischen Lernprozess. Die Forschungsgruppe hat unter der Leitung von Diana Raufelder 1000 Schülerinnen und Schüler Brandenburgs aus 7ten und 8ten Klassen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien befragt.

Das Projekt SELF hat vier verschiedene Motivationstypen identifiziert:

1. den Peer-abhängige Motivationstyp
2. den Peer- und Lehrer-abhängige Motivationstyp
3. den unabhängige Motivationstyp
4. den Lehrer-abhängige Motivationstyp

36,4 % der befragten SchülerInnen wurden als peer-abhängiger Motivationstyp identifiziert. Ihre schulische Motivation wird von SchülerInnen geprägt, die sie umgeben. Interessant vor diesem Hintergrund ist, dass während der Adoleszenz die Bedeutung von Peers gegenüber der Bedeutung der Familie wächst. In diesem Sinne sind Klassenkameraden potentielle Freunde, die Bedürfnisse des sich entwickelnden Jugendlichen erfüllen könnten.

Bei 27,8 % der SchülerInnen ist die schulische Motivation abhängig von ihrer Umgebung, also von LehrerInnen und anderen SchülerInnen und von positiv ausgerichteten Beziehungen in diesem Geflecht.

26,3 % der an der Untersuchung teilnehmenden SchülerInnen gehören zum unabhängigen Motivationstypen, sie orientieren sich in der Höhe ihrer Motivation

Nur 9,5 % der Jugendlichen sind dem lehrer-abhängigen Motivationstyp zuzuordnen.

Insgesamt ist also für 73,7 % aller SchülerInnen, also für die Mehrzahl der SchülerInnen die Qualität der schulischen Beziehung sowie das Klassen- und Schulklima zentral für ihre Lernmotivation. Da heißt es also dranbleiben, als Lehrperson gute Beziehungen aufbauen und für ein gutes Klassenklima sorgen !!! Schon damit minimiert sich die Anzahl der Unterrichtsstörungen um einen Großteil.

Lediglich für 26,3 % der Jugendlichen scheinen weder Peers noch Lehrer eine Rolle für ihre Motivation zu spielen. Vermutlich würden diese SchülerInnen von einer autonomen Lernumgebung profitieren mit weniger Vorgaben und mehr individuellen und kreativem Spielraum. Auch hier können Lehrkräfte ja gut die Voraussetzungen für schaffen …

Ab Sommer 2012 steigt die Charité Berlin in das Projekt mit ein. Je 20 SchülerInnen je Motivationstyp werden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) auf Unterschiede in der Aktivierung von Motivationsarealen im Gehirn untersucht und anschließend in qualitativen Interviews zu ihrem Motivationserleben und ihren Motivationsstrategien befragt. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt …

Interessant ist übrigens auch eine Untersuchung, über die ich kürzlich hier berichtet habe, in der der Frage nachgegangen wurde, ab wie viel Jahren Kinder lernen fair zu sein …

Christa D. Schäfer