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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Wirtschaftsmediation

ist ein Mediationsbereich, in dem viele MediatorInnen tätig sein möchten. Viele vermuten, dass es da – im Gegensatz zu manch’ anderen Mediationsbereichen – das ganz große Geld gibt. Dem möchte ich nicht wiedersprechen, kann aber auch nicht uneingeschränkt zustimmen.

Zugegeben, bisher war ich stärker in Pädagogischen Handlungsfeldern unterwegs als in der Wirtschaftsmediation. Dennoch habe ich mit der Zeitschrift “Die Wirtschaftsmediation“ jetzt eine neue Zeitschrift entdeckt, die sofort meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit erlangt hat.

Die Wirtschaftsmediation wird von Gernot Barth und Bernhard Böhm herausgegeben und will ein Fachmagazin für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen sein. Die Hefte 1/ und 2/2013 haben mich mit ihren Themenschwerpunkten „Online-Konfliktlösungen“ und „Moderne Verwaltung: Zwischen Dialog und Hierarchie“ vollkommen überzeugt. Neben den Schwerpunktthemen enthält jedes Heft Artikel aus der Mediationspraxis, dem Rechtsbereich, den Themen Familie und Mediation, Sport und Mediation sowie Hinweise zur Mediation international. Rundum ein gelungener Mix, um immer aktuell zu sein in der sich immer weiter ausdifferenzierenden Mediationswelt.

Gerne möchte ich aus jedem Heft stellvertretend einen meiner Meinung nach besonders gelungene Artikel vorstellen, die natürlich mit der Thematik dieses Blogs verwandt sind.

Im Heft 1/2013 befindet sich beispielsweise der Artikel „Machtvolle Emotionen in (der Vermittlung von) Konflikten“. Beim Lesen dieses Artikels musste ich sofort an meinen Blogartikel “Mediation und Psychologie“ vom März diesen Jahres denken. Die Schnittmenge zwischen Mediation und Psychologie ist meiner Ansicht nach bisher fast noch gar nicht erforscht worden. Es wird höchste Zeit dafür. Und der oben angesprochene Artikel von Katelien Bollen und Martin Euwema ist ein weiterer Baustein, der das Thema beleuchtet. Man erfährt beispielsweise, wie Machtverhältnisse in Organisationen mit dem unterschiedlichen Erleben von Emotionen einhergehen.

Studien über Konfliktverhalten in hierarchischen Konflikten zeigen, dass diejenigen, die sich weniger machtvoll fühlen, die Neigung haben, sich zurückhaltend aufzustellen und Abstand zu halten. (…) Personen die sich hingegen machtvoll fühlen, werden ihren Gegner schneller ansprechen und eine Lösung für das Problem vorschlagen oder ihnen diese Lösung aufzwingen. (…) Dass Personen mit Macht sich in ihrem Verhalten freier fühlen, spiegelt sich auch darin wider, wie sie ihre Emotionen äußern. (…) Studien zeigen auch, dass das Verhalten und die Emotionen der Partei mit mehr Macht einen großen Einfluss auf die Partei mit weniger Macht haben, was umgekehrt nur in geringem Maße gilt.

Quelle: Bollen, Katalien; Euwema, Martin: Machtvolle Emotionen in (der Vermittlung von) Konflikten). In: Die Wirtschaftsmediation 1/2013, S. 15-19.

Im Mediationskontext, beispielsweise in der Arbeit mit Kita- und Schulteams habe ich diese theoretischen Betrachtungen stets ganz praktisch feststellen können.

Im Heft 2/2013 gibt es den Artikel „Humor als Konfliktmediator“ von Eva-Ullmann und Kareen Seidler. Beide Autorinnen sind am Deutschen Institut für Humor tätig und besprechen im Artikel zunächst den Unterschied zwischen abwertendem und wertschätzendem Humor. Den wertschätzenden, auch aufwertenden Humor genannt, kann man wunderbar in der Mediation nutzen. Hierzu ein Beispielsatz, der zwei Medianden gut „abholt“, die Situation am Anfang einer Mediation deeskalieren kann, Aufmerksamkeit gibt und Humor mit Ernsthaftigkeit kombiniert:

„Ich habe den Eindruck, Sie würden sich jetzt gern gegenseitig eine runterhauen. Ich sehe schon die Venen auf der Stirn gefährlich pulsieren. Ich könnte schnell noch die Boxhandschue holen. Vorher möchte ich jedoch jeden zu seinem Standpunkt befragen. Oberste Spielregel bei mir ist das Ausreden lassen.“

Quelle: Ullmann, Eva; Seidler, Kareen: Humor als Konfliktmediator. In: Die Wirtschaftsmediation 2/2013, S. 21-23.

Schon unbewußt habe ich in vielen Mediationen einen wertschätzenden Humor bzw. eine wertschätzende Übertreibung angewandt. Jetzt habe ich endlich einen Namen für diese sprachliche Methode.

Im Bundesverband Mediation gibt es eine Fachgruppe, die sich um die Wirtschaftsmediation „kümmert“. MIO = Mediation in Organisationen, so heißt diese Fachgruppe. MIO umfasst sowohl Mediationen im Profit- als auch im Non-Profit-Bereich. Und im Profit-Bereich gibt’s natürlich mehr Geld als im Non-Profit-Bereich, in NGO’s, in der Mediation in bzw. zwischen gemeinnützigen Vereinen. MIO enthält ebenfalls verschiedene Unterbereiche: Mediation in der Arbeitswelt, Mediation in der Wirtschaft, Mediation innerhalb von Organisationen, Mediation zwischen Organisationen, Mediationen zwischen Unternehmen und Endverbrauchern

… ein spannendes Feld, das sich auch immer mehr in mein Arbeitsgebiet einschleicht. Christa D. Schäfer

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2 Comments

  1. Berthild Lorenz

    Da fällt mir das Ergebnis einer von mir geleiteten Mediation während der Ausbildung ein. Die lehrende Juristin sagte hinterher: “Dein Humor hat mich völlig aus meiner Wutbahn geschmissen; das war das Allerbeste was du tun konntest!” Was war geschehen? Sie kamen als Ehepaar und sie klopfte mir auf die Schulter und sagte: “Frau Mediatorin, nun sehen Sie mal zu, wie Sie hier ganz schnell unseren Konflikt lösen!” Ich lachte und sagte: “Oha, Sie traun mir ja viel zu!ICH soll Ihren Konflikt lösen!” Sie. “Ja wer denn sonst!?” Ich: “Oh, ich denke, dazu sind nur Sie in der Lage! Lassen Sie uns erstmal ins Zimmer gehen, einverstanden?” Als sie mir dann erzählte, dass ihr Mann immer auf Dienstreise in Thailand mit den Nutten rummacht fragte ich, ob er sie denn immer mitgenommen hat, dass sie das so genau weiß. Tja, da begann sie nachdenklich zu werden…

  2. … was für eine Geschichte …

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