Gerne lese ich auch Kinder- und Jugendbücher, und ich möchte Sie diesen Sommer an einigen Büchern teilhaben lassen. Kurz vor den Ferien habe ich ein Buch der Lehrerin und Autorin Heidemarie Brosche in die Hände bekommen. Der Roman heißt „Couch on fire“ und handelt von dem 15jährigen Matthias-Georg, einer echten Couch-Potato (darum auch der Spitzname „Couch“). Matthias hat’s im Moment nicht so einfach, weder zu Hause mit seiner Mutter noch in der Schule mit Kevin und Firat aus seiner Klasse. Da erscheint – wie ein Stern am Himmel – Yayo, eine neue Mitschülerin. Yayo ist hübsch, intelligent und außerdem Halbjapanerin, weswegen sie es nicht einfach bei Firat und Kevin hat. Matthias jedoch ist Feuer und Flamme für Yayo, und die Geschichte nimmt ihren Lauf …

Hier ein langes Zitat aus dem Buch, den Themen dieses Blogs gemäß zum Stichwort „Mobbing“, denn dieses Thema spielt auch in diesem Jugendroman eine wichtige Rolle:

Wir sind gerade auf dem Rückweg zum Klassenzimmer, als Firat und Kevin sich von hinten nähern. Ich erkenne sie an ihren Stimmen. Und an ihrem Thema.
„Die Bitch hab ich abserviert“, tönt Firat gerade.
Und ich überlege, ob die Bitch Ameisenformat hatte – passend zu Firat.
Plötzlich beschleunigen die beiden, setzen zum Überholen an und bauen sich vor Yayo und mir auf. Ungeniert glotzen sie uns an.
„Was hast du denn da abgeschleppt?“, fragt Kevin. „Stehst du jetzt auf Schlitze?“
Yayo schaut mich erschrocken an.
Doch Firat setzt noch einen obendrauf.
„’ne Japse!“, sagt er. „Das seh ich gleich.“
Dann zieht er verächtlich Rotz hoch und schlendert genüsslich mit Kevin ins Klassenzimmer.
Ich bin mir selbst peinlich. Natürlich hätte ich etwas sagen müssen. Oder noch besser: etwas TUN. Aber mir ist einfach nicht eingefallen was.
Yayo ist ein wenig blass geworden.
„Sind die immer so?“ fragt sie mit dünner Stimme und ich spüre zum ersten Mal, dass man auch sie aus der Ruhe bringen kann.
„Meistens“, sage ich und versuche, meiner Stimme einen festen Klang zu geben, weil Yayo mich nicht schon wieder als Depp vom Dienst erleben soll. Ehrlich gesagt, sind die ein bisschen blöd.“
Zur Bekräftigung klopfe ich mir mit dem rechten Zeigefinger gegen die Stirn und weise mit dem Kinn auf die beiden, die gerade dabei sind, im Klassenzimmer zu verschwinden.
Das hätte ich lieber bleiben lassen. Denn genau in diesem Moment fällt Kevin ein Flummi aus der Hosentasche und hüpft in unsere Richtung. Wodurch er sich umdrehen muss – und gerade noch sieht, wie ich ihm den Vogel zeige.
In Sekundenbruchteilen verzerrt sich sein Gesicht zu einer drohenden Grimasse.
„Pass bloß auf!“, zischt er in meine Richtung und zeigt mir den Stinkefinger.
Während ich versuche, so unerschrocken wie möglich zu schauen, tut Yayo etwas Unerwartetes. Sie rennt dem davonhüpfenden Flummi hinterher, schlägt ein paar Haken und fängt ihn schließlich ein. Mit ihrer Beute in der Hand geht sie zu Kevin, überreicht ihm das Ding und sagt:
„Hier – dein kleiner Ball.“
Es klingt ein bisschen wie: „Hier – dein Babyspielzeug!“
Vermutlich hat sie es einfach nur gut gemeint. Vielleicht hat sie gehofft, dass Kevin ab jetzt netter zu ihr ist. Für den aber hat soeben eine Majestätsbeleidigung stattgefunden.
Er reißt ihr das Ding aus der Hand, schaut Yayo drohend in die Augen und zischt: „Pfoten weg von meinen Sachen!“
Dann überlegt er kurz und fügt das Wort hinzu das er neu von Firat gelernt hat: „Japse!“
Im nächsten Moment ist er im Klassenzimmer verschwunden.
Yayo starrt mich an. Weil ich nicht weiß, was ich sagen soll, zucke ich mit den Schultern und verdrehe die Augen in Richtung Klassenzimmertür. Ich habe Angst, dass meiner Hinanta gleich die Tränen in die Augen schießen. Für diesen Fall ziehe ich ernsthaft in Erwägung, Kevin nun doch noch zum Duell herauszufordern.
Doch Yayo überrascht mich schon wieder.
„Ich glaube, dieser Junge hat ein Problem“, sagt sie …..

Quelle: Brosche, Heidemarie: Couch on fire. Ich glaub, jetzt geht’s los! Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013. S. 29 ff

Neben dem Thema Mobbing gibt es im Buch Couch on fire noch Familienprobleme zu lösen und viele aufregende Passagen zum Thema erste Liebe zu genießen. Vielleicht kennen Sie noch jemanden, der eine Ferienlektüre sucht? Das Buch Couch on fire ist jedenfalls herzlichst zu empfehlen, sowohl für Couch-Potatos als auch für nicht-Couch-Potatos, für Mädchen und Jungen ab 12 Jahren, in den Ferien und während der Schulzeit.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Christa D. Schäfer

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