Es gibt viele Fälle, in denen eine Streitpartei eine Mediatorin oder einen Mediator kontaktiert und um Mediation bittet – die zweite Streitpartei aber nicht zu einer Mediation bereit ist. Die Mediatorin bzw. der Mediator kann dann unterschiedlich reagieren. Entweder er sagt: „Ok, dann kommt keine Mediation zustande und ich kann leider nichts für Sie tun.“ oder er sagt: „Leider ist die zweite Streitpartei nicht zu einer Mediation bereit. Ich kann Ihnen ein Konfliktcoaching anbieten.“

In letzter Zeit habe ich mich oft mit der Thematik des Konfliktcoaching, auch Konfliktberatung oder Unterstützung im Konfliktfall genannt, beschäftigt.

Ich persönlich arbeite gerne im Konfliktcoaching, unterstütze also eine Streitpartei dabei einen guten Weg zu finden, einen Konflikt eigenständig lösen zu können oder zumindest sich so zu verhalten, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert.

In diesem Rahmen bin ich auf ein Buch gestoßen, das eher dem Bereich Selfcoaching in Bezug auf die eigene Lebensgeschichte zuzurechnen ist. Das Buch heißt „Der 6 Minuten Coach“ und stammt von Pierre Franckh. Gerne möchte ich Sie hier an einer Passage aus dem Buch zur Macht der positiven Gedanken teil haben lassen, es folgt ein längeres Zitat:

“Psychologen haben festgestellt, dass wir etwa 60.000 Gedanken am Tag denken. Die meisten von ihnen laufen völlig unbewusst ab. Die moderne Psychologie hat nun herausgefunden, dass, wenn wir unseren Gedanken keine ganz klar zielorientierte Richtung geben, diese eher negativer Natur sind.

Wir bemerken diese negative Tendenz nicht einmal mehr. Wir haben uns viel zu sehr an sie gewöhnt, als dass es uns noch sonderlich auffallen würde. Wie wir durch sie wütend werden, uns ohnmächtig fühlen oder klein und hilflos, manchmal auch ausgeliefert.

Vor allem aber verhindert diese Negativität, dass wir neue Dinge wagen oder uns auf andere Menschen einlassen.

Negative Gedanken verhindern, dass wir uns auf uns selbst und auf andere einlassen und uns und anderen neuen Dinge zutrauen.

Positive Gedanken dagegen führen und leiten uns in eine positive Richtung. Wir trauen uns wesentlich mehr zu, fühlen uns wohl, sind ausgeglichener und selbstbewuster. Sie helfen uns, bewusster am Leben teilzunehmen und mehr wahrzunehmen.
Sie erweitern unseren Wahrnehmungsfilter. Wir haben in der Tat weit mehr konstruktve Möglichkeiten zur Verfügung, als uns bewusst ist. Eine positive Grundeinstellung ist eines der wesentlichsten Dinge für einen Neuanfang.

Alle Meinungen und Sätze über uns oder andere sind Abschlussbefehle für unser Gehirn. Unser Gehirn richtet seine Wahrnehmung genau auf diese Gedanken aus, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wir denken uns regelrecht in eine Welt unserer Erwartungen hinein.

Alle Meinungen und Sätze über uns oder andere sind Abschlussbefehle für unser Gehirn. Unser Gehirn richtet seine Wahrnehmung genau auf diese Gedanken aus, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wir denken uns regelrecht in eine Welt unserer Erwartungen hinein.

Das Gehirn arbeitet wie ein Computer
Unser Gehirn arbeitet alle Befehle ab, die man ihm gibt.
Geedanken sind für unser Gehirn sehr klare Befehle. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir sie bewusst oder unbewusst denken, ob sie automatisch ablaufen oder einfach nur eine Gewohnheit geworden sind, ob sie positive oder negativen Charakter haben.

(…) Interessanterweise unterscheidet das Gehirn sehr klar zwischen negativen und positiven Gedanken und speichert sie in getrennten Arealen ab:

Alle negativen Gedanken werden im rechten Frontallappen gespeichert. Er liegt oberhalb des Auges auf Höhe der Schläfen.

Alle positiven Gedanken werden genau gegenüber im linken Frontallappen gespeichert. Er liegt ebenfalls oberhalb des Auges auf der Höhe der Schläfen.

Und da unser Gehirn an der Stelle, die von uns stark benutzt wird, physisch wächst, also größer wird, kann man dies mittels Magnetresonanztomografie sehr gut sichtbar machen. Man kann also sehen, was wir vorrangig denken. Genauer gesagt, was wir bisher gedacht haben, denn so ist das jeweilige Areal größer oder kleiner geworden.”

Quelle: Pierre Franckh: Der 6 Minuten Coach. Erfinde dich neu! München: Arkana 2013. S. 29ff.

Das Buch Der 6 Minuten Coach. Erfinde dich neu! ist sehr zu empfehlen für Coaches und MediatorInnen, für andere Professionen und für Jederfrau / Jedermann. Nach Pierre Franckh kann man mit täglich 6 Minuten ernsthafter Reflektionsarbeit seinem Leben eine andere Wendung geben und „wachsen“. Liebevoll gestaltet bietet das Buch kurze Inputs und Übungsanleitungen zu den täglichen 6 Minuten Reflexionszeit. Es gibt sogar einen weiteren Band der 6-Minuten-Übungen zum Stichwort „Finde die wahre Liebe“.

Und nun eine Reflexionsaufgabe zur Selbstreflexion:

Was glauben Sie, welcher Bereich bei Ihnen größer ist, der rechte oder linke?

Wenn ein Konflikt auf Sie zukommt:
Wie denken Sie, eher negativ oder eher positiv?
Wenn Sie negativ denken (die meisten Menschen denken bezüglich eines Konflikte negativ),
wie negativ denken Sie (auf einer Skala von 1 bis 10)?
Wovon hängt es ab, ob sie eher zweifeln oder eher hoffnungsvoll sind?
Denken Sie bei manchen Konfliktpartnern eher negativ, bei anderen eher positiv?
Wie kam / kommt es dazu?
Bei welchem Konfliktpartner wollen (müssen?) sie in ein positives Denken kommen?
Wie könnte das gehen?

Und noch eine Reflexionsaufgabe:

MediatorInnen sehen Konflikte als Chance,
als Chance zur Veränderung
als Chance zum Wachstum
als Chance zur Klärung eines Sachverhalts
als Chance zur Verbesserung einer Beziehung

Was glauben Sie, wie viel Prozent aller MediatorInnen bei fremden Konflikten eher positiv oder eher negativ denken? Was Was glauben Sie, wie viel Prozent aller MediatorInnen bei eigenen Konflikten eher positiv oder eher negativ denken?

Ich bin gespannt auf Ihre Schätzungen …
Christa D. Schäfer

Wollen Sie wissen, was im Gehirn passiert, wenn wir streiten?