Paul Ekmann über Empathie

„Kognitive Empathie lässt uns erkennen, was ein anderer fühlt.
Emotionale Empathie lässt uns fühlen, was der andere fühlt …“

Babys als Empathietrainer für Grundschulkinder

Empathie war bereits mehrmals Thema in diesem Blog. Anfang 2013 habe ich beispielsweise über das Projekt der kanadischen Pädagogin Mary Gordon berichtet, die Babys als „Trainer für Empathie“ in Schulklassen einsetzen. In meinem damaligen Artikel schilderte ich, dass der Begriff Empathie die Fähigkeit meint, Emotionen eines anderen Menschen oder eines Tieres zu erkennen und zu verstehen.

Ein ähnlicher Begriff ist der Begriff der Perspektivenübernahme. Dieser meint im Vergleich zur Empathie eine Fähigkeit, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen (kognitive Empathie).
Ein drittes, ebenfalls ähnliches Phänomen, ist die Gefühlsansteckung, die beispielsweise beim Gähnen oder Lachen auftreten kann. Untersuchungen zu Spiegelneuronen lassen zwischen einem Nachahmungsverhalten und der Fähigkeit zur Empathie einen Zusammenhang vermuten.

Empathie lässt sich in fünf Komponenten messen, auch darüber berichtete der damalige Blogartikel …

Zum Artikel Babys als Empathietrainer für Grundschulkinder …

Babys zeigen bereits mit 10 Monaten Mitgefühl

Mitgefühl ist einer der fünf Bausteine, mit denen neuere Forschungen die Empathiefähigkeit messen.

Kürzlich las ich in der Zeitung, dass Babys schon mit 10 Monaten Mitgefühl für Notleidende ausdrücken können. Sie zeigten sogar Sympathie für das Opfer, wie der Psychologe Yasuhiro Kanakogi und seine Kollegen von der Universität von Kyoto und der Hochschule für Technologie in Toyohashi herausfanden.

Schon Neugeborene reagieren auf die Nöte anderer, indem sie nachahmen – etwa weinen, wenn andere weinen. Doch die meisten Studien zeigen, dass sich die Kleinen erst mit 18 Monaten wirklich für andere interessieren. Echtes Mitgefühl beginnt demnach mit etwa zwei Jahren, wenn die Kinder zwischen sich und anderen unterscheiden können. Mit drei Jahren schützen sie andere sogar aktiv vor einem Angreifer und gehen dazwischen.
Nach der neuen Studie beginnt eine rudimentäre Form des Mitgefühls jedoch früher: „Zehn Monate alte Kinder schätzen nicht nur die Rollen von Opfern und Angreifern ein, sie zeigen auch Ansätze von Sympathie gegenüber anderen, die sich in Gefahr befinden“, schreiben die Forscher. Dies könne die Grundlage für das spätere Repertoire von mitfühlendem Verhalten sein.

Mehr zur Studie hier

Das „Rote Tuch“ als ein Empathietraining für Erwachsene

Mediatorinnen und Mediatoren müssen eine „große Portion“ Empathie besitzen.

Ich habe ein äußerst lohnenswertes Buch gefunden, das mit der Methode des „Roten Tuches“ eine empathische Haltung trainiert. Es ist das Buch „Der Tanz auf dem Vulkan“ von Al Weckert aus dem Junfermann Verlag. Das Buch widmet sich dem Umgang mit Emotionen, besonders den starken Emotionen. Was tun, wenn jemand wutentbrannt vor mir steht? Wenn jemand den Tränen nahe ist? Wie als Nachbar reagieren? Als Arbeitskollege? Als Mutter? Oder als Mediatorin? Mit dem Roten Tuch lässt sich das trainieren.

Das Training basiert auf der Gewaltfreien Kommunikation und das rote Tuch ist ein Hilfsmittel zu Trainingszwecken:

„Rot ist die meistgebrauchte Farbe für Aggression, Alarm und Haltesignale. Ein Rotes Tuch wird im Stierkampf verwendet, um Bullen zum Äußersten zu treiben. Beim Tanz auf dem Vulkan wird das Tuch zur Arbeit in Trainingsgruppen genutzt. Im Rahmen spezieller Übungen werden die Teilnehmer dazu eingeladen, echte eigene Erlebnisse, die mit starken Gefühlen verbunden, sind einbzubringen. Dabei stellt sich der jeweilige Falleinbringer auf das Rote Tuch, um von dort aus seine Situation darzustellen. Auf dem Roten Tuch kann er Wut, Enttäuschung, Trauer oder ekel ungefiltert artikulieren.

In jeder Übungsrunde gibt es einen Zuhörer, der – anstatt seinerseits zurückzuschlagen – einen empathischen Kontakt mit dem Erzähler sucht. Der Zuhörer ist der eigentliche Übende. Er hört aktiv zu, verbindet sich mit den Emotionen des Falleinbringers und übersetzt alle Aussagen, die Schuldzuweisungen oder Urteile enthalten, in die dahinter liegenden Gefühle und Bedürfnisse. Spürt der Falleinbringer, dass der Zuhörer ihn verseht, verlässt er das Rote Tuch und signalisiert dadurch das Ende der Übung. Falleinbringer und Zuhörer befinden sich nun in einer offenen, einfühlsamen Verbindung.“

Quelle: Al Weckert Der Tanz auf dem Vulkan. Paderborn: Junfermann 2012. S. 16

Al Weckert berichtet in seinem Buch über die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Themen Gefühl und Empathie sowie den zugehörigen neurobiologischen Grundlagen. Er stellt die Theorie der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auch für Nicht-MediatorInnen vor. Das Kernstück des Buches bilden jedoch die Grundübungen zur empathischen Präsenz, zum Aktiven Zuhören, zum schweigenden Mitfühlen und zum körpersprachliche Spiegeln, sowie darauf aufbauend das Training mit dem Roten Tuch. – Ein Buch, das ins Mediationstraining gehört, das aber auch im Eigenstudium sicherlich gute Dienste leistet.

Christa D. Schäfer