Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Mediationsbereich Gesundheitswesen: Klinik, Praxis und Altenpflege

Im Bundesverband Mediation gibt es die Fachgruppe „Mediation im Gesundheitswesen“, dennoch gibt es bisher in Deutschland lediglich eine geringe Anzahl von MediatorInnen, die sich auf diesen Mediationsbereich spezialisiert haben.

Vor einiger Zeit gab es ein Buch zum Thema Gewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen aus dem Junfermann Verlag. Jetzt gibt es das erste (mir bekannte) Buch, das sich auf die Mediation im Gesundheitswesen spezialisiert hat. Es ist das Buch Konflikte in Klinik, Praxis und Altenpflege. Ein Leitfaden zur Anwendung von Mediation, das von Harald Pühl im Leutner Verlag herausgegeben wurde und Artikel verschiedener Autoren zum Thema enthält.

Nach zwei Einführungsartikel zu Mediation und zu Besonderheiten der Mediation im Gesundheitswesen werden die Fachgebiete Klinik, ambulante Pflege und Betreuung, stationäre Altenpflege, Arzte- und Physiotherapiepraxen sowie Altenheim genauer beleuchtet. Harald Pühl ist es mit diesem Buch gelungen eine kleines aber sehr aussagekräftiges Grundlagenwerk für den Bereich „Mediation im Gesundheitswesen“ vorzulegen. Die einzelnen Autoren haben die Besonderheiten des von ihnen beschriebenen Mediationsbereich gut verdeutlicht und hervorgehoben.

Um hier im Blog einen kurzen Eindruck in das Gebiet „Mediation im Gesundheitswesen“ zu geben, möchte ich einige Gedanken aus dem Artikel „Anwendungsfelder der Mediation im Gesundheitswesen“ von Martina Pruckner zu Konflikte im Gesundheitswesen zitieren.

Konflikte im Gesundheitswesen, was macht sie besonders?

  • Sie finden innerhalb eines sozial und ökonomisch komplexen Gesamtsystems statt,
  • in kompliziert strukturierten Organisations- und Beziehungssystemen,
  • die sich in ständigen Reformen rasch ändern und
  • in denen formelle und informelle Regeln gelten, die wiederum teils aus der Ferne vorgegeben werden.
  • Sie müsssen unter Zeitdruck und Stress gelöst werden und haben nicht selten in Konkurrenz stehende Prioritäten zum Inhalt.
  • Es geht um hohe Professionalität mit wenig Fehlertoleranz in Fragen von Leben und Sterben und dem Leid von Krankheiten.

Pruckner, Martina: Anwendungsfelder der Mediation im Gesundheitsbereich. In: Pühl, Harald: Mut zur Lösung. Konflikte in Klinik, Praxis und Altenpflege. Berlin: Leutner Verlag 2013. S. 27.

Konflikte im Gesundheitswesen sind explosiv

  • Personen erhalten Informationen, die unterschiedlich interpretiert werden können. Wichtige Details fehlen; das Wissen ist unter verschiedenen Personen verteilt. Optionen sind nicht klar, Ergebnisse erst recht nicht.
  • Gleichzeitig muss entschieden und gehandelt werden (Der Patient kann schließlich nicht in der Notaufnahme bleiben).
  • Die Entscheidungs- und Handlungsstrukturen sind komplex: Je mehr Menschen in eine Entscheidung einbezogen oder von ihr betroffen sind, desto größer ist das Konfliktpotential. Manche dieser Personen sind physisch präsent (Ärzte, Pfleger, Patient). Andere sind aktuell nicht im Bild, doch ihre Anwesenheit ist fühlbar. Es sind dies jene Personen, die die Regeln über Finanzen, professionelle Verhaltensregeln, Leitbilder der Einrichtungen festlegen.
  • Interessen werden berührt – gemessen an professioneller Verantwortlichkeit, rechtlicher oder finanzieller Haftung, persönlichen Stolz oder einem harten Nachtdienst bzw. auf Seiten der Patienten: an Lebensqualität, Zeit oder Schmerz.
  • Fehler passieren. Einige können korrigiert werden. Andere sind fatal.
  • Wettbewerb und Hierarchien erschweren den Alltag : Einrichtungen, Abteilungen und Personen konkurrieren – sie alle mit unterschiedlicher Macht, Prestige und Status.
  • Kooperation ist zugleich Pflicht.
  • Hinzu kommen Belastung, Stress und Druck. Zeit ist in Medizin und Pflege kein abstrakter Begriff. Sie wird gemessen in Momenten, in denen ein Leben gerettet werden kann. Und sie wird gemessen in Geld, denn ein Patient, der länger im Krankenhaus bleibt als notwendig, kostet.
  • Dies alles steht im Konnex von Veränderung: neue Formulare, neue organisatorische Anordnungen, neuem Wissen, neuer Information …

(ebenda, S. 28)

Als Ausbilderin BM® kommt in meinen Mediationsausbildungen stets die Frage auf, wie viel Fachwissen muss ich als Mediatorin, als Mediator haben, um in einem bestimmten Mediationsbereich einzutauchen bzw. in einem Mediationsbereich gut sein zu können? Das ist eine Frage, die in der Mediationsszene in Deutschland derzeit heiß diskutiert wird, eine abschließende Antwort wird und kann es nicht geben.

Das Buch „Konflikte in Klinik, Praxis und Altenpflege“ umfasst jedenfalls ein Wissen, das für alle MediatorInnen grundlegend ist, die im Gesundheitsbereich arbeiten wollen oder sich für diesen Mediationsbereich interessieren.

In Berlin kann ich für diesen Mediationsbereich Dr. Heidrun Kaletsch empfehlen: Trainerin, Coach, Supervisorin und Konfliktbearbeiterin mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. In diesem Blog hat sie vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben zum Thema „Das Systembrett in Mediation, Supervision und Coaching“.

Christa D. Schäfer

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  1. L.B.

    Ich finde das Thema deswegen interessant, weil es hier um ein wirklich sehr sensibles Thema geht und breit gefächert ist.
    Nämlich zwischen Patienten und Krankenkassen, und dann Konflikte innerhalb einer Einrichtung wie z.B. Krankenhaus. Auch hier kann es ja zu vielfältigen scheinbar unüberwindbaren Differenzen kommen.
    Auch die Frage zwischen schwer kranken Menschen und ihren Angehörigen zählt ja da mit zu.

    Daher denke ich, dass es auch eine besondere „Ausbildung“ zu dieser Materie geben sollte, nämlich Mediatoren, die sich im Gesundheitswesen auch gut auskennen und bin auch grundsätzlich davon überzeugt, dass Fachwissen zu dem Gebiet notwendig ist, in dem ich als Mediator arbeite.

    Viele Grüße und schönes Wochenende von
    Luisa

  2. Hallo Luisa,

    danke für Ihren Kommentar.
    In der Tat gibt es in den USA spezialisierte Ausbildungen für diesen Bereich.
    In Deutschland stehen wir noch ganz am Anfang dieser Spezialisierung,
    aber: es wird höchste Zeit, dass sich etwas bewegt.

    Herzliche Grüße und schönes Wochenende zurück
    wünscht Christa Schäfer

  3. Liebe Kommentatorinnnen und LeserInnen,

    ich freue mich, dass Sie „mein“ Thema mit solchem Interesse aufgegriffen haben. Danke dafür. Dieses Mediationsgebiet ist für die Betroffenen und die Gesellschaft wichtig und für uns MediatorInnen spnannend und herausfordernd. Viel ist noch zu tun!

    Allgemeine Infos finden Sie unter: http://www.hsc-mediation.at – verbunden mit der Einladung an ExpertInnen, einen Beitrag zu platzieren.

    Und eine spezielle Ausbildung unter meiner Leitung gibt es bereits in Österreich. Siehe: http://www.medak.at/fortbildungen/detail.asp?id=1378&region=suche.

    Freue mich über jede und jeden, der auf diesem Gebiet etwas bewegen will.

    Beste Grüße aus Linz
    Martina Pruckner

  4. Hallo Frau Pruckner,

    ein wichtiges Thema, das Sie sich ausgesucht haben,
    ich drücke die Daumen für weiterhin gutes Gelingen.

    Gerade habe ich mal auf Ihrer Webseite geschaut,
    sehr informativ !!

    Viele Grüße aus Berlin
    von Christa Schäfer

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