Astrid Lindgren:
„Wenn ich auch nur eine Kinderseele glücklich gemacht habe,
dann bin ich zufrieden.“

Das ist ein Satz, den ich sofort unterschreiben würde.
Und wenn es mehr als ein Kind ist, um so besser …

Das bringt mich zur Frage, wie es eigentlich um das kindliche Wohlbefinden in Deutschland aussieht …

Zu diesem Thema hat Hans Bertram den UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 im Beltz Verlag unter dem Titel “Reiche, kluge, glückliche Kinder?“ herausgegeben. Seit über 60 Jahren ist UNICEF als Anwalt des Kindes tätig. Zunächst bedeutete dies, Geld zu sammeln für die Kinder in den Ländern, in denen nicht einmal die materielle Sicherheit der Kinder sicher gestellt war. Heute versteht sich UNICEF natürlich auch als Anwalt der Kinder in den reichen Industriestaaten. Hier wachsen Kinder meist ohne existenzielle materielle Ängste auf, doch sind die Kinderrechte hier auch bei weitem nicht in allen Familien und Staaten gewährleistet.

In den meisten Debatten über Kinder heute spielt das Glück der Kinder selten bis keine Rolle. Es dominiert vielmehr der Blick auf die Leistungen der nachwachsenden Generation, es gibt sprachliche Tests, mathematische Tests und vieles mehr. PISA lässt grüßen. Der UNICEF-Bericht stellt einer solch reduzierten Perspektive die Frage nach dem ganzheitlichen kindlichen Wohlbefinden in zentralen Dimensionen des Lebens gegenüber.

In dem Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 stellen namhafte Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse vor. Im Buch gibt es aussagekräftige Statistiken, spannende Erkenntnisse und bedeutende Rückschlüsse aus Themen zum Materiellen Wohlbefinden von Eltern und Kindern, zu Bildung und Ausbildung, zu Gesundheit und Sicherheit, Risikoverhalten, Beziehungen zu Eltern und Freunden sowie subjektivem Wohlbefinden. Diese fünf Dimensionen machen jeweils einen Teil des allgemeinen Wohlbefindens von Kindern aus. Dr. Hans Bertram, der Herausgeber des Berichts schreibt hierzu:

„Diese Ergebnisse (aus dem Buch, ergänzt Ch.Schäfer) sollten daran erinnern, dass Bindungen, Liebe und Zuneigung, stabile Beziehungen und das Gefühl, von anderen auch akzeptiert zu werden, die zentralen Voraussetzungen für die gelingende kindliche Entwicklung sind. Dass subjektive Faktoren in der deutschen Diskussion um Kinder kaum eine Rolle spielen, hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass wir in der Politik wie auch in den entsprechenden Institutionen immer schon dann zufrieden sind, wenn die objektiven Bedingungen in sich stimmig sind; dann übersehen wir möglicherweise zu prüfen, inwieweit die Sicht der Kinder mit dieser objektiven Einschätzung tatsächlich übereinstimmen.“

Gerne würde ich hier an dieser Stelle viele viele Erkenntnisse aus den Studien zitieren, ich möchte Interessierte jedoch auf die Lektüre des Buches verweisen und lediglich einige ganz wenige ausgewählte Aspekte in Bezug auf die Jugendgewalt vorstellen:

Jugendliche sind – wie in fast allen Ländern – im Vergleich zu anderen Altersgruppen höher kriminalitätsbelastet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie Grenzen austesten und überschreiten. Entscheidende Faktoren, die Gewaltverhalten bei Jugendlichen hervorbringen, sind:

Schlagende Eltern sind Vorbilder, deren Verhalten nachgeahmt wird. Gewaltmedienkonsum kann ebenfalls zum Abbau von Empathie gegenüber möglichen Opfern führen. Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen können zu erhöhter Gewaltbereitschaft beitragen. Ein wichtiger Einflussfaktor ist auch die schulische Situatione. Auch Schuleschwänzen steht immer wieder im Zusammenhang mit Gewalt. Den stärksten Einfluss auf die Gewaltbereitschaft übt jedoch die Bekanntschaft mit delinquenten Freunden aus.

Kürzestzusammenfassung aus dem Artikel von Baier, Dirk; Pfeiffer, Christian: Jugendgewalt. Entwicklung und Ursachen. In: Bertram, Hans (Hrsg.): Reiche, kluge, glückliche Kinder? Der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland. Weinheim und Basel: Juventa 2013.

Die UNICEF appelliert an die neue Bundesregierung und die Abgeordneten des neuen Bundestages, die Umsetzung der Kinderrechte und des Kindeswohls zu einer Kernaufgabe der Politik zu machen. Sie fordert:

  • Die Politik muss entschieden gegen Kinderarmut vorgehen.
  • Bildung in Deutschland sollte frühzeitig und gezielte Förderung für benachteiligte Kinder umfassen.
  • Alle Kinder in Deutschland haben das Recht auf umfassenden Schutz vor Gewalt.
  • Die UN-Kinderrechtskonvention muss in Deutschland vollständig umgesetzt werden.
  • Die neue Bundesregierung sollte Kommunen dabei unterstützen, kinderfreundlicher zu werden.

Ich persönlich werde auch 2014 wieder – über meine pädagogische und mediative Arbeit im Coaching, Training und in der Mediation – vielen Kindern und Erwachsenen zu Wertschätzung, Erkenntnis, ihren Rechten sowie einem kleinen Stückchen Glück verhelfen.

Sie auch ?!

Christa D. Schäfer