Vor kurzem habe ich über den UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland berichtet. Heute möchte ich eine weitere Studie vorstellen, die einen unvergleichlichen Einblick in die Sichtweise von Kindern in Deutschland gibt: Die World Vision Kinderstudie 2013.

Die Kinder- und Jugendforscher Sabine Andresen und Klaus Hurrelmann haben zusammen mit TNS Infratest Sozialforschung insgesamt 2.600 Kinder zwischen 6 und 11 Jahren aus ganz Deutschland befragt. Wohlbefinden, Armut und Migration sowie die Frage „Als wie gerecht sehen und erleben Kinder unsere Welt“ standen im Zentrum der Forschung.

Über 90 % der teilnehmenden Kinder berichten positiv über ihr eigenes Wohlbefinden. Das in der Familie erlebte Gefühl der Geborgenheit und Fürsorge bildet die Grundlage dafür.

Wie die Studie ergab, hat kindliches Wohlbefinden viel mit Teilhabe an Gesellschaft, mit Partizipation und Handlungsfähigkeit zu tun.

Kinder haben unterschiedliche Möglichkeiten der Selbstbestimmung. In ihren Familie haben sie die meisten Möglichkeiten zur Selbstbestimmung in der Wahl ihrer Freizeitaktivitäten und ihrer Freunde, fast 90 % aller Kinder können hierüber selbst entscheiden. Allerdings geben 2/3 aller Eltern ihren Kindern vor, wann sie ihre Hausaufgaben zu machen haben, und jedes zweite Kind darf nicht selbst entscheiden wie viele andere Kinder es mit nach Hause bringen darf.

Weiter steht in der Zusammenfassung der Studie:

  • Kinder aus der „Unterschicht“ haben die geringsten Selbstbestimmungsmöglichkeiten im Alltag.
  • Ein Defizit an elterlicher Zuwendung wirkt einschränkend auf die Selbstbestimmungsmöglichkeiten: Weniger Zeit der Eltern geht aus der Sicht der Kinder mit stärkeren Vorgaben und Reglementierungen im Alltag einher.
  • Kinder mit geringen Selbstbestimmungsmöglichkeiten im Alltag erleben auch weniger Mitbestimmung in der Schule.
  • Kinder berichten von einer großen Wertschätzung ihrer eigenen Meinung in der Familie und auch im Freundeskreis. 60 % aller Mütter und 49 % der Väter, allerdings nur 29 % aller KlassenlehrerInnen legen viel Wert auf die Meinung der Kinder. Ein Armutszeugnis für Schule, oder ?!

Dagegen möchte ich folgende Zitate setzen:

Demokratie muss gelernt werden, um gelebt werden zu können.
K.G. Fischer

Demokratie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können.
Gisela Behrmann

Demokratie ist eine „soziale Idee“.
John Dewey

Der Webseite der DeGeDe = Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik entnommen

Es wird deutlich, dass in Bezug auf die Selbstbestimmungsmöglichkeiten in Familie und Schule dringender Handlungsbedarf ist.

Andresen, Sabine; Hurrelmann, Klaus; TNS Infratest Sozialforschung: Kinder in Deutschland 2013. Weinheim und Basel: Beltz 2013.

Dieses Buch zu den Ergebnissen der 3. world vision Kinderstudie ist teilweise spannend wie ein Krimi. Es enthält die aktuellsten Daten zur Sicht von Kindern in Deutschland, interpretiert und erläutert diese Daten aus Sicht der Forschenden und gibt damit bedeutsame Hinweise für eine Erziehung in Familie, Schule und Gesellschaft.

Auch und gerade das Thema „Was empfinden Kinder als gerecht bzw. ungerecht“ hat es mir besonders angetan. Wenn auch Sie dieser Bereich brennend interessiert, so lesen Sie die Ergebnisse im Buch nach und werden Sie in Ihrem Bereich aktiv, um Mitbestimmung von Kindern zu ermöglichen und Gerechtigkeit zu gestalten !!

Christa D. Schäfer