Das Thema Wirtschaftsmediation habe ich bisher in diesem blog etwas stiefmütterlich behandelt, das soll aber nicht so bleiben, zumal ich jetzt endlich ein Buch entdeckt habe, das ein echtes Juwel zum Thema darstellt …

Dorothea und Kurt Faller haben ein Buch geschrieben zur „Innerbetrieblichen Wirtschaftsmediation“. Sie leiten das Thema ein, indem sie berichten, dass Übergänge stets den Spirit zu etwas Neuem enthalten, in Zeiten des Übergangs allerdings immer die Risiken und Unannehmlichkeiten im Vordergrund zu stehen scheinen. Die späte Erfassung und Bearbeitung von Konflikten behindert eine kreative Lösungssuche, und zu einer gelingenden Konfliktbearbeitung und Lösungssuche im Wirtschaftsumfeld möchte das Buch gerne beitragen.

Eine der Stärken des Buches liegt darin, dass es die Grundlagen der systemischen Wirtschaftsmediation klar, strukturiert und komprimiert darstellt. Innerbetriebliche Konfliktbearbeitung wird als Element der Organisationsentwicklung gesehen. Der Wirtschaftsmediator sollte deutlich machen, dass Mediation eine „dienende Disziplin“ im Unternehmen darstellt. Der Mediator / die Mediatorin sollte mit Achtung und Respekt an seine / ihre Aufgabe gehen, damit ein Klima der gemeinsamen Verantwortung für die Lösung des Konflikts entstehen kann.

Besonders fasziniert haben mich die Kapitel, in denen Dorothea und Kurt Faller auf die Pre-Mediation (Vor-Phase) eingehen und einen Werkzeugkasten für die innerbetriebliche Konfliktberatung vorstellen, der aus 12 Techniken besteht.

Grafik_Medius-Werkzeugkasten

Jede dieser Techniken wird dargestellt, schrittweise erläutert, mit Verlaufsgrafiken versehen und mit einem Beispiel ergänzt. Beeindruckend! Damit wird das Buch zu einem Werk, das für WirtschaftsmediatorInnen zu einem Art Kompendium werden kann. Man erfährt die Vielfältigkeit der Konfliktbearbeitungsmöglichkeiten in Betrieben, kann stets nachschauen und sich verschiedener Methoden versichern und letztlich diejenige auswählen, die am Besten zur Bearbeitung des Konflikts passt. Damit ist das Buch sowohl für Mediationsanfänger geeignet, die sich über die Wirtschaftsmediation erkundigen möchten, als auch für Mediationsprofis, die der Mediation angrenzende Formate der Konfliktbearbeitung kennen lernen wollen.

Übrigens wird auch Edgar Schein mit seiner „Prozessberatung für die Organisation der Zukunft“ in dem Buch zitiert, mitsamt der zehn Punkten für die helfende Haltung des Beraters, also auch des Mediators:

  1. Versuche stets zu helfen
  2. Verliere nie den Bezug zu der aktuellen Realität
  3. Setze dein Nichtwissen ein
  4. Alles, was du tust, ist eine Intervention
  5. Das Problem und seine Lösung gehören dem Kunden
  6. Geh mit dem Flow
  7. Das Timing ist entscheidend
  8. Sei konstruktiv opportunistisch und arbeite mit konfrontativen Interventionen
  9. Alles liefert Daten; Fehler wird es immer geben, sie sind die wichtigste Quelle neuer Erkenntnisse
  10. Teile im Zweifelsfall das Problem mit anderen

Besten Dank für dieses Buch
sagt Christa Schäfer

Kennen Sie schon die Zeitschrift “Die Wirtschaftsmediation“?

Auch die neue Ausgabe der Zeitschrift „Spektrum der Mediation“, jetzt herausgegeben im Wolfgang Metzner Verlag, widmet sich dem Thema Werte, Wandel und Erfolg in Unternehmen