Mediation und Konfliktberatung in Berlin

mapapus

Heute möchte ich Ihnen gerne die mapapus vorstellen, dazu habe ich ein Interview mit Jen Arndt-Lind, der Erfinderin der mapapus, geführt.

Frau Arndt-Lind, was sind mapapus?

mapapu steht für MAma-PApa-Puppe. Es ist ein therapeutisches Kuscheltier, zusammengenäht aus den Lieblings-T-Shirts der Eltern für deren Kind. Der bekannte Stoff der Eltern sowie der vertraute Geruch schaffen auf Anhieb familiäres Vertrauen und Geborgenheit beim Kind.
Fast jeder hat noch eine sehr konkrete Erinnerung an seine erste große Liebe im Leben: das Kuscheltier. Ob als Freund, Einschlafbegleiter, Trostspender wenn die Seele wackelt, Sicherheitsgeber in speziellen Situationen oder Helfer beim Bearbeiten von Erfahrungen: Kuscheltiere werden vom Kind beseelt und sind damit emotional intensiv besetzt. Sie sind ein wichtiger Begleiter bei der Identitätsarbeit und Selbst-Entwicklung eines jeden Kindes. Wenn es uns allen als Kind emotional oder physisch schlecht ging, wollten wir mit großer Wahrscheinlichkeit unser Kuscheltier bei uns haben, da es die nötige Unterstützung gegeben hat.
mapapu-Kuscheltiere gehen einen Schritt weiter! Die positiven Eigenschaften des Kuscheltieres werden durch einen mapapu personalisiert und verstärkt. Ob als besonderes Geschenk, bei kleineren Trost-Einsätzen wie Heimweh oder Kita-Eingewöhnung oder bei schwereren Schicksalsschlägen wie dem Verlust eines geliebten Menschen oder der Trennung der Eltern: Ein mapapu kann helfen, eine aus dem Gleichgewicht gekommene Seele ein Stück weit zu stabilisieren.

Wie und wann entstand die Idee?

mapapu

Wir sind eine Patchwork-Familie mit vier Kindern. Jule, die Tochter meines Mannes, lebt bei ihrer Mama in Berlin und der Vater meines Sohnes Emil in Hamburg. Die beiden pendeln also stetig hin und her. Als 2007 das erste von zwei gemeinsamen Kindern auf die Welt kam, war es für die beiden großen Kinder (damals 8 und 9 Jahre) gefühlsmäßig ein bischen kompliziert:
Wer gehört zu wem und wohin? Wie ist wer mit wem verbunden? Wo ist mein Platz und wie finde ich den? Wo ist eigentlich oben und wo unten?
Ich wollte Emil ein T-Shirt für seine Papa-Wochenenden mitgeben, damit er mich quasi mitnehmen und ich bei ihm sein kann. “…aber wie ist es anders herum? Sollte Emil nicht auch seinen Papa mit zu uns nehmen können?”, fragte ich mich. Ein Kuscheltier wäre toll. Und: Jule braucht eigentlich auch eines….
So wurden T-Shirts von uns und den (zum Glück begeisterten) Ex-Partnern zusammengesucht. Mamas und Papas wurden für das jeweilige Kind zusammengenäht: Zeichen von Zusammenhalt, Einheit und Liebe wurden gesetzt…die ersten mapapus waren geboren!

Welche Herausforderung galt es zu überwinden?

Es galt ganz bei den Bedürfnissen des Kindes zu sein und dafür sich selbst zurück zu nehmen. Es war eine emotionale Herausforderung trotz innerer Widerstände, ein mapapu aus den Stoffen von Emils Vater und mir zu fertigen und anschließend eigenhändig den Stoff meines Mannes und den seiner Ex-Partnerin zusammenzunähen.
Kinder werden in der Regel von beiden Elternteilen gleichermaßen geliebt. Diese Liebe wollte ich in Form des mapapus vereinen, der dem Kind als unablässiger Bestätiger signalisiert: “Du bist richtig, so wie Du bist!“
Ein mapapu ist zunächst natürlich eine „niedliche“ Idee für jedes Kind – beispielsweise zur Geburt oder Taufe. Die Herausforderung, die es anzunehmen gilt, ist, die Verunsicherungen, die bestimmte Lebensumstände herbeiführen, anzuerkennen und Hilfestellung zu leisten. Ich möchte, dass Kindern, deren Seele ins Wanken geraten ist, ein mapapu als verlässlicher Begleiter und Tröster zur Seite steht.
Jeder guckt lieber in die Augen lachender Kinder. Der Markt ist voll von Produkten für fröhliche Kinder. Ein trauriges oder traumatisiertes Kind ist noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft. Doch es gibt sie, diese Kinder, und genau diese Kinder möchten wir mit unserer Arbeit erreichen und unterstützen. Diesen Gedanken aufrichtig und wahr in die Welt zu tragen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Wir kennen die Sorgen und Nöte unserer kleinen Kunden, weil wir selbst betroffen sind.

Wozu sind mapapus gut, was bewirken sie bei Kindern?

mapapu

Zuerst einmal ist eines bei allen Kindern zu beobachten: sie schließen ihren mapapu schlagartig in ihr Herz. Es ist ja nicht nur so, dass sie die T-Shirts wiedererkennen (wenn sie denn schon groß genug sind!), zudem ist der Geruch vertraut. Uns ist es wichtig, daß nicht frisch gewaschene Shirts bei uns ankommen. Unser Tipp ist, die T-Shirts nach der Wäsche ein oder zwei Nächte anzuhaben. Der Geruch hält sich lange und ist bei Übergabe des mapapus nach wie vor da!
Und die Haltung der Eltern spielt eine große Rolle – denen ist ja bewußt, dass das mapapu ein ganz besonderes Tier ist. Die Gefühle der Eltern im Moment der Übergabe nehmen die Kinder deutlich wahr. Sie haben feine Antennen für das, was im Raum ist, sind emotional mit den Eltern verbunden. Bei den Kindern ist ein intuitives Wissen: Hier findet etwas Besonderes, etwas Schönes statt!
Gucken wir in die Bereiche, wo ein mapapu therapeutische Aufgaben hat, bringt er tatsächlichen Trost und Heilung mit sich. Beispielsweise bei Trennungskindern, die – egal in welchem ihrer Zuhause sie gerade sind – in einem mapapu Mama und Papa immer bei sich haben. Der mapapu hat geheimnisvolle und heilende Kräfte, weil er etwas zusammen hält, was für das Kind für immer untrennbar ist, da es selbst aus diesen beiden gemacht ist: Mutter und Vater. Das Kind bekommt über den mapapu von seinen getrennten oder sich trennenden Eltern das deutliche Zeichen, daß es geliebt wird und daß es selbst richtig ist, so wie es eben ist. Der mapapu kann helfen, die Trennung der Eltern zu verarbeiten und die Schuldzuweisung, die sich das Trennungskind oft selbst gibt, zu verringern.
Ein weiteres intensives therapeutisches Anwendungsgebiet sind trauernde Kinder. Ein mapapu aus der Kleidung des oder der Verstorbenen gibt die Möglichkeit, etwas, das nicht zu begreifen ist und nicht mehr greifbar ist, ein bisschen begreiflicher zu machen. Das Kind hat nun die Möglichkeit, im Spiel das individuelle Erleben der Situation nachzustellen, es findet Trost durch greifbare Nähe. Es hat einen Hafen, um Kraft und Mut zu schöpfen, hat einen Freund, der zuhört und beweint werden kann und darf… … und dem man natürlich auch mal eins auf die Nase geben kann.
Dies sind zwei von vielen weiteren Ansätzen für therapeutische Anwendungsgebiete eines mapapus. Wir selber sind immer wieder positiv überrascht, welche Einsatzgebiete uns nahegelegt werden! Ob verwaiste Eltern, trauernde Geschwister, Kinder mit krankheitsbedingten langen Krankenhausaufenthalten oder Erwachsene, die sich mit dem Thema Innere-Kind-Findung oder Verlust einer Schwangerschaft auseinander setzten: Ein mapapu aus symbolkräftigen, persönlichen Stoffen kann ein Stück weit helfen, die jeweilige Trauer zu bearbeiten!

Welchen Auftrag haben sie besonders gerne angefertigt?

Das waren zwei mapapus für ein Geschwisterpaar, deren Bruder gestorben ist. “Ich kann das nicht!”, dachte ich zuerst. Es war so traurig. Diese T-Shirts in die Hände zu nehmen, sie zu riechen, sie zerschneiden zu müssen. Aber dann habe ich einfach angefangen und habe dabei so sehr den Sinn meiner Arbeit gespürt. Das war eine sehr schöne Erfahrung.
Bei jedem mapapu-Auftrag erfragen wir natürlich den Hintergrund unserer Kunden, da diese Informationen in meine Arbeit mit einfließen. Da bekommen wir neben schönen Gründen auch sehr erschütternde Schicksalsschläge mit. Und so traurig und unfassbar einige Geschichten sind: in genau diesen Fällen wissen wir, daß die mapapu-Kraft am größten ist. Die Arbeit an genau diesen mapapus ist mir am wertvollsten.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass mapapus auch in der Familienmediation eine wichtige Rolle spielen können …
Besten Dank für dieses Interview sagt Christa Schäfer

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Gefühle sehen. Menschen verstehen.

  1. L.B.

    Eine wunderbare Idee…sie hat mich sehr berührt und ich glaube, dass da ganz viel „gut“ werden kann, wenn Eltern, die nicht mehr zusammenleben, so etwas gemeinsam bewerkstelligen. Zum Wohl des Kindes. Wunderbar.
    Danke fürs Teilen.

    Liebe Grüße
    Luisa

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