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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Systemisches Wissen für Pädagogik und Mediation

Über die Systemische Pädagogik schrieb ich vor längerer Zeit einen Artikel hier im Blog. Darüber, dass Mediationen systemisch sind, lasse ich immer mal wieder eine Bemerkung einfließen. Heute möchte ich über das Systemische per se schreiben, denn es gibt jetzt ein ganz einmaliges Buch aus dem Carl-Auer Verlag, das von Tom Levold und Michael Wirsching herausgegebene Buch Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch.

Und groß ist wirklich dick, denn das Buch umfasst ganze 653 Seiten. Angefangen von den Grundlagen der systemischen Therapie und Beratung über unzähligen Hinweisen zur Systemischen Praxis geht die Reise im Buch zur Arbeit mit speziellen Problemkonstellationen und Kontexten bis zu Gedanken zur Ethik, Lehre und Forschung im Systemischen. Wer einen Systemtheoretiker sucht oder Hinweise zu einer speziellen Schule haben möchte, in diesem Buch findet er entsprechendes. Wer sich für systemische Methoden interessiert und für spezielle Setting, auch der wird fündig im Buch. Entwicklungsprobleme von Säuglingen, Kleinkindern, im Jugendalter, Systemisches Elterncoaching, Süchte, Essstörungen, berufsbezogene Probleme wie Burn-out oder Mobbing, zu all diesen Themen und noch vielen mehr gibt es aussagekräftige Artikel, die von namhaften AutorInnen geschrieben wurden.

Ich habe das Buch gleich nachdem ich es in Händen hielt quer gelesen und bin beim Artikel über systemisch-konstruktivistische Ansätze in der Pädagogik hängen geblieben. Der von Kersten Reich geschriebene Artikel erläutert die systemisch-konstruktivistische Sichtweise in der Erziehung und im Unterricht. Er sieht drei Handlungsperspektiven als Fazit konstruktivistischer Forschung und Praxis. Hier zu jeder benannten Handlungsperspektive ein Zitat:

Multiperspektivität: Lernende aller Altersgruppen sind unterschiedlich. Diese Unterschiedlichkeit bezieht sich nicht nur auf die Erziehungsprozesse und das Lernen selbst, sondern auch auf die kulturellen Voraussetzungen. Menschen sind hinsichtlich der Situiertheit ihres Aufwachsens bzw. Aufgewachsenseins und entsprechend der familiären Lebensweise, ihrem Migrationshintergrund, den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen, ihren Krisen, Benachteiligungen oder Bevorzugungen, Behinderungen, Einschränkungen oder Fähigkeiten immer unterschiedlich. (…) Lernende sollen gegenseitig die Unterschiedlichkeit von Perspektiven nicht nur einnehmen können, sondern auch verstehen, worin der Gewinn des Unterschiedlichen und mehrere Perspektiven für sie und die anderen besteht (…)

Multimodalität: Je unterschiedlicher und individueller Lernende sind, desto unterschiedlicher müssen die Wege sein, auf denen relevante Inhalte vermittelt werden. Hierbei ist nicht nur an Abwechslung gedacht, die auch sinnvoll ist, sondern an ein methodisches Gesamtbild, das nicht in der ewigen Wiederkehr erzieherischer Ermahnungen oder von Frontalphasen mit kleineren Übungen aus dem Schulbuch aufgeht. Konstruktivisten und Systemikerinnen erkennt man daran, dass sie nicht nur vier bis fünf Lieblingsmethoden praktizieren, sondern den Methodenpool in seiner gesamten Breite auszuschöpfen versuchen und stets bereit sind, neue, eigene Methoden zu entwickeln.

Multiproduktivität: Handlungen erzeugen Ergebnisse. Ergebnisse, Produkte in allen formen, sind wesentlich dafür, Erziehungs- und Lernprozesse zu vervollständigen, Probleme zu lösen und die Lösungen zu zeigen. Es geht nicht darum, Problemlösungen von anderen auswendig zu lernen, sondern Probleme lösen zu lernen. Je stärker ein Erziehungs- oder Lernprozess nicht nur durchgeführt, sondern auch dokumentiert, präsentiert und reflektiert wird, desto nachhaltiger kann das Gelernte über einen längeren Zeitraum hinweg behalten werden. Die zu Erziehenden müssen lernen, ihre Ressourcen eigenständig und verantwortlich einzuschätzen und für sich so zu konstruieren, dass sie die für sie passende Lösungen finden.

Zitat aus Kersten Reich: Systemisch-konstruktivistische Ansätze in der Pädagogik. In: Levold, Tom; Wirsching, Michael: Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch. Heidelberg: Carl-Auer 2014. S. 38 f.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen …
Wer also ein Kompendium systemischen Wissens in und für Theorie und Praxis sucht, für den ist dieses Buch genau das Richtige !!

Christa D. Schäfer

Blogartikel zur Systemischen Pädagogik
Blogartikel zum Systemischen Blick auf Konflikte

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1 Comment

  1. “Pädagogik und Mediation” sind unzertrennbar miteinander verknüpft. 🙂

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