Der Grüffelo? Das ist der Titel eines 1999 erschienenen Bilderbuches von Julia Donaldson (Geschichte) und Axel Scheffler (Grafik).

Das Buch erzählt die Geschichte einer Maus. Die Maus trifft auf ihrem Weg durch den Wald gefährliche Tiere wie den Fuchs, die Eule und die Schlange. Diese wollen die kleine Maus mitnehmen und sie fressen. Die Maus lehnt stets ab mit dem Hinweis, dass sie ja noch den Grüffelo treffen will, und weil keines der Tiere den Grüffelo kennt, muss die Maus ihn beschreiben. Sie beschreibt ihn als ein Wesen mit feurigen Augen und grässlich großen und gefährlichen Tatzen. So lassen die Tiere die kleine Maus wieder los.

Im zweiten Teil des Buches trifft die Maus dann tatsächlich den Grüffelo, und auch der Grüffelo möchte sie verspeisen. Da die Maus erzählt, dass die anderen Tiere im Wald Angst vor ihr haben, wird der Grüffelo neugierig und beide spazieren zusammen durch den Wald. Als sie die Schlange, die Eule und den Fuchs treffen, nehmen diese Tiere schnell reißaus. Und auch der Grüffelo sucht das Weite, als die Maus ihm erzählt, sie esse am liebsten „Grüffelogrütze“. Jetzt endlich hat die Maus ihre Ruhe …

Für Vierjährige ist dieses Buch so spannend wie ein Krimi. In England entstanden ist dieses Buch in der Zwischenzeit zu einem Weltbestseller und einem modernen Kinderbuchklassiker geworden. Sicherlich kennen auch Sie den Grüffelo?!

Das Kinderbuch hat eine ganze Welle von Sekundärliteratur hervorgerufen, und so gibt es auch ganz neu heraus gegebene Bildkarten vom Beltz Verlag, die ausgehend vom Grüffelo das Thema „Gefühle entdecken“ aufrollen. 32 beidseitig bedruckte A5-große Bildkarten regen zum Spielen, Erzählen und Nachdenken an.

Schauen Sie mal, welches Gefühl auf den folgenden Bildern zu sehen oder zu spüren ist …

B_Grüffelo-1

B_Grüffelo-2

B_Grüffelo-7

Die Perspektive zum Grüffelo wird erweitert, indem Fotos von Kindern mit verschiedenen Gefühlen abgedruckt sind. Es gibt große Bilder mit Gesichtern, auf denen man Mimik und Gestik entdecken kann, und es gibt Fotos von Kindern, die sich in bestimmten Situationen befinden, so dass man den Zusammenhang zwischen Gefühl und Situation erkunden kann. So kann man mit Kitakindern wunderbar Gesichtsausdrücke entdecken und Gefühle erspüren und benennen.

B_Grüffelo-4

B_Grüffelo-3.1

B_Grüffelo-9

B_Grüffelo-4

B_Grüffelo-3.1

B_Grüffelo-9

Im beiliegenden Booklet gibt es begleitende Informationen u.a. zum Erwerb emotionaler Kompetenzen im Kindesalter. Hier ein Zitat:

Bereits im ersten Lebensjahr verleihen Kinder ihren Gefühlen Ausdruck. Gefühle artikulieren sie zunächst durch Mimik, Gestik und einfache Laute. Kinder können in diesem Alter noch nicht zwischen eigenen und fremde Gefühlen unterschieden, aber von Gefühlen anderer „angesteckt“ werden. (…)
Im zweiten Lebensjahr beginnen Kinder mit dem Erwerb von ersten Emotionswärtern und fangen an, ihre Gefühle durch konkrete Wörter mitzuteilen. Zu Beginn sprechen Kinder über Gefühle, die sie selbst körperlich erfahren, wie zum Beispiel Hunger, Durst oder Müdigkeit. In einem nächsten Schritt sprechen sie dann über Gefühle wie Angst, Freude oder Traurigkeit.
Diese Gefühle gehören zu den primären Emotionen. Primäre Emotionen sind jedem Menschen angeboren und äußern sich in der Regel durch körperliche Signale wie etwa weit aufgerissene Augen und angespannte Gesichtszüge beim Gefühl Angst. Kinder erwerben zunächst Wörter, die den äußeren (körperlichen) Ausdruck der primären Emotion (weint, lacht) beschreiben. Als nächstes lernen sie, die eigentlichen Gefühle zu benennen (Das Mädchen ist traurig).
Der Erwerb der sekundären Emotionen wird ab Ende des zweiten Lebensjahres relevant. Dabei handelt es sich um Gefühle, die Menschen erst erfahren, wenn sie über bestimmte Lebenserfahrung und somit über ein gewisses Maß an Wissen über die Welt verfügen. Zu den sekundären Emotionen zählen Gefühle wie Stolz, Scham oder Neid.
Krempin, Maren; Mehler, Kerstin: Bildkarten Gefühle entdecken. Beiheft, S. 5

Die Begriffe primäre und sekundäre Emotionen werden im Booklet vollkommen anders genutzt als sie bisher hier im Blog vorgestellt wurden oder auch im Zusammenhang mit der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg gebraucht werden. Dennoch ist mir verständlich, wie die beiden AutorInnen des Booklets auf den Sprachgebrauch kommen.

Meine Einschätzung: Ein interessantes Material, modern und peppig, um Kitakindern emotionale Kompetenz zu vermitteln …

Blogartikel zum Thema Gefühle sehen. Menschen verstehen.

Christa D. Schäfer