In den Schulferien komme ich meist dazu, einige Sachen zu machen, die ich mir schon lange vorgenommen habe. Das geht Ihnen vielleicht genauso. Und schon lange habe ich mir vorgenommen, besser zeichnen zu lernen – nicht richtig zeichnen, sondern eher grafisch zu visualisieren.

Und deshalb meine Fragen an Sie zu Ihrem Arbeitsfeld:
Wie oft verwenden Sie die Möglichkeit zur Visualisierung?
Welche Hilfsmittel nutzen Sie?
Wie visualisieren Sie?
Wo haben Sie visualisieren gelernt?

Ganz ehrlich, am Anfang meiner Freiberuflichkeit vor ca 15 Jahren habe ich mich hauptsächlich auf die Sprache konzentriert. Paraphrasieren, aktiv zuhören, Fragen stellen, dem Gespräch Struktur geben, all das war das Wichtigste für mich als Neueinsteigerin im Feld Mediation / Coaching / Training.

Dann kam relativ schnell die Methode der Visualisierung hinzu. Visualisierungen lagen und liegen mir sehr am Herzen, da ich weiß wie Optisches die Konstruktionen über die Sichtweisen verdeutlichen können. Durch ein Bild kann etwas auf eine andere Art und Weise transportiert werden als in der Sprache, und manche Menschen verstehen einen Sachverhalt sogar erst durch eine Visualisierung oder ein Bild.

Stephan Ulrich, der ein Buch geschrieben bzw. gezeichnet hat zum Thema „Menschen grafisch visualisieren“, gibt Hinweise dazu, warum das Arbeiten mit Bildern bei der Wissensvermittlung und in der Prozessbegleitung so wertvoll ist:

  • Bilder regen die Hirnaktivität mehr an als das Hören eines Wortes.
  • Bilder sprechen anders als Worte sowohl das rationelle, als auch das kreative Denkzentrum an.
  • Der Betrachter eines Bildes ist aktiv, nicht passiv.
  • Konzentration und Aufmerksamkeit werden gesteigert.
  • Kreativität und emotionales Denken werden gefördert.
  • Ideenreichtum und verbaler Austausch werden potenziert.
  • Der Betrachter denkt über die visuellen Grenzen des Bildes hinaus.
  • Das Bild wird in aller Regel vor allen anderen Dingen wahrgenommen.
  • Sprachbarrieren werden durch eine gemeinsame visuelle Sprache überwunden.
  • Die Gedächtnisleistung wird um ein Vielfaches erhöht.
  • Bildhafte Informationsmengen sind komplexer als Wörter und werden Mit einem Blick erfasst.
  • Der visuelle Wahrnehmungskanal ist mit ca. 80 Prozent das mit Abstand wichtigste Lerninstrument des Menschen.

    (Ulrich, Stephan: Menschen grafisch visualisieren. Paderborn: Junfermann 2010. S. 8 – 10)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu visualisieren. Aussagen können zusammengefasst auf Flipchart geschrieben werden. Ich kann Moderationskarten nutzen. Ich kann als Mediatorin selber schreiben. Ich kann meinen Coachee bitten sein Ziel selber aufzuschreiben. Und ich kann sogar Skizzen anfertigen lassen von Situationen oder ich nehme Holzfiguren zur systemischen Verdeutlichung von Beziehungsstrukturen. Jede Möglichkeit der Visualisierung wirkt unterschiedlich, das wird mir immer wieder deutlich.

Visualisieren ist als solches bereits eine Intervention in Beratungsprozessen !!

Lange habe ich mein Augenmerk auf die Visualisierung mit Wort, Schrift und Skizzen gelegt. Erst in letzter Zeit gehe ich den nächsten Schritt, auch Visualisierung in Form von grafischen Zeichnungen zu nutzen und „Männchen“ zu zeichnen. Manche Versuche schlagen da natürlich fehl, aber es gibt immer wieder Flip-Charts, mit denen ich sehr zufrieden bin. Dabei hat mir das Buch von Stephan Ulrich aus dem Junfermann Verlag sehr geholfen. Es zeigt, wie man Menschen darstellen kann, ohne über großes zeichnerisches Talent zu verfügen. Ulrichs Männchen sind Sternmännchen, die besonders geeignet sind, da sie auf der geometrischen Grundfigur eines 5-zackigen Sterns basieren. Das sieht dann folgendermaßen aus:

Stephan Ulrich: Menschen grafisch visualisieren. Paderborn: Junfermann 2010. S. 13

Sternmännchen können übrigens auch Emotionen haben. Das glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal hier:

Stephan Ulrich: Menschen grafisch visualisiseren. Paderborn: Junfermann S. 19

Stephan Ulrich: Menschen grafisch visualisieren. Paderborn: Junfermann 2010. S. 20

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Versuchen Sie doch auch mal ein jubelndes, winkendes, entspanntes, fragendes, verwirrtes, wütendes, zitterndes oder schlafendes Sternmännchen zu malen …

Ja, und nun wissen Sie, was ich mir für die Sommerferien unter anderem vorgenommen habe. Schöne Ferien wünscht Ihnen Christa Schäfer

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