Damit meine ich das Buch, das Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun zusammen im Dialog verfasst haben. Es heißt „Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens“ und erscheint am 12.09.2014 im Carl-Auer Verlag. Hier im Blog die Buchvorstellung bereits vorab ganz exklusiv für meine Leserinnen und Leser …

Die großen Fragen
Die konkreten Fragen
Die letzten Fragen
– so heißen die drei großen Kapitel

Das Kommunikationsquadrat
Maximen der Verständlichkeit
Teufelskreis und Beziehungsdynamik
Das Ideal der Stimmigkeit
Kommunikation mit dem inneren Menschen
Wertequadrat und Menschenbild
– so lauten die Unterkapitel des ersten großen Kapitels

Wer jetzt denkt, das kenne ich doch schon alles, der hat sich geirrt.

Friedemann Schulz von Thun steht in der Tradition der humanistischen Psychologie, in der Tradition von Paul Watzlawick, Carl Rogers, Reinhard Tausch, Ruth Cohn und vielen anderen. Das Buch „Kommunikation als Lebenskunst“ ist in Dialogform geschrieben. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen spricht mit dem Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Mal geht es humorvoll zu, mal ganz ernst. Die Lust an der Debatte ist stets zu spüren. Zunächst werden die zentralen Methoden der Kommunikationstheorie vorgestellt, dann geht es um konkrete Fragen in der Anwendung und abschließend wird das Buch mit Gedanken über das Glück und den Tod beendet.

Das Kommunikationsquadrat bzw.
die vier Ohren und die vier Schnäbel

Das Modell, das von den sechs Schulz von Thuns Modellen das Bekannteste ist, ist eindeutig das Kommunikationsquadrat. Vielleicht haben Sie sich schon immer gefragt, wie Schulz von Thun auf die vier Ohren und vier Schnäbel gekommen ist. Das und vieles mehr ist in dem Buch zu lesen. Hier im folgenden ein kleiner Buchauszug.

vier_ohren_vier_schnaebel

PÖRKSEN fragt beispielsweise: Aber suggeriert nicht auch ihr eigenes Modell die Durchschaubarkeit und Steuerbarkeit von Kommunikation? Ist diese Suggestion nicht auch ein Erfolgsgrund? Frei nach dem Motto: Hier haben wir eine Äußerung: nun zerlegen wir diese Äußerung in vier Elemente und ordnen sie der richtigen Ebene zu. Und wenn wir sie erfolgreich zerlegen und analytisch zerbröselt haben, wissen wir, was eigentlich los ist und können das Undeutliche, Rätselhafte, Diffuse einer zwischenmenschlichen Begegnung erfolgreich zurückdrängen, einordnen, domestizieren. Ihr eigenes, verborgenes Axiom der Kommunikation hieße dann, dass derjenige, der Kommunikation analysiert und alle in ihr enthaltenen Botschaften expliziert, glücklich wird. Kurz und knapp: Klarheit und Wahrheit sind der Weg zum Glück.

SCHULZ VON THUN: Um Himmels Willen, nein! Es besteht wohl die Gefahr, dass mein Kommunikationsquadrat als eine Aufforderung missverstanden wird, möglichst alle vier Botschaften stets explizit zu formulieren, das Implizite jederzeit und möglichst umfassend deutlich zu machen. Das kann in manchen Momenten eines verqueren oder schwierigen Gesprächsverlaufs eine heilsame Option sein – gut, wer es dann kann! Aber als gültige Norm würde das Gebot zur vierdimensionalen Explizitheit das menschliche Miteinander zumindest sehr umständlich machen, wenn nicht sogar plump und grell um alle Feinheiten berauben. Zur wahren Meisterschaft gehört auch die Kunst der indirekten Kommunikation, die es ermöglicht, das eigentlich Gemeinte zwischen den Zeilen so anklingen zu lassen, dass der andere dies an sich heranlassen kann, ohne gleich reagieren zu müssen.

PÖRKSEN: Aber wozu dient das Kommunikationsquadrat, wenn nicht zur Aufhellung und Einordnung dessen, was passiert?

SCHULZ VON THUN: Ich habe einmal geschrieben, dieses Modell soll helfen, kommunikativ musikalisch zu werden, aber nicht als Richtschnur für die richtigen, korrekten Töne dienen. Wenn ich die Harmonielehre studiert habe, wenn ich weiß, welche Prinzipien da wirksam sind, dann kann ich besser komponieren und improvisieren. Das ist ein ganz zentraler Punkt: Das Kommunikationsquadrat hat den Zweck, die eigene Sensibilität zu steigern und im Bedarfs- und Konfliktfall die Analyse zu ermöglichen und das gerade Mitschwingende in Worte zu fassen – aber ich schlage kein ideales Kommunikationsschema vor. (Pörksen, Schulz v. Thun: Kommunikation als Lebenskunst. Heidelberg: Carl Auer 2014, S. 32f.)

„Kommunikation als Lebenskunst“ regt zum Nachlesen und/oder Nachdenken an. Das Buch ist ein absoluter Lesespaß sowohl für diejenigen, die sich erstmalig mit der Kommunikationspsychologie befassen, als auch für diejenigen, die sich bereits gut damit auskennen. Die einen erhalten durch das Buch einen ersten Einblick, die anderen steigen in die Tiefe der Kommunikationstheorie ein.

Abschlussvorlesung Schulz von Thun in Hamburg 2009

Christa D. Schäfer