Vor einiger Zeit schrieb ich über das Thema Aggression im Kindesalter.
Wut und Aggression, ist das dasselbe?
Oder was ist der Unterschied?

Meine Definition: Wut ist ein Grundgefühl. Wut kann man im Innen spüren und fühlen. Wut kann nach außen gehen oder auch nicht. Wut kann ich gegen mich oder gegen andere richten. Wut ist nichts Schlechtes, sondern gibt lediglich den Hinweis auf etwas in mir, auf ein unbefriedigtes Bedürfnis. Wut kann nicht von jemandem anderen in mir produziert werden, die andere Person kann lediglich der Auslöser sein. Ich kann gut oder weniger gut mit meiner Wut umgehen. Wut kann zerstören. Wut kann aber auch zu Veränderung führen und etwas heilen. Es ist wichtig, wie ich mit meiner Wut umgehe – für mich und für andere. Und natürlich ist es ganz wichtig, wie mit Wut in Beziehungen und speziell im Familienkontext umgegangen wird. Was wenn Kinder oft wütend sind? Was wenn sich die Wut innerhalb der Familie entlädt? Wie geht die gesamte Familie mit Gefühlen, speziell mit Wut um? Darf Wut sein? Schlägt Wut in Aggression um und wird gegen andere ausgelebt?

Jetzt gibt es ein fantastisches Buch zum Thema Umgang mit Wut in der Familie, es heißt „Das kleine Anti-Wut Buch. Für Eltern und Kinder“. Es zeigt, wie Wut und Aggressionen bei Kindern entstehen, wie man Wutausbrüchen bei Kindern begegnen kann und was Eltern für sich selber tun können. Endlich ein deutschsprachiges Buch, das dieses immens wichtige Thema aufgreift.

Es ist normal, dass Kinder wütend werden. Kinder haben ein Recht auf ihre Emotionen und Gefühle. In meiner Arbeit stelle ich immer wieder fest, dass Eltern den Gefühlen ihrer Kinder hilflos gegenüber stehen oder vollkommen ungeschickt reagieren. Ja, natürlich haben viele Eltern selber nicht gelernt, wie sie mit eigenen Gefühlen gut umgehen können. Wie dann mit fremden Gefühlen gut umgehen? Aber in heutiger Zeit kann auch dies erlesen und erlernt werden. Es ist Zeit, dass überall darüber gesprochen wird. Kommunikation und der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen sind wichtig für die Gestaltung von Beziehungen, für die Entwicklung von Kindern, für das eigene Persönlichkeitswachstum und vieles mehr.

Das deutschsprachige Buch, das es jetzt endlich zum Thema „Wut in der Familie“ gibt, stammt von Rita Steiniger und wurde im Patmos Verlag herausgegeben. Das Buch heißt Das kleine Anti-Wut Buch. Das Buch zeigt einerseits theoretische Hintergründe auf und bietet andererseits ganz praktische Hinweise und Übungen an. Von der Entstehung von Wut und Aggression bei Kindern, den Entwicklungsphasen und der Rolle der Erziehung reicht der Bogen bis zu Hinweisen, was Eltern bei Wutanfällen ihrer Kinder tun können, und was sie aber auch für sich selber tun können. Hoffentlich lesen viele viele Eltern dieses Buch !!!

Die Hinweise von Rita Steininger, wie mit Schimpfworten in der Familie umgegangen werden kann, möchte ich meinen Leserinnen und Lesern hier exemplarisch vorstellen, deshalb ein längeres Zitat als Auszug aus dem Buch.

„Der Umgang mit Schimpfwörtern

Schimpfwörter sind ein weiteres Thema, mit dem sich so gut wie alle Eltern konfrontiert sehen. Kinder gebrauchen sie, ebenso wie Erwachsene, um Dampf abzulassen – manchmal auch, um die Reaktion der Erwachsenen auszutesten. Je nach Situation können Ihre Reaktionen unterschiedlich ausfallen:

Geht es dem Kind offensichtlich darum, Sie mit (frisch aufgeschnappten) Ausdrücken wie „Scheiße“ oder „Stinkfurz“ aus der Reserve zu locken, sollten Sie am besten darüber hinweggehen und kein großes Aufheben um die Sache machen. Wenn Ihr Nachwuchs merkt, dass Sie sich von seiner Ausdrucksweise nicht beeindrucken lassen, dürfte das Spielchen schnell seinen Reiz verlieren.
Sie können auf solche Schimpfwörter auch humorvoll reagieren: Veranstalten Sie einfach einen Kreativwettbewerb, bei dem alle Teilnehmer innerhalb einer vereinbarten Zeit, beispielsweise fünf Minuten, so viele lustige Schimpfwörter wie möglich von sich geben. Doch müssen hierbei Spielregeln eingehalten werden: Erlaubt sind nur solche Schimpfwörter, die niemanden verletzen,, zum Beispiel „Donnerhagelblitzundsturm“ oder „Katzenschiete“.
Anders sieht es aus, wenn das Kind sein Geschimpfe gegen eine Person richtet, sie mit beleidigenden Ausdrücken wie „Arschloch“ oder „Vollidiot“ betitelt. Solche Beschimpfungen sollten Sie nicht tolerieren. Machen Sie deutlich, dass es nicht in Ordnung ist, andere Menschen mit Worten zu verletzen.
Verwendet das Kind einen Kraftausdruck gegen Sie selbst – etwa weil es bei einer Auseinandersetzung mit Ihnen seinen Willen nicht bekommen hat und deshalb wütend ist -, sollten Sie ihm klar und bestimmt zu verstehen geben: „So reden wir nicht miteinander. Mit Schimpfwörtern kannst du bei mir nichts erreichen.“
Generell sollten Sie Schimpfwörter, die Ihrem Nachwuchs in einem Wutanfall herausrutschen, nicht gleich als persönliche Beleidigung werten. Gewöhnlich sind sie nicht so gemeint, sondern nur dem Gefühlsaufruhr des Kindes geschuldet. Hier ist es oft sinnvoll, eine Weile zu warten, bis der größte Zorn verraucht ist, statt gleich zu reagieren. Wenn Sie Ihr Kind dann auf den Zwischenfall ansprechen, können Sie ihm in sachlichem Ton klarmachen, dass Sie seine Beschimpfungen nicht okay fanden. Vergessen Sie jedoch nicht, auf seine Gefühle einzugehen: „Ich mag es nicht, wenn du mich beschimpfst, aber ich würde gerne wissen, was dich so wütend gemacht hat.“ Damit zeigen Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie seinen inneren Aufruhr wahrgenommen haben und seine Gefühle akzeptieren.
Und was tun, wenn ein Freund oder eine Freundin Ihres Kindes zu Besuch kommt und in Ihrem Haus mit Schimpfwörtern um sich wirft? Dann machen Sie dem Besuch deutlich: „Bei uns werden keine solchen Ausdrücke benutzt, ich möchte, dass du dich daran hältst.“ Ignoriert das betreffende Kind diesen Hinweis, geben Sie Ihrem eigenen Nachwuchs zu verstehen, dass die Regel für ihn trotzdem weiterhin gilt.“ (Rita Steininger: Das kleine Anti-Wut Buch. S. 45 ff)

Ich drücke die Daumen, dass das kleine Anti-Wut Buch von Rita Steininger ein Bestseller im deutschsprachigen Raum wird !!! Dr. Christa D. Schäfer