Die Elder Mediation ist ein Mediationsbereich, der in Kanada in den 1980/90er Jahren entstand. Es gab verschiedene Organisationen, die die Erfahrung machten, dass Altersmediation Familien in bis dahin ungelösten Fragen gut unterstützen kann. Die Alzheimer-Gesellschaft der Prince Edward Island in Kanada, die erstmals 1991 Elder Mediation anbot, erklärte diesen Mediationsbereich sogar zu einem Kerngeschäft ihrer Gesellschaft. Die ersten Ausbildungsgänge zur Elder Mediation entstanden. Ein Berufskodex wurde für MediatorInnen entwickelt, die im Bereich der Elder Mediation tätig waren. 2006 wurden die Berufsregel zur Elder Mediation von Judy McCann-Beranger ausgearbeitet, verabschiedet und später auch ins Deutsche übersetzt. Das Elder Mediation International Network (EMIN) entstand als ein internationaler Zusammenschluss von Elder MediatorInnen. Seit 2008 führt das Netzwerk jährlich einen Kongress durch, das von Mediatorinnen und Mediatoren aus aller Welt besucht wird. Der Kongress hat in der Schweiz dazu geführt, dass das Thema auch dort verstärkt Fuß fassen konnte.

Ganz klar gibt es im Alter verschiedene Themen. Mal geht es darum, dass ein älterer Mann mit seinen Kindern etwas klären möchte, das ihn schon lange belastet und endlich ausgesprochen werden muss. Mal ist es die Familie, in der drei Geschwister klären müssen, wie die Pflege der Mutter gut gelingen kann, wer sich um was kümmert und wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Dann wieder gibt es ältere Ehepaare, in denen jetzt im Alter die Gewalt im Familienkontext Einzug hält, wie können sich die Kinder verhalten, wie kann man das alte Paar unterstützen und welche Regeln können aufgestellt werden? Die Fälle in der Elder Mediation sind so vielfältig wie nur denkbar. Gleich bleibt allen Fällen, dass sich die Mediatorin oder der Mediator in diese Ebene des Lebens hineindenken können und bestimmtes Wissen, diesen Bereich betreffend, haben muss.

Seit kurzem gibt es auch verschiedene Angebote zur Elder Mediation in Deutschland. Die 2013 gegründete Fachgruppe des Bundesverbandes Mediation (BM) verzichtet bewusst darauf, den Begriff „Alter“ anhand der Anzahl der gelebten Jahre eines Beteiligten zu bestimmen. Sie definiert die Elder Mediation:

„Elder Mediation ist Mediation, bei der die MediandInnen Alter bzw. die Konsequenzen des Älterwerdens als ein Thema ihres Konfliktes wahrnehmen. Der Konflikt, der in der Mediation bearbeitet wird, kann im privaten oder beruflichen Zusammenhang entstanden sein. Häufig, aber nicht immer, sind generationenübergreifende Systeme betroffen. Elder Mediation richtet sich an ältere Menschen und ihr Umfeld mit dem Ziel, Konflikte zu deeskalieren und bestehende Netzwerke zu stärken.“ (http://www.bmev.de/index.php?id=584, eingesehen am 30.08.2014)

Seitdem ich vor einigen Jahren die Elder Mediation in Tucson / Arizona kennen gelernt habe, führe ich auch verschiedentlich Elder Mediationen in Berlin oder deutschlandweit durch. Es gibt verschiedene Besonderheiten in diesem Mediationsbereich, die beispielsweise in den folgenden beiden Artikeln nachzulesen sind:

Artikel im „Spektrum der Mediation“

Artikel in „Mediation aktuell“

Aufgrund der Besonderheiten dieses Mediationsbereiches hat mich das Buch “Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. Konzepte und Praxis für Beratung und Psychotherapie“, im Carl-Auer Verlag herausgegeben von Thomas Friedrich-Hett, Noah Artner und Rosita A. Ernst sehr interessiert. Das Buch beschäftigt sich zunächst mit den Grundlagen des Alterns und umfasst anschließend verschiedene Aspekte der praktischen Arbeit mit älteren Menschen. Da breitet sich eine große Bandbreite aus, angefangen von der Systemischen Psychotherapie Hochbetagter über die Biografiearbeit, das Thema Sexualität und Partnerschaft im Alter, eine mögliche Suchtproblematik bis zum Umgang mit dementen Menschen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man sich für verschiedene Aspekte zur Beratung, Therapie und Mediation mit älterer Menschen interessiert. Und da es zur Elder Mediation noch kein deutschsprachiges Fachbuch gibt, sollte dieses Buch ein Grundlagenwerk werden, das für Elder MediatorInnen Pflicht wird.

Wer meinen Blog schon schon ein wenig länger kennt, der weiß, dass ich gerne eine Buchpassage zitiere, deren Gedankengänge mich besonders beschäftigt haben. Aus dem „Systemischen Arbeiten mit älteren Menschen“ möchte ich gerne auf Folgendes hinweisen:

„Verschiedene internationale Studien bestätigen, dass Einstellung und Lebenshaltung erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebensdauer haben. Genauso, wie negative Erwartungen dem eigenen Alter gegenüber zu ungünstigen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden können, können positive Einstellungen Lebensdauer und Lebensqualität verbessern.
So zeigte zum Beispiel eine Langzeitstudie der Universität Yale an 660 Älteren, dass diejenigen, die Altersvorurteile ablehnten und eine positive Selbsterwartung hatten, im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten. Die innere Haltung hatte dabei sogar einen größeren Einfluss auf die Lebensdauer, als Sport zu treiben oder aufs Rauchen zu verzichten.“ (Friedrich-Hett; Artner; Ernst (Hrsg.): Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. S. 24)

Gerne möchte ich den Rat geben, rechtzeitig in einer Mediation Themen im Umgang miteinander zu klären, um die Lebensqualität zu erhöhen und eine positive innere Haltung steigern zu können, nur MUT !!

Christa D. Schäfer