Eine Mediationsausbildung beinhaltet neben theoretischem Input zu den Themen Kommunikation, Konfliktmanagement und Mediation auch Einheiten zur Selbstreflexion und vorallem Rollenspiele. Einige Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind vor ihrem „ersten Rollenspiel“ aufgeregt und können sich die Methode nicht richtig vorstellen. Fast immer ist jedoch schon nach dem ersten Rollenspiel zu hören, wie effektiv diese Art des Lernens ist, und wie viel Spaß die Rollenspiele machen.

Gewöhnlich gibt es in den Rollenspielen in der Mediationsausbildung einen (oder zwei) MediatorInnen, zwei MediandInnen und mindestens einen Beobachter bzw. eine Beobachterin. Die Mediatorinnen und Mediatoren können die verschiedenen Phasen der Mediation erproben, den Schwerpunkt auf die sprachliche Entwicklung legen und/oder Methoden ausprobieren. Dabei können Rollenspiele sowohl im Anfangsstadium der Ausbildung als auch zur Verfeinerung verschiedener Techniken genutzt werden. Die Mediandinnen und Medianden im Rollenspiel erfahren, wie es sich anfühlt einen Streit – angeleitet durch eine allparteiliche dritte Person – konstruktiv zu lösen. Die Beobachter können intensiv die ablaufenden Prozesse wahrnehmen und anschließend den RollenspielerInnen Feedback geben. Meist machen sich alle Rollenspielerinnen und Rollenspieler ihre Rollen schnell zu eigen.

Gewöhnlich läuft ein Rollenspiel in vier verschiedenen Phasen ab.

Erstens die Aufwärmphase: Es gibt die Vorbereitungsphase, in der die MediatorInnen sich auf das Rollenspiel vorbereiten, die MediandInnen sich in ihre Rollen einfinden und die zukünftigen BeobachterInnen das Setting vorbereiten. Zweitens die Spielphase: Das Rollenspiel wird durchgeführt. Dies kann in verschiedenen Gruppen passieren, so dass sich möglichst viele Personen in den verschiedenen Rollen ausprobieren können – oder im Fishbowl, indem das Rollenspiel im Innenkreis der TeilnehmerInnen durchgeführt wird. Drittens die Entlassungsphase: Alle Rollenspieler entrollen sich und legen ihre Rollen ab. Viertens die Reflexionsphase: Die MediatorInnen und MediandInnen können beschreiben, wie sich sich im Rollenspiel und zu ausgewählten Zeitpunkten gefühlt haben, bzw. was sie noch voneinander gebraucht hätten, um den Konflikt gut lösen zu können. Die BeobachterInnen leiten den Auswertungsprozess und geben Feedback.

Wer mehr über die Methode „Rollenspiel“ wissen möchte, wird in dem Artikel von Kersten Reich aus dem Methodenpool der Kölner Universität fündig …

Immer wieder werde ich von TeilnehmerInnen in den Ausbildungen nach zusätzlichen Rollenspielen für die Intervisionsgruppenarbeit gefragt. Bisher konnte ich folgende zwei Bücher zur Anschaffung vorschlagen:

Jetzt kann ich das neu erschienene Buch „Rollenspiele. Ein Handbuch mit Übungsfällen und Begleitung“ von Sabine Zurmühl aus dem Wolfgang Metzner Verlag wärmstens empfehlen. Es enthält 10 Rollenspiele aus den Mediationsbereichen Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Schulmediation und Gruppenmediation. Zu jedem Rollenspiel gibt es einführende Worte, eine Fallbeschreibung, besondere Rollenbeschreibungen für die mitspielenden MediandInnen, Empfehlungen für die Rollenspieler, Hinweise auf die Besonderheiten des Falles und ein abschließendes Fazit. Die Fälle sind plausibel beschrieben und betreffen gängige Mediationsthemen. Damit wird das Buch zu einem praktischen und unerlässlichen Begleiter für Intervisionsgruppen innerhalb von Mediationsausbildungen.

Das Buch “Rollenspiele” aus dem Metzner Verlag ist mein neuer Favorit in Sachen Rollenspiel. Gut einsetzbar für Ausbilder Mediation als auch für diejenigen, die gerade Mediation erlernen oder in diesem Bereich fit bleiben wollen …

Gutes Gelingen für die nächsten Rollenspiele
bzw. die nächsten Mediationen
wünscht Christa Schäfer