Manchmal treffen wir eine Person in der Bahn oder im Flugzeug und spüren gleich eine Sympathie zu dieser Person. Dann unterhält man sich, zunächst über das Wetter, dann vielleicht über die Arbeit oder die Stadt, in der man gerade ist. Und nach 10 Minuten geht man auseinander und hat das Gefühl, etwas Schönes erlebt zu haben. Das könnte der Anfang für eine gelingende Beziehung sein. Am nächsten Tag, in derselben Stadt, trifft man beim Bäcker eine Person, die sich zuerst vordrängelt und dann auch noch um sich herum mit Worten „giftet“ – daraus kann weniger gut eine gelingende Beziehung entstehen.

Beziehungen können lang andauern oder nur ganz kurz sein. Nach der Wikipedia-Definition ist eine Beziehung eine bestimmte Relation zwischen verschiedenen Objekten oder Individuen. Stimmt, Menschen können ja auch zu Tieren, zu Pflanzen oder zu leblosen Gegenständen eine Beziehung aufbauen.

Und weiter heißt es bei Wikipedia zu Sozialen Beziehungen:

„Als Soziale Beziehung (auch Zwischenmenschliche Beziehung) bezeichnet man in der Soziologie eine Beziehung von zwei Personen oder Gruppen, bei denen ihr Denken, Handeln oder Fühlen gegenseitig aufeinander bezogen ist. Soziale Beziehungen sind eine elementare Voraussetzung des Menschen, um gesellschaftlich erfolgreich zu leben. Erlernt er in seinen allerersten Jahren nicht, sie einzugehen (Urvertrauen), so ist er zeitlebens geschädigt. Soziale Beziehungen können positive oder negative Qualitäten haben. Beziehungen, die positive Auswirkungen haben, werden auch als Ressourcen des Individuums angesehen.“

Natürlich kann auch später noch gelernt werden, Beziehungen aufzubauen und gelingen zu lassen. Sowohl PädagogInnen als auch MediatorInnen sollten gelingende Beziehungen leicht aufbauen können. Sowohl Pädagogik als auch Mediation bauen auf gelingenden Beziehungen auf und haben zugleich gelingende Beziehungen als Ziel. Kürzlich entdeckte ich ein Buch von Krista Warnke und Berthild Lievenbrück mit dem Titel „Momente gelingender Beziehungen“ aus dem Beltz Verlag.

Das erste Kapitel des Buches gibt Hinweise auf Fragen wie: Worauf beruht die Qualität einer Beziehung? Welchen Einfluss haben Gefühle auf unser Denken und Handeln? Wie wichtig sind Momente gelingender Beziehung? Im zweiten Kapitel befinden sich Interviews mit dem bekannten Persönlichkeiten wie z.B. dem Familientherapeuten Jesper Juul, dem Hirnforscher Gerald Hüther und der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan. Gespräche über Musik und gelingende Beziehungen sind im dritten Kapitel eingefangen.

„Beim Musikmachen muss man aufeinander hören, man schafft gemeinsam etwas, was mehr ist als das, was der Einzelne kann. Allein das sorgt schon für eine aufmerksame Beziehung. Und was dabei herauskommt, erzeugt Gefühle, eine Ästhetik und ein Form.“ (Magdalena Abrahams in Warnke; Lievenbrück 2015, S. 111)

Und das vierte Kapitel hat sich die Aufgabe gestellt, direkte Hinweise zu einer guten Beziehungskultur und zu Voraussetzungen gelingender Beziehungsmomenten zu geben. Als Pädagogin und Mediatorin bin ich natürlich sehr interessiert an den Hinweisen zu einer guten Beziehungskultur und an den Voraussetzungen für Momente gelingende Beziehungen. Gerne möchte ich deshalb einige Erkenntnisse des Buches “Momente gelingender Beziehung” hier im folgenden mit Ihnen teilen. Es gibt im Buch die Beschreibungen von drei Bausteine, die eine gute Beziehungskultur schaffen und 6 Gruppen von Voraussetzungen für Momente gelingender Beziehungen.

3 Bausteine, die eine gute Beziehungskultur schaffen:

Baustein 1: Aktiv werden
Dies bedeutet, nicht zu warten bis mich jemand anspricht, sondern sich selber einzubringen und gelingende Beziehungen mit zu gestalten. Wahrnehmen, hinschauen, zuhören sind diesbezüglich wichtige Stichworte.

Baustein 2: Denken und Fühlen
Fühlen und Denken sind unmittelbar und untrennbar miteinander verbunden. Es gibt kein Fühlen ohne Denken und kein Denken ohne Fühlen. Gefühle leiten zudem das Denken zu einem großen Teil. Eine Balance zwischen Fühlen und Denken, zwischen zugewandter Wahrnehmung und differenzierender Reflexion ist von großer Bedeutung für gelingende Beziehungen.

Baustein 3: 51 % Prosoziale Einstellungen und Haltungen zulassen
Momente, in denen Beziehungen gelingen, sind von prosozialen Gefühlen getragen, sie sind durch Zugewandtheit, Respekt oder Vertrauen gekennzeichnet. Positive Gefühle verändern den Fokus unserer Aufmerksamkeit und beeinflussen die Art und Weise unseres Denkens und damit den Umgang zwischen Menschen. Wir sind aus neurobiologischer Sicht auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen. Darum lassen sich Beziehungssituationen positiv beeinflussen durch ein kurzes Innehalten, Wahrnehmen, durch Zuwendung und Reflexion der eigenen Gestimmtheit. Negative und positive Erlebnisse mit anderen Menschen werden unterschiedlich im Gehirn abgespeichert: Negative Erlebnisse bleiben haften, positive perlen ab. Werden die positiven Erlebnisse bewusst gemacht, verankern auch sie sich im Gehirn und prägen die Zukunft.

6 Gruppen von Voraussetzungen für Momente gelingender Beziehungen:

Gruppe 1: Offenheit
die anderen wahrnehmen, sich leer machen, neugierig sein, Vorbehalte reflektieren, dialogbereit sein

Gruppe 2: Zugewandtheit
sich anderen gegenüber positiv einstellen, empathisch reagieren, einladen ermutigen und inspirieren, positive Kritikfähigkeit bemühen, angstfreien Raum schaffen

Gruppe 3: Respekt
anerkennend und wertschätzend sein, Achtung zeigen und partnerschaftlich miteinander umgehen, auf Gleichwürdigkeit achten, auf Augenhöhe agieren, die Integrität einer Person nicht verletzen, authentisch sein

Gruppe 4: Mut
Vertrauen schenken, Vertrauensvorschuss geben, risikobereit sein

Gruppe 5: Humor
Humor zulassen, humorvoll sein

Gruppe 6: Zeit
sich Zeit nehmen, entschleunigen

Warum ist dieses Buch für Pädagoginnen und Pädagogen wichtig?
Weil die gelingende Beziehung Voraussetzung für Erziehung ist. Weil der Begriff der Gleichwertigkeit im pädagogischen Bereich leider noch nicht angekommen ist (siehe Buch oder die Gedankengänge von Jesper Juul an anderer Stelle).

Warum ist dieses Buch für Mediatorinnen und Mediatoren wichtig?
Weil der Aufbau von Beziehung für MediatorInnen zum Grundhandwerkszeug gehört.

Gelingende Beziehungen gehören natürlich auch für mich zu meiner Arbeitshaltung
und sind mir ein wichtiges Anliegen in Beratung, Coaching, Mediation und Training.
Dr. Christa D. Schäfer

Eine gute Beziehung sollte man auch zu sich selbst haben,
hier ein Artikel zum Thema Selbstachtung …