In den letzten Jahren habe ich mich verstärkt um Kommunikation und Konfliktmanagement in verschiedenen Bereichen der Pädagogik gekümmert. Da war natürlich auch der Bereich der Kita (Kindertagesstätten) bzw. der Kindergärten ein ganz wichtiger. Neben Mediationen, Supervisionen und Leitungscoaching habe ich 2014 in München, Köln und Berlin Vorträge zur „Kommunikation und zum Konfliktmanagement in einer Inklusiven Kita“ im Rahmen des Deutschen Inklusionsforums für die Kita gehalten. 2015 gibt es im Oktober und November wieder die Möglichkeit diese interaktiven Vorträgen zu hören.

Bei Trainings zu Elterngesprächen in Kita empfehle ich gerne das Buch „Klare Worte finden“ von Ulrike Lindner, das aus dem Verlag an der Ruhr stammt und auf hervorragende Art und Weise das Thema Elterngespräche aufgreift.

Jetzt möchte ich hier sehr gerne „Das Kommunikationsbuch für Erzieherinnen“ (und Erzieher) empfehlen. Das Buch bringt daas Thema mal in ganz anderer Art und Weise auf den Punkt. Die Autorin Ursula Friederikje Rücker betrachtet verschiedene Wahrnehmungstypen und deren bevorzugte Kommunikationsstile, sehr interessant !! Bisher hatte ich mir erst am Rande dazu Gedanken gemacht, dass jeder Wahrnehmungstyp einen unterschiedlichen Kommunikationsstil pflegt, und das Wissen um diese Typen auch in Kitas den Alltag miteinander vereinfachen könnte.

Kommunikationsbuch für Erzieherinnen

Die Autorin des Kommunikationsbuches für Erzieherinnen gibt Hinweise zum visuellen, auditiven und kinästhetischen Wahrnehmungstyp. Jeder Typ wird mit seinen Merkmalen vorgestellt, es wird geschaut, wie die Begegnung und das Gespräch mit einem Elternteil dieses Wahrnehmungstyps vonstatten gehen kann, wie die so geprägte Fachkraft gut kommuniziert und wie man Kinder in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationsmustern gut abholen kann. Der weitere Teil des Buches beschäftigt sich mit den Stichworten Anerkennung und Wertschätzung als Grundlage für Beziehung und Kommunikation und schließt einigen gut einsetzbaren Übungen zu den Kommunikationsstilen in Kita.

Wahrnehmung gestaltet Kommunikation
Ich glaube, das größte Geschenk das ich von jemandem bekommen kann, ist, dass er mich sieht, mir zuhört, mich versteht und mich berührt. Das größte Geschenk, das ich einem andern Menschen machen kann, ist, ihn zu sehen, ihm zuzuhören, ihn zu verstehen und ihn zu berühren. Wenn das gelingt, habe ich das Gefühl, dass wir uns wirklich begegnet sind. (Virginia Satir)

Zum visuellen Wahrnehmungstyp und seinem Kommunikationsstil
Die Buchautorin Ursula Friederikje Rücker beschreibt, dass Menschen mit einer ausgeprägten visuellen Wahrnehmung meist sehr auf ihr eigenes persönliches Aussehen achten. Sie beziehen sich in Gesprächen auf ihre visuellen Eindrücke und nutzen gerne ihre Körpersprache um etwas zu verdeutlichen. Im wahrsten Sinne des Wortes machen sich diese Menschen ein „Bild“ von der Welt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Visuelle Menschen werden ärgerlich, wenn sie das Gefühl haben, übersehen zu werden.

Wortfamilien und Redewendungen zum visuellen Wahrnehmungstyp:
großartig, kleinkariert, sehen, zeigen, schleierhaft, düster, strahlend, einleuchtend, veranschaulichen, Überblick, Ansicht, Vision, Perspektive …

„Ich sehe das so“, „mir scheint“, „eine Vision haben“, „anderer Ansicht sein“, „das sieht gut aus“, „ich finde“, „der blinde Fleck“, „etwas einsehen“, „rosa Brille“ …

Begrüßung und Verabschiedung:
„Wie schön, Sie zu sehen“
„Auf Wiedersehen“
„Wir sehen uns“

Offene Fragen, die im Gesprächsverlauf hilfreich sein können:
„Konnten Sie ein Bild von .. machen?“
„Das sieht doch ganz gut aus, was meinen Sie?“
„Welcher Ansicht sind Sie?“

Visuell geprägte Eltern
In der Begegnung und im Gespräch mit einem visuellen Elternteil sollten sich Erzieherinnen darüber im Klaren sein, dass diese Menschen scharfe Beobachter sind, sie schauen genau auf Kleidung, Körpersprache und vieles mehr. Es ist gut, visuell geprägten Eltern zu zeigen, dass ihr Kind sich in der Kita wohlfühlt. Man kann einen Rundgang machen, das Elternteil einladen, auf Sehenswertes hinweisen und vieles mehr. Für Konfliktsituationen ist es gut, Dokumente und wichtige Papiere parat zu haben, damit das Elternteil diese einsehen kann.

Visuelle pädagogische Fachkräfte
Sind pädagogische Fachkräfte visuell geprägt, so werden diese besonders Wert legen auf die Gestaltung der Kita und des Gruppenraumes. Sie nutzen Symbole als Orientierung, achten auf Ordnung und zeigen den ihnen anvertrauten Kindern die Welt.

Das aktuell visuelle Kind
Das Seelenleben eines visuellen Kindes kann am ehesten verstanden werden, wenn Sie sich in seiner Welt aufmerksam umsehen. Die Welt des visuellen Kindes ist die Welt der Farben, Formen, Schatten und Bilder. Kreativität ist ein wichtiges Stichwort. Visuelle Kinder setzen sich gerne in Szene, machen Rollenspiele, Pantomime, malen und gestalten gerne. Häufig haben visuell geprägte Kinder ganz genau im Kopf, was sie morgens anziehen möchten und was nicht. Visuell geprägte Kinder versuchten Aufmerksamkeit durch Auffälligkeit zu erregen. Da geht es durchaus manchmal darum eine „Show abzuziehen“. Visuelle Kinder stehen ferner gerne im Mittelpunkt. Sie fühlen sich zurückgesetzt, wenn sie übersehen werden. Genau wie visuell starke Kinder durch visuelle Reize erreicht werden, so lassen sie sich durch visuelle Impulse ablenken.
Unser Schulsystem ist stark visuell ausgerichtet. Dadurch sind visuell geprägte Kinder oft im Vorteil. Dennoch ist es wichtig, auch ihre anderen Sinne zu fördern.

Das soll als kurzer Einblick in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationstyp genügen. Im Buch gibt es natürlich ausführliche weitere Hinweise zu diesem und den anderen Typen.

Und abschließend meine Ideen für drei kleine Reflexionen / Übungen

  1. Welcher Kommunikationstyp sind Sie selber?
  2. Beobachten Sie heute, morgen oder bei Gelegenheit Ihre Arbeitskolleginnen, Kinder oder Eltern aus Ihrer Gruppe. Versuchen Sie herauszufinden, welcher Kommunikationstyp sie sind.
  3. Versuchen Sie bei Gelegenheit einmal, mit jemandem in einem rein visuell geprägten Kommunikationsstil zu reden. Das macht richtig Spaß und kann sogar komisch werden.

Ach ja, und vom Don Bosco Verlag gibt es übrigens auch wunderbare Gefühlskarten für die Förderung der Emotionalen Kompetenz in Kitas, lassen Sie sich inspirieren …

Dr. Christa D. Schäfer