Jetzt gibt es das erste Buch zu diesem Mediationsbereich, das zugleich der Auftakt einer neuen Schriftenreihe ist. Gerne möchte an dieser Stelle über beides berichten.

Die Zeitschrift „Die Wirtschaftsmediation“ kennen Sie voraussichtlich, denn über dieses Fachblatt habe ich bereits letzte Woche berichtet. Jetzt gibt es eine Schriftenreihe zugehörig zu dieser Fachzeitschrift, die sich dem zunehmenden Bedarf an Methoden und Verfahren zum Konfliktmanagement von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen widmet.

Mediation in Planen und Bauen, diese Fachgruppe des Bundesverbandes gibt es seit langem. Mediationsverfahren in diesem Bereich gibt es auch eine ganze Menge. Bauvorhaben wie „Stuttgart 21“ und andere haben Bürgerinnen und Bürger verstärkt zur Partizipation geworben und herausgefordert. Planungs- und Bauprozesse sind eng mit den Interessen von Nutzern und Betroffenen verflochten. Ganz klar ist, es gibt unterschiedliche Interessen und Vorstellungen. Aber wie kann Partizipation in solchen Prozessen gut gelingen? Wie kann eine gute Einigung in solchen Prozessen gefunden werden?


Das Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ist von Experten aus dem Bauwesen und der Mediationsbranche geschrieben und bietet einen praxisorientierten Zugang zur Thematik. Zugegeben, Mediation in diesem Bereich ist nicht mein Schwerpunkt, aber dennoch habe ich das Buch mit großem Interesse und viel Gewinn gelesen. Zu unterscheiden ist zwischen Projektvorbereitung mittels Mediation (im Sinne einer „öffentlichen Mediation“ mit Anwohnern, Initiativen, Behörden usw.) und der projektinternen Mediation nur für die jeweils unmittelbar am Konflikt Beteiligten.

„Große Planungs- und Bauvorhaben, insbesondere Infrastrukturprojekte, haben einen komplexen Projektaufbau mit vielen Beteiligten. Mediation kann als Werkzeug genutzt werden, um die Auswirkungen von Konflikten in solchen Projekten zu minimieren.“ (Holger Kummer in dem Artikel „Projektinterne Mediation bei Großprojekten“ im Buch „Einvernehmlich planen und bauen“, S. 131)

Bernhard Böhm beschreibt in seinem Buchartikel „Anforderungen der Mediation beim Planen und Bauen“, dass es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten und Methoden gibt, Konflikte in diesem Bereich zu bearbeiten – man denke an die Stichworte: Bürgerbeteiligung, Dialogprozesse, Partizipation, moderierte Begleitung, Akzeptanzmanagement, Planungswerkstatt, und natürlich Mediation. „Environmental Mediation“ wurde bereits in den 1970er Jahren in den USA als Verfahren von „Umweltmediation“ genutzt und erlangte in den 1980er Jahren dann auch in Deutschland Bekanntheit. Spätestens seit dem Verfahren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens Ende der 1990er Jahre wurde Mediation auch überregional wahrgenommen.

Waren die ersten Mediationsverfahren noch regional oder lokal angesiedelt, wurden wenig später auch großräumige Infrastrukturprojekte (Bau von Eisenbahnstrecken, Bundesfernstraßen, Stromtrassen, Flughäfen …) mit einem Mediationsverfahren begleitet. Ab da passte dann auch der Begriff „Umweltmediation“ eher weniger, weil er zu eng gefasst war. Die Dimensionen sind zudem vielschichtiger und komplexer. Der Begriff „Mediation im öffentlichen Bereich“ löste den Begriff der „Umweltmediation“ ab. – Ja, so haben auch die verschiedenen Mediationsbereiche je ihre eigene Geschichte …

Viele Baufachleute, Ingenieure, Gemeinen und Kommunen werden sich freuen, mit dem Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ein Praxisbuch in den Händen zu halten. Viele MediatorInnen werden das Buch gerne lesen, um zu erfahren, welche Besonderheiten dieser Mediationsbereich hat. Und ich persönlich freue mich auf weitere Bände der Schriftenreihe des Fachmagazins „Die Wirtschaftsmediation“ und werde Sie, sehr geehrte Leserinnen und Leser, natürlich auf dem Laufenden halten.

Interesse am Thema „Partizipation in der Schule“?
Dann kann ich Ihnen mein neues Buch empfehlen.

 

 

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Beste Grüße von
Christa Schäfer