Viel ist bereits über Berliner Kitas geschrieben und gestritten worden. Und sicherlich gibt es auch viele Baustellen. Doch gerade weil ich immer so viel mehr von Baustellen höre als Lob, freute mich ein im Dezember gesichteter Tagesspiegelartikel ganz besonders. Dieser stellt den neuesten Einschulungsbericht für etwa 30.000 Berliner Fünfjährige vor. Dem Bericht zufolge hat die Kita einen großen und überaus positiven Einfluss darauf, wie erfolgreich Kinder später in der Schule werden. Während der soziale Status der Eltern natürlich von großer Bedeutung ist für die “Schulkarriere” von SchülerInnen, tritt die Kita nicht dahinter zurück – beides hält sich überraschenderweise die Waage. Bei Kindern sozial schwach gestellter Eltern wirkt sich der Kita-Besuch ausgleichend aus. Auch andere gängige Einflussfaktoren für Erfolg bzw. Misserfolg in der Schule sind nicht so gewichtig wie der Besuch einer Kita für Kinder.

Der leitende Kinderarzt vom Gesundheitsamt Mitte Matthias Brockstedt sagt über die Ergebnisse: “Jede Kita ist besser als keine Kita.” Nun will sich die Berliner Koalition dafür einsetzen, dass nicht nur der Kita-Besuch kostenlos sein soll, sondern auch der Besuch in der Krippe. Darüber hinaus ist vorgesehen, den Personalstand der Kitas in den nächsten Jahren zu verbessern. Nachlesen können Sie den ganzen Artikel inklusive einer interaktiven Berliner Karte hier …

Aber um noch einmal auf die Baustellen in Kitas zurückzukommen: eines der großen Probleme stellt sicherlich der Stress dar, mit dem die Erzieherinnen tagtäglich, Woche um Woche, Monat um Monat und Jahr um Jahr konfrontiert sind. Es gibt einen erhöhten Förderbedarf bei Kindern und der Verwaltungsaufwand nimmt bei gleichzeitigem zunehmenden personellen Engpässen zu. Folgen sind das überdurchschnittlich hohe Auftreten von psychische Belastungen bei Kita-Erzieherinnen, Burn-Out, negative mentale und emotionale Reaktionen, körperliche und psychische Symptome und die gravierenden Ergebnisse für die Gesundheit.

Zu diesem Thema habe ich etwas Interessantes entdeckt, das “Anti-Stress-Buch für Erzieherinnen”. Von Gabriele Kubitschek geschrieben und 2012 im Don Bosco Verlag erschienen, ist es eine Praxisanleitung für gestresste Erzieherinnen. Dieses Buch schlägt eine Reihe von Möglichkeiten vor, um dem Stress zu begegnen, ohne krank zu werden: Selbstfürsorge, Entspannungsübungen, das Stärken von persönlichen Ressourcen, das Lernen von Delegieren und von Grenzen setzen. Eine auch sehr schöne Methode ist, Entspannungsübungen gemeinsam mit Kindern zu machen. Neben diesen Ideen werden aber auch andere Stolpersteine thematisiert, von denen ich einen mit Ihnen teilen möchte:

“Blockaden durch überholte Rollenbilder
‘Frauen sind stets geduldig und verständnisvoll’, ‘Ein echter Mann zeigt keinen Schmerz und sagt, wo es langgeht.’ ‘Ein richtiges Mädchen spielt gerne mit Puppen, Jungen interessieren sich nur für Autos.’ Oft beeinflussen uns überholte, unreflektierte Rollenbilder und die zugrunde liegenden Erwartungen wirken sich auf unser Handeln aus. Was ist weiblich, was männlich? Was gehört zu mir als die Person, die ich bin? Feste Rollenbilder und die damit verbundenen Erwartungen schränken uns in unserer freien Entscheidung darüber ein, was wir für ein erfülltes und glückliches Leben anstreben und brauchen. Diese meist unbewusst ablaufenden inneren Vorstellungsbilder sind als Muster schon früh in der Kindheit angelegt worden. Doch ist es nie zu spät, sich diese Mechanismen bewusst zu machen und sie aufzuweichen, die eigene Verantwortung zu ergreifen und Schritt für Schritt neue Wege zu beschreiten.”   (Kubitschek, Gabriele: Anti-Stress-Buch für Erzieherinnen, S. 27 )

Ich freue mich, wenn ich Sie neugierig gemacht habe – nicht nur die Erzieherinnen unter Ihnen. Denn auch andere Berufsgruppen in der sozialen Arbeit können von diesem Buch profitieren, da Tipps und Entspannungsmethoden nicht auf Kita-Personal beschränkt sind. Das Buch bietet interessante Ansätze und Methoden für Erzieherinnen. Es ist leicht und schnell zu lesen. Auch dass Frau Kubitschek aus eigener Erfahrung schreibt, bereichert ihre Wegvorschläge aus dem Stress-Labyrinth.

Falls Sie weiterlesen möchten über das Lösen von Problemen im Kita-Bereich, finden Sie hier einen Artikel zur Kommunikation in der Kita und hier zur Teamarbeit in der Kita

In jedem Fall hoffe ich, dass der Personalstand in den Kitas bald steigt, damit Erzieherinnen nicht nur individuell den Stress mit selbstoptimierendem Verhalten auffangen müssen. Zudem wird das sicherlich die Kinder in ihrem Entwicklungsstand noch weiter bringen und gar noch erfolgreicher in der Schule machen – wie möglicherweise ein weiterer Bericht eines Tages aufzeigen wird …

Bis dahin hoffen Sie mit mir
Christa Schäfer