Scheidungskinder. Welche Assoziationen kommen Ihnen spontan, wenn Sie diesen Begriff hören und an Kinder denken, deren Eltern sich getrennt haben?

Falls Sie unglückliche Kinder, Verhaltensauffälligkeiten und Beziehungsprobleme im späteren Leben der Kinder vor Augen haben, sind Sie nicht allein. Ohne eine wissenschaftliche Studie dazu vorstellen zu wollen: Mein Eindruck ist, dass Medien ein Bild von Scheidungskindern als “Krisenkindern” entwerfen, und die meisten Personen eher traurige und negative Folgen damit verbinden.

Dass es auch anders sein kann, wird durch die Arbeit mancher JournalistInnen und AutorInnen deutlich. Die Sachbuchautorin Monika Czernin hat zum Beispiel das Buch “Glückliche Scheidungskinder” veröffentlicht. So sei nicht das Familienmodell entscheidend darüber, wie glücklich Kinder seien, sondern ob und wie stark ihren Bedürfnissen Beachtung geschenkt werde. Und zweieinhalb Jahre nach der Scheidung kann es sein, dass Scheidungskinder ebenso wenig Verhaltensauffälligkeiten zeigen wie jene, deren Eltern zusammengeblieben sind. Hier können Sie den ganzen Artikel über Glückliche Scheidungskinder lesen:

10 Tipps zur Trennung mit Kind und was es bei einer Scheidung zu beachten gibt

Oft wird von “Scheidungskindern” gesprochen, wenn der passendere Ausdruck eher “Trennungskinder” sein sollte. Denn die Situation für Kinder, deren Eltern nicht miteinander verheiratet waren und sich trennen, unterscheidet sich nicht maßgeblich von den Kindern, deren Eltern über eine Heiratsurkunde verfügen und sich dann scheiden lassen.

Die Wirtschaftsmediation. Familie.

Gerne möchte ich Ihnen hier und heute einen Artikel aus dem Magazin “Die Wirtschaftsmediation” vorstellen. Es ist ein Fachmagazin für Wirtschaft und öffentliche Verwaltung und wird von Gernot Barth und Bernhard Böhm herausgegeben. Die Spezialausgabe 4/2015 ist dem Thema Familie gewidmet und enthält eine ganze Reihe von spannenden und aussagekräftigen Artikeln zu diesem Thema. SEHR LESENSWERT !!
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Der Artikel “Scheidungsfolgen für Kinder – Risiken und Schutzfaktoren”, geschrieben von Diplompsychologe Wolfgang Jaede, stellt zunächst vor, dass mittlerweile ungefähr jede dritte Ehe geschieden wird und die Scheidungsforschung konstatiert, dass eine Trennung bzw. Scheidung nicht automatisch hohe Folgeschäden für die Kinder bedeuten, und Kinder aus Scheidungsfamilien keine grundsätzliche Benachteiligung gegenüber den Kindern aus Ursprungsfamilien erfahren. Der Autor plädiert dafür, die Situation der betreffenden Kinder differenziert zu betrachten und sowohl ihren Belastungen und Risiken als auch ihren Bewältigungsmöglichkeiten und ihrem Schutzumfeld Beachtung zu schenken.

Risikofaktoren sind unter anderem: Elternkonflikte, Triangulierung und Koalitionsdruck (die Auslagerung des Konflikts auf die Kinder), Einschränkung der Erziehungsfähigkeit, Sorge um das Wohlergehen der Eltern und Armutsrisiko. Da schon viel über Konflikte der Eltern und das Hineinziehen der Kinder in diese Schwierigkeiten geschrieben wurde, möchte ich mich an dieser Stelle auf andere Faktoren konzentrieren.

Sorgen um das Wohlergehen der Eltern
“Eine Trennung und Scheidung geht oft einher mit Erschöpfungszuständen und psychischen Belastungen der Eltern selbst, die sich in Hoffnungslosigkeit und depressiven Verstimmungen, nicht selten auch suizidalen Gefährdungen äußern können. Dies kann zu verstärkten Ängsten der Kinder und einer überfordernden Verantwortungsübernahme für die Eltern führen, wobei die Kinder ihre eigenen Entwicklungsbedürfnisse zurückstellen (‘Parentifizierung’).”   (Jaede in: Die Wirtschaftsmediation)

Armutsrisiko
“Vor allem Alleinerziehende erleben nach einer Scheidung belastende finanzielle Engpässe, die sie selbst unter Stress setzen und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen einschränken. Dies beeinträchtigt deren Selbstwertgefühl vor allem dann, wenn sie sich gegenüber anderen Gleichaltrigen als benachteiligt erleben.” (Jaede in: Die Wirtschaftsmediation)
Anmerkung von mir: 95% der Alleinerziehenden sind Frauen, daher ist Armut nicht nur eine Frage der sozialen Stellung, sondern auch der Geschlechtszugehörigkeit.

Wie Sie wissen, ist mir immer auch der Fokus darauf wichtig, was gut läuft und welche Ressourcen es gibt. Daher an dieser Stelle noch einige der im Artikel von Wolfgang Jaede genannten Schutzfaktoren und Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, deren Eltern sich getrennt/geschieden haben:

  • konfliktreduzierende und -deeskalierende Beratungsangebote für Scheidungseltern wie Mediation, Scheidungs- und Trennungsberatung
  • Gruppenangebote für Eltern zur Stärkung ihrer Kommunikations-und Erziehungsfähigkeit und zur Gestaltung ihrer Beziehung zu den Kindern
  • Gruppenangebote für Kinder zur Trennungs- und Scheidungsbewältigung
  • finanzielle und strukturelle Unterstützung von Alleinerziehenden
  • Stärkung der Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit der Kinder, Förderung ihrer Ressourcen und aktiven Bewältigungs- sowie emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten.

Der hier vorgestellt Artikel ist erkenntnisreich für Menschen mit und ohne Kinder, für zusammengebliebene und getrennte Eltern. Denn: Familie geht uns alle an.

Wenn ich Ihr Interesse für diese Ausgabe der „Wirtschaftsmediation“ geweckt habe, kann ich Ihnen gleich noch einen weiteren sehr lesenswerten Artikel aus der Zeitschrift ans Herz legen: “Familienmodelle nach der Scheidung: Wechselmodell, Residenzmodell, Nestmodell” mit praktischen Tipps für getrennt lebende Eltern und Vor- sowie Nachteilen der jeweiligen Modelle.

Eine gut gelingende Entwicklung für alle Kinder
wünscht sich Christa Schäfer

Übrigens: Freitag dieser Woche gibt es Zeugnisse in Berlin.

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