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Ostern ist Hasenzeit!

Und ohne noch mehr Worte zu verlieren:

 

 

Scan eines Reprints von Gustav Süs

Fabel: Der Hase und der Igel

Der Hase und der Igel, die schlossen eine Wett’,
wer schneller wohl könnt’ laufen und wer mehr Puste hätt’.
Am nächsten Morgen frühe, da sollt’ der Wettlauf sein,
vorm Tor von Buxtehude, wohl über Stock und Stein.
Der Has’ sprang aus dem Startloch und stürzte blindlings los,
er rannte wie ums Leben, in Sätzen riesengroß.

Durch Klee und Kartoffeln
mit flinken Pantoffeln,
durch Kohl und Karotten
mit fliegenden Zotten,
durch Rüben und Roggen
mit sausenden Socken,
durch Felder und Koppeln
und Dornen und Stoppeln,
ein Laufen und Wetzen,
ein Schnaufen und Hetzen
und immer nicht eilig genug.

Am Ziele angekommen, wischt’ er sich Aug’ und Ohr:
Da saß doch schon der Igel und grunzt’: “Ick bün all dor!”
Nur Stacheln sah der Hase, nur Stacheln grau in grau.
Dabei ist ihm entgangen: Das war des Igels Frau!
Der Hase keuchte wütend: “Du hattest diesmal Glück!
Nun bleibt dir keine Chance. Auf geht’s, die Bahn zurück!”

Durch Dornen und Stoppeln
und Felder und Koppeln,
mit sausenden Socken
durch Rüben und Roggen,
mit fliegenden Zotten
durch Kohl und Karotten,
mit flinken Pantoffeln
durch Klee und Kartoffeln,
ein Laufen und Wetzen,
ein Schnaufen und Hetzen
und immer nicht eilig genug.

Am Ziel erschrak der Hase und wischt’ sich Aug’ und Ohr:
Da saß doch schon der Igel und grunzt’: “Ick bün all dor!”
Nur Stacheln sah der Hase, die blickt’ er ratlos an,
dabei ist ihm entgangen: Das war der Igelmann!
Der Has’ konnt’ nicht ertragen, dass man ihn überbot.
Er lief noch viele Male und hetzte sich zu Tod!

Durch Klee und Kartoffeln
mit flinken Pantoffeln,
durch Kohl und Karotten
mit fliegenden Zotten,
durch Rüben und Roggen
mit sausenden Socken,
durch Felder und Koppeln
und Dornen und Stoppeln,
ein Laufen und Wetzen,
ein Schnaufen und Hetzen,
zurück durch die Stoppeln
und Felder und Koppeln,
mit sausenden Socken
durch Rüben und Roggen,
mit fliegenden Zotten
durch Kohl und Karotten,
mit flinken Pantoffeln
durch Klee und Kartoffeln,
ein Laufen und Wetzen,
ein Schnaufen und Hetzen …
Padauz! Jetzt hatt’ er genug!

Die Igel aber lachten, gestreckt ins Sonnenbad:
“So geht’s halt, wenn es einer nur in den Beinen hat.
Wer sich aufs kühle Köpfchen und heißen Tee versteht,
der weiß, wie er zum Ziele auf kurzem Wege geht!”

(Winter, Georg und Puchalla, Dagmar: Sprechsport. Mit Aussprache, Ausdauer- und Auftrittstraining, S. 236 – 237)

Dieses Gedicht stammt aus dem Buch Sprechsport. Mit Aussprache, Ausdauer- und Auftrittstraining” von Georg Winter und Dagmar Puchalla, in der zweiten überarbeiteten und erweiterten Auflage 2015 im Beltz Verlag erschienen.

Die Geschichte vom Hasen und dem Igel ist ein volkstümlich überliefertes Märchen, zuerst 1840 von Wilhelm Schröder im Hannoverschen Volksblatt veröffentlicht und dann 1843 von den Gebrüdern Grimm in die Kinder- und Hausmärchen aufgenommen.

Schröder lässt die Geschichte auf der Buxtehuder Heide stattfinden. Und tragisch endet sie, die Geschichte von dem Igel (dem “kleinen Mann”, der in der Nähe seines Hauses die Rüben verspeist und sie darum auch als die seinen betrachtet) und dem Hasen (einem feinen Herr, der grausam hochfahrend ist) – kurz: dem schlauen Bauern und dem unsympathischen Großgrundbesitzer im schönen Buxtehude.

Jetzt aber ein weiterer Aspekt: Hätten Sie gewusst, dass in der obigen Reim-Fabel ganz oft das Endungs-E vorkommt und dies kein vollstimmiger Vokal ist, sondern ein schwachtoniger Laut? Ich nicht – bis zum Durchstöbern des Buches „Sprechsport“! Und das Gedicht ist nur eines von sehr vielen (meistens deutlich kürzeren), die das Buch bereithält. Es sind Übungen zum Aussprechen, zum Laute bilden und für die klare Artikulation. Zungenbrecherische Übungen und Gedichte, die Spaß machen und mit denen sich Aussprache und Stimme leicht trainieren lässt. Darüber hinaus gibt es viele Tipps für die Körperhaltung, Körpersprache, für die Stimme, den Atem sowie zumThema Emotionen wie auch Stress.

Gerade auch bei der Mediation kommt es auf die Stimme an. Daher ist es in jedem Fall vorteilhaft, die eigene Stimme immer wieder und ausdauernd zu trainieren. Dieses Buch bietet einen guten und humorvollen Ansatz dazu und ist darum wärmstens zu empfehlen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen
Christa Schäfer