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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Emotionale Intelligenz (Page 2 of 16)

Ein Ausflug ins Mitgefühl

Manchmal mache ich in diesem Blog einen kleinen Ausflug fernab meiner Themen Mediation und Pädagogik. Und eigentlich, ja eigentlich ist es kein Ausflug, denn Themen wie Gedanken zur Selbstachtung und das Geheimnis von Gelingenden Beziehungen hängen ja ganz dicht mit meinem Themenfeld zusammen.

Und so habe ich gestern Abend das Buch zum 5-Wochen Kurs „Starke Partner. Beziehung in Liebe und Achtsamkeit“ von Aljoscha Long aus dem systemed Verlag gelesen. Es stammt aus der Reihe „Mit Gefühl leben“ und beschäftigt sich zunächst mit der Selbstliebe, bevor es über Liebesbeziehungen zu anderen Personen spricht.

 

Mitgefühl und Selbstmitgefühl

  • „Mitgefühl ist die Fähigkeit, sich selbst und andere in ihren Bedürfnissen wahrzunehmen.
  • Mitgefühl ist eine Form der Verbundenheit, die es ermöglicht, eigenes oder fremdes Leid und Schmerz zu empfinden und beinhaltet den Wunsch, sich oder den anderen von diesem Leiden zu befreien.
  • Selbstmitgefühl ist die Bereitschaft, sich ebenso um sich selbst zu kümmern, wie man es bei einem guten Freund oder einer guten Freundin täte.“ (Long, A.: 5-Wochen-Kurs Starke Partner. S. 10)

Aber Achtung: Mitgefühl ist nicht Mitleid, Selbstmitgefühl ist kein Egoismus und Mitgefühl ist keine rosa Brille. Wollen Sie wissen, worin Long die Grundlagen des Mitgefühls sieht? In Achtsamkeit, Offenheit, Selbstakzeptanz, Selbstfreundlichkeit, Verständnis und Verbundenheit.

Beziehungswärmer

Neben dem Zuhören (!!!), der Authentizität, dem Humor und der Gelassenheit ist das Mitgefühl einer der fünf „Beziehungswärmer“ und als solches ,it dafür verantwortlich, dass Beziehungen gelingen. Das Buch „Starke Partner“ stellt mit einem 5-Wochen-Programm voller Übungen ein Übungsprogramm auf, in dem die Beziehungswärmer trainiert werden, so dass die Beziehungskiller weniger werden und die Beziehung wieder dichter.

Zwei kleine Übungen zum Selbstmitgefühl

Du bist das Beste, was du hast
Sie können Ihren Partner verlieren, ihn verlassen oder verlassen werden. Doch sich selbst haben Sie immer bei sich. In diesem Zentrum, in Ihrer Mitte, sollten Sie sich wohlfühlen. Dann können Sie lieben, geliebt werden, sich in einer Beziehung oder sogar ohne Beziehung gut fühlen … Und Verbindungen zu anderen Menschen finden. Sie sind das Beste, was Sie haben. Pflegen Sie es! Und vergeuden Sie Ihre Zeit nicht mit Dingen, die Sie nur tun „müssen“. Sie müssen nämlich nicht (…) … Was müssen Sie tun, sein, darstellen? Und warum? Sie haben eine Antwort darauf gefunden? Weil … Gut. Aber fragen Sie weiter: Warum? Verfolgen Sie noch einmal die „Warum-Schlange“. So weit es geht. Sie lernen dabei immer mehr über Ihre wahren Bedürfnisse. (ebenda, S. 27)

Gefühlsexperiment Lächeln:
Versuchen Sie bewusst zu lächeln. Das ist einfach, aber nicht ganz so einfach, wie es klingt. Die Mundwinkel nach oben ziehen reicht nicht. Es sind vorallem auch die Augenringmuskeln beteiligt. Es sollte schon ein echtes Lächeln sein. Sie werden sofort merken, wenn Sie ein echtes Lächeln gefunden haben, denn das ist mit positiven Gefühlen verbunden. Es ist eine sehr interessante Erfahrung, dass Sie gute Gefühle tatsächlich erzeugen können. (ebenda, S. 58)

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf.
sagt Christa Schäfer

Wut, Schuld und Scham – Drei Seiten der gleichen Medaille

Interessierte Leserinnen und Leser meines Blogs werden wissen, dass das Thema „Emotionale Intelligenz“ und die Beschäftigung mit Gefühlen eines meiner Lieblingsthemen sind. Insofern habe ich mich vor einiger Zeit mit den acht Gesichtern der Schule – nach Bertold Ulsamer beschäftigt und einige Aspekte von Schuld in Bezug auf das Eltern – Kind-Verhältnis kurz dargestellt.


Heute möchte ich mich mit dem Schuld aus der Sicht der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) beschäftigen. Dazu gibt es das Buch “Wut, Schuld und Scham“ von Liv Larsson, aus dem ich einige Gedankengänge vorstellen möchte. Liv Larsson sieht Wut, Schuld und Scham als drei Seiten der gleichen Medaille an.

 

Wut, Schuld und Scham werden oft als „negative Gefühle“ empfunden.

„Scham, Schuld und Wut sind im Grunde lebensdienliche Signale.
Wir haben diese Signale bisher missverstanden.
Wir müssen sie neu interpretieren, um sie konstruktiv nutzen zu können.“
(Liv Larsson: Wut, Schuld und Scham. S. 11)

Das möchte ich ein wenig erklären. Solange wir andere für unsere Gefühle verantwortliche machen, erkennen wir die Ursachen dieser Gefühle nicht und können nicht erkennen, welche Bedürfnisse dahinter stehen. Wir kommen dadurch nicht in Kontakt mit uns und anderen.

„Die Scham erdrückt uns, sodass wir nichts sagen, wenn es uns gut täte.
Die Schuld ängstigt sich, und so tun wir nicht das, was zu tun hilfreich wäre.
Die Wut macht uns blind, sodass wir Dinge tun, die wir später bereuen.“
(Liv Larsson: Wut, Schuld und Scham. S. 16)

Die Erforschung der drei Gefühle, von denen hier die Rede ist, ist eng verknüpft mit unseren gelernten Urteilen darüber, was „richtig, falsch, passend, unpassend, unnormal und normal“ ist. Da wir bei dieser Sichtweise unsere tatsächlichen Bedürfnisse nicht wahrnehmen, handeln wir dann gewöhnlich in einer Art und Weise, die weder uns noch andern gut tut. Waren wir wütend, folgt danach Schuld oder Scham über dieses Gefühl. Haben wir jemanden bedroht und unrechtmäßige Forderungen gestellt, schämen wir uns häufig hinterher und suchen die Fehler wieder bei uns, und finden sie auch indem wir uns als unreif, dumm und unpassend empfinden. Haben wir uns eine Weile selber so Vorwürfe gemacht, kann das Pendel leicht wieder in die andere Richtung umschlagen und wir richtigen unsere Wut durch Urteile und Forderungen nach außen. So entsteht ein Hin und Her zwischen Wut, Schuld und Scham – ein Teufelskreis, aus dem wir manchmal schwer ausbrechen können.

Es gibt Studien, die zeigen, dass wir uns am stärksten schämen, wenn wir zuvor wütend waren (besonders wenn der Ärger gegen Kinder gerichtet war).

Wut scheint mit der ihr innewohnenden Explosivität das Gefühl zu sein, das am häufigsten zu Gewalt führt. Dem ist wahrscheinlich nicht so. Vielmehr steckt hinter den Gewalttaten vieler Menschen ein demütigendes Erlebnis und / oder die Situation, dass einige der allen Menschen gemeinsamen Bedürfnisse (Respekt, Akzeptanz) nicht erfüllt worden sind. Einige Menschen wissen nicht, wie sie Scham und Demütigung aushalten sollen, so dass dies zu Gewalt umschlägt.

„Hinter dem Empfinden von Wut und Schuld verbergen sich oft ein Gefühl der Scham und eine Sehnsucht, respektvoll behandelt zu werden. Um unsere wahren Bedürfnisse zu erkennen, sollten wir also unsere Wut und unsere Schuldgefühle hinterfragen und uns mit der darunterliegenden Scham vertraut machen. Scham, Schuld und Wut spielen eine große Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation und sind ein wichtiger Schlüssel zu unserem Inneren. Daher ist es sinnvoll, sich mit diesen als negativ empfundenen Gefühlen anzufreunden und zu ganz neuen Einsichten zu gelangen.“ (Zitat Buchrücken)

Nach den Grundannahmen der GfK ist jegliches menschliches Verhalten von dem Wunsch angetrieben, ein Bedürfnis zu befriedigen. Auch wenn eine Person eine andere beschuldigt, bedroht, Gewalt anwendet, ist dies ein – wenn auch tragischer – Versuch, ein Bedürfnis zu erfüllen. Die GfK lässt uns nach der natürlichen Antriebskraft hinter Wut, Schuld und Scham suchen, ohne von „gut, schlecht, richtig oder falsch“ zu sprechen. Das ist nicht ganz einfach und erfordert zunächst ein Innehalten.

Das Buch „Wut, Schuld und Scham“ bespricht auch Merkmale einer Dominanzkultur, Unterschiede zwischen Dominanz- und Partnerschaftskultur, Schulderzeugende Kommunikation, die rote und die weiße Scham, den Stolz, wofür Wut gut ist und die nagende Schuld. An dieser Aufzählung ist bereits unschwer zu erkennen, wie gewinnbringend dieses Buch für alle diejenigen ist, die sich mit Gefühlen allgemein oder mit diesen Gefühlen insbesondere beschäftigen wollen. Im Buch werden die Gefühle beschrieben, verdeutlicht und mit Übungen zur Reflexion und zur Vergrößerung eines Handlungsrepertoires versehen. Super!

Und wie oft in meinen Blogartikeln möchte ich Sie gerne an einer Übung teilhaben lassen.

Fünf Schritte, um Wut zu akzeptieren und mit ihr umzugehen

  1. „Halten Sie inne und atmen Sie. Tun und sagen Sie nichts.
  2. Geben Sie allen Urteilen und Forderungen in ihrem Kopf freien Raum, halten Sie nichts zurück. Beachten Sie dabei, was in Ihnen passiert.
  3. Stellen Sie eine Verbindung zu den Urteilen und Forderungen her.
  4. Nehmen Sie Kontakt mit Ihren Emotionen auf. Wenn Ihr Gefühl von Wut zu etwas anderem, ebenso starkem wechselt, stehen Sie in Kontakt mit Ihren Bedürfnissen.
  5. Äußern Sie die Gefühle und Bedürfnisse, die nicht erfüllt wurden sowie eine Bitte, von der Sie glauben, sie könne helfen, die Bedürfnisse zu befriedigen.“
    (Liv Larsson: Wut, Schuld und Scham. S. 168)

Nicht einfach, aber wirksam.

In diesem Sinne: Achten Sie auf Ihre Gefühle.
Christa D. Schäfer

Ein Tipp, damit Sie nicht irgendwann reif für die Insel sind …

Die Ferien sind vorüber. Der Urlaub war super. Jetzt geht es wieder an die Arbeit. Der Alltag kommt. Da ist bei manchen Menschen schnell die Erholung vorüber und der Stress kommt. Damit Lehrkräfte gut durch das neue Schuljahr kommen habe ich ein Buch gesucht, was sie dabei unterstützen kann. Und ich bin dabei auf folgendes Buch gestoßen: „Mach dich mal LOCKER“. Dieses Buch von Patrick Lynen will unterstützen, einen leichten Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens zu finden.

Gut, davon gleich ein wenig nach den Ferien in den Alltag einzubauen …

Ich möchte Sie zunächst zu einer Übung einladen und anschließend ein wenig über das Buch berichten. Bitte wundern Sie sich nicht, dass ich Sie jetzt mit den Worten aus dem Buch duze. Versuchen Sie vielmehr sich in aller Ruhe auf die folgende Übung einzulassen. Suchen Sie aber zunächst sich einen gemütlichen Platz, an dem Sie für ein paar Minuten ungestört sein können. Nehmen Sie sich jetzt eine paar Minuten Zeit, um nur da zu sein.

Übung „Meine Insel“

„Kannst Sie wahrnehmen, wie schön es ist, frei von Eindrücken und Reizen einfach nur da zu sein? Wenn du auf die Stille lauschst, hörst du nichts, außer vielleicht draußen die Vögel zwitschern oder im Hintergrund das Surren des Kühlschranks. Ich genieße dieses Geräusch der Stille seit Jahren jeden Morgen.
Schließe nun bitte kurz die Augen, wenn es für dich angenehm ist, und suche dir in Gedanken einen schönen, absolut ruhigen Platz. Den schönsten, ruhigen Platz, der dir bisher begegnet ist. Vielleicht war das ein Ort im Urlaub oder die Bank auf dem Spielplatz deiner Kindheit. Nimm dir Zeit und erinnere dich an diesen einen Ort an dem du glücklich warst. Erlebe ihn mit allen Sinnen. Wann war das? Wo war das? Wie sah es dort aus? Wie bist du dort hingekommen? Mit wem hast du diese Momente erlebt? Wie hat es dort gerochen? Welche Farben hatte die Umgebung? An welche Details kannst du dich erinnern? Geh zurück zu einem Zeitpunkt, als du dich an diesem Ort ganz geborgen und glücklich gefühlt hast.
Spüre, wie du innerlich zur Ruhe kommst, während diese Bilder, Momente und Gefühle in dir aufsteigen. Lass dir Zeit. Lass deinen Atem ganz natürlich fließen. Sag dir selbst: ‘LANGSAM. Es gibt jetzt nichts zu tun, ich darf einfach nur JETZT sein. ICH BIN HIER.’ Ist das nicht ein herrliches Gefühl? Dieser Moment nur mit und bei dir?“
(Patrick Lynen: Mach dich mal locker. Koha Verlag, S. 14 f.)

Dieses Gefühl kann man gut mit in den Tag nehmen. Mit diesem Bild kann man jederzeit nach innen gehen. In hektischen Zeiten kann man für einen kurzen Moment eine innere Insel der Ruhe schaffen und für einen kurzen Moment den Zauber der Nichtbewegung spüren. In stressigen Phasen kann dieses innere Bild helfen, körperlich, emotional und gedanklich still zu werden.

Also genau das, was gestresste Lehrerinnen und Lehrer von Zeit zu Zeit gut gebrauchen können …

Ich möchte Ihnen nicht vorenthalten, dass das Buch von Patrick Lynen aus dem KOHA Verlag, aus dem ich die Übung entnommen habe, noch viel mehr bietet als eine Sammlung von Übungen. Das Buch lädt zu einer Reise ein, die in über 33 Etappen zu mehr Leichtigkeit und Entspanntheit im Alltag führt. Man startet mit der ersten Etappe am Freitag und liest dann jeden Morgen ein weiteres kleines Kapitel mit einer Übung und einer Devise für den Tag. Nach 33 Tagen hat man so einen großen Fundus an Strategien mitgenommen und geübt, die zu mehr Ausgeglichenheit führen und sogar Burnout vorbeugen. Und das sogar spielerisch und mit viel Spaß.

Mein Tipp: Versuchen Sie gleich, die obige Übung mit den Alltag zu integrieren oder kaufen Sie sich das Buch und schauen Sie, was Ihre Lieblingsstrategie für einen gelingenden Alltag wird.

Übrigens ist dieses Buch überhaupt nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer gedacht. Auch MediatorInnen, ManagerInnen und eigentlich alle anderen Berufsgruppen können die 33 Morgenrituale aus dem Buch gut nutzen !!

 

Angst und Zweifel zerstören mehr Träume
als Scheitern und Versagen es jemals tun können.

Sei wild,
sei mutig,
sei töricht.

(Patrick Lynen,
Vorwort zu „Mach dich mal locker“)

In diesem Sinne alles Gute
wünscht Christa Schäfer

 

PS: Vielleicht interessieren Sie sich auch für meine Blogartikel zum Office-Yoga für Körper, Geist und Seele und zum spirituellen Notfallkoffer, dann einfach auf die rote Schrift klicken, und schon können Sie die Artikel lesen …

Schuld

Über Schuld denken wahrscheinlich die wenigsten Menschen gerne nach. Und dennoch ist Hintergrundwissen über dieses Gefühl wichtig. Darum möchte ich dem Thema “Schuld” einen Artikel in diesem Blog widmen …

Mediation sucht nicht nach Schuldigen oder nach Verursachern. Dennoch ist Schuld manchmal ein Thema, das eine oder einen der Medianden beschäftigt. In meiner Arbeit mit straffällig gewordenen jungen Männern im Denkzeit-Training kommt es häufiger zur Besprechung des Themas „Schuld“. Manche geben anderen Personen die Schuld, dass sie eine Straftat begangen haben oder sogar ihrer Ansicht nach begehen mussten. Manche sehen eine Schuld bei sich.

Schuld scheint mir so etwas wie ein vergessenes Gefühl zu sein. Ist Schuld überhaupt ein Gefühl, oder ist Schuld eher ein kognitiver Vorgang, der im Gehirn stattfindet? Wie fühlt sich Schuld an? Was steht – kognitiv gesehen – hinter der Schuld? Das Schuldgefühl ist kein Begriff, der einfach zu definieren ist.

Bertold Ulsamer hat ein Buch mit dem Titel „Acht Gesichter der Schuld – Ansätze zur Überwindung“ geschrieben, das im Scorpio Verlag erschienen ist. Er benennt, dass Schuld mehrere Gesichter hat und es verschiedene Wege gibt, damit umzugehen. Durch seine Arbeit als systemischer Therapeut hat er einen großen Erfahrungsschatz zum Thema. Er beschreibt Schuld, spricht darüber, wie sie sich anfühlt und welche Auswirkungen sie auf unser Handeln hat. Dabei beschäftigt er sich zunächst mit der individuellen Schuld und den Schuldgefühlen. Er behandelt acht unterschiedliche Bereiche und Formen von Schuld. Er merkt aber auch an, dass Schuld weiterhin viel komplexer ist, als sie in diese acht Bereiche zu teilen.

Die acht von Ulsamer benannten Facetten von Schuld:

  1. Schuld und Schulden: Das Bedürfnis nach einem Ausgleich
  2. Die Verantwortung für einen Schaden: Täter und Opfer
  3. Das schlechte Gewissen: Das Drama im eigenen Inneren
  4. Die Illusion der Kontrolle
  5. Überlebensschuld
  6. Kinder und Eltern: Bindung und Loslösung
  7. Eltern und Kinder: Die Schwierigkeit, die Kinder loszulassen
  8. Die geteilte Schuld: Nachkommen tragen die Schuld mit

Besonders interessant im Sinne des pädagogischen Gesichtspunktes sind die Kapitel sechs und sieben, in denen Kinder und Eltern im Fokus der Betrachtungen stehen. Das sechste Kapitel spricht aus der Perspektive der Kinder. Dabei geht es darum, was für Gefühle und Verpflichtungen Kinder gegenüber ihren Eltern mit der Zeit aufbauen und welche Schuldgefühle dabei mitschwingen. Schuld ist hier oft ein Thema, das im Untergrund wirkt. Dann können sich Kinder nicht wirklich von ihren Eltern lösen, sondern bleiben in einer unguten Art und Weise gebunden und verpflichtet. Oder auch das Gegenteil: Kinder brechen den Kontakt ab, um frei atmen zu können. Auch damit ist ein Kind nicht wirklich gelöst, denn ein innerer Frieden ist mit einem solchen Bruch selten verbunden.

Im siebten Kapitel betrachtet Ulsamer den Blickwinkel der Eltern: Welche Verantwortungen und damit einhergehenden Schuldgefühle bringen Kinder für die Eltern? Zu Beginn seines Lebens ist ein Kind ganz und gar von seinen Eltern abhängig. Diese Abhängigkeit bleibt viele Jahre bestehen. Das macht es für manche Eltern schwierig, ihr Kind als eigenständiges Wesen zu sehen und loszulassen. Weil Eltern ihre Kinder lieben, fühlen sie sich oft verantwortlich, wenn es den Kindern schlecht geht. Außerdem ist heutzutage überall Perfektion gefragt, so auch in der Elternschaft. Eltern können sich schuldig fühlen, wenn sie den öffentlichen oder ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden und ihr Kind nicht „perfekt“ ist.

Ja, damit hat Schuld auch einen großen Zusammenhang zur Thematik von Erziehung und innerhalb von Familien.

Zeit um in die Selbstreflexion zu gehen?
Kennen Sie das Gefühl der Schuld in Bezug auf Ihre Ursprungsfamilie? Oder in Bezug auf Ihre jetzige Partnerschaft oder Familie? Worin sehen Sie Schuld? Wie könnte die Schuld losgelassen werden?

Wer die Dynamiken, die hier wirken, versteht, kann schrittweise über sie hinauswachsen. Also: Schuld verstehen und wirksame Lösungen finden.

Gutes Gelingen dabei
wünscht Christa Schäfer

Lesetipp: Gefühle sehen – Menschen verstehen

Buch bestellen unter:

Rabattmarken, Gummiband und Racket im Umgang mit Gefühlen

Leben heißt Emotionen zu erfahren.

7 Emotionen hat Paul Ekman durch seine Forschungen als universal und kulturübergreifend gleich in ihrem Ausdruck identifiziert: Ärger, Angst, Ekel, Freude, Trauer, Überraschung, Verachtung. Jede Emotion ist eine Energiequelle.

4 Basisemotionen bilden je eine Obergruppe, denen viele Emotionen zugeordnet werden können: Angst, Wut, Traurigkeit, Freude. Jede Gruppe von Gefühlen hat eine besondere „Funktion“.

Angst
‘“Die Angst ist das Gefühl,
das uns zur Flucht animiert,
um einer Gefahr zu entkommen.“
(Nunge; Mortera: Gefühlsbalance. S. 23)

Wut
„Wut ist das Gefühl, das uns bereit macht, anzugreifen und zu kämpfen
bzw. uns einer Bedrohung zu stellen oder gegen etwas anzugehen.“
(ebenda, S. 33)

Traurigkeit
„Die Traurigkeit ist die Emotion,
die mit dem Gefühl der seelischen Betäubung einhergeht,
das wir empfinden, wenn wir einen geliebten Menschen
oder ein wertvolles Objekt verloren haben.
Zu dieser Reaktion gehört vor allem der Rückzug in sich selbst.“
(ebenda, S. 48)

Freude
„Freude ist das Gefühl, das uns dazu drängt,
unser Wohlgefühl, unser Vergnügen mit anderen zu teilen.
Sie ist ein starker Motor, setzt aber eine gewisse Öffnung,
ein Zugehen auf andere voraus.“
(ebenda, S. 66)

Kommen Erwachsene mit ihren Gefühlen nicht gut zurecht, so liegt es oft daran, dass Gefühle in der Kindheit durch die Erziehung „verfälscht“ worden sind. Meist hat diese(r) Erwachsene nicht gelernt, „gut“ mit bestimmten Gefühlen umzugehen. Das kann natürlich „nachgelernt“ werden, ist aber nicht so einfachen …

GefuehlsbalanceDie obigen Zitate entstammen dem Buch „Gefühlsbalance“ von Olivier Nunge und Simonne Mortera aus dem Scorpio Verlag. Die beiden schauen mit der Transaktionsanalyse (TA) auf das Thema Gefühl und geben Informationen, Erfahrungen und Tipps weiter, die unterstützen, belastende Emotionen loszulassen und im Alltag besser mit Gefühlen umzugehen.

Die Transaktionsanalyse stellt drei Modelle vor, auf welche Weise Gefühle an ihrem authentischen Ausdruck gehindert werden.

Das Sammeln von Gefühlen (Rabattmarken)
Wir neigen dazu, Emotionen zu sammeln, bis sie sich aufstauen. Dann kann ein einziger Satz oder eine einzige Geste „die Bombe zum Platzen bringen“. Je nach Menge der gesammelten „Rabattmarken“ gibt es dann unterschiedlich große Gefühlsausbrüche.

Reaktive Gefühle (Gummiband)
Hierbei geht es um unangemessene Gefühle, die sich auf jede der vier oben benannten Emotionen beziehen können. Ein aktuelles Ereignis ruft uns die Erinnerung an ein ähnliches Ereignis in der Vergangenheit wach. Haben wir die Situation damals als unangenehm erlebt und bisher keine Möglichkeit, das Problem auf seelischer Ebene auf zufriedenstellende Weise zu lösen, so schleppen wir das alte ungute Gefühl weiter mit uns mit und es wird in jeder vergleichbaren Situation wieder ausgepackt. Ein unsichtbares Gummiband zieht uns in einer bestimmten Situation quasi zurück in die Vergangenheit.

Racket (Ersatz- oder Maschengefühle)
Ersatzgefühle sind Emotionen, die an Stelle einer realen, tiefer liegenden Emotion treten. Das ursprüngliche Gefühl bleibt verborgen, weil es vielleicht anfangs unerwünscht oder sogar verboten war. Ein neues Gefühl tritt an die Stelle des ursprünglich erlebten Gefühls. Mithilfe dieser „Manipulation“ kann Aufmerksamkeit erlangt werden, ohne das ursprüngliche Gefühl zu benennen.

Das Buch „Gefühlsbalance“, dem ich diese Gedanken entnommen habe, zeigt zunächst die vier Basisemotionen, bespricht dann die Verfälschungen und erläutert anschließend die drei von der Transaktionsanalyse benannten Zusammenhänge von Gefühlen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Damit ist dieses kleine Geschenkbändchen ein guter erster Einstieg zum Thema Emotionen, interessant geschrieben für jederfrau und jedermann.

Einen intensiven Einblick in das Thema Gefühle gibt es beispielsweise über die Mimikresonanz und das Buch “Gefühle sehen. Menschen verstehen“

Dr. Christa D. Schäfer

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