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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Familienmediation (Page 2 of 7)

Schuld

Über Schuld denken wahrscheinlich die wenigsten Menschen gerne nach. Und dennoch ist Hintergrundwissen über dieses Gefühl wichtig. Darum möchte ich dem Thema “Schuld” einen Artikel in diesem Blog widmen …

Mediation sucht nicht nach Schuldigen oder nach Verursachern. Dennoch ist Schuld manchmal ein Thema, das eine oder einen der Medianden beschäftigt. In meiner Arbeit mit straffällig gewordenen jungen Männern im Denkzeit-Training kommt es häufiger zur Besprechung des Themas „Schuld“. Manche geben anderen Personen die Schuld, dass sie eine Straftat begangen haben oder sogar ihrer Ansicht nach begehen mussten. Manche sehen eine Schuld bei sich.

Schuld scheint mir so etwas wie ein vergessenes Gefühl zu sein. Ist Schuld überhaupt ein Gefühl, oder ist Schuld eher ein kognitiver Vorgang, der im Gehirn stattfindet? Wie fühlt sich Schuld an? Was steht – kognitiv gesehen – hinter der Schuld? Das Schuldgefühl ist kein Begriff, der einfach zu definieren ist.

Bertold Ulsamer hat ein Buch mit dem Titel „Acht Gesichter der Schuld – Ansätze zur Überwindung“ geschrieben, das im Scorpio Verlag erschienen ist. Er benennt, dass Schuld mehrere Gesichter hat und es verschiedene Wege gibt, damit umzugehen. Durch seine Arbeit als systemischer Therapeut hat er einen großen Erfahrungsschatz zum Thema. Er beschreibt Schuld, spricht darüber, wie sie sich anfühlt und welche Auswirkungen sie auf unser Handeln hat. Dabei beschäftigt er sich zunächst mit der individuellen Schuld und den Schuldgefühlen. Er behandelt acht unterschiedliche Bereiche und Formen von Schuld. Er merkt aber auch an, dass Schuld weiterhin viel komplexer ist, als sie in diese acht Bereiche zu teilen.

Die acht von Ulsamer benannten Facetten von Schuld:

  1. Schuld und Schulden: Das Bedürfnis nach einem Ausgleich
  2. Die Verantwortung für einen Schaden: Täter und Opfer
  3. Das schlechte Gewissen: Das Drama im eigenen Inneren
  4. Die Illusion der Kontrolle
  5. Überlebensschuld
  6. Kinder und Eltern: Bindung und Loslösung
  7. Eltern und Kinder: Die Schwierigkeit, die Kinder loszulassen
  8. Die geteilte Schuld: Nachkommen tragen die Schuld mit

Besonders interessant im Sinne des pädagogischen Gesichtspunktes sind die Kapitel sechs und sieben, in denen Kinder und Eltern im Fokus der Betrachtungen stehen. Das sechste Kapitel spricht aus der Perspektive der Kinder. Dabei geht es darum, was für Gefühle und Verpflichtungen Kinder gegenüber ihren Eltern mit der Zeit aufbauen und welche Schuldgefühle dabei mitschwingen. Schuld ist hier oft ein Thema, das im Untergrund wirkt. Dann können sich Kinder nicht wirklich von ihren Eltern lösen, sondern bleiben in einer unguten Art und Weise gebunden und verpflichtet. Oder auch das Gegenteil: Kinder brechen den Kontakt ab, um frei atmen zu können. Auch damit ist ein Kind nicht wirklich gelöst, denn ein innerer Frieden ist mit einem solchen Bruch selten verbunden.

Im siebten Kapitel betrachtet Ulsamer den Blickwinkel der Eltern: Welche Verantwortungen und damit einhergehenden Schuldgefühle bringen Kinder für die Eltern? Zu Beginn seines Lebens ist ein Kind ganz und gar von seinen Eltern abhängig. Diese Abhängigkeit bleibt viele Jahre bestehen. Das macht es für manche Eltern schwierig, ihr Kind als eigenständiges Wesen zu sehen und loszulassen. Weil Eltern ihre Kinder lieben, fühlen sie sich oft verantwortlich, wenn es den Kindern schlecht geht. Außerdem ist heutzutage überall Perfektion gefragt, so auch in der Elternschaft. Eltern können sich schuldig fühlen, wenn sie den öffentlichen oder ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden und ihr Kind nicht „perfekt“ ist.

Ja, damit hat Schuld auch einen großen Zusammenhang zur Thematik von Erziehung und innerhalb von Familien.

Zeit um in die Selbstreflexion zu gehen?
Kennen Sie das Gefühl der Schuld in Bezug auf Ihre Ursprungsfamilie? Oder in Bezug auf Ihre jetzige Partnerschaft oder Familie? Worin sehen Sie Schuld? Wie könnte die Schuld losgelassen werden?

Wer die Dynamiken, die hier wirken, versteht, kann schrittweise über sie hinauswachsen. Also: Schuld verstehen und wirksame Lösungen finden.

Gutes Gelingen dabei
wünscht Christa Schäfer

Lesetipp: Gefühle sehen – Menschen verstehen

Buch bestellen unter:

Elder Mediation

Die Elder Mediation ist ein Mediationsbereich, der in Kanada in den 1980/90er Jahren entstand. Es gab verschiedene Organisationen, die die Erfahrung machten, dass Altersmediation Familien in bis dahin ungelösten Fragen gut unterstützen kann. Die Alzheimer-Gesellschaft der Prince Edward Island in Kanada, die erstmals 1991 Elder Mediation anbot, erklärte diesen Mediationsbereich sogar zu einem Kerngeschäft ihrer Gesellschaft. Die ersten Ausbildungsgänge zur Elder Mediation entstanden. Ein Berufskodex wurde für MediatorInnen entwickelt, die im Bereich der Elder Mediation tätig waren. 2006 wurden die Berufsregel zur Elder Mediation von Judy McCann-Beranger ausgearbeitet, verabschiedet und später auch ins Deutsche übersetzt. Das Elder Mediation International Network (EMIN) entstand als ein internationaler Zusammenschluss von Elder MediatorInnen. Seit 2008 führt das Netzwerk jährlich einen Kongress durch, das von Mediatorinnen und Mediatoren aus aller Welt besucht wird. Der Kongress hat in der Schweiz dazu geführt, dass das Thema auch dort verstärkt Fuß fassen konnte.

Ganz klar gibt es im Alter verschiedene Themen. Mal geht es darum, dass ein älterer Mann mit seinen Kindern etwas klären möchte, das ihn schon lange belastet und endlich ausgesprochen werden muss. Mal ist es die Familie, in der drei Geschwister klären müssen, wie die Pflege der Mutter gut gelingen kann, wer sich um was kümmert und wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Dann wieder gibt es ältere Ehepaare, in denen jetzt im Alter die Gewalt im Familienkontext Einzug hält, wie können sich die Kinder verhalten, wie kann man das alte Paar unterstützen und welche Regeln können aufgestellt werden? Die Fälle in der Elder Mediation sind so vielfältig wie nur denkbar. Gleich bleibt allen Fällen, dass sich die Mediatorin oder der Mediator in diese Ebene des Lebens hineindenken können und bestimmtes Wissen, diesen Bereich betreffend, haben muss.

Seit kurzem gibt es auch verschiedene Angebote zur Elder Mediation in Deutschland. Die 2013 gegründete Fachgruppe des Bundesverbandes Mediation (BM) verzichtet bewusst darauf, den Begriff „Alter“ anhand der Anzahl der gelebten Jahre eines Beteiligten zu bestimmen. Sie definiert die Elder Mediation:

„Elder Mediation ist Mediation, bei der die MediandInnen Alter bzw. die Konsequenzen des Älterwerdens als ein Thema ihres Konfliktes wahrnehmen. Der Konflikt, der in der Mediation bearbeitet wird, kann im privaten oder beruflichen Zusammenhang entstanden sein. Häufig, aber nicht immer, sind generationenübergreifende Systeme betroffen. Elder Mediation richtet sich an ältere Menschen und ihr Umfeld mit dem Ziel, Konflikte zu deeskalieren und bestehende Netzwerke zu stärken.“ (http://www.bmev.de/index.php?id=584, eingesehen am 30.08.2014)

Seitdem ich vor einigen Jahren die Elder Mediation in Tucson / Arizona kennen gelernt habe, führe ich auch verschiedentlich Elder Mediationen in Berlin oder deutschlandweit durch. Es gibt verschiedene Besonderheiten in diesem Mediationsbereich, die beispielsweise in den folgenden beiden Artikeln nachzulesen sind:

Artikel im „Spektrum der Mediation“

Artikel in „Mediation aktuell“

Aufgrund der Besonderheiten dieses Mediationsbereiches hat mich das Buch “Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. Konzepte und Praxis für Beratung und Psychotherapie“, im Carl-Auer Verlag herausgegeben von Thomas Friedrich-Hett, Noah Artner und Rosita A. Ernst sehr interessiert. Das Buch beschäftigt sich zunächst mit den Grundlagen des Alterns und umfasst anschließend verschiedene Aspekte der praktischen Arbeit mit älteren Menschen. Da breitet sich eine große Bandbreite aus, angefangen von der Systemischen Psychotherapie Hochbetagter über die Biografiearbeit, das Thema Sexualität und Partnerschaft im Alter, eine mögliche Suchtproblematik bis zum Umgang mit dementen Menschen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man sich für verschiedene Aspekte zur Beratung, Therapie und Mediation mit älterer Menschen interessiert. Und da es zur Elder Mediation noch kein deutschsprachiges Fachbuch gibt, sollte dieses Buch ein Grundlagenwerk werden, das für Elder MediatorInnen Pflicht wird.

Wer meinen Blog schon schon ein wenig länger kennt, der weiß, dass ich gerne eine Buchpassage zitiere, deren Gedankengänge mich besonders beschäftigt haben. Aus dem „Systemischen Arbeiten mit älteren Menschen“ möchte ich gerne auf Folgendes hinweisen:

„Verschiedene internationale Studien bestätigen, dass Einstellung und Lebenshaltung erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebensdauer haben. Genauso, wie negative Erwartungen dem eigenen Alter gegenüber zu ungünstigen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden können, können positive Einstellungen Lebensdauer und Lebensqualität verbessern.
So zeigte zum Beispiel eine Langzeitstudie der Universität Yale an 660 Älteren, dass diejenigen, die Altersvorurteile ablehnten und eine positive Selbsterwartung hatten, im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten. Die innere Haltung hatte dabei sogar einen größeren Einfluss auf die Lebensdauer, als Sport zu treiben oder aufs Rauchen zu verzichten.“ (Friedrich-Hett; Artner; Ernst (Hrsg.): Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. S. 24)

Gerne möchte ich den Rat geben, rechtzeitig in einer Mediation Themen im Umgang miteinander zu klären, um die Lebensqualität zu erhöhen und eine positive innere Haltung steigern zu können, nur MUT !!

Christa D. Schäfer

Das Empty Nest Syndrom

Neben dem „Spektrum der Mediation“ lese ich sehr gerne „Die Wirtschaftsmediation. Ein Fachmagazin für Unternehmer und öffentliche Verwaltung“ (herausgegeben von Gernot Barth und Bernhard Böhm).

In jeder Ausgabe dieses Fachmagazins gibt es einen Artikel zum Thema Familie. In der aktuellen Ausgabe „Die Wirtschaftsmediation 4/2014“ gibt es in dieser Rubrik einen spannenden Artikel von Felicitas Römer zum Thema „Und plötzlich ist das Nest leer – was der Auszug der Kinder für Eltern bedeutet.“

Artikel zu diesem Thema sind in Deutschland noch selten. Vor einigen Jahren habe ich in Amerika in einem Buchladen dutzendeweise Bücher zu diesem Thema gesehen. Sogar in Zeitschriften gab es Tipps für Mütter, wie am besten mit dieser Situation umzugehen sei. „Lernen Sie jetzt unbedingt SMS zu schreiben, damit Sie die Verbindung zu Ihrem Kind behalten.“ – war auf der Hilfe-Liste die Nummer 1.

Interessanterweise hatte ich bereits einige Mediation von Familien, die sich in dieser Lebensphase befinden. Immer wieder kamen dabei natürlich die Herausforderungen dieser Lebensphase zur Sprache. Die Loslösung des Kindes führt zu einer Neudefinition der Paarbeziehung, die gelingen – oder eben auch misslingen kann. Es kann eine Befreiung und ein „zweiter Frühling“ stattfinden, oder aber auch das Aufbrechen von alten und nicht gelösten Konflikten. Da tut eine Paarmediation gut und kann vieles klären …

Demnächst mal mehr zu diesem Themenfeld in diesem blog …

„Konfliktkompetenzen. Wie sie sich aus Verstrickungen lösen“ so lautet der Titel der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftsmediation. Interessante Artikel warten auf die Leserinnen und Leser: Mediation im öffentlichen Raum – Alibi oder Chance / Mediationskompetenz und Kompetenzmediation / Unternehmen führen und Konflikte grenzüberschreitend lösen – bloß wie? / Pferdegestützte Trainings – wie sie die Konfliktkompetenz von Führungskräften stärken können / Die Lehrlingsmediation in Österreich / und viele weiter mehr

Internetartikel zum Thema „Empty Nest“

Buch von Felicitas Römer: „Ausgeflogen“ (2012)

Zur Internetseite der Wirtschaftsmediation

Mein Artikel zum Thema „Kommunikation und Konfliktmanagement in der Familie“ in der Ausgabe 03/2013 der Wirtschaftsmedition

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern
wünscht Christa Schäfer

mapapus

Heute möchte ich Ihnen gerne die mapapus vorstellen, dazu habe ich ein Interview mit Jen Arndt-Lind, der Erfinderin der mapapus, geführt.

Frau Arndt-Lind, was sind mapapus?

mapapu steht für MAma-PApa-Puppe. Es ist ein therapeutisches Kuscheltier, zusammengenäht aus den Lieblings-T-Shirts der Eltern für deren Kind. Der bekannte Stoff der Eltern sowie der vertraute Geruch schaffen auf Anhieb familiäres Vertrauen und Geborgenheit beim Kind.
Fast jeder hat noch eine sehr konkrete Erinnerung an seine erste große Liebe im Leben: das Kuscheltier. Ob als Freund, Einschlafbegleiter, Trostspender wenn die Seele wackelt, Sicherheitsgeber in speziellen Situationen oder Helfer beim Bearbeiten von Erfahrungen: Kuscheltiere werden vom Kind beseelt und sind damit emotional intensiv besetzt. Sie sind ein wichtiger Begleiter bei der Identitätsarbeit und Selbst-Entwicklung eines jeden Kindes. Wenn es uns allen als Kind emotional oder physisch schlecht ging, wollten wir mit großer Wahrscheinlichkeit unser Kuscheltier bei uns haben, da es die nötige Unterstützung gegeben hat.
mapapu-Kuscheltiere gehen einen Schritt weiter! Die positiven Eigenschaften des Kuscheltieres werden durch einen mapapu personalisiert und verstärkt. Ob als besonderes Geschenk, bei kleineren Trost-Einsätzen wie Heimweh oder Kita-Eingewöhnung oder bei schwereren Schicksalsschlägen wie dem Verlust eines geliebten Menschen oder der Trennung der Eltern: Ein mapapu kann helfen, eine aus dem Gleichgewicht gekommene Seele ein Stück weit zu stabilisieren.

Wie und wann entstand die Idee?

mapapu

Wir sind eine Patchwork-Familie mit vier Kindern. Jule, die Tochter meines Mannes, lebt bei ihrer Mama in Berlin und der Vater meines Sohnes Emil in Hamburg. Die beiden pendeln also stetig hin und her. Als 2007 das erste von zwei gemeinsamen Kindern auf die Welt kam, war es für die beiden großen Kinder (damals 8 und 9 Jahre) gefühlsmäßig ein bischen kompliziert:
Wer gehört zu wem und wohin? Wie ist wer mit wem verbunden? Wo ist mein Platz und wie finde ich den? Wo ist eigentlich oben und wo unten?
Ich wollte Emil ein T-Shirt für seine Papa-Wochenenden mitgeben, damit er mich quasi mitnehmen und ich bei ihm sein kann. “…aber wie ist es anders herum? Sollte Emil nicht auch seinen Papa mit zu uns nehmen können?”, fragte ich mich. Ein Kuscheltier wäre toll. Und: Jule braucht eigentlich auch eines….
So wurden T-Shirts von uns und den (zum Glück begeisterten) Ex-Partnern zusammengesucht. Mamas und Papas wurden für das jeweilige Kind zusammengenäht: Zeichen von Zusammenhalt, Einheit und Liebe wurden gesetzt…die ersten mapapus waren geboren!

Welche Herausforderung galt es zu überwinden?

Es galt ganz bei den Bedürfnissen des Kindes zu sein und dafür sich selbst zurück zu nehmen. Es war eine emotionale Herausforderung trotz innerer Widerstände, ein mapapu aus den Stoffen von Emils Vater und mir zu fertigen und anschließend eigenhändig den Stoff meines Mannes und den seiner Ex-Partnerin zusammenzunähen.
Kinder werden in der Regel von beiden Elternteilen gleichermaßen geliebt. Diese Liebe wollte ich in Form des mapapus vereinen, der dem Kind als unablässiger Bestätiger signalisiert: “Du bist richtig, so wie Du bist!“
Ein mapapu ist zunächst natürlich eine „niedliche“ Idee für jedes Kind – beispielsweise zur Geburt oder Taufe. Die Herausforderung, die es anzunehmen gilt, ist, die Verunsicherungen, die bestimmte Lebensumstände herbeiführen, anzuerkennen und Hilfestellung zu leisten. Ich möchte, dass Kindern, deren Seele ins Wanken geraten ist, ein mapapu als verlässlicher Begleiter und Tröster zur Seite steht.
Jeder guckt lieber in die Augen lachender Kinder. Der Markt ist voll von Produkten für fröhliche Kinder. Ein trauriges oder traumatisiertes Kind ist noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft. Doch es gibt sie, diese Kinder, und genau diese Kinder möchten wir mit unserer Arbeit erreichen und unterstützen. Diesen Gedanken aufrichtig und wahr in die Welt zu tragen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Wir kennen die Sorgen und Nöte unserer kleinen Kunden, weil wir selbst betroffen sind.

Wozu sind mapapus gut, was bewirken sie bei Kindern?

mapapu

Zuerst einmal ist eines bei allen Kindern zu beobachten: sie schließen ihren mapapu schlagartig in ihr Herz. Es ist ja nicht nur so, dass sie die T-Shirts wiedererkennen (wenn sie denn schon groß genug sind!), zudem ist der Geruch vertraut. Uns ist es wichtig, daß nicht frisch gewaschene Shirts bei uns ankommen. Unser Tipp ist, die T-Shirts nach der Wäsche ein oder zwei Nächte anzuhaben. Der Geruch hält sich lange und ist bei Übergabe des mapapus nach wie vor da!
Und die Haltung der Eltern spielt eine große Rolle – denen ist ja bewußt, dass das mapapu ein ganz besonderes Tier ist. Die Gefühle der Eltern im Moment der Übergabe nehmen die Kinder deutlich wahr. Sie haben feine Antennen für das, was im Raum ist, sind emotional mit den Eltern verbunden. Bei den Kindern ist ein intuitives Wissen: Hier findet etwas Besonderes, etwas Schönes statt!
Gucken wir in die Bereiche, wo ein mapapu therapeutische Aufgaben hat, bringt er tatsächlichen Trost und Heilung mit sich. Beispielsweise bei Trennungskindern, die – egal in welchem ihrer Zuhause sie gerade sind – in einem mapapu Mama und Papa immer bei sich haben. Der mapapu hat geheimnisvolle und heilende Kräfte, weil er etwas zusammen hält, was für das Kind für immer untrennbar ist, da es selbst aus diesen beiden gemacht ist: Mutter und Vater. Das Kind bekommt über den mapapu von seinen getrennten oder sich trennenden Eltern das deutliche Zeichen, daß es geliebt wird und daß es selbst richtig ist, so wie es eben ist. Der mapapu kann helfen, die Trennung der Eltern zu verarbeiten und die Schuldzuweisung, die sich das Trennungskind oft selbst gibt, zu verringern.
Ein weiteres intensives therapeutisches Anwendungsgebiet sind trauernde Kinder. Ein mapapu aus der Kleidung des oder der Verstorbenen gibt die Möglichkeit, etwas, das nicht zu begreifen ist und nicht mehr greifbar ist, ein bisschen begreiflicher zu machen. Das Kind hat nun die Möglichkeit, im Spiel das individuelle Erleben der Situation nachzustellen, es findet Trost durch greifbare Nähe. Es hat einen Hafen, um Kraft und Mut zu schöpfen, hat einen Freund, der zuhört und beweint werden kann und darf… … und dem man natürlich auch mal eins auf die Nase geben kann.
Dies sind zwei von vielen weiteren Ansätzen für therapeutische Anwendungsgebiete eines mapapus. Wir selber sind immer wieder positiv überrascht, welche Einsatzgebiete uns nahegelegt werden! Ob verwaiste Eltern, trauernde Geschwister, Kinder mit krankheitsbedingten langen Krankenhausaufenthalten oder Erwachsene, die sich mit dem Thema Innere-Kind-Findung oder Verlust einer Schwangerschaft auseinander setzten: Ein mapapu aus symbolkräftigen, persönlichen Stoffen kann ein Stück weit helfen, die jeweilige Trauer zu bearbeiten!

Welchen Auftrag haben sie besonders gerne angefertigt?

Das waren zwei mapapus für ein Geschwisterpaar, deren Bruder gestorben ist. “Ich kann das nicht!”, dachte ich zuerst. Es war so traurig. Diese T-Shirts in die Hände zu nehmen, sie zu riechen, sie zerschneiden zu müssen. Aber dann habe ich einfach angefangen und habe dabei so sehr den Sinn meiner Arbeit gespürt. Das war eine sehr schöne Erfahrung.
Bei jedem mapapu-Auftrag erfragen wir natürlich den Hintergrund unserer Kunden, da diese Informationen in meine Arbeit mit einfließen. Da bekommen wir neben schönen Gründen auch sehr erschütternde Schicksalsschläge mit. Und so traurig und unfassbar einige Geschichten sind: in genau diesen Fällen wissen wir, daß die mapapu-Kraft am größten ist. Die Arbeit an genau diesen mapapus ist mir am wertvollsten.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass mapapus auch in der Familienmediation eine wichtige Rolle spielen können …
Besten Dank für dieses Interview sagt Christa Schäfer

mapapu

Das 1×1 des fairen Streitens in der Familie

Freitag 17 Uhr, es ist Februar und bereits dunkel. Ich gehe durch die Straßen, weil ich noch ein Geburtstagsgeschenk einkaufen will und auch noch Lebensmittel für’s Wochenende brauche. Vor mir geht eine Mutter mit ihrem ca. 5jährigen Sohn. Der Sohn zetert und mault. Die Mutter fängt an immer lauter zu sprechen. Der Junge fängt an zu jammern, er will etwas, ich kann die Situation nicht vollständig erfassen. Die Mutter ist anscheinend genervt, sie spricht immer lauter und heftiger. Der Sohn jammert. Dann der Ausspruch der Mutter: „Du bist so was von ungezogen. Wenn du jetzt nicht sofort aufhörst, dann setzt’s was.“ Der Sohn hört nicht auf.

Ich gehe weiter und begegne einer Familie, die ebenfalls zwei Kinder hat. Die Eltern sind mit ihrem Sohn, ca. 5 Jahre alt, und ihrer Tochter, ca. 3 ½ Jahre alt, unterwegs. Vater und Mutter schieben jeweils einen Buggy. Das Mädchen sitzt drin, der Junge läuft neben seinem Buggy her. Anscheinend ist auch noch der Großvater dabei, er läuft gemächlich nebenher. Auch hier hat der Sohn anscheinend ein „Problem“. Auch er jammert und ist weinerlich, die Sitution ist angespannt. Und was sagt hier die Mutter? Sie sagt: „Ich verstehe dich, das würde mich auch ärgern.“ Und der Großvater ergänzt: „Ja finde ich auch. Aber das kriegen wir schon hin.“ Der Junge beruhigt sich.

Zwei Situation mit ähnlicher Ausgangslage, die für die jeweiligen Jungen jeweils total unterschiedlich ausgehen. Was die beiden Jungen wohl für ihr weiteres Leben „lernen“?

Kommunikation ist der Schlüssel zu jeder guten Beziehung. Das gilt besonders für die Beziehungen innerhalb der Familie. Es lohnt sich daher, einmal einen prüfenden Blick auf das eigene Kommunikationsverhalten zu werfen: Drücke ich mich meinem Kind gegenüber klar und verständlich aus? Kann ich zuhören, wenn mein Kind mir etwas sagen will? Verhalte ich mich in Konfliktsituationen fair und respektvoll gegenüber meinem Kind?
Quelle: Steininger, Rita. Das 1×1 des fairen Streitens. Wie Sie Konfikte mit Ihren Kindern konstruktiv lösen. Ostfildern: Patmos 2014. S. 15

Interessieren auch Sie sich dafür, die Kommunikation mit Ihrem Kind zu verbessern? Dann kann ich Ihnen gerne ein Buch empfehlen, das derzeit beste deutsche Buch zu Thema „Kommunikation mit Kindern“. Rita Steininger hat sich mit dem Thema des fairen Streitens innerhalb der Familie beschäfigt. Sie schreibt im ersten Teil ihres Buches über das Hören im Konflikt, das Sprechen im Konflikt, Gefühle im Konflikt, Grenzsetzung, Regelerstellung, Mediation und den Familienrat. Der zweite Teil ihres Buches widmet sich speziellen Streitigkeiten im Familienrahmen, dem Selbständig werden, dem Thema Verantwortung übernehmen, dem Umgang mit Emotionen, dem Geschwisterstreit, Lernstress, der Pubertät und vielem mehr.

Das Buch stellt die derzeit aktuelle Theorie und Diskussion zu den Themen vor, es lebt von den vielen Beispielen, die die jeweiligen Themen illustrieren, und es gibt handfeste Expertentipps, auf die Eltern im Alltag zurückgreifen können.

Ich freue mich, dass meine Bücher „Kommunikation und Konfliktmanagement in der Familie“ sowie „Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“ als Fachliteratur Eingang in dieses Buch gefunden haben. Und ich gratuliere Ihnen, sehr geehrte Frau Steininger, sehr herzlich zu diesem gelungenen Buch !!! Ich drücke die Daumen, dass so viele Eltern wie möglich dieses Buch in die Hände bekommen. Es ist ein „must have“ im Kommunikationsbereich der Familie …

Und passend zu den Situationen, die ich am heutigen Nachmittag erlebt habe, möchte ich hier gerne noch einen Absatz aus dem Buch „Das 1×1 des fairen Streitens“ zitieren:

Wichtig: Kinder wollen sich zugehörig fühlen
Eines ist für die Eltern-Kind-Kommunikation besonders wichtig zu wissen: Auch Kinder hören bevorzugt auf dem Beziehungsohr! Das heißt, dass bestimmte ( vor allem kritisierende) Äußerungen der Eltern bei ihnen sehr schnell zu Zweifeln und Ängsten führen können: Ist Papa böse auf mich? – Hat mich Mama noch lieb?
Wenn Sie bei Ihrem Nachwuchs Anlass zur Kritik sehen, sollten Sie deshalb immer sorgsam darauf achten, dass Sie nur das (Fehl-)Verhalten Ihres Kindes beanstanden, niemals aber seine Persönlichkeit infrage stellen. Kinder brauchen mehr als alles andere die Bestätigung: „Meine Eltern lieben mich, so wie ich bin – auch wenn ich Fehler ache.“ Das Gefühl der Zugehörigkeit ist für ihre Entwiclung enorm wichtig. Vermeiden Sie deshalb herabsetzende Du-Botschaften wie diese: „Du bist so was von ungezogen!“ Oder: „Du bringst mich zur Verzweiflung!“
Quelle: Steininger, Rita. Das 1×1 des fairen Streitens. Wie Sie Konfikte mit Ihren Kindern konstruktiv lösen. Ostfildern: Patmos 2014. S. 28.

GUTE KOMMUNIKATION FÄNGT IN DER FAMILIE AN !!!
Christa D. Schäfer

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