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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Kommunikation (Page 2 of 15)

Resilienz und Kommunikation

Was hat das miteinander zu tun?

„Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Entstehung von Gesundheit (Salutogenese), Widerstandsfähigkeit (Hardiness), Bewältigungsstrategie (Coping) und Selbsterhaltung (Autopoiesis). Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität).“ (Quelle: wikipedia.de)

Beziehungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für Resilienz

„Resilient zu werden heißt, an der alles entscheidenden Grundlage für Gesundheit zu arbeiten: an der Fähigkeit, Beziehungen richtig zu gestalten – sowohl zu sich selbst wie zu seiner Umwelt-, und so das Fundament für ein gesundes und leistungsstarkes Leben zu legen.“ (Quelle: Dr. med. Mirriam Prieß: Resilienz. München: südwest Vlg. S. 13)

Beziehung ist die Grundlage für das, wer wir sind und was wir tun.
Beziehungen finden im privaten und im beruflichen Umfeld statt.
Aus Beziehungen schöpfen oder verlieren wir Kraft.
Wir befinden uns ständig in Beziehung.
Beziehung ist ein Grundbedürfnis.
Leben ist Beziehung.

Der Dialog ist die Grundlage für eine gute Beziehung

Einen Dialog zu führen heißt nicht gleicher Meinung zu sein.
Dialog meint niemals nur das Ich, sondern immer auch das Du.
Dialog meint, aus dem Ich und dem Du ein Wir zu machen.

Übereinander statt miteinander zu sprechen verletzt.
Geht der Dialog verloren, geht die Beziehung verloren.
Der Verlust des Dialogs ist der erste Schritt in die Erschöpfung.

Äußerer Dialog heißt Austausch

Dialog bedeutet ein Austausch von Geben und Nehmen.
Das Gefühl ist ein guter Sensor, um zu zeigen, ob Dialog da ist.
Ich bin wach und fühle mich im Fluss, wenn ich im Dialog bin.
Ich fühle mich müde und schwer, wenn es einen Monolog gibt.

Sechs Gelingensbedingungen für einen äußeren Dialog:

  1. Verstehen
  2. Empathie
  3. Offenheit
  4. Interesse
  5. Augenhöhe
  6. Respekt und Wertschätzung

Innerer Dialog

Ohne inneren Dialog kann kein äußerer Dialog entstehen.
Auch der innere Dialog ist für die Resilienz verantwortlich.
Der innere Dialog meint, im Kontakt mit sich selbst zu sein.
Der innere Dialog symbolisiert das innere Gleichgewicht.

Fünf Gelingensbedingungen für einen guten inneren Dialog:

  1. Interesse
  2. Empathie
  3. Offenheit
  4. Augenhöhe
  5. Respekt und Wertschätzung

Elternhaus als Grundstein für unsere Beziehungsfähigkeit

Eltern haben die Aufgabe, ihre Kinder körperlich und seelisch in die Welt zu bringen.
Der Blick der Eltern muss von bedingungsloser Liebe und Annahme geprägt sein.
Wer seelisch nicht geboren wurde, kann nicht für sich sorgen.
Innere Realitäten aus den ersten Lebensjahren werden mit ins Leben genommen.
Sie sind eine große Macht in uns, die uns im Außen mächtig oder ohnmächtig werden lassen.

Gefühle

Eine Ursache für geringe psychische Widerstandskraft ist die Unfähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Es gibt Gefühlsdenker, Körperfühler und Kopflose.

Verantwortung

Psychische Widerstandskraft entsteht, wenn Personen bereit sind, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

 

Ich hatte mich dafür interessiert, was Kommunikation mit Resilienz zu tun hat. Nun weiß ich es. Gelingender innerer und äußerer Dialog sind eine wichtige Grundlage für die Resilienz. Meine obigen Gedanken sind dem Buch „Resilienz. Das Geheimnis innerer Stärke“ von Mirriam Prieß entnommen. Das Buch ist aus der Praxis und für die Praxis geschrieben. Es baut auf jahrelanger therapeutischer Praxis und Beratungserfahrung auf. Mirriam Prieß zeigt in dem Buch einen gut gehbaren Weg zu mehr innerer Stärke. Sie zeigt keine neuen Verhaltensweisen sondern eine neue Haltung – eine Haltung, die durch das Leben tragen kann. Am Buchende gibt es einen 12-Punkte Selbsttest, mit dem die eigene Resilienz getestet werden kann. Und im Buch selber gibt es theoretischen Input zum Thema, übersichtliche und zusammenfassende Statements und viele Übungen zur Selbstreflexion. Ein wunderbares Buch, das den Zusammenhang zwischen Kommunikation und Resilienz ganz klar verdeutlicht. Ein Gewinn …

Resilienz, die unsichtbare Kraft …

Also: Auf eine gelingende Kommunikation als Grundlage für die Resilienz !!
Christa D. Schäfer

Elternarbeit in der Kita

Zu Kindern gehören Eltern, und die gute Zusammenarbeit mit Eltern stellt ein „Muss“ für jede gute Kita dar. Anders gesagt: Das Miteinander von ErzieherInnen und Eltern ist die Basis für eine gute Kita und einen guten Kindergarten.

Nach diesem Plädoyer stellen sich für Kitaleitungen und ErzieherInnen gleich mehrere Fragen: Wie stelle ich eine Erziehungspartnerschaft her? Wie kann ich Elternmeinungen einholen? Wie gestalte ich Elternabende, Elterngespräche, Elternmitarbeit? Die wenigsten Kitas haben gründlich darüber nachgedacht, wie sie die Elternarbeit aktiv gestalten wollen. Elternarbeit passiert eben, in der einen Gruppe so und in der anderen Gruppe vielleicht anders – wie es sich eben ergibt. Das kann mit dem Buch, das ich Ihnen heute vorstellen möchte, anders werden, denn es gibt jetzt ein handliches praxisorientiertes Buch zum Thema „Elternarbeit in der Kita“ aus dem DonBosco Verlag, das alle (jedenfalls fast alle) Ihre Fragen zum Thema beantwortet.

Das Buch beginnt mit einem Selbstcheck und berichtet anschließend über
9 Strategien für eine gelungene Elternarbeit

Eltern in der Kita: „Fremdkörper“ oder Erziehungspartner?
Elternmeinungen einholen
Erstkontakt zu Eltern
Rolle der Eltern in der Eingewöhnungsphase
Elternabende und Gruppennachmittage
Elterngespräche
Elternmitsprache und -mitarbeit
Eltern informieren
Erziehungspartnerschaft im Übergang Kita und Schule

Warum empfehle ich dieses Buch?
Weil es Wert auf gelingende Kommunikation legt und zeigt,
wie wichtig die Zusammenarbeit in der Erziehungspartnerschaft ist.

Folgende Kompetenzen sind von Kitaseite aus für eine partnerschaftliche Elternarbeit bzw. Erziehungspartnerschaft wichtig:

Soziale Kompetenzen
Fachkompetenzen
Kommunikationskompetenz
Selbstkompetenz
Interkulturelle Kompetenz
Rollenkompetenz
Führungskompetenz

Da ich einen Kommunikationsblog schreibe, interessiert mich der Aspekt der Kommunikation zwischen Eltern und Kita natürlich besonders. Elterngespräche finden zu einer Vielzahl von Anlässen und Zwecken statt:

Aufnahmegespräch
Gespräch nach der Eingewöhnungszeit
Tür- und Angelgespräche
Entwicklungsgespräch
Gespräche aus aktuellem Anlass
Übergangsgespräche (Kita – Schule)
und natürlich Elternabende, Weitergabe von Informationen, Projektgespräche usw.

Zu wirklich allen Gesprächsarten stehen im Buch Hinweise und Gesprächsleitfäden, super!

Da ich mich mit dem Thema Partizipation beschäftigt, interessiert mich auch, welche Möglichkeiten der Elternmitsprache und Elternmitarbeit das Buch vorschlägt. Da gibt es vielfältige Ideen, die ich hier gar nicht alle wiedergeben kann, lediglich einige sollen benannt werden:

Mitsprache:
Elternstammtisch
Elternabende
Elternbeirat/-vertretung
Elterncafé

Mitarbeit:
Begleitung bei Ausflügen und Bildungsvorhaben
Vorlesen in der Kita
Vorstellen der Elternberufe
Vorstellen von Instrumenten
Mitarbeit beim Kita-Fest
Unterstützung bei der Renovierung
Unterstützung beim Fundraising
Einbringen von beruflichem und fachlichem Knowhow
Vorträge zu Spezialthemen
und vieles mehr

Da findet sicherlich jeder Kindergarten und jede Kita noch sinnvolle und gute Ideen, die umgesetzt werden können. Weitere Beschreibungen zu den verschiedenen Formaten der Partizipation im Buch.

Ideen zum Thema Partizipation für den Schulbereich im Buch „Die partizipative Schule“.

Elternarbeit braucht Geduld und Zeit. Eine gute Elternarbeit setzt die Akzeptanz des Netzwerkes Familie voraus, in die ein Kind eingebunden ist. Wichtig ist, dass alle Respekt füreinander entwickeln.

In diesem Sinne: Gestalten Sie die Kita gemeinsam!
Christa D. Schäfer

 

Ähnliche Blogartikel:

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Kommunikation in der Kita

mediatorenshop.com

mediatorenshop blau

 

Wie Sie als meine Leserinnen und Leser wissen, lese ich gerne und viel – vor allem Fachbücher im Bereich Pädagogik und Mediation. Gerne bestelle ich meine Fachliteratur beim mediatorenshop.com. Das brachte mich dazu, mit der Gründerin des Online- und Offline-Shops, Frau Stepanka Böhm aus Leipzig, ein Interview zu führen. Hier ist es.

Sehr geehrte Frau Böhm, wie kamen Sie auf die Idee, den Mediatorenshop zu gründen?

Die Idee kam meinem Mann und mir auf einer steirischen Alm, unserer zweiten Heimat. Denn genauso faszinierend wie die Bergwelt, ist auch die Mediation. Auch sie speist sich aus vielen „Quellen“ und lässt hinter jeder Kehre Neues entdecken und erkennen.
Dabei tragen viele Disziplinen zum Erfolg der Mediation bei – sie ist damit im besten Sinne interdisziplinär. Diese Vielfalt bildet sich auch im wachsenden Bereich der Fachliteratur ab. Dort findet sich viel Spannendes.
Als „Querschnittsthema“ ist das Angebot jedoch zunehmend schwer zu überblicken. Nicht immer führt das „Schlagwort“ Mediation zum Ziel. Viele verschiedene (Buch-)Warengruppen gilt es zu überblicken.
In diesen „Dschungel“ wollen wir Orientierung geben und ein gut sortiertes, buntes Angebot an Fachliteratur für Mediatorinnen und Mediatoren bereithalten. Und auch die lesenswerten Titelschätze heben, die sonst nicht den Weg in die vorderen Plätze schaffen. Zwischenzeitlich haben wir über zehntausend Titel im Programm. Und täglich werden es mehr.
Und: Wir wollen nicht nur einen „Buchshop“, sondern auch eine Diskussionsplattform über (Fach-) Literatur und Medien bieten, wie zum Beispiel mit unseren (Online-)Lesungen oder Partnerprogrammen.

Welche drei Bücher sind derzeit die Top-Three in Ihrer Verkaufsliste?

Eigentlich bräuchten wir ja zwei Listen, denn das Kaufverhalten „Offline“ zum Beispiel an unseren Büchertischen bei Kongressen und Tagungen und „Online“ unterscheidet sich doch merklich.
Ein absoluter Klassiker und auch nach vielen Jahren auf dem Markt immer noch unser Verkaufsschlager ist das Buch „Mediation – die Kunst der Vermittlung in Konflikten“ von Christoph Besemer.
Auf Platz zwei steht momentan „Der Flipchart-Coach“ von Axel Rachow und Johannes Sauer. Das liegt vielleicht an unserem derzeitigen Themenschwerpunkt „Visualisierung“. Wir beobachten aber generell ein großes Interesse an „Methodenbüchern“.
An unseren Büchertischen wiederum ist einer unserer Toptitel das Büchlein „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay. Herrlich inspirierend und zum Schmunzeln. Auch eine persönliche Empfehlung und ein Lieblingsbuch von mir.
Übrigens: Neben Fachliteratur finden sich auch einige „Werke“ aus unserem DVD-Sortiment ganz oben in den „Charts“. Hier belegen beispielsweise die Lehrfilme „Wirtschaftsmediation“ von Markus Troja, „Ich glaube, Sie wollen meinen Job“ von Hartmut Schäffer sowie „Familienmediation“ von Liz Ripke regelmäßig vordere Plätze.

Welche drei Bücher sollte Ihrer Meinung nach jede Mediatorin und jeder Mediator als Basisliteratur besitzen?

Letztendlich ist es natürlich persönliche Geschmacksache. Die Entscheidung fällt mir angesichts vieler guter Bücher auch wirklich schwer. Es ist kein Urteil über die nicht erwähnten Titel.
Aber das „Werkstattbuch Mediation“ von Hannelore Diez sollte aus meiner Sicht nicht fehlen. Nach wie vor bezeichne ich es auch nach all den Jahren als ein Standardwerk der „Mediationsmethodik“.
Basisliteratur schlechthin und ebenfalls eines der Standardwerke ist natürlich auch der „homo mediator“ von Joseph Duss-von Werdt. Ein wahrer Fundus und einmalige Inspiration zur Geschichte und Menschenbild der Mediation.
Quasi als „Klammer“ zwischen den beiden Büchern empfehle ich von Gary Friedman und Jack Himmelstein „Konflikte fordern uns heraus“.

Sehr geehrte Frau Böhm, besten Dank für dieses Interview
sagt Christa Schäfer

Kann man erfolgreich streiten?

„Streit bringt uns voran und hilft uns, uns durchzusetzen: mit unseren Gedanken, unseren Meinungen, Ideen und Gefühlen. Streit befestigt Beziehungen, schafft Identität und macht tolerant. Das ist gut so und der Motor jeder Entwicklung.“

So steht es auf der Buchrückseite des Buches „Erfolgreich streiten. Wie man seine Ziele durchsetzt und trotzdem alle gewinnen“ von Werner Ehrhardt und Thomas Schneider, das 2013 im südwest Verlag erschienen ist. Was also ist erfolgreich streiten, und wie geht das?

Ehrhardt und Schneider erarbeiten, welche Richtlinien es im Streit gibt, um mit einem positiven Ergebnis für alle Beteiligten aus dem Streit herauszugehen. Dabei haben sie sich die Tit-for-Tat-Strategie näher angeschaut. Sie beschreiben, wie das Denken und Handeln in Win-win-Kategorien (Harvard-Modell von Fisher/Ury), erweitert um das Streitmodul Tit-for-Tat heutzutage unverzichtbarer und erfolgreicher Bestandteil von Krisenmanagement in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft geworden ist. In Situationen und Konflikten des Alltags ist Tit for Tat noch lange nicht angekommen. Aber nun muss erst einmal erläutert werden, was Tit-for-Tat überhaupt bedeutet …

Ehrhardt und Schneider nennen drei Parameter, die jeden Streit begleiten:

  1. Es sind immer Gefühle beteiligt.
  2. Es geht immer um etwas.
  3. Jeder Streit ist anders.

Die Tit-for-Tat-Strategie berücksichtigt alle drei Parameter. Ehrhardt und Schneider haben daran gearbeitet, die bereits im Politik- und Wirtschaftsbereich erfolgreiche Tit-for-Tat-Strategie als Alltagstraining für die Psychotherapie „umzubauen“. Es gibt 10 Elemente im Tit-for-Tat, die als ganzheitliches System zu verstehen und zu nutzen sind. Ein nicht beachtetes Element kann die gesamte Strategie außer Kraft setzen.

Die 10 „Regeln“ der Tit-for-Tat-Strategie:

  1. „Analysiere die Situation: Handelt es sich um eine Verdrängungssituation, ist es gewollter Kampf oder das Angebot für eine Kooperation.
  2. Beginne grundsätzlich freundlich und ehrlich, sei dabei immer offen, durchschaubar und berechenbar.
  3. Dein übergeordnetes Ziel ist, dass alle Beteiligten Gewinner sind.
  4. Schlage bei Verrat sofort, aber angemessen zurück.
  5. Frage bei Vermutungen aller Art unbedingt erst einmal nach, bevor du reagierst.
  6. Entschuldige dich sofort und leiste Wiedergutmachung, wenn du selber eine Vereinbarung gebrochen hast oder irgendetwas fahrlässig oder schuldhaft zu verantworten hast.
  7. Akzeptiere die Aggressionen und Gegenaggressionen anderer.
  8. Kommuniziere sowohl das Positive der Beziehung als auch das konflikthafte der aktuellen Situation.
  9. Achte auf die langfristige Ausgeglichenheit des Verhältnisses von Geben und Nehmen.
  10. Akzeptiere, wenn ein Partner nicht Tit-for-Tat-fähig ist, und beende die Beziehung.“
    (Ehrhardt, Werner; Schneider, Thomas: Erfolgreich streiten. München: südwest 2013, S. 61)

So können sich vermeintliche GegnerInnen gegenüberstehen und dennoch gemeinsam den Konflikt aufarbeiten und im besten Fall aus dem Weg schaffen. Gut und realistisch ist auch Punkt 10, denn er bezieht mit ein, dass nicht alle Leute hinter diesem Konzept stehen müssen und sich in dieser Art der Konfliktlösung wohl fühlen. Ein Konflikt oder Streit kann auch so festgefahren sein, dass es zusammen keinen Ausweg mehr gibt und die Wege sich vielleicht schweren Herzens trennen müssen.

Es ist super spannend, was Ehrhardt und Schneider zu jeder der 10 Regeln schreiben. Und überhaupt ist das Buch absolut lesenswert, weil es vom Alltag, vom täglichen Miteinander berichtet. Man erkennt viele der beschriebenen Situationen und kann vieles im Buch „Gelerntes“ auch gleich wieder im Alltag einsetzen. So kommt man wirklich dem Ziel näher, im Streit seine Interessen befriedigt zu bekommen und dennoch allen zum gewinnen“ verholfen zu haben. Damit ist auch die Anfangsfrage geklärt: Ja, man kann erfolgreich streiten.

Interessant ist auch der Teil des Buches, in dem Ehrhardt und Schneider auf individuelle Gefühlswelten eingehen. Das entsprechende Kapitel lautet: Wie erzieht man Kinder so, dass ihre Aggressionen sich auf natürliche Weise entwickeln und ausbilden? Als positive Vorbilder liegt es an den Eltern bzw. Bezugspersonen, den Kindern zu zeigen, wie Aggressionen ausgelebt werden. Wie wird gestritten und wie wird sich entschuldigt? Was ändert sich danach? Es ist auch total legitim einfach mal wütend zu sein und auf den Tisch zu hauen. Der Knackpunkt dabei ist jedoch, sich wieder zu beruhigen und gegebenenfalls zu entschuldigen und zu sehen, was gerade passiert ist. Wut ist ok. Es bringt nichts, sich dafür zu schämen oder sie zu unterdrücken. In der Rolle als Beschützende ist es jedoch wichtig, dass Erwachsene für die Kinder da sind. Haben Kinder ihre erste Wunde oder erleben ihren ersten Streit, ist es wichtig, dass die Bezugspersonen ihnen den Rücken stärken, sie auffangen, Verständnis zeigen und trösten. Wir sind nicht immer alle stark und brauchen jemanden, an den oder die wir uns anlehnen können. Und die dritte Rolle von Erwachsenen ist es, Grenzen zu setzen. Es ist wichtig, dass das Kind in verschiedenen Situationen lernt, was Ordnung bedeutet und was Grenzen überschreitet.

Ja, auch hierzu könnte ich noch viel schreiben, aber lesen Sie das Buch doch einfach selbst. Viel Spaß dabei wünscht Christa Schäfer

TZI und Mediation

Mediatorinnen und Mediatoren sollten wissen, was TZI bedeutet.

TZI ist die Abkürzung für „Themenzentrierte Interaktion“. Ruth Cohn, eine Berliner Psychoanalytikerin hat die Grundlagen der TZI in den 1960iger Jahren als Konzept für die Leitung von Gruppen entwickelt. Hier und heute möchte ich gerne in meinem Blog ein Buch vorstellen, in dem die wichtigsten Grundlagen der TZI von Experten knapp, präzise und dennoch aussagekräftig und gut nachvollziehbar beschrieben werden. Ferner möchte ich die einführenden Worte aus diesem Buch verdichten, um so allen LeserInnen einen guten Einblick in die Elemente der TZI geben zu können.

Die TZI ist in der Humanistischen Psychologie beheimatet, also der dritten Kraft neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie. Der Name „Themenzentrierte Interaktion“ verweist darauf, dass es um die Arbeit an einem ausformulierten Thema als Ausgangspunkt für die Interaktion in einer Gruppe geht. Ein gut gewähltes Thema spricht alle Gruppenmitglieder an, lässt innere Bilder und Bezüge entstehen und führt dazu, dass alle sich einbringen können. Wichtig ist für die Gruppenleiterin oder den Gruppenleiter ein solides Wissen um Gruppenprozesse, das meint die verschiedene Phasen in der Arbeit mit einer Gruppen, das Wissen um verschiedene Rollen im Gruppengeschehen sowie das Erkennen von Entwicklungspotentiale und -klippen in einer Gruppe. Gelingt es einer Gruppe nicht, ins Arbeiten zu kommen, so liegt dies meist weniger am Thema als an der Gruppe selber und den in ihr ablaufenden Prozessen.

TZI sieht die Struktursetzung als wichtige Aufgabe der oder des Leitungsverantwortlichen. Die Entscheidung, in welcher Struktur und mit welcher Methode zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Gruppe gearbeitet wird, hat großen Einfluss auf die Arbeit der Gruppe und die Arbeit der oder des Einzelnen. Gibt eine Leitung zu viel, zu wenig oder unpassende Strukturen vor, so wird die Gruppe in ihrer Arbeit behindert. Dann wird die gemeinsame Arbeit als chaotisch erlebt, Einzelne wirken passiv oder desintegriert, negative Gefühle dominieren oder man kommt inhaltlich nicht voran.

Der TZI-Praxis liegen drei Axiome zugrunde.

„1. Axiom (existentiell-anthropologisch): Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum gleichermaßen autonom und interdependent. Die Autonomie des Einzelnen ist um so größer, je mehr er sich seiner Interdependenz mit allen und allem bewusst ist.
2. Axiom (ethisch): Ehrfurcht gebührt allem Lebendigem und seinem Wachstum, Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll, Inhumanes wertbedrohend.
3. Axiom (pragmatisch-politisch): Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich. Unser Maß an Freiheit ist größer, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind und unter Gewalt und mangelnder Reife leiden. Das Bewusstsein unserer universellen Interdependenz ist die Grundlage humaner Verantwortung.“ (von Kanitz; Lotz, Menzel; Stollberg; Zitterbarth (Hrsg.): Elemente der Themenzentrierten Interaktion. S. 12f)

Auf der Grundlage dieser drei Axiome gibt es zwei Postulate für die praktische Umsetzung.

1. Sei deine eigene Chairperson.
„Das TZI nimmt für sich in Anspruch, mit ihrem Modell Menschen in ihrer Selbstbestimmung, ihrem Selbst-Bewusstsein und ihrer Bereitschaft, Verantwortung für sich, andere und die Sache zu übernehmen, zu unterstützen. Anders als in manch anderen Konzepten steht hier die Balance zwischen dem Selbst, den anderen und den gegebenen Notwendigkeiten im Vordergrund. Damit will die TZI so etwas wie im positivsten Sinne demokratisches Handeln unterstützen.“ (ebenda, S. 13)

2. Störungen nehmen sich Vorrang.
„Viele Menschen, die Gruppen leiten, fürchten sich genau davor: dass es zu Störungen kommen könnte, die die Arbeit behindern. Das sogenannte Störungspostulat bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass Arbeits- und Lernprozesse störanfällig sind und dass Störungen sich ihren Raum nehmen. (…) es geht nicht darum, dass Störungen immer, sobald sie auftreten, zum Thema gemacht werden müssen (…) Die TZI hat einen durchweg positiven Störungsbegriff, denn Störungen (…) helfen der Leitung und der Gruppe bei der Analyse, was gerade nicht gut läuft bzw. gerade nicht passt. Sie helfen beim Finden einer Entscheidung, was man anders machen könnte, damit die gemeinsame Arbeit besser gelingt. Grundlage dafür ist ein humanistisches Menschenbild, das davon ausgeht, dass Menschen gute Gründe haben, warum sie gerade im Moment anderes tun als von ihnen erwartet.“ (ebenda, S. 13f)

Ein zentrales Element der TZI ist das Vier-Faktoren-Modell
TZI-Dreieck Das Vier-Faktoren-Modell „geht von der Gleichwertigkeit der vier Faktoren aus, die die Arbeit einer Gruppe bestimmen: jede/-r einzelne Grupenteilnehmer/-in inklusive der Leitungsverantwortlichen (ICH), die Gruppe als Gesamtheit (WIR), die Aufgabe/die Sache, derentwegen Menschen zusammenkommen (ES), sowie die Beachtung der (Rahmen-)Bedingungen der Einzelnen, der Gruppe und der Sache (GLOBE). Gelingt es, alle vier Faktoren in der Arbeit zu berücksichtigen und auszubalancieren, fördert dies Prozesse des lebendigen Lernen und gelingender gemeinsamer Arbeit. (…) Der Leitung kommt dabei die Aufgabe der dynamischen Balance dieser Faktoren zu.“ (ebenda, S. 14)

Eine Gruppenleitung sollte partizipativ leiten.

Entgegen der autoritären und der laissez-fair Führung handelt eine partizipative Leitung als „role model“. Sie nehmen so Einfluss auf das Geschehen. „Indem sie eigene Gefühle, Assoziationen, Wünsche und Impulse wahrnehmen und diese partiell und bewusst ausgewählt auch in die Gruppe einbringen, entwickelt sich ein Leitungsstil, der sich grundlegend von anderen Konzepten (…) unterscheidet. Eine Gruppe gemäß der TZI Leitende begegnen den anderen Gruppenteilnehmenden auf Augenhöhe und sind bestrebt, ihre Leitungsmacht und -verantwortung zu mindern.“ (ebenda, S. 15)

TZI ist meine Grundhaltung in Mediationsseminaren und Pädagogik­weiterbildungen.


Natürlich gibt es ganz viel Literatur zur TZI von Ruth Cohn selber und von anderen AutorInnen. Das Buch „Elemente der Themenzentrierten Interaktion“ von Anja von Kanitz, Walter Lotz, Birgit Menzel, Elfi Stollberg und Walter Zitterbarth (Hrsg.) aus dem Vandenhoeck & Ruprecht Verlag stellt jedoch ganz hervorragende, grundlegende und ausgewählte Texte zur TZI zur Verfügung. Die Texte entstammen ursprünglich der Fachzeitschrift „Themenzentrierte Interaktion“ und sind so etwas wie ein best off. Alle Texte dieses Buches sind als Einstiegslektüre geeignet. Es gibt Artikel zur Orientierung im TZI-System, Artikel zu Prozessen innerhalb einer Gruppe und eine Auswahl von Beispielen, die zeigen, wie man TZI in der Praxis zur Planung, Gestaltung und Reflexion von Gruppenarbeit nutzen kann. Die AutorInnen der Aufsätze sind allesamt profilierte Lehrende, Forschende und Praktizierende der TZI aus verschiedenen Fachgebieten. Damit ist das Buch so etwas wie ein must have für TZI-Interessierte. Zum Bestellen einfach auf das Cover des Buches klicken …

Welche Verbindungen gibt es zwischen der TZI und der Mediation?

Meine eindeutige Antwort: Die Haltung einer Mediatorin / eines Mediators ist der Haltung einer TZI-Gruppenleiterin / eines TZI-Gruppenleiters sehr ähnlich. Kein Wunder, beiden liegt ja auch die Humanistische Psychologie zugrunde …

Dr. Christa D. Schäfer

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