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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Konfliktberatung (Page 2 of 12)

Konflikte schrittweise bearbeiten …

Beppo, der Straßenkehrer spricht zu Momo:

“Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist so schrecklich lang;
das kann man niemals schaffen, denkt man …
Und dann fängt man an, sich zu eilen.
Und man eilt sich immer mehr.
Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man,
dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an,
man kriegt es mit der Angst,
und am Schluss ist man ganz außer Puste
und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem.
So darf man es nicht machen.

Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Und immer wieder nur an den nächsten …
Dann macht es Freude; das ist wichtig,
dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein …
Auf einmal merkt man,
dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie,
und man ist nicht außer Puste …
Das ist wichtig.”

aus Michael Ende: Momo

Ist’s nicht auch so im Umgang und in der Bearbeitung von Konflikten?!
Christa D. Schäfer

Die Arbeit mit Metaphern in der Mediation

So langsam geht alles den Bach runter …
Stufe für Stufe gehen wir der Lösung entgegen …

Mediatoren sollten in ihrer Arbeit sprachsensibel vorgehen. Der Grad der Sprachsensibilität wird vom Aufmerksamkeits- und Sprachvermögen eines Mediators bestimmt und kann zudem von Mediation zu Mediation ganz unterschiedlich sein.

Metaphern fördern die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Beim Hören einer Metaphern können eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, alle Sinneseindrücke werden rechts bearbeitet. Die Hauptziele der Verwendung von Metaphern im therapeutischen Kontext sind es, Veränderung zu fördern, neue Perspektiven zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Interpretation einer Situation zu ermöglichen.

Das Verfahren der Mediation richtet sich an den Verstand der Medianden. Eine Metapher zielt auf unbewusstes Verstehen ab. Metaphern können nicht schnell und vollständig intellektuell analysiert und verstanden werden. Sie besitzen im Sinne des Psychotherapeuten Milton H. Erickson stets etwas Vages, Ungewisses und eine versteckte Bedeutung. Damit beeinflusst eine Metapher innere Prozesse, die sich dann in äußeren Veränderungen widerspiegeln können. Dies führt dazu, dass durch eine Metapher einerseits das bewusste Denken beschäftigt wird und andererseits unbewusste Suchprozesse nach neuen Bedeutungen und Lösungen angeregt werden. Metaphern berühren unser Herz und die Kreativität des Unbewussten. Sind sie gleichzeitig abstrakt und entfernt genug vom eigentlichen Problem, werden überkritische Anteile des bewussten Denkens den kreativen Prozess des Unbewussten nicht durch Widerstände, Zweifel oder intellektuelle Vorurteile stören.

Im NLP-Sprachgebrauch lösen Metaphern beim Zuhörer einen Prozeß der transderivationalen Suche, auch Ableitungssuche genannt, aus. Der Hörer einer Metapher hört die gesprochenen Wort auf einer Oberflächenstruktur (1), er versteht die Bedeutung der Metapher auf einer Tiefenstruktur (2), und er entwickelt eine parallele Deutung auf einer zusätzliche Tiefenstruktur (3), die in das Welt-Modell der Person passt, die einen inneren Zustand der Person aktiviert, oder die für ihr Leben bedeutungsvoll ist. Somit passiert durch eine Metapher ein Suchprozess nach einer spezifischen, den Prozess betreffenden Tiefenstruktur. Zudem bewirken Metaphern eine Dissoziierung von einem Problem, wenn das Problem (Bereich A) in einen anderen (weniger belastenden) Kontext (Bereich B) gestellt wird.

Ich persönlich arbeite in meinen Mediationskontexten sehr gerne mit der Methode der Metaphern. Sowohl in der Mediation mit Familien und Paaren als auch in der Gruppenmediation lässt sich diese Methode wunderbar einsetzen. Für das Buch „Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen“ (Hrsg. Peter Knapp) habe ich kürzlich einen Fachartikel zur Arbeit mit der Metaphernmethode beigesteuert. Wer ein Mal mit Metaphern in der Mediation gearbeitet hat, der wird von der Wirkung dieser Methode begeistert sein und daran festhalten …

Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das diese Methode ausführlich behandelt. Ich war ernsthaft begeistert, das von Brigitte und Ernst Spangenberg geschriebene Buch „Sprachbilder und Metaphern in der Mediation“ in den Händen zu halten. Das Buch startet mit einer Beschreibung der Arbeit mit metaphorischen Ausdrücken. Es folgen Kapitel, in denen die Spangenbergs die Grundsätze in der Mediation in Form von Metaphern erklären, den Phasen der Mediation Metaphern zuweisen, über Konfliktmetaphern, Lösungsmetaphern und Schlüsselbilder berichten sowie die Anwendung von Metaphern in schwierigen Fallkonstellationen darstellen.

Das Buch ist das erste Werk, das sich dem Thema „Metaphern in der Mediation“ verschrieben hat. Es ist ein absolutes Muss und ein Highlight für all diejenigen MediatorInnen, die von dem Thema Sprache in der Mediation fasziniert sind und die auch auf unbewusster Ebene über das Thema Sprache in Mediationen arbeiten möchten.

Einige Zitate aus dem Buch mögen Ihnen Lust machen, sich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen:

„Jeder Mediand hat zwei Seelen in seiner Brust, von denen die eine sich nach Frieden sehnt, während die andere den Konflikt provoziert. Medianden benötigen oft nur einen Vitaminstoß, um ihren Konflikt eigenverantwortlich lösen zu können. Die Mediation ist ein Impuls, der bei den Medianden eine Kugel ins Rollen bringt. Jede Mediation ist ein Abenteuer, bei dem es immer wieder erstaunliche Eigenschaften des Menschen zu entdecken gilt.“ (Brigitte und Ernst Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation. Frankfurt: Metzner Verlag 2013. S. 31)

Christa D. Schäfer

Hier geht’s zum Artikel Geschichten in der Mediation nutzen …

Vorsätze zum Jahresanfang

Zum Jahresende wird meist über das gerade vergangene Jahr nachgedacht.
Zum Jahresanfang kommen dann die guten Vorsätze für das noch frische neue Jahr.

Zum Jahresende 2012 hatte ich einen Artikel hier im blog über die Feedbackwürfel, zum Jahresanfang 2013 möchte ich Ihnen gerne die kreativen Aufhänger für entscheidende und entschiedene Freiräume vorstellen.

Zielsetzung_mit_Anhaengern.phpDiese Tür- oder Stuhlanhänger sind selber gestaltbar und öffnen damit Türe zu neuen Wegen, also genau das Richtige zum Jahresanfang. Die Anhänger stammen ebenfalls wie die Feedbackwürfel aus den Trainings-Tools von Peter Köstel. Sie können mit Stiften und Farben aller Art bemalt, mit Zeitungs- und Zeitschriftenschnipseln beklebt oder mit edlen bzw. auch weniger edlen Stiften beschrieben werden.

 

Damit sind die Anhänger vielseitig einsetzbar.

Privat:
Viele Menschen nehmen sich für das Neue Jahr etwas vor: Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben, besser Englisch zu lernen, weniger zu arbeiten (oder auch mehr zu arbeiten) usw. Wenn dies nicht visualisiert wird und man nicht „dran bleibt“, ist der Vorsatz schnell weg. Schreibt man hingegen sein großes Ziel auf die Vorderseite der Aufhänger und bildet Unterziele, die man auf der Rückseite notiert, so ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung viel höher …

Im Coaching oder in der Supervision:
Hier kann man die Anhänger professionell nutzen. Auf dem Anhänger gibt es eine gestaltbare Vorderseite und eine Rückseite mit acht Feldern, die nacheinander abgeschnitten werden können. Damit ist ein Oberziel in acht Unterziele unterteilbar, oder es kann über acht Aspekte zu einem Thema nachgedacht werden, oder es können acht Argumente für eine Entscheidung gesucht werden oder oder. Meiner Erfahrung nach freuen sich Coachees und Supervisanden auch über kreative Elemente im Coaching …

Im Seminar:
Hier kann man die Aufhänger auch als Willkommensgruß verwenden, beispielsweise auf die Vorderseite das Seminarthema schreiben oder kleben und auf die Rückseite dann die Hausaufgaben bzw. die unterschiedlichen Seminarthemen notieren. Dadurch tritt man gleich zum Seminarstart ganz individuell mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer in Kontakt …

In der Schule:
Gestalten Sie mit Ihren SchülerInnen einen Anhänger zu einem bestimmten Thema, das kann ein fachliches Thema aus dem Englisch- oder Geschichtsunterricht sein, das kann aber auch ein Thema zum sozialen Lernen sein. Sie könnten fragen: Was sind die wichtigsten acht Fakten, die du über Karl den Großen wissen musst? Oder: Was brauchst Du, um dich in unserer Klasse wohl zu fühlen? Die Anhänger können alleine oder auch in Gruppen zusammen gestaltet werden. Anschließend werden sie auf eine Leine im Klassenraum aufgehängt. Bisher gibt es in den meisten Klassen Wandzeitungen, auf denen die Schüler Ihre Ergebnisse festhalten, ab jetzt könnten es auch Türanhänger sein. Und wenn diese dann wieder abgehangen werden, dann können sich die Schüler die wichtigsten Fakten aus dem Mittelalter sogar zu Hause an die Kleiderschranktüre hängen, damit nichts „verloren“ geht …

Zur Projektplanung:
Natürlich können auch Projekte mit dem Anhänger gestaltet werden. Manche tun dies auf einem großen Flip-Chart, manche haben viele kleine Zettel, andere wieder ein Computerprogramm. Jetzt können kleinere Projekte auch mit diesem Anhänger gesteuert werden …

An dieser Stelle hätte ich noch viele Ideen zur Nutzung des Kreativanhängers.
Jetzt werde ich allerdings erst einmal meinen Anhänger gestalten.

Ihnen alles Gute für 2013 und für Ihre Vorsätze
wünscht Christa D. Schäfer

Zeitmanagement und Selbstorganisation für MediatorInnen

Wir haben nicht zu wenig Zeit,
aber wir verschwenden zu viel davon.
Auch zur Vollbringung der größten Dinge
ist das Leben lang genug,
wenn es nur gut angewendet wird.
(Seneca: Von der Kürze des Lebens)

Wenn man als junge MediatorIn (man könnte auch sagen SupervisorIn oder BeraterIn oder …) im Beruf anfängt, so hat man meist noch viel Zeit um Prozesse und Strukturen zu durchdenken. Wenn man etwas länger dabei ist, wird die Zeit schon knapper. Einerseits ist es wunderbar, viele Aufträge zu haben, andererseits muss man stets schauen wie man in einer fest bemessenen Zeit die Aufträge abarbeiten kann.

Dann wird Zeitmanagement und Selbstorganisation ein großes Thema. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über das Buch “Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ berichtet. Heute möchte ich ein Buch aus dem Umfeld von Wissenschaft empfehlen, das viele Methoden des Projekt-, Zeit- und Selbstmanagements, der Stressprävention und Motivationssteigerung, Lebensplanung und Selbstentwicklung vorstellt. Diese Bandbreite im Buch ist wirklich unglaublich, und so weiß ich, dass auch MediatorInnen viel aus diesem Buch mitnehmen können. Das Buch ist übrigens von Andrea Tschirf und Markus Riedenauer, es heißt „Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft“ und stammt aus dem facultas Verlag. Eine Leseprobe online finden Sie hier …

MediatorInnen haben eine Menge zu organisieren, mehr als sich frisch ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren vorstellen können. Viele MediatorInnen arbeiten in der Anfangszeit ihrer Tätigkeit in ihrem Ursprungsberuf weiter und beginnen stundenweise oder halbzeit mit ihrer Arbeit als MediatorIn. Die meisten MediatorInnen sind freiberuflich tätig, nur sehr sehr wenige kommen in einem Konzern oder einer Wohnungsbaugesellschaft unter. Bei der Vorbereitung einer Freiberuflichkeit ist es notwendig, sich zunächst Ziele zu setzen und zu überlegen, „wie man sich aufstellt“, also welche Angebote man anbieten kann. Dann ist zu überdenken, welches Design man für seine PR wählt, in welchem Rahmen man seine Dienste anbietet usw. Bald kommen die ersten Fälle. Ist das alles gut gelungen, ist der erste große Schritt zur Freiberuflichkeit getan.

In dem oben genannten Buch kann man übrigens nachschauen, wie Ziele gut formuliert werden. Vielleicht kennt der ein oder die andere bereits die SMART-Formel für die Zielformulierung? S = spezifisch, M = messbar, A = aktiv, R = realistisch, T = terminiert.

Spezifisch setzt voraus, dass das Ziel konkrete Kriterien enthält, die seine Erreichung beschreiben. … Messbar betrifft das Kriterium, an dem Sie erkennen werden, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben. … Aktiv betrifft alles Tun, das in Ihrem Einflussbereich steht, um das Ziel zu erreichen. … Realistisch meint Orientierung an der (Lebens-)Situation und den Fakten, wie sie eben sind. … Terminiert meint, dass Ziele ein exaktes Datum für Beginn, Teiletappen und Ende brauchen.“ (Riedenauer, Tschirf, S. 115f)

Ein Ziel für junge Mediatoren könnte beispielsweise lauten: „Ich möchte in 2013 mindestens zehn Paarmediationen in meinen eigenen Mediationsräumen durchführen. Nach Beendigung jeder Mediation werde ich eine vollständige Protokollführung vornehmen und die wichtigsten Interventionen sowie deren Auswirkungen auf je 2 DIN A4-Seiten dokumentieren.“

Natürlich ist diese Formel auch für Supervisions- und Coachingsitzungen nützlich, denn auch dortige Ziele sollten unbedingt der SMART-Formel genügen. Und schließlich kann die SMART-Formel auch für Mediationsabschlüsse nützlich sein, gerade in Teammediationen ist die Lösungsformulierung per SMART-Formel eine gute Sache …

Was ist Ihr derzeitiges Ziel in Bezug auf das Thema Mediation?

Christa D. Schäfer

Das Systembrett in Mediation, Supervision und Coaching

Eine Abteilungsleiterin kommt in meine Praxis und klagt über schlechte Disziplin und forderndes Auftreten ihrer Mitarbeiter. Nachdem sie die Missstände in der Abteilung ausführlich geschildert hat, bitte ich sie, Ihr Ziel zu formulieren, so, als ob es schon erreicht sei. Sie denkt eine Weile nach. „Ich möchte sagen können: Meine Mitarbeiter arbeiten selbstständig, eigenverantwortlich und motiviert im Sinne der Firma, ohne dass ich sie dauernd kontrollieren muss“.

Ich schlage ihr vor, ihre Situation auf dem Systembrett aufzustellen. Sie willigt ein. Ich zeige ihr das Brett und ein Kästchen mit kleinen Gegenständen, bunten Steinen, Klötzchen, Holzfiguren, die sie als Stellvertreter für die Beteiligten wählen kann. Sie blickt in den Korb, schaut sich dann im Raum um und nimmt eine dicke Mandarine von einem Fruchtkorb. Die platziert genau ins Zentrum des Bretts. „Die Kollegin X, die ist das eigentliche Problem, die ist schrill und macht sich breit und will immer im Mittelpunkt stehen.“

Jetzt nimmt sie ein kleines Figürchen aus dem Korb und stellt es als Stellvertreter für sich gegenüber der X auf.

Dann, sehr rasch, wählt sie aus dem Kästchen Stellvertreter für die anderen Kollegen und baut sie rundherum auf. „Genau so ist es, alle stehen um mich herum, und alle schauen mich an. Jeder will etwas von mir. Ich habe das Gefühl, alle machen mir Arbeit mit ihren Forderungen, anstatt selber etwas zu tun. Von allen Seiten nichts als Forderungen. „Wo ist jetzt für Sie der Mittelpunkt?“ frage ich. Sie schaut auf ihren Aufbau. „Da bin ja ich selbst im Zentrum!“ ruft sie überrascht.

In schwierigen Situationen ist es oft hilfreich, innezuhalten, zurückzutreten und sich Übersicht zu verschaffen über das Arbeitsumfeld, über die Familie, die Partnerschaft, über innere Widersprüche, kurz, über ein System, als dessen Teil man sich begreift, und in dem man sich hilflos, ausgeliefert oder orientierungslos fühlt.

Das Systembrett bietet in der systemischen Beratung – ob Mediation, Supervision oder Coaching – eine hilfreiche Methode in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren oder Gruppen, sich Überblick zu verschaffen über das, was ist. Und es bietet zugleich die Gelegenheit, schöpferisch tätig zu werden, nämlich das, was sein soll, neu zu komponieren.

Das Systembrett kann als die „kleine Schwester“ der Aufstellung beschrieben werden; es ist eine Art Miniaturbühne und ähnelt einem Brettspiel. Auf der quadratischen Brettoberfläche befindet sich ca. 5 cm vom Brettrand eine innere Rahmung in Form einer eingebrannten oder aufgezeichneten Linie, welche die Fläche des Bretts in einen Innen- und einen Außenraum gliedert. Das gibt dem Klienten die Möglichkeit zu visualisieren, wer oder was zum Problemsystem dazugehört bzw. außerhalb steht. Die Konfliktbeteiligten werden durch kleine Figuren oder Objekte repräsentiert. Je nach Bedarf kann man neutrale Figuren oder Objekte mit Symbolgehalt wählen – dabei ist die Wahl sowohl vom Kontext als auch von der individuellen Arbeitsweise und Neigung des Beraters abhängig, und der Phantasie der Benutzer sind letzten Endes keine Grenzen gesetzt

Unter Zuhilfenahme von Figuren erschaffen die Klienten ein Abbild ihres thematisierten Beziehungsgefüges und verändern es (einzeln oder gemeinsam, je nach Setting) durch Umgruppierung. Sie sind aktiv und schöpferisch von Anfang an; indem sie die Umstände ihrer Situation aus ihrer Sicht formulieren und bestimmte Beziehungen, Aspekte, Anschauungen, Überzeugungen aus der inneren Vorstellung nach außen holen und konkret sichtbar machen, bewegen sie sich aus Passivität, Duldung und Opferhaltung heraus. Jeder einzelne exploriert und erweitert seine Handlungskompetenz, indem er sich zum Beispiel mit den Repräsentanten der Konfliktpartner assoziiert und deren Perspektive exploriert. Es kann auch Adler- oder Ameisenperspektive eingenommen werden. Dabei eröffnen sich jedem Individuum andere und neue Blickwinkel; eigene, vergessene Ressourcen werden neu entdeckt, Zielkonstellationen ge- und ver-setzt und im gegebenen Rahmen erprobt. Ist die Wunschkomposition gefunden, können die Klienten konkrete Schritte formulieren, die für sie im Alltag zielführend sind: „Was bedeutet diese Umstellung für Ihre konkrete Situation in der Familie?“

Das Systembrett ist für mich ein faszinierendes Werkzeug für jedermann, um innere Bilder nach außen zu transportieren, sie zu manifestieren, zu deuten und umzugestalten, um Perspektiven zu wechseln, Ressourcen zu entdecken, Handlungsspielräume zu erweitern und Optionen zu erproben. Es bietet die Möglichkeit, die Gestaltung des eigenen Systems im Wortsinn „in die Hand zu nehmen“, indem ich die Stellvertreterfiguren wähle, setze und ver-setze. Das Systembrett – ernst genommen – ist eine lebendige Werkstatt für persönliche Weltentwürfe. Dabei ist sein Einsatz unaufwändig und raumsparend.

Gerade auch für Klienten, deren verbale Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt sind, bietet das Systembrett einen Raum, in dem sie ihre Welt, ihr System ganz konkret aufbauen, von allen Seiten betrachten und verändern können. Und dabei braucht es möglicherweise nicht viele Worte.

Literatur:
Eine empfehlenswerte Einführung in die Arbeit mit dem Systembrett ist im Ökotopia-Verlag erschienen: „Aufstellungen mit dem Systembrett“ von Wolfgang Polt und Markus Rimser (Münster 2006)

Autorin dieses Artikels:
Dr. Heidrun Kaletsch, Trainerin, Coach und Supervisorin mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. Sie arbeite häufig in Arztpraxen als Beraterin. Da geht es um Verbesserung der Kommunikation, Klärung von Konflikten, Team- und Leitungssupervision. Gern nutzt sie dabei das Systembrett, um Situationen sichtbar zu machen und auf ihre Veränderbarkeit hin zu untersuchen. Und immer wieder ist sie erstaunt über die unerwarteten Erkenntnisse und kreativen Lösungsperspektiven, die ihre Klienten bei der Arbeit mit dem Systembrett gewinnen. www.praxiskommunikation-berlin.de

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