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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Konfliktlösung (Page 2 of 11)

Weiterentwicklung eines Klassenrats

Viele LehrerInnen und PädagogInnen kennen meine Praxisbroschüre zum Thema Klassenrat. Auf 22 Seiten kann man dort erfahren, wie der Klassenrat funktioniert.

Ein Klassenrat hat verschiedene Merkmale:
Er findet regelmäßig statt.
Alle sitzen im Stuhlkreis.
Alle sind gleichberechtigt.
Es gibt verschiedene Rollen,
die Rollen wechseln.
Der Klassenrat entwickelt sich weiter.

Themen im Klassenrat:
Klärung von Konflikte
Besprechung von organisatorischen Belangen
Unterrichtliches (Themen, Methoden)
Projektbesprechungen
Lernen durch Engagement

Die SchülerInnen übernehmen verschiedene Rollen,
d.h. es gibt verschiedene Beauftragte in der Klasse:
Moderation
Tagesordnung
Redeliste
Zeit
Protokoll
Feedback

Es gibt einen festen Ablauf im Klassenrat:
Positive Eingangsrunde
Überprüfen der Beschlüsse der letzten Klassenratssitzung
Vorstellung der aktuellen Tagesordnung
Besprechung, Diskussion der Anliegen
Beschlüsse
Feedback

Derzeit gibt es viele Grundschulen, die den Klassenrat durchführen. Erst langsam kommen auch die Oberschulen (Sekundarschulen und Gymnasien) dahin, den Klassenrat als unterstützend und einführenswert zu erleben. Immer noch ist die mangelnde Zeit ein Argument für viele Schulen, den Klassenrat nicht zu nutzen.

Dabei ist der Klassenrat ein Instrument der Demokratiepädagogik, die Schüler lernen Elemente der Kommunikation und Konfliktbearbeitung, erfahren Perspektivübernahme und Empathie, erhalten Verantwortung und wachsen an den ihnen gestellten Aufgaben.

Da der Klassenrat derzeit boomt, gibt es auch eine ganze Reihe von guter Literatur zum Thema. Auch interessante Projekte zum Klassenrat gibt es in verschiedenen Bundesländern, in Berlin derzeit das Pilotprojekt „Klassenrat & Diversity“. Dieses Projekt wird in Kooperation von Senatsverwaltung, DeGeDe (Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik) und weiteren Trägern durchgeführt, demnächst mehr an dieser Stelle.

Im Zusammenhang mit diesem Projekt habe ich das Buch Klassenrat abwechslungsreich gestalten entdeckt, das von Hansueli Weber stammt. Dieses bei bod erschienene Buch will als Handreichung Schritt für Schritt in einen auf die jeweilige Klasse passenden Klassenrat einführen. Es enthält eine schier unglaublich reiche Fülle an Ideen zur Vertiefung und Veränderung einer bereits eingeführten Klassenratsstruktur. Von der Einführung einer Wertschätzungskultur über vielfältige Materialien zur Unterstützung bis zu Methoden wie der Mediativen Spinnwebanalyse, zum Umgang mit Mobbing, zu lösungsorientierten Gesprächen und zum Peer-Coaching reichen die Vorschläge, die in eine bereits gut funktionierende Klassenratsstruktur eingebaut werden können. Also liebe Klassenratsexperten: Dieses Buch ist unbedingt zu empfehlen.

Christa D. Schäfer

November und einige Gedanken zu „Cool am Pool“

Es ist November und an manchen Tagen schon richtig kalt.
Da freut man sich mit einem Tee im Warmen zu sitzen; an Freibäder denkt man eigentlich nicht. Dennoch möchte ich im Abschluss an die Freibadsaison über „Cool am Pool“ berichten – ein Berliner Streitschlichterprojekt, das dieses Jahr mit großem Erfolg in verschiedenen Freibädern durchgeführt wurde.

2010 schrieb ich in diesem blog über eine Anhäufung von Streitigkeiten in Berliner Sommerbädern. Das ist natürlich nicht nur mir aufgefallen, sondern hat in der gesamten Berliner Presselandschaft für Wirbel gesorgt. Daraufhin sind die Berliner Bäder-Betriebe mit der Polizei und der Gesellschft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ) eine Kooperation eingegangen, sie haben das Projekt Cool am Pool gegründet.

Junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund wurden ausgebildet, um in Sommerbädern im Streitfall deeskalierend wirken zu können. Um das zu bewältigen, haben die Teilnehmer verschiedene Kurse absolviert: Erste Hilfe, Schwimmtraining, Kommunikationstraining, Argumentations- und Situationstraining … In Zweierteams haben sie anschließend „Dienst“ in den Schwimmbädern übernommen. Weder war ihre Rolle die von Ersatz-Schwimmmeistern, noch haben sie Aufgaben der Sicherheitskräfte übernommen. Vielmehr haben sie durch Kommunikation und sicherlich auch das ein oder andere Tool aus dem Konfliktmanagement präventiv gewirkt.

Und was soll man sagen: Es gab dieses Jahr keinen hoch eskalierten, großen ernsthaften Streit in den Sommerbädern, die vom „Cool am Pool“ betreut wurden – was natürlich auch am Sommer liegen kann, wie „böse Zungen“ behaupten.

Damit ist Cool am Pool neben dem Projekt Kiezväter ein weiteres Projekt in Berlin Neukölln, das Deeskalation im Konfliktfall anbietet. Eine super Sache !!

Übrigens muss jetzt, wo die Wachschützer aus den Neuköllner Schulen zurückgezogen werden, auch in den Schulen die Prävention wieder „groß geschrieben werden“ …

Christa D. Schäfer

Die Stopp-Regel-BuddYs

Stopp-Regel BuddYsder Anne-Frank-Grundschule in Berlin wurden im Februar 2011 zu Gewinnern beim buddY-Projekt des Monats !!

Das buddY-Projekt dient der Suchtprophylaxe und Gewaltprävention an Schulen. Die Stopp-Regel wurde von Thomas Grüner und Franz Hilt (siehe deren Buch im AOL Verlag) konzipiert. Sie sichert in aktuellen Situationen eines Schülerkonfliktes die Forderung eines Konfliktpartners nach Unterbrechung der jeweilig unerwünschten Handlung und verhindert so in den meisten Fällen die Eskalation eines Streits.

Wie oft wird auf dem Schulhof aus Spaß schnell Ernst. Erst wird ein wenig geschubst und Spaßkampf gespielt, dann fängt einer der beiden Kampfhähne an zu weinen und liegt am Boden. Da kann die STOPP-Regel helfen, indem nämlich derjenige, der nicht mehr weiter und stattdessen eine Grenze ziehen möchte „Stopp“ sagt. Daraufhin hat der andere Schüler die Pflicht in seinem Tun aufzuhören.

Damit dies auch gut klappt, gibt es an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin die STOPP-buddYs. Die BuddYs unterstützen ihre MitschülerInnen bei der Um- und Durchsetzung dieser Regel. Sie verhandeln Regelverstöße und regen ihre Mitschüler zum eigenständigen Lösen ihres Konfliktes an. Wenn dies nicht zufriedenstellend gelingt, leiten sie die Kontrahenten zur Mediation weiter bzw. sorgen dafür, dass die KlassenlehrerInnen den Konflikt weiter bearbeiten. Ein Film gibt einen kurzen Einblick in dieses buddY Praxisprojekt.

Das Projekt der Stopp-Regel-buddYs wurde von Christine Spies konzipiert und wird jetzt von Birgit Breithaupt und Birgit Neumann weitergeführt. Ein Mal jährlich bewerben sich Schülerinnen und Schüler, um buddYs zu werden. Dann werden sie in einem workshop auf ihre Rolle und Tätigkeit vorbereitet und dann schließlich beginnen sie ihre Arbeit.

Die Konfliktbearbeitung wird so auf dem Schulhof der Anne-Frank-Grundschule von den Stopp-Regel-BuddYs übernommen. Die meisten Konflikte gelangen dadurch gar nicht mehr zu den PädagogInnen der Schule, sondern werden mit Unterstützung der BuddYs gelöst. Als Hüter der Stopp-Regel erhalten sie deshalb im Februar den buddY-Preis für das Projekte des Monats. Ich freue mich sehr, dass ich als buddY-Trainerin den Preis an die buddYs überreichen durfte.

Interessant fand ich in der Anne-Frank-Grundschule auch die Sprüche auf den Türen und Fenstern der Schule, die während eines Projekttages entstanden sind. So haben die Schülerinnen und Schüler der Schule jetzt Ihre Regeln zum Umgang miteinander sogar vor Augen.
Regeln in Schule Regeln an Schule Regeln in Schule

Gratulieren möchte ich an dieser Stelle auch Christine Spies, die mit ihrem neu erschienenen Buch „Wir können auch anders! Gefährlichen Entwicklungen bei Schülern vorbeugen“ für die Gewaltfreiheit in Schule einsteht.

Hoffentlich gewinnt die Stopp-Regel weiterhin viele Anhänger,
das wünscht sich Christa D. Schäfer

Falls Sie sich für BuddYs in der Berliner Oberschule interessieren …

Frieden

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 14

Ist Frieden Harmonie, die erreicht wird durch die Abwesenheit von Konflikten?

Johan Galtung nennt die reine Abwesenheit von Gewalt einen negativen Frieden. Ein positiver Frieden zeichnet sich nach Galtung durch die zusätzliche Abwesenheit von struktureller Gewalt aus. Johan Galtung ist norwegischer Mathematiker und Politologe, der die Friedens- und Konfliktforschung mit begründet hat. Er hat den 4. Berliner Mediationstag dieses Jahr gestaltet.

„Frieden bedeutet menschliche Sicherheit: ein menschenwürdiges Leben für alle, ohne Hunger und Not und mit Toleranz gegenüber dem anderen.“ Peter Croll, Direktor des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC), eines der großen deutschen Friedensforschungsinstitute.

Eine allgemeingültige Definition von Frieden gibt es nicht und kann es nicht geben.

Der internationale UNESCO Bildungsserver D@dalos stellt Informations- und Unterrichtsmaterialien aus dem Bereich der politischen Bildung und Friedenserziehung zur Verfügung. Er definiert positiven Frieden als einen „zielgerichteten Prozess, in dem es darauf ankommt, dass Menschen mit ihrem Engagement versuchen, Konflikte mit gewaltfreien Mitteln auszutragen, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Demokratie zunehmend zu verwirklichen.“

Für Barack Obama, den Friedensnobelpreisträger von 2009, beinhaltet ein gerechter Frieden bürgerliche und politische Rechte sowie wirtschaftliche Sicherheit und Chancen.

Der Tagesspiegel beschäftigt sich in seiner Ausgabe vom Heilig Abend 2010 in dem Artikel „Nach innen und außen“ intensiv mit dem Thema Frieden. Hier kann man u.a. nachlesen, wie sich Frieden messen lässt, wo es Frieden gibt, wie friedlich Deutschland ist, ob es Frieden nur in Demokratien gibt, was den Frieden gefährdet, was man für Frieden braucht …

Ihnen wünsche ich ein friedliches Weihnachtsfest
und ruhige Tage „zwischen den Jahren“ …

Christa D. Schäfer

Wieder Nachbarschaftsmediation im RTL

Letztes Jahr im Sommer kam Andreas Kolb und hat Nachbarschaftsstreit im Fernsehen durch Mediation gelöst, ich berichtete darüber. Dieses Jahr ist es Streitschlichter Franz Obst, der „im Einsatz“ ist.

Letzte Woche hatte er einen Konflikt zu bearbeiten, in dem ein Rentner in einer niedersächsischen Kleinstadt im Streit mit der gesamten Nachbarschaft lag. Er hat buchstäblich viele seiner Nachbarn terrorisiert und zwei Ehepaare haben in Folge dessen um eine Streitschichtung gebeten. Der Rentner selber war nicht an einem gemeinsamen Gespräch interessiert, eine Mediation (im Film wird von Schlichtung gesprochen) kam deshalb nicht zustande. Es gab stattdessen ein Konfliktcoaching bzw. eine Konfliktberatung zu sehen, bei der sogar zwei „Verhaltenstrainer“ zum Einsatz kamen, die den terrorisierten Ehepaaren gezeigt haben, wie sie sich deeskalierend und geschickt in den diesbezüglichen Krisensituationen verhalten können.

Diese Woche geht es um zwei befreundete Ehepaare, bei denen aus Freundschaft Feindschaft wird. Falls es Sie interessiert: Mittwoch Abend, den 11.8.2010 um 20:15 Uhr im RTL.

In Internet können Sie auf der Seite von RTL die Streitfälle jeweils 7 Tage lang nach der Sendung kostenfrei ansehen, danach sind sie für 0,99 € zum Anschauen herunterladbar.

An dieser Stelle möchte ich gerne meine Worte wiederholen, die in meinem Blogbeitrag zum Thema letztes Jahr den letzten Absatz bildeten:

Falls Sie in Berlin eine kostenfreie, auf Spendenbasis basierende Nachbarschaftsmediation suchen, so wenden Sie sich bitte an das MediationsZentrum Berlin. Und falls Sie ein Buch zum Thema Nachbarschaftsmediation suchen …, letztes Jahr ist das erste deutschsprachige Buch erschienen!

Christa D. Schäfer

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