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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Konfliktmanagement (Page 2 of 15)

Konflikte? Mediation!

Konflikte fordern uns heraus

Das kann man wohl sagen. Jede(r), der sich an einen dicken Streit erinnert, spürt förmlich noch im Nachhinein körperlich die Herausforderungen, in denen er zu Streitzeiten gesteckt hat.

Mediation als Brücke zur Verständigung

Das können MediatorInnen bestätigen. Jede(r), die bzw. der schon als Mediatorin oder als Mediator einen Streit mediiert hat, kennt wahrscheinlich das Gefühl der Erschöpfung nach einer langen Mediation, aber auch das Gefühl der Befriedigung, wenn alles gut gegangen ist.

Konflikte fordern uns heraus. Mediation als Brücke zur Verständigung

Dies ist der Titel des Buches, über das ich heute an dieser Stelle berichten möchte. Es stammt von Gary Friedman und Jack Himmelstein, zwei bekannten und herausragende Mediatoren, bekannt in den USA und in Europa. Das 2008 mit dem Titel „Challenging Conflict: Mediation Through Understanding“ erschienene Buch hat bereits eine Erfolgsgeschichte in den USA hinter sich. Jetzt gibt es das 346 Seiten dicke Buch endlich auch auf Deutsch.

Das Herausragende an dem Buch sind die 10 Fallgeschichten. Alle Fallgeschichten werden lebensnah und gut nachvollziehbar geschildert. Längere Passagen mit Beschreibung der Mediation werden durch Originalzitate aus den Mediationsgesprächen ergänzt und mit theoriebasierten Erläuterungen zum Geschehen vervollständigt. So bietet das Buch einen perfekten Mix zwischen einem Einblick in unterschiedliche Mediationsfälle und theoretischen Aspekten zum verstehensbasierten Modell der Mediation.

Aber zunächst erst einmal zu den 10 Fallgeschichten, die hier kurz vorstellt werden sollen:

Die Blockade auf der Finca beschreibt einen Streit zwischen Graziella und Ricardo, zwei Geschwistern, die gemeinsam Land geerbt, dort eine Finca mit Gästebetrieb aufgebaut hatten und jetzt in zunehmenden Meinungsverschiedenheiten und Unstimmigkeiten über die Leitung des Ressorts sowie die Pläne für Gästebetrieb und Garten verstritten waren.

Radix und Argyle sind zwei Wirtschaftsunternehmen, die seit einigen Jahren einen erbitterten Rechtsstreit über viele Millionen Dollar führten. 20 Spitzenvertreter der beiden Unternehmen führten zusammen mit ihren Anwälten eine Art „Mediatorencasting“ durch, um den für den Streit geeigneten Mediator zu finden.

Mrs. Sara Levi ist eine ältere Dame mit Gehstock, die keinesfalls schwach ist, sondern diesen Gehstock mitunter sogar lieber als Waffe denn in seiner ursprünglichen Funktion nutzen wollen würde. Sie wird zur Mediation von ihrem Neffen Adolfo begleitet, was vorher nicht abgesprochen war. Mr. Patrick McAllister ist die zweite Streitpartei. Er hatte die Aufgabe, die Memoiren der alten Dame über ihre Holocaust-Zeit nieder zu schreiben. In diesem fall mussten erst einmal die Rahmenbedingungen für die Mediation geschaffen werden.

Eine weitere Fallbeschreibung berichtet über ein Naturschutzgebiet, das seit Generationen im Besitz von Kimberleys Familie liegt. Das Gebiet selber war noch relativ unberührt, das Land außen herum litt bereits stark unter den Folgen intensiver Bebauung. Um zu verhindern, dass einer ihrer Erben das Land veräußert, hat Kimberley 160 Hektar Land an eine gemeinnützige Umweltorganisation gestiftet. Dort wird ein Unterausschuss zum Schutz des Landes gegründet. Investoren lauern darauf, endlich diese Filetstücke bebauen zu können. Die Mediation fand mit 30 Personen in einer 200 Jahre alten Blockhütte statt.

Auch in der San Francisco Symphony haben Friedman und Himmelstein mediiert. Nach dem Scheitern von Vertragsverhandlungen blieben Wunden bei vielen Beteiligten zurück. Dies wirkte noch Jahre später, als neue Vertragsverhandlungen anstanden. Den Fall zeichnen viele Ungewöhnlichkeiten aus, bereits vor der Mediation werden mit allen Konfliktparteien Einzelgespräche geführt, die startende Mediation beginnt mit einer Übung, in der sich die Orchestermitglieder untereinander „zuhören“ sollen, …

Friedman und Himmelstein nennen das Aktive Zuhören, das Paraphrasieren, den Rapport beim gelungenen Pacing übriges das „Loopen“ …

Ein weiterer Fall beschreibt die Mediation zwischen Rick als Inhaber und Geschäftsführer eines kleinen Verlages und Charlene, einer Autorin des Verlages. Auch dieser Fall gestaltet sich (für uns deutsche LeserInnen) sehr ungewöhnlich. Die Anwälte beider Streitparteien sind bei der Mediation zugegen, das „Recht“ spielt eine große Rolle. Die Mediation selber beginnt mit einer Konferenzschaltung.

Ein Kapitel über Vor- und Nachteile von Einzelgesprächen legt die Argumente am Fall von Stephen (59 Jahre alt) und Jamie dar. Stephen hatte eine langjährige intime Beziehung zu Jamies älterem Bruder Eddie (64 Jahre alt). Stephen und Eddie wohnen zusammen. Jamie wusste zwar von der Freundschaft zwischen den beiden nicht aber von der Liebe. Als Eddie krank wurde, musste er rund um die Uhr gepflegt werden, was Stephan aber nicht leisten konnte. Jamie bekommt dies mit und zieht von einem Tag auf den anderen bei den beiden ein. Dass dies zu Verwicklungen führte, ist vollkommen klar. Auch in diesem Fall sind die Anwälte mit im Boot und Einzelgespräche mit den Konfliktparteien unabdingbar.

Auch ein Nachbarschaftsstreit fand Eingang ins Buch, nämlich der zwischen der 78-jährigen Nancy und Henry, einem erfolgreichen jungen Bauunternehmer. Der Mediation ging ein Vorfall voraus, in dem Nancy Henry fast umfuhr und Henry den Bezirkssheriff kontaktierte und Nancy wegen Körperverletzung festnehmen ließ. In der Schilderung dieser Mediation erfährt die Leserin / der Leser, wie MediatorInnen die Haltung der positiven Neutralität wahren können und wie selbst der Versuch der Streitparteien, die andere Streitpartei verstehen zu wollen, helfen kann.

Die Schilderung des Streits zwischen dem Bauunternehmer Colby und dem Hausbesitzer Larry zeigt, wie wichtig das Herausarbeiten von Interessen ist und wie die Lösungsoptionen für den Streit an diesen Interessen gemessen aufbauen.

Und schließlich zum letzten Fall im Buch: Martha, die Mutter der Schülerin Donna, die psychisch erkrankt ist, hat gegen die Schule ihrer Tochter geklagt, weil diese vollkommen unangemessen auf die Erkrankung ihrer Tochter reagiert hatte.

Bisher ist ein solcher Einblick in eine Mediationspraxis in Deutschland noch nicht zugänglich gewesen. Danke an den Wolfgang Metzner Verlag, der die Herausgabe des amerikanischen Mediationsklassikers ermöglicht hat.

Auf der Webseite vom Center for Understanding in Conflict, einem von Friedman und Himmelstein gegründeten Institut, kann man übrigens einige kurze Filmtrailer anschauen, in denen Friedman und Himmelstein über Mediation sprechen und Ausschnitte von Mediationen zu sehen sind.

Christa D. Schäfer

Weiterentwicklung eines Klassenrats

Viele LehrerInnen und PädagogInnen kennen meine Praxisbroschüre zum Thema Klassenrat. Auf 22 Seiten kann man dort erfahren, wie der Klassenrat funktioniert.

Ein Klassenrat hat verschiedene Merkmale:
Er findet regelmäßig statt.
Alle sitzen im Stuhlkreis.
Alle sind gleichberechtigt.
Es gibt verschiedene Rollen,
die Rollen wechseln.
Der Klassenrat entwickelt sich weiter.

Themen im Klassenrat:
Klärung von Konflikte
Besprechung von organisatorischen Belangen
Unterrichtliches (Themen, Methoden)
Projektbesprechungen
Lernen durch Engagement

Die SchülerInnen übernehmen verschiedene Rollen,
d.h. es gibt verschiedene Beauftragte in der Klasse:
Moderation
Tagesordnung
Redeliste
Zeit
Protokoll
Feedback

Es gibt einen festen Ablauf im Klassenrat:
Positive Eingangsrunde
Überprüfen der Beschlüsse der letzten Klassenratssitzung
Vorstellung der aktuellen Tagesordnung
Besprechung, Diskussion der Anliegen
Beschlüsse
Feedback

Derzeit gibt es viele Grundschulen, die den Klassenrat durchführen. Erst langsam kommen auch die Oberschulen (Sekundarschulen und Gymnasien) dahin, den Klassenrat als unterstützend und einführenswert zu erleben. Immer noch ist die mangelnde Zeit ein Argument für viele Schulen, den Klassenrat nicht zu nutzen.

Dabei ist der Klassenrat ein Instrument der Demokratiepädagogik, die Schüler lernen Elemente der Kommunikation und Konfliktbearbeitung, erfahren Perspektivübernahme und Empathie, erhalten Verantwortung und wachsen an den ihnen gestellten Aufgaben.

Da der Klassenrat derzeit boomt, gibt es auch eine ganze Reihe von guter Literatur zum Thema. Auch interessante Projekte zum Klassenrat gibt es in verschiedenen Bundesländern, in Berlin derzeit das Pilotprojekt „Klassenrat & Diversity“. Dieses Projekt wird in Kooperation von Senatsverwaltung, DeGeDe (Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik) und weiteren Trägern durchgeführt, demnächst mehr an dieser Stelle.

Im Zusammenhang mit diesem Projekt habe ich das Buch Klassenrat abwechslungsreich gestalten entdeckt, das von Hansueli Weber stammt. Dieses bei bod erschienene Buch will als Handreichung Schritt für Schritt in einen auf die jeweilige Klasse passenden Klassenrat einführen. Es enthält eine schier unglaublich reiche Fülle an Ideen zur Vertiefung und Veränderung einer bereits eingeführten Klassenratsstruktur. Von der Einführung einer Wertschätzungskultur über vielfältige Materialien zur Unterstützung bis zu Methoden wie der Mediativen Spinnwebanalyse, zum Umgang mit Mobbing, zu lösungsorientierten Gesprächen und zum Peer-Coaching reichen die Vorschläge, die in eine bereits gut funktionierende Klassenratsstruktur eingebaut werden können. Also liebe Klassenratsexperten: Dieses Buch ist unbedingt zu empfehlen.

Christa D. Schäfer

Vorsätze zum Jahresanfang

Zum Jahresende wird meist über das gerade vergangene Jahr nachgedacht.
Zum Jahresanfang kommen dann die guten Vorsätze für das noch frische neue Jahr.

Zum Jahresende 2012 hatte ich einen Artikel hier im blog über die Feedbackwürfel, zum Jahresanfang 2013 möchte ich Ihnen gerne die kreativen Aufhänger für entscheidende und entschiedene Freiräume vorstellen.

Zielsetzung_mit_Anhaengern.phpDiese Tür- oder Stuhlanhänger sind selber gestaltbar und öffnen damit Türe zu neuen Wegen, also genau das Richtige zum Jahresanfang. Die Anhänger stammen ebenfalls wie die Feedbackwürfel aus den Trainings-Tools von Peter Köstel. Sie können mit Stiften und Farben aller Art bemalt, mit Zeitungs- und Zeitschriftenschnipseln beklebt oder mit edlen bzw. auch weniger edlen Stiften beschrieben werden.

 

Damit sind die Anhänger vielseitig einsetzbar.

Privat:
Viele Menschen nehmen sich für das Neue Jahr etwas vor: Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben, besser Englisch zu lernen, weniger zu arbeiten (oder auch mehr zu arbeiten) usw. Wenn dies nicht visualisiert wird und man nicht „dran bleibt“, ist der Vorsatz schnell weg. Schreibt man hingegen sein großes Ziel auf die Vorderseite der Aufhänger und bildet Unterziele, die man auf der Rückseite notiert, so ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung viel höher …

Im Coaching oder in der Supervision:
Hier kann man die Anhänger professionell nutzen. Auf dem Anhänger gibt es eine gestaltbare Vorderseite und eine Rückseite mit acht Feldern, die nacheinander abgeschnitten werden können. Damit ist ein Oberziel in acht Unterziele unterteilbar, oder es kann über acht Aspekte zu einem Thema nachgedacht werden, oder es können acht Argumente für eine Entscheidung gesucht werden oder oder. Meiner Erfahrung nach freuen sich Coachees und Supervisanden auch über kreative Elemente im Coaching …

Im Seminar:
Hier kann man die Aufhänger auch als Willkommensgruß verwenden, beispielsweise auf die Vorderseite das Seminarthema schreiben oder kleben und auf die Rückseite dann die Hausaufgaben bzw. die unterschiedlichen Seminarthemen notieren. Dadurch tritt man gleich zum Seminarstart ganz individuell mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer in Kontakt …

In der Schule:
Gestalten Sie mit Ihren SchülerInnen einen Anhänger zu einem bestimmten Thema, das kann ein fachliches Thema aus dem Englisch- oder Geschichtsunterricht sein, das kann aber auch ein Thema zum sozialen Lernen sein. Sie könnten fragen: Was sind die wichtigsten acht Fakten, die du über Karl den Großen wissen musst? Oder: Was brauchst Du, um dich in unserer Klasse wohl zu fühlen? Die Anhänger können alleine oder auch in Gruppen zusammen gestaltet werden. Anschließend werden sie auf eine Leine im Klassenraum aufgehängt. Bisher gibt es in den meisten Klassen Wandzeitungen, auf denen die Schüler Ihre Ergebnisse festhalten, ab jetzt könnten es auch Türanhänger sein. Und wenn diese dann wieder abgehangen werden, dann können sich die Schüler die wichtigsten Fakten aus dem Mittelalter sogar zu Hause an die Kleiderschranktüre hängen, damit nichts „verloren“ geht …

Zur Projektplanung:
Natürlich können auch Projekte mit dem Anhänger gestaltet werden. Manche tun dies auf einem großen Flip-Chart, manche haben viele kleine Zettel, andere wieder ein Computerprogramm. Jetzt können kleinere Projekte auch mit diesem Anhänger gesteuert werden …

An dieser Stelle hätte ich noch viele Ideen zur Nutzung des Kreativanhängers.
Jetzt werde ich allerdings erst einmal meinen Anhänger gestalten.

Ihnen alles Gute für 2013 und für Ihre Vorsätze
wünscht Christa D. Schäfer

Debatte um das deutsche Schulsystem

Schüler und Schülerinnen, Eltern und Politiker sind sich einig: Auf den Lehrer kommt es an! Schlechte Noten, mangelnde Hilfsbereitschaft, abnehmende Aufmerksamkeit… Wer die Schuld am immer schlechteren deutschen Schulsystem trägt, scheint ganz klar zu sein. Der deutsche Lehrer muss nicht nur immer gemischtere Klassen, immer mehr und stets abgelenkte Schüler in einer Klasse ertragen, nein, er muss auch noch Kritik von allen Seiten anhören. Die Lehrer bereiten den Unterricht nicht genügend vor, sie seien zu wenig motiviert und kümmerten sich nicht um ihre Sprösslinge. Um es auf den Punkt zu bringen: Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei. Doch dass gerade Lehrer übermäßig häufig unter psychosomatischen Beschwerden unterschiedlicher Härtegrade leiden wird außen vorgelassen. Dass sie von schlecht bis gar nicht erzogenen und von ihren Eltern vergöttlichten Kindern teilweise tyrannisiert werden und dabei außer einer hoffentlich vorhandenen Autorität und schlechten Noten keine anderen Mittel zur Verfügung haben, um sich zu verteidigen, darüber wird selten gesprochen.

Aufgabengebiete der Schule genau eingrenzen

Die Schule soll heutzutage die elterliche Erziehung ersetzen, eine Aufgabe, der sie nicht gerecht wird und es auch nicht kann. Das Fundament dafür, dass Schüler und Schülerinnen immer weniger Interesse an sozialer Interaktion und weniger Einfühlungsvermögen haben, wird schließlich schon früher gegossen. Auf den Lehrer kommt es da nicht an. Schnell zeigt sich, dass Kinder, die in die Krippe oder in den Kindergarten gegangen sind, schulisch weniger Probleme haben und auch mit ihren Mitschülern und Mitschülerinnen deutlich besser auskommen. Die Überbrückung sozialer Unterschiede ist in Deutschland immer noch eines der Hauptthemen, wenn es um die Bildungspolitik geht.

Faktoren zur guten Schulleistung

Hierzulande ist eine gute soziokulturelle Herkunft immer noch Eintrittskarte zu höherer Bildung. Ob dieses Problem damit zu lösen ist, die Jugendlichen, wie im Gesamtschulmodell, länger am gleichen Ort lernen zu lassen, ist fraglich. So gibt es Studien die erweisen, dass dies auf Kosten der intelligenteren Kinder gehe, weil die Klassenbesten sich zwangsläufig, durch Reduktion der Unterrichtsgeschwindigkeit, an die Schlechteren anpassen. Andere Studien sagen, dass bei individueller Förderung vor allem die Intelligentesten profitieren, entsprechend dem Matthäus-Effekt.

Julia Schneider

Gutes Konfliktmanagement ist unerlässlich

Auch in anderer Hinsicht muss sich das Schulsystem heutzutage eine Debatte gefallen lassen, nämlich im Hinblick auf das dort vorherrschende Konfliktmangementsystem. In jede Schule herrscht dazu ein anderes Vorgehen, an manchen Schulen wird gut und wohltuend mit auftretenden Konflikten umgegangen, an anderen Schulen wiederum weiß keiner der dort an Schule Beteiligten wie gutes und gesundes Konfliktmangement funktioniert.

So ist es gerade wieder in Berlin geschehen. Die Direktorin des Montgolfier-Gymnasiums in Berlin Treptow war lange krank geschrieben. Vor ihrer Krankschreibung gab es massive Probleme mit dem Kollegium, denn die Direktorin soll diktatorisch und autoritär gewesen sein. Nun kam die Direktorin zum neuen Schuljahr wieder zurück, und es hat sich ein Großteil des Kollegiums krank schreiben lassen, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

Auch Krankschreibung ist eine Möglichkeit der Konfliktlösung, wenn auch keine erstrebenswerte … Sie ist vielmehr dem Konflikttyp „Rückzug / Flucht“ zuzurechnen. Das bekam dann auch der Schulrat und der Bildungs-Staatssekretär mit, und beide besuchten im Sinne eines Krisenmanagements die Schule. Zuerst wurde mit der Schulleiterin, dann mit den Vertretern der Lehrerschaft gesprochen. Eine zweite Schulleiterin wurde der Schule zur Unterstützung zugeteilt. Zusätzlich wurde dem Kollegium eine Konfliktmediatorin „vorgestellt“, diese soll versuchen, wieder „Kommunikationsstrukturen“ aufzubauen. Das hätte ja auch schon früher passieren können …

Christa D. Schäfer

Zeitmanagement und Selbstorganisation für MediatorInnen

Wir haben nicht zu wenig Zeit,
aber wir verschwenden zu viel davon.
Auch zur Vollbringung der größten Dinge
ist das Leben lang genug,
wenn es nur gut angewendet wird.
(Seneca: Von der Kürze des Lebens)

Wenn man als junge MediatorIn (man könnte auch sagen SupervisorIn oder BeraterIn oder …) im Beruf anfängt, so hat man meist noch viel Zeit um Prozesse und Strukturen zu durchdenken. Wenn man etwas länger dabei ist, wird die Zeit schon knapper. Einerseits ist es wunderbar, viele Aufträge zu haben, andererseits muss man stets schauen wie man in einer fest bemessenen Zeit die Aufträge abarbeiten kann.

Dann wird Zeitmanagement und Selbstorganisation ein großes Thema. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über das Buch “Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ berichtet. Heute möchte ich ein Buch aus dem Umfeld von Wissenschaft empfehlen, das viele Methoden des Projekt-, Zeit- und Selbstmanagements, der Stressprävention und Motivationssteigerung, Lebensplanung und Selbstentwicklung vorstellt. Diese Bandbreite im Buch ist wirklich unglaublich, und so weiß ich, dass auch MediatorInnen viel aus diesem Buch mitnehmen können. Das Buch ist übrigens von Andrea Tschirf und Markus Riedenauer, es heißt „Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft“ und stammt aus dem facultas Verlag. Eine Leseprobe online finden Sie hier …

MediatorInnen haben eine Menge zu organisieren, mehr als sich frisch ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren vorstellen können. Viele MediatorInnen arbeiten in der Anfangszeit ihrer Tätigkeit in ihrem Ursprungsberuf weiter und beginnen stundenweise oder halbzeit mit ihrer Arbeit als MediatorIn. Die meisten MediatorInnen sind freiberuflich tätig, nur sehr sehr wenige kommen in einem Konzern oder einer Wohnungsbaugesellschaft unter. Bei der Vorbereitung einer Freiberuflichkeit ist es notwendig, sich zunächst Ziele zu setzen und zu überlegen, „wie man sich aufstellt“, also welche Angebote man anbieten kann. Dann ist zu überdenken, welches Design man für seine PR wählt, in welchem Rahmen man seine Dienste anbietet usw. Bald kommen die ersten Fälle. Ist das alles gut gelungen, ist der erste große Schritt zur Freiberuflichkeit getan.

In dem oben genannten Buch kann man übrigens nachschauen, wie Ziele gut formuliert werden. Vielleicht kennt der ein oder die andere bereits die SMART-Formel für die Zielformulierung? S = spezifisch, M = messbar, A = aktiv, R = realistisch, T = terminiert.

Spezifisch setzt voraus, dass das Ziel konkrete Kriterien enthält, die seine Erreichung beschreiben. … Messbar betrifft das Kriterium, an dem Sie erkennen werden, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben. … Aktiv betrifft alles Tun, das in Ihrem Einflussbereich steht, um das Ziel zu erreichen. … Realistisch meint Orientierung an der (Lebens-)Situation und den Fakten, wie sie eben sind. … Terminiert meint, dass Ziele ein exaktes Datum für Beginn, Teiletappen und Ende brauchen.“ (Riedenauer, Tschirf, S. 115f)

Ein Ziel für junge Mediatoren könnte beispielsweise lauten: „Ich möchte in 2013 mindestens zehn Paarmediationen in meinen eigenen Mediationsräumen durchführen. Nach Beendigung jeder Mediation werde ich eine vollständige Protokollführung vornehmen und die wichtigsten Interventionen sowie deren Auswirkungen auf je 2 DIN A4-Seiten dokumentieren.“

Natürlich ist diese Formel auch für Supervisions- und Coachingsitzungen nützlich, denn auch dortige Ziele sollten unbedingt der SMART-Formel genügen. Und schließlich kann die SMART-Formel auch für Mediationsabschlüsse nützlich sein, gerade in Teammediationen ist die Lösungsformulierung per SMART-Formel eine gute Sache …

Was ist Ihr derzeitiges Ziel in Bezug auf das Thema Mediation?

Christa D. Schäfer

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