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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Konfliktprävention (Page 2 of 13)

Walter Mischel und der Marshmallow-Test

In den Sechzigerjahren führte Walter Mischel mit seinen StudentInnen ein Experiment mit Kindern im Vorschulalter an der Bing Nursery School durch, einer Kindertagesstätte der Stanford University. Er führte die Kinder in eine echte Dilemma-Situation. Die Kinder hatten die Wahl zwischen einer sofortigen Belohnung (einem Marshmallow) und einer größeren späteren Belohnung (zwei Marshmallows), für die sie jedoch 20 Minuten warten mussten. Das sah so aus, dass ein Kind alleine im Raum saß, ein Marshmallow und eine Glocke vor sich. Wollten das Kinder die Süßigkeit essen, so konnte es die Glocke betätigen und den Marshmallow essen. Betätigte es die Glocke nicht, so erhielte es die größere Belohnung nach der Rückkehr des Versuchsleiters. Manche Kinder warteten nicht lange, bis sie die Glocke läuteten, andere Kinder hielten die 20 Minuten standhaft durch.

Was Mischel und seine StudentInnen vollkommen überraschte, war die Tatsache, was die vier- und fünfjährigen Kinder alles taten, um sich nicht verlocken zu lassen. Vollkommen verblüffend war auch die Tatsache, dass der Marshmallow-Test und die Länge des Belohnungsaufschubs viel über das zukünftige Leben der Probanden verriet. Je länger ein Kind wartete, umso besser schnitt es später bei Studierfähigkeitstests ab, und um so höher konnte das kognitive Leistungsvermögen im Jugendalter eingestuft werden. Im Alter zwischen 27 und 32 Jahren verfolgten diejenigen, die im Vorschulalter beim Marshmallow-Test länger gewartet hatten, ihr Ziel konsequenter und kamen besser mit Frustration und Stress zurecht, sie hatten ein höheres Selbstwertgefühl und sogar einen niedrigeren Body-Mass-Index. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme und schafften es besser, enge Beziehungen aufrecht zu erhalten. Im mittleren Alter dieser ehemaligen Probanden konnte man in den Hirnarealen, die mit Suchtverhalten und Fettleibigkeit verknüpft sind, deutliche Aktivitätsunterschiede feststellen zu den Probanden, die als Kinder nicht in der Lage waren, in den Belohnungsaufschub zu gehen. Bei denjenigen, die die Belohnung gut aufschieben konnten, war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens wichtig ist. Bei denjenigen, die die Belohnung weniger gut aufschieben konnten, war das ventrale Striatum aktiver, vor allem auch dann, wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional aufgeladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren.

Marshmallow-TestIch finde von Walter Mischel erzielten Ergebnisse und die durch ihn angestoßenen Forschungen äußerst spannend und freue mich sehr, dass es jetzt ein wunderbares, fast 400 Seiten starke Buch zum Marshmallow-Test und den Auswirkungen gibt. In dem Buch „Der Marshmallow-Test“ werden Antworten auf viele Fragen gegeben. Ist die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, angeboren? Wie kann man Menschen diese Fähigkeit beibringen? Was ist „Willenskraft“? Welche Umstände schwächen die Willenskraft? Auf welchen kognitiven Fähigkeiten und Motivationen basiert sie?

Belohnungsaufschub und Selbstkontrolle

Mischel nutzt zur Unterstützung dieser Antworten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Er erläutert, dass im menschlichen Gehirn zwei eng miteinander verwobene Systeme existieren, das eine „heiß“ – emotional, reflexgesteuert, unbewusst – das andere „kühl“ – kognitiv, reflektierend, langsamer und mehr Anstrengung erfordernd. Die spezifischen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Systemen bestimmen, wie die Vorschulkinder im Marshmallow-Test reagieren. Es gibt Strategien, wie mentale Prozesse und Strategien beschaffen sind, mit denen heiße Verlockungen abgekühlt werden können, Belohnungen aufgeschoben und Selbstkontrolle entwickelt werden kann.

Sind die Belohungen sichtbar, so fällt das Warten schwerer, als wenn die Belohnungen unter einem Tablett versteckt sind. Erfolgreiche Belohnungsaufschieber dachten sich zudem alle möglichen Kniffe aus, um sich abzulenken und den Konflikt und dem Stress, dem sie ausgesetzt waren, abzukühlen. Es gab Kinder, die dachten sich kleine Lieder oder Geschichten aus, schnitten Grimassen, beschäftigten sich mit ihren Händen oder Füßen oder hatten sonstige kreative Ideen. Ablenkende Gedanken führten zu einem längeren Belohnungsaufschub. Das Denken an die Belohnung verkürzte die Dauer, bis die Kinder die Glocke betätigten.

Die Aktivierung des heißen, emotionalen Systems sorgt dafür, sofort zu handeln. Konzentriert man sich auf die heißen Merkmale einer Verlockung führt das zu Los!-Reaktionen. Hoher Stress aktiviert das heiße System. Das heiße System befindet sich im limbischen System im Gehirn, in der Amygdala. Ein auftauchender Löwe hat in früheren Zeiten natürlich zu einer automatischen Selbstschutzreaktion geführt. Heiße Reaktionen sind allerdings nicht hilfreich, wenn es darum geht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das kühle, kontrollierte System befindet sich vornehmlich im präfrontalen Kortex im Gehirn. Dieses System entwickelt sich langsam, wird in den Vorschul- und Grundschuljahren allmählich aktiver und ist erst mit Anfang 20 vollständig ausgereift. Gute Belohnungsaufschieber konzentrierten sich auf die kühlen, abstrakten, faktischen Merkmale der Verlockung und entzogen sich den heißen Merkmalen. Es gibt Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen im Belohungsaufschiebeverhalten und in den Abkühlungsstrategien. Bei großem Stress fällt das kühle System zunehmend aus.

Selbstkontrolle entsteht im Zusammenhang mit dem Bindungsverhalten eines Menschen. Die von Mary Ainsworth konzipierte „Fremde Situation“ simuliert ein kurzes Verschwinden der Mutter und eine Wiedervereinigung zwischen Mutter und Kind unter harmlosen Bedingungen. Kleinkindern zwischen ein und drei Jahren, denen es gelang, sich von der Abwesenheit der Mutter abzulenken, schnitten auch später beim Marshmallow-Test besser ab. Der Erziehungsstil einer Mutter beeinflusst die Strategien zur Selbstkontrolle, die ein Kind entwickelt. Wow. Sind die Kinder älter, so können Wenn-dann-Pläne dem Kind helfen, eine breite Palette ansonsten kaum bezwingbarer Selbstkontrollprobleme erfolgreich zu bewältigen. Fest verankerte Wenn-dann-Umsetzungspläne können auch im Erwachsenenalter noch helfen, Verlockungen zu trotzen, mit dem Rauchen aufzuhören, uns auf eine Zielerreichung oder auf bestimmte Kernaufgaben zu konzentrieren.

Von Marshmallows im Kindergarten zur Altersvorsorge

Selbstkontrolle ist zur Erreichung langfristiger Ziele absolut wichtig. Zu viel Selbstkontrolle lässt uns unser Leben allerdings ebenso unerfüllt erscheinen wie zu wenig Selbstkontrolle. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle kann ein starkes Selbstwertgefühl wachsen lassen. Da heißt es dann: „Ich weiß, ich kann es (schaffen)!“

Mischel beschreibt in seinem Buch auch, dass sich Kinder, die erfolgreich im Belohnungsaufschub waren, durch drei Merkmale der Exekutiven Funktionen (einem Teil des kühlen Systems) auswiesen. Sie mussten sich erstens an ihr gewähltes Ziel erinnern, zweitens im Blick behalten wie nah sie dem Ziel schon gekommen waren und evtl. Korrekturen vornehmen und drittens impulsive Reaktionen hemmen.

Optimistisch denkende Menschen haben insgesamt höhere Erfolgserwartungen. Kinder, die davon ausgehen, alles Notwendige schaffen zu können, um ihre Belohnung zu erhalten, strengen sich an und sind eher der Gruppe zuzuschreiben, die lange warten kann. Erfolgserlebnisse verstärken zukünftige Erfolgserwartungen ganz erheblich.

Impulskontrolle und Selbstkontrolle können zudem die Herausforderungen des Lebens meistern helfen, beispielsweise schmerzliche Gefühle abzukühlen. Erzählten Klienten ihre Gefühle aus einer selbstzentrierten Perspektive, so berichten sie so, als würden sie eine Erfahrung nochmals durchleben. Werden Gefühle und Gründe aus einer distanzierten Perspektive berichtet, so können Ereignisse kognitiv neu bewertet werden. Selbstdistanzierung unterstützt, konstruktive Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung zu finden und den Blutdruck zu senken.

„Wenn die Probanden sich spontan von sich selbst distanzierten, während sie an die negativen Erfahrungen in ihrer Beziehung dachten, wendeten sie auch konstruktivere Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung an als diejenigen, die sich nicht spontan von sich selbst distanzierten. Besonders interessant war, dass die Probanden mit geringer Selbstdistanz Konflikte konstruktiv bewältigten, solange ihre Partner keine ablehnende, feindselige Haltung ihnen gegenüber zeigten. Wurden ihre Partner feindselig, zahlten sie es ihnen jedoch mit gleicher Münze heim, sodass die Feindseligkeit eskalierte. Die Kombination von Menschen mit geringer Selbstdistanzierung und extrem negativ gestimmten Partnern setzte regelmäßig die Zukunft der Beziehung aufs Spiel. Dieses Muster galt unabhängig davon, ob das Konfliktverhalten in Selbstberichten oder durch unabhängige Beobachter eingeschätzt wurde, wenn die Partner ihre Konflikte in einer Laborsituation diskutierten. …“ (Mischel: Der Marshmallow-Test. S. 195)

Sicherlich haben Sie beim bisherigen Text dieses Blogartikels bereits gemerkt, dass ich von diesem Buch begeistert bin. Ich könnte viele weitere interessante und spannende Ergebnisse aus dem Buch referieren, möchte Ihnen allerdings das Buch selber ans Herz legen. Walter Mischels Buch zum Marshmallow-Test ist wie ein spannender Krimi ein absoluter Lesegenuss, der hilft, Menschen zu verstehen.

Christa D. Schäfer

Wahlrecht für Kinder?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche das Recht zur Partizipation haben. Partizipation in der Familie, Partizipation in der Kita, Partizipation in der Schule. Auch das Wahlrecht?

Beteiligung/Partizipation beschreibt wohl eines der grundlegendsten Prinzipien der Demokratie. Ähnlich wie mit dem Begriff der Demokratie verbinden sich allerdings auch mit dem Terminus „Partizipation“ vielfältigste Verständnisse und Verwendungsweisen, die auf ganz unterschiedliche, teilweise konkurrierende Erklärungsansätze zurückgehen.
In dem wohl allgemeinsten Verständnis wird Partizipation als die Beteiligung von Einzelnen und Gruppen an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen verstanden – die ganz unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen kann.
Besonders in der Kinder- und Jugendhilfe wurden in den vergangenen Jahrzehnten Stufenmodelle von Partizipation zitiert und weiterentwickelt. Um zu unterscheiden, wann in welchem Ausmaß von echter Partizipation die Rede sein kann, finden sich hier verschiedene Stufen der Partizipation, die bei Nicht-Beteiligungsformen wie z.B. „Dekoration“, bloße „Information“ oder „Alibi-Teilnahme“ ansetzen und über aufbauende Stufen von „Teilhabe“, „Mitarbeit, „Mitwirkung“ oder „Mitbestimmung“ bis hin zur Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ein höchst mögliches Maß an Partizipation beschreiben.“
(DeGeDe: ABC der Demokratiepädagogik)

Mein neues Buch, das demnächst erscheint, heißt „Die partizipative Schule”. Es wird das Thema Partizipation im schulischen Umfeld näher beleuchten, zeigt die Voraussetzungen für den Partizipationsprozess auf und gibt Hinweise zu vielfältigen Möglichkeiten und Methoden der Partizipation. Es ist übrigens schon jetzt bestellbar, einfach auf den Buchtitel klicken …

Deutschland ist 1992 der Konvention der Vereinten Nationen zu den Rechten der Kinder beigetreten. In der Konvention ist festgeschrieben, dass Kinder von Geburt an in allen sie betreffenden Belangen angehört werden müssen und ein Recht auf Beteiligung haben. Super. In der Konsequenz auf mein neues Buch und die Kinderrechte habe ich mich gefragt, wie es dann mit dem Wahlrecht für Kinder aussieht.

In meinen Recherchen bin ich dabei auf das Buch „Wahlrecht für Kinder? Politische Bildung und die Mobilisierung der Jugend“ von Klaus Hurrelmann und Tanjev Schultz gekommen, das ich daraufhin mit großem Interesse gelesen habe.

Im Buch gibt es neun Artikel, die sich für ein Wahlrecht für Kinder einsetzen, und neun Artikel, die sich gegen ein Wahlrecht für Kinder aussprechen. Die beteiligten AutorInnen kommen großteils aus dem wissenschaftlichen Bereich, von PädagogInnen über Psychiater bis zum Rechtswissenschaftler; in der politischen, rechtlichen oder verbandlichen Arbeit tätig; oder sind direkt betroffene Schülerinnen und Schüler. Auch die Buchherausgeber Hurrelmann und Schultz ordnen sich diesen beiden Polen „für oder gegen Wahlrecht für Kinder“ zu, Hurrelmann für die Absenkung des derzeitigen Wahlalters, Schultz für die Beibehaltung.

Ja, ich bin noch dabei mir meine Meinung zum Thema zu bilden und bin mir noch nicht ganz schlüssig …
Was ich jedoch sagen kann, ist, dass mir das Buch sehr geholfen hat, die verschiedenen Positionen zu verstehen und zu durchdenken. Darum sei es all denjenigen empfohlen, die sich auch mit dieser Frage beschäftigen, oder die sich zum Thema interessieren wollen. Jedenfalls ist das Buch spannend zu lesen und regt zu eigenen Gedanken an.

Und damit Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs auch einen kleinen Einblick in die Diskussion erhalten, seien hier im folgenden einige Gedanken aus dem Anfang des Streitgesprächs wiedergegeben.

Schultz: Du beschäftigst dich schon recht lange mit dem Wahlalter und setzt dich dafür ein, es abzusenken. Warum ist dir das so wichtig?
Hurrelmann: Seit den 1990er Jahren plädiere ich dafür, das Mindestwahlalter um mindestens zwei Jahre abzusenken. Ich bin auf das Thema durch die Kinder- und Jugendforschung gekommen, auch durch Befragungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich schon Kinder im Grundschulalter heute mit allen gesellschaftlich relevanten Fragen und Problemen auseinandersetzen müssen. Sie sind durch die Medien mit sämtlichen Themen konfrontiert, nehmen sie auch wahr. Sie sind schon sehr früh gezwungen, sich zurechtzufinden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sagen, wenn wir uns schon so viel auseinandersetzen müssen, möchten wir auch Einfluss nehmen und möchten ernst genommen werden.
Schultz: Wirklich? Kein Desinteresse, keine Apathie?
Hurrelmann: Das wird ja den Jüngeren oft unterstellt. Aber ich habe in vielen Studien den Eindruck gewonnen, dass es ein Anliegen vieler junger Leute ist, mitzureden, mitzugestalten – wenn man sie lässt. Natürlich gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Kanäle und Foren. Aber was ist mit dem vornehmsten Bürgerrecht: dem Wahlrecht? Da liegt die Altersschwelle zu weit hinten im Leben. (…)
Schultz: Demokratische Rechte auszuweiten, klingt sympathisch. Mehr Demokratie wagen, die Jüngeren beteiligten – prima. Dennoch habe ich große Vorbehalte gegen eine Absenkung des Wahlalters. Wenn ich ehrlich bin, ist es zunächst ein Gefühl und eine Intuition – und die Argumente kommen hinterher. (…) Wir muten Kindern viel zu, mitunter zu viel. Bei den Gegnern des Kinderwahlrechts taucht in unserem Buch – wie ich finde zu Recht – öfter das Argument auf: Gebt den Kindern zwar den Raum, sich auszuprobieren, sich politisch zu engagieren, aber gebt ihnen auch Schutz! Lasst sie langsam hineinwachsen in die komplizierte und harte Welt der Politik und der Verantwortung. Zwingt sie nicht zu früh in Entscheidungen hinein!
Hurrelmann: Es gibt ja – was ich bemerkenswert finde – einen breiten Konsens unter den Autorinnen und Autoren in diesem Buch, dass es eine stärkere politische Beteiligung der Jüngeren geben kann und geben sollte, und das schon vom Kindesalter an. Da sind sich alle einig: Mehr Partizipation und politische Bildung sind möglich und nötig. Auch jenseits des Wahlrechts können wir viel und noch mehr dafür tun, die Ansprüche, Meinungen und Ideen von Kindern ernst zu nehmen und Kinder zu beteiligen an Entscheidungen, die sie und ihre Umwelt betreffen.“
(Hurrelmann, Schultz: Wahlrecht für Kinder. S. 254 ff)

Genau !!

Was denken Sie zur Absenkung des Wahlalters?
fragt sich Christa D. Schäfer

WUUUT

Vor einiger Zeit schrieb ich über das Thema Aggression im Kindesalter.
Wut und Aggression, ist das dasselbe?
Oder was ist der Unterschied?

Meine Definition: Wut ist ein Grundgefühl. Wut kann man im Innen spüren und fühlen. Wut kann nach außen gehen oder auch nicht. Wut kann ich gegen mich oder gegen andere richten. Wut ist nichts Schlechtes, sondern gibt lediglich den Hinweis auf etwas in mir, auf ein unbefriedigtes Bedürfnis. Wut kann nicht von jemandem anderen in mir produziert werden, die andere Person kann lediglich der Auslöser sein. Ich kann gut oder weniger gut mit meiner Wut umgehen. Wut kann zerstören. Wut kann aber auch zu Veränderung führen und etwas heilen. Es ist wichtig, wie ich mit meiner Wut umgehe – für mich und für andere. Und natürlich ist es ganz wichtig, wie mit Wut in Beziehungen und speziell im Familienkontext umgegangen wird. Was wenn Kinder oft wütend sind? Was wenn sich die Wut innerhalb der Familie entlädt? Wie geht die gesamte Familie mit Gefühlen, speziell mit Wut um? Darf Wut sein? Schlägt Wut in Aggression um und wird gegen andere ausgelebt?

Jetzt gibt es ein fantastisches Buch zum Thema Umgang mit Wut in der Familie, es heißt „Das kleine Anti-Wut Buch. Für Eltern und Kinder“. Es zeigt, wie Wut und Aggressionen bei Kindern entstehen, wie man Wutausbrüchen bei Kindern begegnen kann und was Eltern für sich selber tun können. Endlich ein deutschsprachiges Buch, das dieses immens wichtige Thema aufgreift.

Es ist normal, dass Kinder wütend werden. Kinder haben ein Recht auf ihre Emotionen und Gefühle. In meiner Arbeit stelle ich immer wieder fest, dass Eltern den Gefühlen ihrer Kinder hilflos gegenüber stehen oder vollkommen ungeschickt reagieren. Ja, natürlich haben viele Eltern selber nicht gelernt, wie sie mit eigenen Gefühlen gut umgehen können. Wie dann mit fremden Gefühlen gut umgehen? Aber in heutiger Zeit kann auch dies erlesen und erlernt werden. Es ist Zeit, dass überall darüber gesprochen wird. Kommunikation und der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen sind wichtig für die Gestaltung von Beziehungen, für die Entwicklung von Kindern, für das eigene Persönlichkeitswachstum und vieles mehr.

Das deutschsprachige Buch, das es jetzt endlich zum Thema „Wut in der Familie“ gibt, stammt von Rita Steiniger und wurde im Patmos Verlag herausgegeben. Das Buch heißt Das kleine Anti-Wut Buch. Das Buch zeigt einerseits theoretische Hintergründe auf und bietet andererseits ganz praktische Hinweise und Übungen an. Von der Entstehung von Wut und Aggression bei Kindern, den Entwicklungsphasen und der Rolle der Erziehung reicht der Bogen bis zu Hinweisen, was Eltern bei Wutanfällen ihrer Kinder tun können, und was sie aber auch für sich selber tun können. Hoffentlich lesen viele viele Eltern dieses Buch !!!

Die Hinweise von Rita Steininger, wie mit Schimpfworten in der Familie umgegangen werden kann, möchte ich meinen Leserinnen und Lesern hier exemplarisch vorstellen, deshalb ein längeres Zitat als Auszug aus dem Buch.

„Der Umgang mit Schimpfwörtern

Schimpfwörter sind ein weiteres Thema, mit dem sich so gut wie alle Eltern konfrontiert sehen. Kinder gebrauchen sie, ebenso wie Erwachsene, um Dampf abzulassen – manchmal auch, um die Reaktion der Erwachsenen auszutesten. Je nach Situation können Ihre Reaktionen unterschiedlich ausfallen:

Geht es dem Kind offensichtlich darum, Sie mit (frisch aufgeschnappten) Ausdrücken wie „Scheiße“ oder „Stinkfurz“ aus der Reserve zu locken, sollten Sie am besten darüber hinweggehen und kein großes Aufheben um die Sache machen. Wenn Ihr Nachwuchs merkt, dass Sie sich von seiner Ausdrucksweise nicht beeindrucken lassen, dürfte das Spielchen schnell seinen Reiz verlieren.
Sie können auf solche Schimpfwörter auch humorvoll reagieren: Veranstalten Sie einfach einen Kreativwettbewerb, bei dem alle Teilnehmer innerhalb einer vereinbarten Zeit, beispielsweise fünf Minuten, so viele lustige Schimpfwörter wie möglich von sich geben. Doch müssen hierbei Spielregeln eingehalten werden: Erlaubt sind nur solche Schimpfwörter, die niemanden verletzen,, zum Beispiel „Donnerhagelblitzundsturm“ oder „Katzenschiete“.
Anders sieht es aus, wenn das Kind sein Geschimpfe gegen eine Person richtet, sie mit beleidigenden Ausdrücken wie „Arschloch“ oder „Vollidiot“ betitelt. Solche Beschimpfungen sollten Sie nicht tolerieren. Machen Sie deutlich, dass es nicht in Ordnung ist, andere Menschen mit Worten zu verletzen.
Verwendet das Kind einen Kraftausdruck gegen Sie selbst – etwa weil es bei einer Auseinandersetzung mit Ihnen seinen Willen nicht bekommen hat und deshalb wütend ist -, sollten Sie ihm klar und bestimmt zu verstehen geben: „So reden wir nicht miteinander. Mit Schimpfwörtern kannst du bei mir nichts erreichen.“
Generell sollten Sie Schimpfwörter, die Ihrem Nachwuchs in einem Wutanfall herausrutschen, nicht gleich als persönliche Beleidigung werten. Gewöhnlich sind sie nicht so gemeint, sondern nur dem Gefühlsaufruhr des Kindes geschuldet. Hier ist es oft sinnvoll, eine Weile zu warten, bis der größte Zorn verraucht ist, statt gleich zu reagieren. Wenn Sie Ihr Kind dann auf den Zwischenfall ansprechen, können Sie ihm in sachlichem Ton klarmachen, dass Sie seine Beschimpfungen nicht okay fanden. Vergessen Sie jedoch nicht, auf seine Gefühle einzugehen: „Ich mag es nicht, wenn du mich beschimpfst, aber ich würde gerne wissen, was dich so wütend gemacht hat.“ Damit zeigen Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie seinen inneren Aufruhr wahrgenommen haben und seine Gefühle akzeptieren.
Und was tun, wenn ein Freund oder eine Freundin Ihres Kindes zu Besuch kommt und in Ihrem Haus mit Schimpfwörtern um sich wirft? Dann machen Sie dem Besuch deutlich: „Bei uns werden keine solchen Ausdrücke benutzt, ich möchte, dass du dich daran hältst.“ Ignoriert das betreffende Kind diesen Hinweis, geben Sie Ihrem eigenen Nachwuchs zu verstehen, dass die Regel für ihn trotzdem weiterhin gilt.“ (Rita Steininger: Das kleine Anti-Wut Buch. S. 45 ff)

Ich drücke die Daumen, dass das kleine Anti-Wut Buch von Rita Steininger ein Bestseller im deutschsprachigen Raum wird !!! Dr. Christa D. Schäfer

Auffälliges Verhalten im Kindesalter – Schwerpunkt Aggressivität – und der Zusammenhang zu Methoden der Konfliktlösung

Im letzten Blogartikel haben wir uns ganz allgemein mit dem Themenfeld “Auffälliges Verhalten im Kindes- und Jugendalter“ beschäftigt. Heute soll es darum gehen, was auffälliges Verhalten überhaupt ist und wie man es zuordnen und verstehen kann. Ferner werden Hinweise zur Situationsänderung einem aggressiven Verhalten im Kindesalter (Grundschulbereich) gegeben.

Auffälliges Verhalten wahrnehmen und bewerten
Was ist überhaupt auffälliges Verhalten? Auffälliges Verhalten wird von einer beobachtenden Person bestimmt. Diese Wahrnehmung ist jedoch subjektiv. Eine rein objektive Wahrnehmung ist nicht möglich, da sich die Wahrnehmung an gesellschaftlichen Normen und Werten festlegt. Wird bei einem Kind eine Verhaltensauffälligkeit oder -störung wahrgenommen, könnte der Rückschluss genauso gut sein, dass der_die Erwachsene „erwartungsauffällig“ und „erwartungsgestört“ sei. Beobachtende Personen neigen dazu, ihre Wahrnehmung als Diagnose darzustellen, selbst wenn sie keine professionelle Ausbildung in diesem Bereich haben. Wird zum Beispiel ein Kind beobachtet und das Verhalten deutet auf eine Konzentrationsschwäche hin, hilft diese „Diagnose“ bzw. Bezeichnung einen ersten Ansatz zu finden, jedoch nicht, das Problem und die Ursachen zu erkennen. Das genannte Beispiel „Konzentrationsschwäche“ fasst vielfältige unterschiedliche Verhaltensweisen zusammen und muss in jedem Fall individuell betrachtet werden.

Auffälliges Verhalten zuordnen und verstehen
Grundlegend ist, dass sich das Verhalten einer einzelnen Person immer auf ihr Umfeld bezieht und davon abhängig ist. Genauso bedeutsam ist, dass generelle Beschreibungen einer Person bzw. ihrer Persönlichkeit (sie ist freundlich, liebenswert, schlecht, gut, aggressiv …) nicht korrekt, sondern lediglich Beschreibungen des Verhaltens in einzelnen Situationen sind. Der definierende Gebrauch von Sprache fördert die Überzeugung, dass dieses Verhalten gar nicht oder nur schwer zu ändern ist und führt vor allem bei Kindern oft zu der Haltung: „Wenn alle sagen, dass ich so bin, kann ich mich ja auch so verhalten“ bzw. „dann brauche ich nicht zu versuchen, mich zu ändern“.

Aggressivität im Kindesalter
Auch aggressives Verhalten ist schwer zu definieren. Aggressive Handlungen zeichnen sich dadurch aus, dass diese zielgerichtet sind. Es sind Reaktionen auf andere Kinder und die eigene Beziehung zu ihnen. Oft folgt eine aggressive Handlung auf eine Situation, die dem Kind als bedrohlich erscheint und dieses sich wehrt bzw. etwas „heimzahlt“. Kommt es jedoch öfter zu Situationen, in denen die Reaktionen übertrieben hart sind, ist es wichtig zu betrachten, welche Faktoren zu diesem Verhalten beitragen.

Ein geringes Selbstwertgefühl gibt dem Kind zum Beispiel nicht genug Selbstsicherheit. Ein geringes Selbstwertgefühl kann in verunsichernden Situationen spontane aggressive Abwehrhandlungen hervorrufen oder dazu führen, dass eine nach außen hin selbstsicherere Fassade aufgebaut wird, die jedoch beim kleinsten Rütteln erschüttert wird. Diese Unsicherheit löst eine Angst aus, die wiederum zu aggressivem Verhalten führt. Wenn Kinder öfter mit solchen Situationen konfrontiert werden, bildet sich schnell aus diesem Abwehrverhalten eine generelle Verhaltenstendenz.

Eine abgeschwächte Version der Angstabwehr ist die Abwehr von Belästigungen. Von Kindern wahrgenommene Belästigungen, Vorwürfe und Vorhaltungen, wie zum Beispiel: „Ich möchte mit dir darüber reden, was du gestern gemacht hast.“ können durch Türschlagen, Schimpfen oder Beschuldigungen abgewehrt werden.

Durch so erlebte Erfolge lernt das Kind. Wird aggressives Verhalten mit einem spontanen und auch kurzfristigen Erfolg in Verbindung gesetzt, rufen ähnliche Situationen unbewusst gleiches Verhalten im Kind hervor, auch wenn dem Kind im Nachhinein bewusst werden kann, dass das Verhalten stark oder/und übertrieben war.

Ein Aspekt, der eine wichtige Rolle spielt, ist das Sich-einfühlen in andere. Durch Einfühlung lernt das Kind Mitleid und vor allem Respekt mit und für andere zu entwickeln. Hierbei spielt das prägende Umfeld die tragende Rolle. Was wird dem Kind zum Beispiel zuhause oder in der Schule vermittelt?

Bedeutsam ist so, die Grundlage einer „gleichwürdigen“ Beziehung einer (erwachsenen) Bezugsperson zum Kind, die durch Respekt, Fairness und Akzeptanz geprägt ist. So können unfaire Situationen umgangen werden, die das Kind provozieren. Alle Pädagoginnen und Pädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, aber auch Eltern und Großeltern sollten an einer derartigen „gleichwürdigen“ Beziehung arbeiten.

Was kann ich tun, um beim Kind ein ausgeglichenes Verhalten zu fördern?
Wertschätzung als Erziehungsbasis
von Akzeptanz, Fairness und Respekt getragene „gleichwürdige“ Beziehung
Kritik am Verhalten, nicht an der Person
das Recht des anderen als Grenze
fairer Interessenausgleich
Grenzen wie gegenüber Erwachsenen
Grenzen als Ich-Botschaften formulieren
Vermeiden aggressiver Modellen
Vermeiden aggressiver Signalreize
Minderung aggressiver Video- und Fernseheinflüsse
aggressive Modelle hinterfragen
ethische Orientierung vermitteln
prosoziales Verhalten fördern
Strafen vermeiden
logische Konsequenzen folgen lassen
Ignorieren aggressiven Verhaltensauffälligkeit
Stoppen aggressiven Verhaltensauffälligkeit
vom Ärger ablenken
Ärger kann man nicht „abreagieren“
Ärgerauslöser umbewerten
gedankliche Umstrukturierung
andere entschuldigen
sich in andere hineinversetzen
beschuldigende Kreisprozesse unterbrechen
Lösungsgespräche führen
zielorientiertes Schlichten von Streit
Konflikte konstruktiv austragen

Womit wir bei der Verbindung zwischen Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter und Konfliktbearbeitungsmöglichkeiten wären …

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Kapitel „Aggressivität“ des Buches Auffälliges Verhalten im Kindesalter von Wilhelm Rotthaus und Hilde Trapmann.

Das Buch ist als Handbuch für Eltern und ErzieherInnen konzipiert. Nach einleitenden Worten zum Thema Verhaltensauffälliggkeiten findet die Leserin und der Leser dort 37 Kapitel zu Auffälligkeiten in Verhaltensweisen von A wie Aggressivität, Angst, Anstrengungsunwilligkeit, Artikulationsstörung, Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung sowie Autistische Störungen bis U wie Ungeschicklichkeit und Unordentlichkeit. Die Kapitel zu den Verhaltensauffälligkeiten werden in drei Hauptabschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt werden Hinweise gegeben wie ein beobachtetes Verhalten einzuordnen und zu bewerten ist. Im zwischen Abschnitt werden Anregungen gegeben, das ungewöhnliche Verhalten „verstehen“ zu lernen. Im dritten Abschnitt werden „Lösungen“ angeregt und den Erwachsenen Hinweise gegeben, wie sie eine Änderung beim Kind anstoßen können.

Auch die oben benannten stichwortartigen Tipps entstammen dem Buch und können dort in einer erläuternden ausführlichen Version nachgelesen werden. Das Buch ist die Neufassung eines 30 Jahre laufenden Buchklassikers aus dem verlag modernes lernen. Während der Begriff des Auffälligen Verhaltens dieser langen Geschichte des Buches zuzuschreiben ist, wird heute in diesem Zusammenhang eher über Aspekte der Inklusion gesprochen. Dennoch bleibt die Wichtigkeit solcher Bücher unstrittig …

Christa D. Schäfer und Atossa Nazeri

Frustrationstoleranz fördern

In der Psychologie versteht man unter Frustrationstoleranz die individuelle Fähigkeit von Menschen, mit Enttäuschungen oder Frustrationen umzugehen. Hat ein Mensch eine geringe Frustrationstoleranz, so wird er eine ihm gestellte Aufgabe rasch abbrechen, wenn diese nicht so schnell und gut gelingt, wie er es möchte. Die Person wird dann eventuell ärgerlich oder reagiert entmutigt beziehungsweise deprimiert. Ein Menschen mit hoher Frustrationstoleranz bleibt hingegen auch in kritischen Situationen geduldig, registriert auch kleinere Fortschritte und arbeitet weiter am Ziel der Aufgabe.

Menschen mit hoher Frustrationstoleranz sind im Leben häufig im Vorteil, weil sie härter an einem Ziel arbeiten ohne schnell aufzugeben. Sie können gut lernen, da sie sich länger und ausdauernder mit einem Lerngegenstand auseinander setze können und ausgeprägtere Interessen haben. Menschen mit geringer Frustrationstoleranz sind im Leben häufig benachteiligt, da sie mit Niederlagen schlechter umgehen können und ihre Motivation, neue Herausforderungen zu suchen, allmählich sinkt. Sie neigen zu Vermeidungsverhalten.

Der Begriff der Frustrationstoleranz wurde 1938 von Saul Rosenzweig geprägt, er meint die Fähigkeit langfristig psychische Spannungen zu ertragen, die aus der Nichtbefriedigung von Triebwünschen kommen. Nach Rosenberg geht eine geringe Frustrationstoleranz mit einer Ich-Schwäche einher. Forschungen sagen auch aus, dass ängstliche, leicht verletzliche Persönlichkeiten mit einer geringen Frustrationstoleranz überdurchschnittlich häufig zu verstärktem Alkoholkonsum neigen und einen hohen Aggressionspegel haben. Je stärker die Frustrationstoleranz ausgeprägt, desto weniger sind aggressive Verhaltensformen zu finden.

Es kann bei hoher Frustrationstoleranz nicht darauf geschlossen werden, warum die Person die Frustration besser erträgt. Der Grund kann sein, dass sie die erlebte frustrierende Situation durch die entsprechende Erwartung zukünftiger Bedürfniserfüllung ausgleichen kann (sie also Belohnungsaufschub erlernt hat), oder sie kann andererseits einfach daher rühren, dass die Person die dargebotene Situation von vorneherein schon als nicht so frustrierend erfährt.

Frustrationstoleranz wird vor allem in der Kindheit erworben und ist bis zu gewissem Maße auch später noch trainierbar. Die Frustrationstoleranz ist ein Mechanismus der Selbstregulation des Menschen. Das Trainieren der Frustrationstoleranz geht unter Berücksichtigung des Realitätsprinzips mit der Einübung von Belohnungsaufschub und Belohnungsreduktion einher.

Viele Elternratgeber geben Hilfestellung, wie das Üben der Frustrationstoleranz gelingt. Für den Kita- und Schulbereich habe ich jetzt ein Büchlein entdeckt, das 50 Übungen zur Steigerung der Frustrationstoleranz bereit hält. Dieses von Rosemarie Portmann geschriebene und im Don Bosco Verlag herausgegebene Buch stellt „Spiele“ vor, die zum Nachdenken über Frust anregen, das Verlierenlernen üben, für mehr Geduld sorgen, das Selbstbewusstsein stärken und helfen, den Frust zu überwinden. Mit 5 € ist dies „Hosentaschenbuch“ super geeignet für Erzieherinnnen und Erzieher im Kitabereich und Pädagogisches Fachpersonal in der Schule. Die Übungen können schnell gesichtet und problemlos in den Gruppe einsetzen werden.

Besonders gut hat mir beispielsweise die Übung „Countdown“ gefallen, die ich Ihnen hier gerne vorstellen möchte:

Auch kleine Kinder wissen sicher schon, was ein Countdown ist. Bei einem Raketenstart wird heruntergezählt, die Rakete fliegt erst bei der letzten Zahl los. Die Kinder können zunächst „Raketenstart“ spielen.
Ein Countdown kann den Kindern aber auch helfen, nicht sofort loszustürmen oder loszupoltern. Den Kindern wird eine Frage gestellt oder sie werden gebeten eine Aufgabe zu erfüllen, die sie annehmen oder ablehnen können. Aber bevor sie antworten, müssen sie zunächst ruhig abwarten bis die Spielleitung von 30 (bei sehr ungeduldigen und/oder jüngeren Kindern zunächst auch weniger) im Sekundentakt rückwärts runtergezählt hat. Wer es schafft abzuwarten, kann belohnt werden, z.B. mit Gut-Punkten, die bei einer bestimmten Menge gegen einen „Preis“ eingelöst werde.
Im Laufe der Zeit sollen die Kinder lernen, die „Countdown-Methode“ auch selbständig anzuwenden, indem sie wortlos „innerlich“ zählen – und dann erst reagieren.
(Portmann, Rosemarie: Die 50 besten Spiele zur Frustrationstoleranz, S. 37)

Geben wir unseren Kindern also mehr Frustrationstoleranz mit auf den Weg, damit ihre Vorhaben einfacher gelingen!
Christa D. Schäfer

 

Weitere Bücher mit Übungen / Spielen zu den Themen:
Kennenlernen und Gruppenentwicklung
Aggression
Entspannung

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