mediation-berlin-blog

Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Mediationsverfahren (Page 1 of 12)

Mediation im Planen und Bauen

Jetzt gibt es das erste Buch zu diesem Mediationsbereich, das zugleich der Auftakt einer neuen Schriftenreihe ist. Gerne möchte an dieser Stelle über beides berichten.

Die Zeitschrift „Die Wirtschaftsmediation“ kennen Sie voraussichtlich, denn über dieses Fachblatt habe ich bereits letzte Woche berichtet. Jetzt gibt es eine Schriftenreihe zugehörig zu dieser Fachzeitschrift, die sich dem zunehmenden Bedarf an Methoden und Verfahren zum Konfliktmanagement von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen widmet.

Mediation in Planen und Bauen, diese Fachgruppe des Bundesverbandes gibt es seit langem. Mediationsverfahren in diesem Bereich gibt es auch eine ganze Menge. Bauvorhaben wie „Stuttgart 21“ und andere haben Bürgerinnen und Bürger verstärkt zur Partizipation geworben und herausgefordert. Planungs- und Bauprozesse sind eng mit den Interessen von Nutzern und Betroffenen verflochten. Ganz klar ist, es gibt unterschiedliche Interessen und Vorstellungen. Aber wie kann Partizipation in solchen Prozessen gut gelingen? Wie kann eine gute Einigung in solchen Prozessen gefunden werden?


Das Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ist von Experten aus dem Bauwesen und der Mediationsbranche geschrieben und bietet einen praxisorientierten Zugang zur Thematik. Zugegeben, Mediation in diesem Bereich ist nicht mein Schwerpunkt, aber dennoch habe ich das Buch mit großem Interesse und viel Gewinn gelesen. Zu unterscheiden ist zwischen Projektvorbereitung mittels Mediation (im Sinne einer „öffentlichen Mediation“ mit Anwohnern, Initiativen, Behörden usw.) und der projektinternen Mediation nur für die jeweils unmittelbar am Konflikt Beteiligten.

„Große Planungs- und Bauvorhaben, insbesondere Infrastrukturprojekte, haben einen komplexen Projektaufbau mit vielen Beteiligten. Mediation kann als Werkzeug genutzt werden, um die Auswirkungen von Konflikten in solchen Projekten zu minimieren.“ (Holger Kummer in dem Artikel „Projektinterne Mediation bei Großprojekten“ im Buch „Einvernehmlich planen und bauen“, S. 131)

Bernhard Böhm beschreibt in seinem Buchartikel „Anforderungen der Mediation beim Planen und Bauen“, dass es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten und Methoden gibt, Konflikte in diesem Bereich zu bearbeiten – man denke an die Stichworte: Bürgerbeteiligung, Dialogprozesse, Partizipation, moderierte Begleitung, Akzeptanzmanagement, Planungswerkstatt, und natürlich Mediation. „Environmental Mediation“ wurde bereits in den 1970er Jahren in den USA als Verfahren von „Umweltmediation“ genutzt und erlangte in den 1980er Jahren dann auch in Deutschland Bekanntheit. Spätestens seit dem Verfahren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens Ende der 1990er Jahre wurde Mediation auch überregional wahrgenommen.

Waren die ersten Mediationsverfahren noch regional oder lokal angesiedelt, wurden wenig später auch großräumige Infrastrukturprojekte (Bau von Eisenbahnstrecken, Bundesfernstraßen, Stromtrassen, Flughäfen …) mit einem Mediationsverfahren begleitet. Ab da passte dann auch der Begriff „Umweltmediation“ eher weniger, weil er zu eng gefasst war. Die Dimensionen sind zudem vielschichtiger und komplexer. Der Begriff „Mediation im öffentlichen Bereich“ löste den Begriff der „Umweltmediation“ ab. – Ja, so haben auch die verschiedenen Mediationsbereiche je ihre eigene Geschichte …

Viele Baufachleute, Ingenieure, Gemeinen und Kommunen werden sich freuen, mit dem Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ein Praxisbuch in den Händen zu halten. Viele MediatorInnen werden das Buch gerne lesen, um zu erfahren, welche Besonderheiten dieser Mediationsbereich hat. Und ich persönlich freue mich auf weitere Bände der Schriftenreihe des Fachmagazins „Die Wirtschaftsmediation“ und werde Sie, sehr geehrte Leserinnen und Leser, natürlich auf dem Laufenden halten.

Interesse am Thema „Partizipation in der Schule“?
Dann kann ich Ihnen mein neues Buch empfehlen.

 

 

Und ein kleiner Tipp: Wenn Sie am Monatsende von mir informiert werden wollen, was für neue Blogartikel es gibt oder wenn Sie Interesse an Hinweisen und Berichten zu verschiedenen Veranstaltungen zur Mediation und Pädagogik erhalten wollen, dann abonnieren Sie doch meinen Newsletter (rechts oben Name und E-Mail Adresse eintragen, und der Rest geht automatisch …). Ich freue mich auf Sie …

Beste Grüße von
Christa Schäfer

Mediation und Kreativität

Sollte ein Mediator oder eine Mediatorin kreativ sein?
Müssen die Medianden kreativ sein?
Was ist überhaupt Kreativität?

Definition Kreativität

Das Gabler Wirtschaftslexikon gibt dazu folgenden Erklärungen:

Kurzerklärung: „Kreativität bezeichnet i.d.R. die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.“

Ausführliche Erklärung:
„Kreativität bezeichnet i.d.R. die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln. Die Bedingungen für Kreativität werden oftmals nach den vier Ps der Kreativität eingeteilt, und zwar nach person (Person), process (Prozess), product (Produkt) und press (Umwelt). Zu den kreativitätsförderlichen Aspekten der Person gehören bspw. Personenmerkmale wie Offenheit für Erfahrung, Verantwortungsgefühl oder hohe allg. kognitive Fähigkeiten. Der Kreativitätsprozess wird meist als typische Abfolge von Problemidentifikation (Erkennen von Problemen), Vorbereitungsphase (notwendige Informationen werden gesammelt), Generierungsphase (mögliche Lösungen werden entwickelt) und Beurteilungsphase (Analyse der Lösungen) beschrieben. Die Aufgabenstellungen in den einzelnen Phasen können durch den Einsatz verschiedener Techniken unterstützt werden (z.B. Brainwriting in der Vorbereitungsphase). Kennzeichnend für kreative Produkte ist, dass sie gleichzeitig neu und angemessen, nützlich oder wertvoll für die Lösung eines Problem sind. Zu den kreativitätsförderlichen Umweltaspekten gehören bspw. das Teamklima für Kreativität und Innovation oder eine qualitativ gute Beziehung zwischen Geführten und Führungskraft.“

Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Kreativität, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/82522/kreativitaet-v7.html

Mihaly Czikszentmihalyi und das Flow-Erleben in der Kreativität

In meiner Studienzeit war der amerikanische Psychologe Mihaly Czikszentmihalyi einer der Top-Experten für das Thema Kreativität. Er beschrieb das Flow-Erleben (engl. für Fließen, Rinnen, Strömen) als das:

„beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust. Der Glücksforscher Mihaly Czikszentmihalyi gilt als Schöpfer der Flow-Theorie, die er aus der Beobachtung verschiedener Lebensbereiche, u. a. von Chirurgen und Exremsportlern, entwickelte und in zahlreichen Beiträgen veröffentlichte. Heute wird seine Theorie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen.
Flow kann bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile) entstehen. Der Flow-Zugang und das Flow-Erleben sind individuell unterschiedlich. Auf der Basis qualitativer Interviews beschrieb Csíkszentmihályi verschiedene Merkmale des Flow-Erlebens.”

In seinem Buch „Kreativität“ schreibt er:

„Kreativität ist so faszinierend, weil sie uns aus dem Alltag heraushebt, weil sie uns das Gefühl gibt, intensiver zu leben als sonst. (…) Das tiefe Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst, kann man außer durch die Kreativität wahrscheinlich nur durch Sex, Sport, Musik oder religiöse Ekstase erreichen – doch diese Erfahrungen sind nur flüchtig und hinterlassen keine bleibenden Spuren. Aber die Kreativität hinterläßt darüber hinaus ein Ergebnis, das zum Reichtum und zur Komplexität des Lebens in der Zukunft beiträgt.“ (Csikszentmihalyi: Kreativität. Stuttgart: Klett-Cotta 1997. S. 10)

In der Zwischenzeit ist viel über Kreativität geforscht worden. Forschungen haben ergeben, dass Kreativität in jedem Gehirn angelegt ist. Man muss sie hervorzulocken wissen. Aber was kann ich tun, um sie zu locken?

Bas Kast und sein Buch „Plötzlich macht es KLICK!“

Aus mittlerweile unzähligen Einzelbefunden zum Forschungsfeld der Kreativität lassen sich empirisch überprüfbare Grundfaktoren des schöpferischen Denkens herausristallisieren. Bas Kast stellt diese „Erfolgszutaten der Kreativität“ in seinem neuen Buch „Plötzlich macht es KLICK! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in den Kopf kommen“ vor. Er hat zwei Jahre damit zugebracht, Hunderte von Studien zum Thema Kreativität auszuwerten, Forschungslabore zu besuchen, Kognitionspsychologen und Hirnforscher zu befragen und Experimente im Selbstversuch zu machen.

Die 10 wichtigsten Strategien kann man in einem Tagesspiegelartikel von Bas Kast nachlesen. Viel interessanter ist es allerdings, das Buch in aller Ausführlichkeit zu lesen. Da kann man nämlich erfahren:

  • wie gegrillter Aal das Denken lockern kann
  • wie ein dickes Adressbuch das Risiko für gute Einfälle erhöht
  • wie Gorillas unsichtbar werden
  • was Wodka, Schläfrigkeit und die Farbe Blau gemeinsam haben
  • wie man den Gruppen-IQ steigern kann
  • wie Steve Jobs’ Ein-Klo-Prinzip funktioniert
  • was der Wert gemeinsamer Kaffee- und Bierpausen ist
  • und viele mehr.

Kreativität ist eine Grundeigenschaft des Gehirns. Warum sind manche Menschen dennoch „kreativer“ als andere? Entsteht Kreativität durch hartnäckiges Üben und Trainieren oder durch plötzlich von irgendwoher kommende Geistesblitze?

Kast zeigt im ersten Kapitel seines Buches, dass Ungewohntes die Phantasie beflügelt. Wer regelmäßig aus dem Alltag „ausbricht“ und das Gehirn mit Ungewöhnlichem konfrontiert, wird kreativer. Ausbrechen aus der Alltagsroutine kann bedeuten: mal etwas anderes zu lesen als sonst, einen anderen Weg zu fahren als den sonst genutzten, andere Menschen kennen zu lernen, exotische Gerichte zu testen und vieles mehr. Auch Auslandsreisen und neue Sprachen erweitern den Horizont. Ein bunter Bekanntenkreis bringt neue Ideen und Verbindungen, die Bandbreite der sozialen Kontakte wird ausschlaggebende Inspirationsformel.

Das zweite Kapitel zeigt, dass mit Entspannung, Loslassen und der Erweiterung der Aufmerksam mehr Ideen kommen. Die Konzentration auf ein Problem führt dazu, dass sich der Blick verengt. Die Verminderung der Konzentration kann zu kreativen Schüben führen, Kast nennt dies „Wenn das Gehirn offline geht“. Menschen die meditieren, kennen den Effekt, dass sich die Aufmerksamkeit erweitert, fokussiert und „Aha-Erlebnisse“ folgen können. Auch Alkohol „erweitert“ die Aufmerksamkeit und lässt die Kreativität wachsen (nur nicht in diesem Zustand Auto oder Fahrrad fahren!). Die Farbe Blau hat eine inspirierende Wirkung. Oft kommen die besten Ideen vor dem Schlafengehen oder beim Aufwachen.

Weitere Kapitel im Buch „Plötzlich macht es KLICK“ zeigen, wie die Kreativität in Teams Einzug halten kann und wie Personen ihre eigene kreative Nische entdecken können. Das Buch ist interessant geschrieben, voller Fakten und Details und vielfältiger Hinweise zum Thema.Für mich als Mediatorin und Pädagogin war dieses Buch absolut gewinnbringend und ich empfehle es gerne weiter. Ach ja, ein Kapitel zum Thema Kreativität bei Kindern und Erwachsenen hat das Buch natürlich auch …

Kreativität in der Mediation

Jede Mediatorin und jeder Mediator benötigt eine große Portion Handwerk und eine gewisse Portion an Kreativität, um verschiedene Fragetechniken, Satzwendungen und Methoden an der jeweils passenden Stelle nutzen zu können.

Das Thema Kreativität in der Mediation gewinnt in der Phase vier allerdings erst richtig an Bedeutung. Zu Anfang der Mediation kommen die Medianden und sind in ihren Gedanken „gefangen“. Der Mediator bzw. die Mediatorin hat deshalb zunächst erst einmal die Aufgabe, in den ersten drei Phasen die Grundvoraussetzungen und eine solide Basis zu schaffen, die zur Kreativität in der Problemlösung der vierten Phase führen kann.

Ob mit der Methode des Brainstormings als Standardmethode für die vierte Phase der Lösungssuche oder das Mindmapping, die Denkhüte von De Bono oder die Kopfstandtechnik, es gibt viele Kreativtechniken, die ich in der Mediation nutzen kann. Vielfältige Bücher geben Hinweise zu derartigen Methoden, die in der Mediation und natürlich auch im Coaching, in der Supervision und im Training eingesetzt werden können. Lesen Sie das Buch „KLICK …“ und experimentieren Sie mit Kreativtechniken im privaten und mediativen Bereich. Beides macht viel Spaß.

Danke an Bas Kast für das unterhaltsame und äußerst lehrreiche Buch „KLICK …“
sagt Dr. Christa Schäfer

 

 

Interessiert an: Mediation und Psychologie –> Welche Kompetenzbereiche MediatorInnen benötigen … Dann bitte auf die rote Schrift klicken, um zum Artikel zu kommen.

In der Mediation komplimentieren …

Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Mitunter bekomme ich als Mediatorin nach einer Mediation „Komplimente“ und Lob für meine gute Arbeit, aber davon soll heute hier nicht die Rede sein. Ich frage mich eher, ob es angebracht ist Medianden für Ihre harte Arbeit in einer Mediation „Komplimente“ zu machen.

Angeregt ist diese Fragestellung dadurch, dass ich seit langer Zeit mal wieder in einem systemischen Klassiker gelesen habe, in dem Buch „Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie“. 594 Seiten haben Peter De Jong und Insoo Kim Berg zusammengetragen, jetzt gibt es die deutschsprachige Ausgabe in der 7. Auflage beim Verlag modernes lernen. Das Buch zeigt die ungeheure Reflektiertheit in der Sprache der beiden Systemiker, und besonders die grundlegenden Fertigkeiten des Interviewens haben mich vor Jahren beeindruckt, als ich das Buch zum ersten Mal las.

Da ist die Rede vom Hören, von Fragearten, vom Achten auf Schlüsselworten, der Technik Worte der KlientInnen mit in die eigenen Aussagen einzubeziehen, dem Paraphrasieren, dem Zusammenfassen, dem Schwiegen, dem non-verbalen Verhalten, dem Komplimentieren, der natürlichen Empathie, dem Normalisieren, den Beziehungs-Fragen, der Lösungs-Sprache und vielem mehr …

Deshalb möchte ich das Buch „Lösungen (er-)finden“ gerne allen MediatorInnen ans Herz legen. Viele der dort vorgestellten Fertigkeiten des Interviewens lassen sich auf die Mediation übertragen. Es gibt viel Input zur Wunder-Frage, die ein wesentliches Element in der Arbeit von De Jong und Berg darstellt, und die ja auch in der Mediation als Methode genutzt werden kann. Beeindruckend und für MediatorInnen interessant sind ebenfalls die Buchkapitel, die zeigen wie Stärken und Erfolge von KlientInnen aufgebaut werden können, was es mit Skalierungsfragen auf sich hat, wie KlientInnen (also in unserem Fall MediandInnen) Rückmeldung gegeben werden kann und vieles mehr.

Herausgreifen möchte ich heute einige Buchpassagen über das Komplimentieren, weil ich mich gefragt habe, ob dies eine Methode ist, die auch in der Mediationspraxis angewandt wird bzw. angewandt werden kann. Dazu einige Zitate aus dem dem Buch von Peter De Jong und Insoo Kim Berg:

„Das Komplimentieren sollte nicht der Motivation entspringen, freundlich oder ‘nett’ zu den KlientInnen zu sein. Es sollte vielmehr auf der Realität gründen (…)

Als das Komplimentieren erstmals am Brief Family Therapy Center in Milwaukee eingeführt wurde, wurden Komplimente vorwiegend am Ende des Gesprächs eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der KlientIn auf Stärken und Erfolge in der Vergangenheit zu lenken, die beim Erreichen ihrer Ziele hilfreich sein könnten. Die PraktikerInnen sind aber nach und nach dazu übergegangen, Komplimente im ganzen Gespräch einzusetzen, weil KlientInnen aus diesem Vorgehen Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen scheinen. (…) Es gibt verschiedene Arten von Komplimenten …“

Quelle: De Jong, P.; Berg, I.K.: Lösungen (er-)finden). S. 80f

Wenn ich von Komplimenten spreche, so meine ich natürlich keine „platten Komplimente“ wie etwa: „Heute haben Sie aber ein schönes Kleid an.“ Ich meine vielmehr ehrliche, auf die gemeinsame Arbeit bezogene Komplimente.

Ein direktes Kompliment ist eine positive Würdigung oder Reaktion der PraktikerIn auf das, was die KlientIn gesagt oder getan hat.

In Bezug auf die Mediation bedeutet dies beispielsweise, den Medianden Dank und Würdigung auszusprechen für in der Mediation Geleistetes:

  • „Sie haben heute hart an Ihrem Konflikt gearbeitet …“
  • „Wunderbar, dann sind wir heute einen großen Schritt weiter gekommen in der Bearbeitung des Sachverhaltes x.“
  • „Besten Dank für die vielen kreativen Idee, die wir gleich zu Anfang der nächsten Sitzung wieder aufgreifen und weitergehend besprechen werden.“

Ein indirektes Kompliment ist eine Frage, die etwas Positives über die KlientIn impliziert. Eine Möglichkeit, indirekt zu komplimentieren, besteht darin, mehr Informationen über ein gewünschtes Ergebnis zu erfragen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, systemische Fragen zu etwas Positivem in einer Beziehung zu stellen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin zu implizieren, dass die KlienIn weiß, was am besten ist. Indirektes Komplimentieren ist im Systemischen Therapiekontext der direkten Komplimentierung vorzuziehen.

In Bezug auf die Mediation meint dies beispielsweise folgende Fragen:

  • „Wie haben Sie es geschafft, dass es in den vergangenen zwei Wochen nicht zu erneutem beiderseitigen Anschreien in der Kommunikation gekommen ist?“
  • „Wenn ich ihre ArbeitskollegInnen fragen würde, auf welche Art und Weise Sie beide es geschafft haben die Arbeitsatmosphäre wieder zu festigen, was würden die sagen?“

Mein Tipp: Achten Sie doch bei zukünftigen Mediationen oder Mediationsrollenspielen auf den Effekt des Komplimentierens.

Zugegeben, in meiner Mediationspraxis gibt es diese Art der Komplimente für meine Medianden, denn es ist wirklich nicht einfach einen heftigen Konflikt anzugehen, hart daran zu arbeiten und die Zuversicht zur Klärung nicht zu verlieren. Und solange die Würdigung ernst gemeint ist, ist dies eine meiner Meinung nach durchaus legitime Methode. Eigentlich sollte ich nicht Methode sagen, denn es ist Teil (m)einer Haltung …

Wie sehen andere MediatorInnen dies?

fragt sich Dr. Christa D. Schäfer

Rollenspiele in der Mediationsausbildung

Eine Mediationsausbildung beinhaltet neben theoretischem Input zu den Themen Kommunikation, Konfliktmanagement und Mediation auch Einheiten zur Selbstreflexion und vorallem Rollenspiele. Einige Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind vor ihrem „ersten Rollenspiel“ aufgeregt und können sich die Methode nicht richtig vorstellen. Fast immer ist jedoch schon nach dem ersten Rollenspiel zu hören, wie effektiv diese Art des Lernens ist, und wie viel Spaß die Rollenspiele machen.

Gewöhnlich gibt es in den Rollenspielen in der Mediationsausbildung einen (oder zwei) MediatorInnen, zwei MediandInnen und mindestens einen Beobachter bzw. eine Beobachterin. Die Mediatorinnen und Mediatoren können die verschiedenen Phasen der Mediation erproben, den Schwerpunkt auf die sprachliche Entwicklung legen und/oder Methoden ausprobieren. Dabei können Rollenspiele sowohl im Anfangsstadium der Ausbildung als auch zur Verfeinerung verschiedener Techniken genutzt werden. Die Mediandinnen und Medianden im Rollenspiel erfahren, wie es sich anfühlt einen Streit – angeleitet durch eine allparteiliche dritte Person – konstruktiv zu lösen. Die Beobachter können intensiv die ablaufenden Prozesse wahrnehmen und anschließend den RollenspielerInnen Feedback geben. Meist machen sich alle Rollenspielerinnen und Rollenspieler ihre Rollen schnell zu eigen.

Gewöhnlich läuft ein Rollenspiel in vier verschiedenen Phasen ab.

Erstens die Aufwärmphase: Es gibt die Vorbereitungsphase, in der die MediatorInnen sich auf das Rollenspiel vorbereiten, die MediandInnen sich in ihre Rollen einfinden und die zukünftigen BeobachterInnen das Setting vorbereiten. Zweitens die Spielphase: Das Rollenspiel wird durchgeführt. Dies kann in verschiedenen Gruppen passieren, so dass sich möglichst viele Personen in den verschiedenen Rollen ausprobieren können – oder im Fishbowl, indem das Rollenspiel im Innenkreis der TeilnehmerInnen durchgeführt wird. Drittens die Entlassungsphase: Alle Rollenspieler entrollen sich und legen ihre Rollen ab. Viertens die Reflexionsphase: Die MediatorInnen und MediandInnen können beschreiben, wie sich sich im Rollenspiel und zu ausgewählten Zeitpunkten gefühlt haben, bzw. was sie noch voneinander gebraucht hätten, um den Konflikt gut lösen zu können. Die BeobachterInnen leiten den Auswertungsprozess und geben Feedback.

Wer mehr über die Methode „Rollenspiel“ wissen möchte, wird in dem Artikel von Kersten Reich aus dem Methodenpool der Kölner Universität fündig …

Immer wieder werde ich von TeilnehmerInnen in den Ausbildungen nach zusätzlichen Rollenspielen für die Intervisionsgruppenarbeit gefragt. Bisher konnte ich folgende zwei Bücher zur Anschaffung vorschlagen:

Jetzt kann ich das neu erschienene Buch „Rollenspiele. Ein Handbuch mit Übungsfällen und Begleitung“ von Sabine Zurmühl aus dem Wolfgang Metzner Verlag wärmstens empfehlen. Es enthält 10 Rollenspiele aus den Mediationsbereichen Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Schulmediation und Gruppenmediation. Zu jedem Rollenspiel gibt es einführende Worte, eine Fallbeschreibung, besondere Rollenbeschreibungen für die mitspielenden MediandInnen, Empfehlungen für die Rollenspieler, Hinweise auf die Besonderheiten des Falles und ein abschließendes Fazit. Die Fälle sind plausibel beschrieben und betreffen gängige Mediationsthemen. Damit wird das Buch zu einem praktischen und unerlässlichen Begleiter für Intervisionsgruppen innerhalb von Mediationsausbildungen.

Das Buch “Rollenspiele” aus dem Metzner Verlag ist mein neuer Favorit in Sachen Rollenspiel. Gut einsetzbar für Ausbilder Mediation als auch für diejenigen, die gerade Mediation erlernen oder in diesem Bereich fit bleiben wollen …

Gutes Gelingen für die nächsten Rollenspiele
bzw. die nächsten Mediationen
wünscht Christa Schäfer

Schwierige Situationen in der Mediation

Sicherlich ist jeder Mediatorin und jedem Mediator schon einmal eine herausfordernde Situation im Rahmen einer Mediation begegnet. Vielleicht ist eine Mediandin einfach aufgestanden und sprachlos gegangen. Vielleicht hat ein Mediand aggressiv gegenüber dem Mediatorenteam gesprochen. Vielleicht gab es permanente abwertende und überkritische Wortbeiträge dem Verfahren der Mediation gegenüber. Vieles kann passieren. Obwohl ich seit über 13 Jahren Mediatorin bin, begegnen auch mir immer mal wieder Situationen, in denen ich neu denken und entscheiden muss.

In den von mir geleiteten Mediationsaufbauseminaren ist das Thema „Umgang mit schwierigen Situation in der Mediation“ eines der Themen, das ich mit den frisch ausgebildeten Mediatorinnen und Mediatoren bespreche. Leider gibt es bisher kein Buch zum Thema. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht und geschaut, was es in angrenzenden Gebieten dazu gibt. So bin ich auf da Buch „Schwierige Situation in Therapie und Beratung. 30 Probleme und Lösungsvorschläge“ gestoßen, das von Alexander Noyon und Thomas Heidenreich stammt und im Beltz Verlag herausgegeben wurde.

Das Buch „Schwierige Situationen in Therapie und Beratung“ berichtet von verschiedenen Störungen im Beratungsprozess und zeigt, wie diesen gut begegnet werden kann. Damit ist es ein Buch, das auch im Mediations- und Supervisionskontext sehr nützlich sein kann. Natürlich treffen wir dort nicht auf genau dieselben Schwierigkeiten wie in der Therapie, allerdings: Überschneidungen gibt es schon.

Interessante Aussagen lassen sich in vielen Kapiteln finden. Ich möchte hier vom Kapitel „Schweigen und ‘Ich weiß nicht’“ berichten. Mediation baut auf Kommunikation und Kommunikation ist trotz möglicher Bilder einbeziehenden Methoden immer noch das wichtigste Medium in der Mediation. Was tun? Ein erster Schritt ist, das Schweigen zu lesen.

Es kann ein Schweigen sein, das aussagt:

  • Jetzt ist erst einmal mein Konfliktpartner dran.
  • Ich denke nach.
  • Ich sinne nach (hier geht es eher um die Gefühlsebene).
  • Das ist mir peinlich.
  • Lass uns schweigen.

Das erste ist meiner Erfahrung nach in der Mediation die häufigste Ursache von Schweigen, das letzte die am wenigsten häufige.

Als Mediatorin kann ich unterschiedlich reagieren. Ich kann die Frage nochmal wiederholen, ich kann ihn auffordern zu antworten, oder ich kann ebenfalls schweigen. Ich kann fragen „Was geht gerade in Ihnen vor?“ oder einfach: „Sie schweigen jetzt schon eine Weile …“ Manche Reaktionsweisen sind unangebracht, andere bringen den Prozess voran.

Die im Buch abgedruckte Empfehlungen der Dos and Don’ts zum Schweigen (Noyon; Heidenreich 2013, S. 121) machen großen Sinn auch für derartige Situationen in einer Mediation, Supervision oder Konfliktberatung:

Don’ts:

  • Blinder Aktionismus und überhastetes Reagieren, um das Schweigen schnellstmöglich zu beenden
  • Von Thema zu Thema bzw. Frage zu Frage zu springen, ohne die Potenziale richtig auszureizen
  • Komplizierte, lange und verschachtelte Fragen stellen
  • Ärgerlich reagieren

Dos:

  • Das Schweigen lesen: Beweggründe erkennen und adäquat reagieren: Blickrichtung des Gegenübers beobachten, um das Schweigen besser klassifizieren zu können
  • Eigenes Abwarten kultivieren und persönliche Entspannung finden
  • Einfache Fragen stellen
  • Überlegen, ob eine erhöhte soziale Angst vorliegt, die Ursache für das Schweigen sein kann

Und abschließend möchte ich Ihnen noch einen Gedankengang aus dem vorgestellten Buch mitgeben, der Sie ein wenig für schwierige Situationen in Mediation und Supervision vorbereiten soll:

„Schwierige Situationen sind schwierig!
(…) Erwarten Sie nicht von sich, in einer schwierigen Situation immer sofort eine elegante und leichte Lösung zu finden! Genau darin besteht ja das Wesen einer schwierigen (…) Situation, dass sie den Behandler (Mediator/Supervisor) sehr stark herausfordert und mit den Grenzen seiner Fertigkeit in Berührung bringt. In einer schwierigen Situation nicht sofort – oder vielleicht sogar gar nicht – eine hilfreiche Lösung finden, bedeutet nicht, dass Sie ein schlechter Behandler (Mediator/Supervisor) oder eine schlechte Behandlerin (Mediatorin/Supervisorin) sind. Zum einen hat jeder Berater oder Therapeut, egal wie gut er sein mag, seine Grenzen; zum anderen hat auch unser Handwerkszeug an sich seine Grenzen, die Sie auch durch noch so große Perfektion nicht werden überwinden können.“ (leicht verändert nach Noyon; Heidenreich 2013, S. 12)

Und Sie wissen ja, wir als MediatorInnen haben die Verantwortung für das Meditionsverfahren, die MediandInnen sind die Experten für den Inhalt. Damit dürften Sie ein wenig gewappnet sein für zukünftige schwierige Situationen. Und natürlich gibt es immer die Möglichkeit, als Mediatorin oder Mediator Intervision oder Supervision zur Unterstützung zu nutzen …

Christa D. Schäfer

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir uns streiten?

Page 1 of 12

Copyright©mediation-berlin-blog.de 2008

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén