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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Mobbingbearbeitung (Page 1 of 4)

Cybermobbing aktuell – ein Roman mit Leon und Alissa

Leon

Niemand soll wissen, wer er ist. Er schaut durch die Sehschlitze auf sein Pad und betrachtet sich darin. Zwei Augen in der Dunkelheit. Er macht ein Foto von sich, wie er mit der goldenen Maske auf dem Bett liegt.
„Was soll das? Bist du jetzt völlig durchgedreht?“, dringt die Stimme seiner Mutter herein. Sie steht mit einem Mal über ihm. „Kann das sein? Jetzt liegst du sogar schon im Bett mit dieser dämlichen Maske? Hast du etwa mit dem Ding geschlafen?“
Warum ist seine Mutter nicht in der Schule? Sie gehört nicht in diese Wohnung. Zumindest nicht um diese Uhrzeit.
„Ich bin krank“, erklärt sie, als habe sie seine Gedanken gelesen. Krank sieht sie nicht aus, eher wütend. Er betrachtet sie durch die Maske hindurch. Er atmet und hört seinen eigenen Atem. So fühlt er sich sonst nur, wenn er seinen Motorradhelm trägt. „Korrekturen“, sagt sie weiter. „Ich bekomme die Deutscharbeiten sonst nicht korrigiert. Ich muss den Tag dafür heute in der Schule krankmachen.“ Sie stockt einen Augenblick, dann fragt sie: „Willst du was essen? Rührei?“
Leons Atem unter der Maske ist feucht und warm und riecht ein wenig nach Plastik. Seine Mutter ist eine zierliche Frau mit vollen Lippen. Wäre sie nicht seine Mutter, so wäre sie hübsch. Sie fragt ihn nochmals nach dem Essen, aber er schweigt. Die meisten Fragen erledigen sich von selbst, wenn er schweigt.
Sie verlässt sein Zimmer mit einem „Na, dann nicht.“
Die Tür klickt leise zu, als ob du den Abzug von einer Waffe spannst. Seine Mutter wird zurückkehren. Da ist er sich sicher. Sie kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen.
Er sieht auf dem Pad das Foto eines Menschen mit einer goldenen Maske, die breit grinst. Und er zieht die Maske aus. Sein Gesicht schwitzt darunter.
Draußen scheint die Sonne und die Temperatur ist 18,2 Grad. Es ist Ende Juni und der Sommer noch immer verregnet. Aber heute scheint es anders zu sein, jedenfalls sagt das wetter.de. Auf dem Schreibtisch vor seinem Fenster steht der PC im Ruhezustand. Niemals schläft der Rechner – genau wie Leon. Menschen laufen an seinem Fenster vorbei. Sehen kann er nur ihre Umrisse. Die Fensterscheibe ist unten aus milchigem Glas. Lediglich oben in einer Höhe von 1,80 Meter – ist sie klar. So kann keiner von der Straße in sein Zimmer schauen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn er nah bei den Menschen ist und gleichzeitig durch die Scheibe von ihnen getrennt.
Er geht zum Schreibtisch, stützt sich auf seinen Drucker und stellt sich auf Zehenspitzen, schaut hinaus – und blickt in einer erschrockenes Gesicht!
Leon zuckt zusammen. Das Mädchen schaut ihn von draußen ebenfalls an. Zu lange. Sie soll wegschauen!
„Hau ab!“, schreit er gegen das Glas.
Sie geht weiter.

Alissa

„Alissa?!“ Ihre Mutter ruft. Die Decken im Altbau sind hoch, trotzdem bleibt kein Flecken, kein Luftmolekül in dieser Wohnung unberührt von dieser hellen und klaren Stimme. Wenn ihre Mutter ruft, vibriert alles.
„Ja!“, patzt Alissa zurück.
„Ich bin hier!“
„Jaaaaa!“ Alissa wird nicht dorthin gehen wo ihre Mutter ist. Sie möchte mit dieser Stimme nichts zu tun haben.
Es klingelt.
„Machst du bitte mal auf!“
„Neeein!“, schreit Alissa zurück. Sie hat diese ewigen Befehle satt. Trotzdem drückt sie den Summer des Türöffners.
Ihre Mutter kommt aus dem Arbeitszimmer und fragt Alissa: „Hast du geweint?“
„Wenn du so fragst, kennst du doch schon die Antwort, Mama.“
„Schlecht gelaunt?“
„Ne, ich heul aus guter Laune. Das ist mein Trick.“
„Deine schlechte Laune musst du aber nicht an mir auslassen!“
„Dann lass mich einfach in Ruhe!“
Das Klacken der Schritte im Treppenhaus stoppt. Ihr Vater drückt die Türe auf, spürt sogleich die Anspannung im Wohnungsflur und fragt Alissa: „Wieder wegen Felix?“
Ehe Alissa noch etwas sagen kann, will ihre Mutter schon vom Vater wissen: „Hast du keinen Schlüssel?“
„Ich wollte klingeln und gleich meine Lieben sehen, wie sie mich an der Tür sehnlich erwarten“.
„Sehr witzig. Sieh dir mal die Laune deiner Tochter an. Vermutlich hat sie Englisch verhauen.’“
Nein, das hat sie nicht!
Vielmehr war die Vermutung ihres Vaters richtig: Ihr Freund Felix ist der Grund für ihren Frust. Am liebsten würde Alissa losheulen. Aber Wut und Trotz gegen ihre Eltern sind stärker. „Warum müsst ihr euch eigentlich immer gegenseitig anmachen? Wisst ihr, wie mich das ankotzt?“

Dies sind die ersten Seiten des Buches „Weil es nie aufhört“ von Manfred Theisen.

Später im Buch werden Leon und Alissa intensiv miteinander zu tun haben. Leon bastelt an einer App zum Cybermobbing und hat Alissa als seine Testperson auserwählt. Er verwickelt Alissa zunächst in eine geheimnisvolle Beziehung, verbreitet ein Nacktfoto von Alissa über WhatsApp und stalkt sie schließlich. Damit zerstört er sie fast vollständig. Das Bleichmittel für den Suizid hat sie jedenfalls schon gekauft.

Das Buch ist für Jugendliche geschrieben und in der Verlagsgruppe Verlagsgruppe Random House erschienen. Ich habe es auf einer Bahnfahrt in einem Schwung durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen. Ein Buch, das unter die Haut geht. Es ist zu wünschen, dass es den Weg in viele Hände findet und in der Schule gelesen wird.

Die Computertechnik betreffend ist das Buch auf dem neusten Stand. Das Thema Cybermobbing wird im Buch deutlich geschildert und geht emotional unter die Haut. Ganz deutlich werden im Buch auch Täter- und Opfer-Struktur herausgearbeitet. Und die Familienverhältnisse von Leon und Alissa kann man ja sicherlich an obigem Zitat bereits erkennen, auch zum Thema Familie lässt das Buch also tief blicken …

Vielleicht ist die ein oder der andere Jugendliche ja nach der Lektüre des Buches vorsichtiger im Gebrauch mit dem Smartphone, mit Facebook, der Cam und WhatsApp. Das wäre zu wünschen.

Weitere Buchbesprechungen zu Romanen von Manfred Theisen hier im Blog unter:

Nerd forever: Im Würgegriff der Schule
Täglich die Angst

Christa D. Schäfer

Mobbing im Jugendroman

Gerne lese ich auch Kinder- und Jugendbücher, und ich möchte Sie diesen Sommer an einigen Büchern teilhaben lassen. Kurz vor den Ferien habe ich ein Buch der Lehrerin und Autorin Heidemarie Brosche in die Hände bekommen. Der Roman heißt „Couch on fire“ und handelt von dem 15jährigen Matthias-Georg, einer echten Couch-Potato (darum auch der Spitzname „Couch“). Matthias hat’s im Moment nicht so einfach, weder zu Hause mit seiner Mutter noch in der Schule mit Kevin und Firat aus seiner Klasse. Da erscheint – wie ein Stern am Himmel – Yayo, eine neue Mitschülerin. Yayo ist hübsch, intelligent und außerdem Halbjapanerin, weswegen sie es nicht einfach bei Firat und Kevin hat. Matthias jedoch ist Feuer und Flamme für Yayo, und die Geschichte nimmt ihren Lauf …

Hier ein langes Zitat aus dem Buch, den Themen dieses Blogs gemäß zum Stichwort „Mobbing“, denn dieses Thema spielt auch in diesem Jugendroman eine wichtige Rolle:

Wir sind gerade auf dem Rückweg zum Klassenzimmer, als Firat und Kevin sich von hinten nähern. Ich erkenne sie an ihren Stimmen. Und an ihrem Thema.
„Die Bitch hab ich abserviert“, tönt Firat gerade.
Und ich überlege, ob die Bitch Ameisenformat hatte – passend zu Firat.
Plötzlich beschleunigen die beiden, setzen zum Überholen an und bauen sich vor Yayo und mir auf. Ungeniert glotzen sie uns an.
„Was hast du denn da abgeschleppt?“, fragt Kevin. „Stehst du jetzt auf Schlitze?“
Yayo schaut mich erschrocken an.
Doch Firat setzt noch einen obendrauf.
„’ne Japse!“, sagt er. „Das seh ich gleich.“
Dann zieht er verächtlich Rotz hoch und schlendert genüsslich mit Kevin ins Klassenzimmer.
Ich bin mir selbst peinlich. Natürlich hätte ich etwas sagen müssen. Oder noch besser: etwas TUN. Aber mir ist einfach nicht eingefallen was.
Yayo ist ein wenig blass geworden.
„Sind die immer so?“ fragt sie mit dünner Stimme und ich spüre zum ersten Mal, dass man auch sie aus der Ruhe bringen kann.
„Meistens“, sage ich und versuche, meiner Stimme einen festen Klang zu geben, weil Yayo mich nicht schon wieder als Depp vom Dienst erleben soll. Ehrlich gesagt, sind die ein bisschen blöd.“
Zur Bekräftigung klopfe ich mir mit dem rechten Zeigefinger gegen die Stirn und weise mit dem Kinn auf die beiden, die gerade dabei sind, im Klassenzimmer zu verschwinden.
Das hätte ich lieber bleiben lassen. Denn genau in diesem Moment fällt Kevin ein Flummi aus der Hosentasche und hüpft in unsere Richtung. Wodurch er sich umdrehen muss – und gerade noch sieht, wie ich ihm den Vogel zeige.
In Sekundenbruchteilen verzerrt sich sein Gesicht zu einer drohenden Grimasse.
„Pass bloß auf!“, zischt er in meine Richtung und zeigt mir den Stinkefinger.
Während ich versuche, so unerschrocken wie möglich zu schauen, tut Yayo etwas Unerwartetes. Sie rennt dem davonhüpfenden Flummi hinterher, schlägt ein paar Haken und fängt ihn schließlich ein. Mit ihrer Beute in der Hand geht sie zu Kevin, überreicht ihm das Ding und sagt:
„Hier – dein kleiner Ball.“
Es klingt ein bisschen wie: „Hier – dein Babyspielzeug!“
Vermutlich hat sie es einfach nur gut gemeint. Vielleicht hat sie gehofft, dass Kevin ab jetzt netter zu ihr ist. Für den aber hat soeben eine Majestätsbeleidigung stattgefunden.
Er reißt ihr das Ding aus der Hand, schaut Yayo drohend in die Augen und zischt: „Pfoten weg von meinen Sachen!“
Dann überlegt er kurz und fügt das Wort hinzu das er neu von Firat gelernt hat: „Japse!“
Im nächsten Moment ist er im Klassenzimmer verschwunden.
Yayo starrt mich an. Weil ich nicht weiß, was ich sagen soll, zucke ich mit den Schultern und verdrehe die Augen in Richtung Klassenzimmertür. Ich habe Angst, dass meiner Hinanta gleich die Tränen in die Augen schießen. Für diesen Fall ziehe ich ernsthaft in Erwägung, Kevin nun doch noch zum Duell herauszufordern.
Doch Yayo überrascht mich schon wieder.
„Ich glaube, dieser Junge hat ein Problem“, sagt sie …..

Quelle: Brosche, Heidemarie: Couch on fire. Ich glaub, jetzt geht’s los! Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013. S. 29 ff

Neben dem Thema Mobbing gibt es im Buch Couch on fire noch Familienprobleme zu lösen und viele aufregende Passagen zum Thema erste Liebe zu genießen. Vielleicht kennen Sie noch jemanden, der eine Ferienlektüre sucht? Das Buch Couch on fire ist jedenfalls herzlichst zu empfehlen, sowohl für Couch-Potatos als auch für nicht-Couch-Potatos, für Mädchen und Jungen ab 12 Jahren, in den Ferien und während der Schulzeit.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Christa D. Schäfer

Ähnliche Blogartikel:
Mobbing in der vierten Klasse
Elfriede ermittelt im Mobbingmilieu

Um Punkt 7.55 Uhr öffne ich mein Spind. In genau fünf Minuten beginnt der Unterricht.

„Hey, Opfer!“ Rick hat uns entdeckt.
Calvin reagiert sofort und winkt Rick freundlich zu.
Und mir sagt er: „Du musst auch winken.“
Ich tue es, woraufhin sich Rick zufrieden umdreht und hinter Nerdine hergeht.
So muss ich mich also verhalten, damit Rick mich in Ruhe lässt. Ich kann bestimmt noch viel von Calvin lernen. Mittlerweile steht eine ganze Traube Schüler vor der Klassentür, während Calvin und ich an den Nerd-Spinden warten.
„Ich bin froh, dass du da bist“, sagt Calvin. „Seit Friedrich weg ist, macht Rick mich fertig. Jetzt bist du ja für Friedrich da.“
„Was ist mit Friedrich passiert?“
„Seine Eltern haben ihn von der Schule genommen. Er wurde von Rick gemobbt, weil er ein Streber war.“
„Definiere bitte Streber.“
„Na, Friedrich war supergut in Mathe, Englisch und Deutsch. Er sollte unsere Klasse sogar in einem Monat beim Buchstabierwettbewerb Schreib’s perfekt! – rischtisch oder pfalsch? vertreten.“
„Und warum wurde Rick nicht bestraft?“
„Er ist nicht das Opfer, sondern Friedrich war das Opfer.
Schließlich heißen deshalb die Opfer Opfer und die Täter Täter.
Das ist doch logisch! Wenn ein Opfer nicht mehr kann oder will, wird es in eine andere Klasse versetzt, und dann kommt ein neues opfer für den Täter.“
„Und das neue Opfer warst du?“, fragte ich.
„Seit gestern bist du es.“
„Und du?“
„Ab heute sitzt du zwischen mir und Rick. Du bist also der direkte Nachbar von Höhöhö.“
Ja, das ist logisch. Alles hat seine Ordnung in der Schule. Ich muss die Ordnung nur verstehen.
„Welche Aufgaben sind mit der Opferrolle verbunden?“, erkundigte ich mich.
„Du musst jederzeit verfügbar sein. Deshalb sitzt du neben Rick. Zweitens muss sich das Opfer über seine Opferrolle nicht nur ärgern, sondern richtig traurig und verzweifelt sein. Am besten sind Tränen. Deshalb solltest du viel und regelmäßig trinken. Drittens muss sich das Opfer wehren wollen.“
„Ist das ein Ritual, dass sich Opfer wehren?“
„Weiß nicht. Wichtig ist nur, dass das Opfer keine Chance hat. So wie eine Fliege im Netz der Spinne. Die Spinne wird durch das Zappeln der Beute nur noch gieriger.“
„Und wenn ich mich zu stark wehre?“
„Geht das Spinnennetz kaputt. Dann sind alle sauer auf dich. Aber glaub es mir, bei Rick klappt das mit dem Wehren sowieso nicht. Du kennst ja seinen Vater.“ …..

Quelle: Manfred Theisen: Nerd forever. Im Würgegriff der Schule. Illustrationen von Fabrice Boursier. München: cbj 2013. S. 75 ff.

Das Buch Nerd forever. Im Würgegriff der Schule beschreibt, was einem Nerd passieren kann, wenn er weg von seinem Computer in die Realität der Schule muss. Manfred Theisen ist Autor des Buches und Fabrice Boursier (Schüler der Johann-Gutenberg Realschule in Langenfeld) hat das Buch illustriert. In oben zitiertem Absatz erfährt man, wie die beiden es sich vorstellen, wenn ein Nerd in der Schule gemobbt wird.

Mit diesem Buch warten 277 „nerdhafte“ Seiten mit hartem Ton und voller Klamauk, aber mit weichem Kern und viel Sensibilität zwischen den Zeilen auf jugendliche Leser. Gerne habe auch ich als „erwachsene „Fachfrau“ das Buch gelesen.

Falls Sie weiteren inhaltlichen Input zum Thema Mobbing suchen, so werden Sie hier im Blog sicherlich zu den Themen Mobbing bzw. Cybermobbing und Schule fündig …

Habe ich den Berliner Lehrerinnen und Lehrern schon schöne Ferien gewünscht?
Und gutes Wetter?
Christa D. Schäfer

Elfriede ermittelt im Mobbingmilieu

Elfriede Schmittke ist Privatdetektivin. Sie hat sich erst vor kurzem von ihrem Mann getrennt und wohnt jetzt zusammen mit ihrem Sohn Oliver in der Niederhofheimer Straße in Hofheim, in der Nähe von Frankfurt. 15 Jahre ist Elfriede aus ihrem Beruf draußen, jetzt hat sie nach dieser Pause wieder ihren ersten Auftrag. Herr Köster, dessen Sohn Alexander mit einer Eisenstange erschlagen wurde, hat sie engagiert, um den Mörder zu finden.

Was hat der Mord mit diesem Blog zu tun,
so fragen Sie sich vielleicht …

Ganz einfach. Der oben beschriebene Plot entstammt einem Krimi von Veronika Aydin & Kerstin Klamroth und trägt den Titel “Schulsachen“. In dem Krimi geht es auch tatsächlich um das Schulmilieu, um Mobbing unter Schülern, um Erpressung, Gewalt in Familien, Erziehungsprobleme und dunkle Machenschaften. Wer diesen Blog öfters liest, der wird auch das Buch mögen. Der Krimi zeigt teils übertriebene, teils realistische Szene, versehen natürlich mit ungewöhnlichen Wendungen – so dass das Lesen spannend ist. Als Feierabendlektüre also wunderbar geeignet, trotz des schweren Themas.

Die Geschichte vom Prinz-von-Nassau-Gymnasium ist erfunden. Mobbing an Deutschen und Berliner Schulen sind leider aktuell, existent und heftig. Auch Cybermobbing nimmt immer mehr zu.

Das Bündnis gegen Cybermobbing hat kürzlich über 10.000 Schülern, Eltern und Lehrern aller Schulformen befragt. Seit dem 16.05.2013 liegen nun die Ergebnisse der drei Befragungen (Schüler, Eltern, Lehrer) zum Thema Cybermobbing vor.

Hier die wichtigsten Ergebnisse aus der Schülerstudie:

Soziale Netzwerke dienen Schülerinnen und Schülern immer häufiger der Kompensation von Sorgen und Nöten in der realen Welt.

Zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler verfügen über internetfähige Handys und Smartphones.

Nur 17 % der Eltern überprüfen, was ihre Kinder im Internet machen.

17 % der Schülerinnen und Schüler waren nach eigenem Bekunden bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken

19% bekennen sich dazu, bereits Täter von Cybermobbing-Attacken gewesen zu sein.

Cybermobbing ist auch ein Mittel, um sich zu wehren: Mehr als ein Drittel der Täter war selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing.

„Langeweile“ oder „Spaß“ sind häufige Motive der Cybermobber.

Soziale Netzwerke sind der zentrale Tatort für Cybermobbing. Als Medien werden immer häufiger Handys und Smartphones genutzt.

Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen sind die häufigsten Formen von Cybermobbing.

Ein Fünftel der Cybermobbingopfer fühlt sich dauerhaft belastet.

Nur jeder Fünfte meldet die Vorfälle den Betreibern der betroffenen Plattformen.

Freunde und Eltern werden als wichtigste und wünschenswerteste Hilfe bei Cybermobbing-Attacken genannt. 50% der Mobbingopfer wünscht sich mehr Unterstützung der Schulen in Form z.B. von Anti-Mobbing-Trainings, Unterstützungsteams, Schüler-Scouts und mehr Unterstützung durch die Lehrer.

Quelle: Bündnis gegen Cybermobbing
Ergebnisse zum Nach- und Weiterlesen

Präventions- und Interventionsprogramme gegen Cybermobbing und Mobbing sind im Schulbereich also unerlässlich. Hoffen wir, dass sich da in den nächsten Jahren viel bewegt …

Christa D. Schäfer

Mobbing in Schulen

Mobbing ist die häufigste Form von Gewalt in Schulen.

Die erste Assoziation geht bei den meisten Lesern meist zum Thema Mobbing unter Schülern. In der Tat ist Mobbing unter Schülern ein absolut ernst zu nehmende Angelegenheit. Statistiken zufolge wird jedes dritte Kind im Laufe seines Schullebens mindestens ein Mal zum Mobbingopfer. Fast jeder zehnte Schüler wird im Laufe seiner Schulzeit mindestens ein Mal zum Opfer von Gewalt.

Schaut man sich die Berichterstattung der letzten Jahre in den Medien an, so erkennt man, dass der Begriff des Mobbings derzeit regelrechte Wellen geschlagen hat. Anti-Mobbing Programme werden meiner Einschätzung nach in nächster Zeit so etwas wie ein Qualitätsmerkmal für Schulen werden. In der Zwischenzeit nutzen Schülerinnen und Schüler den Begriff oft leichtfertig, darauf verweist ein Artikel von Carmen Gräf in der ZEIT online. Dennoch muss absolut jede(r) an und in Schule Beteiligte dieses Phänomen ernst nehmen.

Und ernst zu nehmen sind auch die Mobbingvorkommnisse zwischen anderen Beteiligten in Schule, SchülerInnen sind nämlich nicht die einzigen Mobbingbetroffenen an Schule. Vielmehr gibt es auch unter Lehrern eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Mobbingopfern. Heutzutage sind Lehrerinnen und Lehrer in vielen Schulen immer noch „Einzelkämpfer“. Es treffen sich LehrerInnen unterschiedlichster pädagogischer und didaktischer Ausrichtungen an einer Schule. Selten wird ein Kollegium ein wirkliches Team. Da bleiben dann auch leichte, mittlere oder schwere Mobbingfälle nicht aus.

Seit längerem beobachte ich die Zusammenhänge zwischen den Themengebieten „Konflikte bzw. Konfliktbearbeitung“ und „Mobbing“. Meine Beobachtungen zeigen, dass es zwei Wege für den Start von Mobbing gibt.

Erstens:
Mobbing beginnt manchmal mit einem sozialen Konflikt zwischen zwei oder mehr Personen. Im Mittelpunkt des Konfliktes steht beispielsweise ein Thema, das nicht besprochen bzw. gelöst wird. Ein intrapsychischer Konflikt einer Streitpartei spielt eine wichtige Rolle im Geschehen. Der Konflikt verfestigt sich, einer Streitpartei geht es jetzt darum, der anderen Person zu schaden. Das Machtungleichgewicht zwischen den ursprünglichen Konfliktpartnern vergrößert sich.

Zweitens:
Mobbing startet ganz bewusst von der ersten Minute an mit einer Schädigungsabsicht. Damit steigt der Konflikt bereits in einer höhreren Eskalationsstufe ein. Ein intrapsychischer Konflikt ist Auslöser für die Mobbinggeschehnisse. Ein sozialer Konflikt folgt auf den innerpsychischen Konflikt der ersten Streitpartei.

In beiden Fällen hängt ein sozialer Konflikt mit einem innerpsychischen Konflikt zusammen. Systemisch gesehen heißt dies, dass an allen Systempunkten angeknüpft werden kann: beim „Mobbingtäter“, beim „Mobbingopfer“, im Gespräch mit den verschiedenen am Mobbing beteiligten Parteien oder auch (am besten?!) mit dem erweiterten gesamten „Mobbingsystem“.

In dem von Christian Stock geschriebenen Büchlein „Mobbing“ aus dem Haufe Verlag gibt es ein Kapitel zum Thema „Mobbing vorbeugen“. Die Empfehlungen aus diesem Kapitel sind auch für Schulen als Organisationen recht hilfreich – müssen jedoch stets auf die entsprechende Institution angepasst werden:

  1. Die Unternehmenskultur sollte partnerschaftlich sein, die Organisationsstrukturen überschaubar und der Führungsstil kooperativ …
  2. Mobbing sollte nicht verschwiegen, sondern thematisiert werden …
  3. Supervisionsmöglichkeiten, regelmäßige Besprechungen in Arbeitsgruppen sowie Qualitätszirkel machen Konflikte früher transparent, sodass sie sich nicht aufstauen und verschleppt werden …
  4. Ein betrieblicher Mobbing- oder Konfliktberater (Konfliktlotse) sollte ernannt oder eingerichtet werden …

Das eben angesprochen Buch ist übrigens ein wunderbarer erster Überblick für alle, die sich erstmals mit dem Thema Mobbing auseinandersetzen wollen. Kurz, knapp und treffend wird darüber berichtet, woran man Mobbinghandlungen erkennt, wie Mobbing entsteht, wie man sich selbst helfen kann, und was Vorgesetzte und Kollegen im Mobbingfall tun können.

Im Internet findet man eine gute Übersicht zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz beispielsweise auf der Seite des Personalrates der Uni Gießen.

Ein Artikel zum Thema Cybermobbing hier …

Christa D. Schäfer

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