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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Mobbingbearbeitung (Page 2 of 4)

4 Jahre Mediationsblog

Am 30. Mai 2008 erschien der erste Artikel in diesem Blog.
Seit der Zeit sind genau 232 Artikel entstanden.
Das will gefeiert werden !

Deshalb freuen Sie sich bitte mit mir auf das Buch zum Blog, das in Kürze erscheinen wird. Es fasst verschiedene Artikel dieses Buches zusammen und behandelt Themen von der Konfliktbearbeitung in Berlin über Emotionale Kompetenz, Gewaltprävention, Kommunikation, Mediation, Mobbingprävention, Soziales Lernen, Soziale Trainingsprogramme und Unterrichtsstörungen.

Demnächst können Sie Ihr Buchexemplar hier bestellen.

Christa D. Schäfer

Übungen für Mobbing-nahe bzw. Mobbing-gefährdete Klassen

In letzter Zeit war ich öfters in Klassen eingeladen, in denen es erste Anzeichen von Mobbing gab. Mit diesen Klassen habe ich dann einen Tag lang mehrere Anti-Mobbing-Übungen gemacht. Schade, dass derartige Übungen nicht besonders bekannt sind in Schulen. Um das zu ändern, möchte ich hier mit Ihnen eine meiner Standardübungen für die Klassenstufen 5 bis 8 teilen.

Die Übung heißt „In-Group“, und es ist eine Übung, die verdeutlicht, dass es in Gruppen oft einen bestimmten „Code“ gibt. Beim ersten Durchführen wissen die SchülerInnen oft nicht, worauf die Übung abzielt – die Wirkung und das Ergebnis ist mitsamt der Auswertung am intensivsten. Beim zweiten und dritten Mal macht die Übungen den SchülerInnen viel Spaß, regt jedoch die TeilnehmerInnen eher dazu an, Detektiv zu spielen um den Code herauszubekommen.

Zielsetzung:
SchülerInnen können erfahren, wie sich Mobbing anfühlt / SchülerInnen erkennen, dass es einen Code (ungeschriebene Regeln) in Gruppen gibt / SchülerInnen denken über Gruppen und deren Code nach
Sozialform: Kreisgespräch
Dauer: 20 bis 45 Minuten
Material: keines notwendig
Vorbereitung: kaum

Ablauf:
Es werden drei SchülerInnen gefragt, ob sie ein „Experiment“ mitmachen wollen; diese SchülerInnen werden dann gebeten, kurz vor die Türe zu gehen.

Die restliche Gruppe wird darüber informiert, dass es im Klassenraum jetzt um ein Gespräch über ein bestimmtes Thema geht und sie jetzt die „In-group“ sind. Zusammen mit dieser Gruppe wird ein Thema ausgewählt, z.B. stellen sich alle vor, eine gemeinsame Party am kommenden Samstag zu feiern. In dem folgenden Gespräch geht es dann um den Rahmen und die Vorbereitungen zur Party. Weiterhin wird ein Code vereinbart, den alle einhalten müssen, die mitsprechen wollen. Das Zeichen / der Code kann daraus bestehen, dass sich derjenige, der etwas sagen möchte, kurz in den Haaren wuschelt bevor er etwas sagt, oder sich kurz am Ohrläppchen zieht oder die Beine überschlägt oder den kommenden Satz mit „äh“ einleitet. Die In-group weiß, dass von den Dreien, die jetzt bald wieder reingeholt werden, nur diejenigen mitsprechen dürfen, die diesen Code kennen und befolgen.

Die Gruppe außen erhält ebenfalls kurz eine Einweisung in Ihre Rolle. Sie wissen, dass Sie jetzt anschließend in den Raum kommen und die Gruppe im Raum über ein bestimmtes Thema sprechen möchte. Sie wissen, dass sie nur mitreden dürfen, wenn Sie einen geheimen Code befolgen, den sich die Gruppe im Klassenraum gewählt hat. – Wichtig ist es, der Gruppe außerhalb des Raumes nicht zu viel zu verraten, aber die Aufgabenstellung dennoch gut deutlich zu machen.

Auswertung:
Im Auswertungsgespräch sollten Fragen diskutiert werden wie:
Wie geht es denjenigen, die mitreden wollten, aber nicht durften?
Wurde der „Code“ herausgefunden? Wie?
Hat jemand resigniert? Wie haben sich einzelne verhalten? Wie gefühlt?
Wie ist die Übung verlaufen? Was macht Spaß an der Übung?

Quelle:
jetzt Ch.Schäfer, ursprünglich?

Interessant ist, dass die Übung „Spaß“ macht und dass einige Schüler sich richtig „gemein“ und „daneben“ benehmen während der Übung. Interessant ist auch, dass einige SchülerInnen die Übung gar nicht aushalten können und am liebsten rausgehen würden aus Ihrer Rolle bzw. dass sie ganz still werden.

Und immer gut zu wissen für Lehrkräfte: Dies ist keine Übung, die man mal so eben nebenbei macht. Sie erfordert vielmehr bereits ein großes Gespür für die Klasse, für die SchülerInnen der Klasse und für das Klassengefüge. Ganz leicht kann mit dieser Übung nämlich auch „Schaden“ angerichtet werden.

Gut aber auch zu wissen, dass diese Übung in den Köpfen und Herzen der teilnehmenden SchülerInnen viel bewegt und darum wegweisend sein kann …

Kennen Sie schon den Berliner Anti-Mobbing-Koffer?

Interesse an weiteren Übungen zur Mobbingprävention?
Schon jetzt für Klassen buchbar und demnächst auch für LehrerInnen und SozialpädagogInnen …

Christa D. Schäfer

Mobbingprävention in Berliner Oberschulen

In Berlin ist der Erwerb sozialer Kompetenzen als allgemeines Ziel in den Bildungsplänen aller Schularten verankert. Seit Sommer 2011 gibt es jetzt 1.500 Anti-Mobbing-Koffer für die Berliner Oberschulen. Der Koffer ist Bestandteil des Programms „Gesunde Schule“. Die Techniker Krankenkasse hat zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und dem Brandenburger Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung diese Initiative „Mobbingfreie Schule – Gemeinsam Klasse sein!“ ins Leben gerufen.

In Hamburg entwickelt, findet dieser Koffer jetzt mit 1.500 Exemplaren seine Wege innerhalb Berlins. Er wurde für die Sekundarstufe I konzipiert und kann wunderbar in den Klassenstufen fünf bis acht eingesetzt werden. Vor den Sommerferien 2011 hat ein zweitägiges MultiplikatorInnentraining stattgefunden. Jetzt stehen ca. 100 geschulte MultiplikatorInnen in Berlin bereit, um Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit dem Anti-Mobbing-Koffer zu schulen. In Brandenburg startet das Programm zum neuen Schuljahr 2012/2013.

Das Mobbing-Präventionsprogramm soll innerhalb einer Projektwoche an fünf Schultagen durchgeführt werden. Im Berliner Anti-Mobbing-Koffer befindet sich ein Hefter, in dem der Ablauf der Projekttage genau beschreiben wird. Ferner sind auf zwei DVDs Filme für Lehrer, Schüler und Eltern zum Thema. Elterninformationen und Lehrerspickzettel (Was ist Mobbing usw.) runden das Angebot des Koffers ab.

Ziel des Anti-Mobbing-Koffers ist es, dass die an den Projekttagen teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nachhaltig in der Lage sind, Zivilcourage zu zeigen, offen miteinander zu kommunizieren und Mobbing zu vermeiden.

In der Praxis hat es sich bewährt, von Mobbing zu sprechen, wenn folgende fünf Merkmale feststellbar sind:

  1. Ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Personen hat sich verfestigt.
  2. Eine Konfliktpartei ist unterlegen.
  3. Die unterliegende Person wird von einzelnen Gruppenmitgliedern häufig und
  4. über längere Zeit angegriffen.
  5. Die unterlegene Person erhält keine Hilfe und kann die Situation nicht allein auflösen.

(nach Horst Kasper: Schülermobbing – tun wir was dagegen! AOL 2000)

Im Anti-Mobbing-Koffer gibt es für Lehrerinnen und Lehrer folgenden Hinweis zum Schutz vor Gewalt: Mobbing können Sie am besten verhindern, indem Sie

  • gezielt die positive Entwicklung der Klasse als Gruppe fördern
  • vertrauensvolle Beziehungen in der Klasse aufbauen
  • eine offene Kommunikation unterstützen, in der auch die Beziehungen selbst Thema sein können.

LehramtsstudenInnen der UdK haben sich in die Lage von Berliner Schülerinnen und Schülern hineinversetzt und überlegt, wie sich diese SchülerInnen wohl den Umgang in der Klasse miteinander wünschen. Die folgenden Bilder zeigen einen Eindruck davon.



Ich hoffe, dass in möglichst vielen Klassen Berlins dieser Koffer eingesetzt wird.

Und falls Sie Unterstützung in der Mobbingprävention suchen, oder bereits ein Mobbingfall vorliegt, so wenden Sie sich bitte gerne vertrauensvoll mit der Bitte um Unterstützung an mich ….

Die Berlin-Brandenburger Anti-Mobbing-Fibel kümmert sich um den Fall, wenn es bereits in einer Klasse einen Mobbingfall gibt, diese Veröffentlichung kennen Sie bereits?


Übrigens waren gerade die Tage im Berliner Tagesspiegel zwei interessante Artikel zum Thema Mobbing: Viele, die Cyber-Mobbing mitbekommen, reagieren nicht. Sie haben Angst, selber Opfer zu werden – oder meinen, dass ein Eingreifen nichts bewirken würde. Das zeigt eine Studie der TU Berlin. Ist ein Hund in der Nähe eines Mobbing-Opfers, so sind soziale Kränkungen besser zu ertragen.

Gehört die Bearbeitung von Mobbing in der Schule zu den Aufgaben von SchülermediatorInnen? Eine Antwort finden Sie hier …

Christa D. Schäfer

Mobbing-Hysterie?

Dieses Phänomen ist selten, aber es gibt es.
In manchen Arbeitssystemen werden MitarbeiterInnen bereits nachdem sie das erste Mal vergessen haben eine Information weiterzugeben des Mobbings bezichtigt. In manchen Schulen werden durchaus Beleidigungen, Rempeleien und Ärgern als Mobbing eingestuft. Auf Spielplätzen hört man mitunter schon die Worte „Uuuh, der mobbt mich.“

Sind diese Systeme dann besonders sensibel für die Thematik?
Ist den Beteiligten die Definition des Begriffes Mobbing bekannt?
Ist der Sprachgebrauch dann unbewusst unangemessen?
Oder herrscht im System eine große Angst vor Mobbingfällen
und darum eine erhöhte Sensibilität?

Dazu gibt es jetzt einen Artikel von Carmen Gräf unter Zeit-online.

Wenn Sie weiteres Wissenswertes zum Thema Mobbing erfahren möchten, dann schauen Sie bitte auch nach den Artikeln in der Kategorie Mobbingbearbeitung in diesem Blog.

Christa D. Schäfer

Cyber-Mobbing – zwischen zwei Buchdeckeln

Es gibt Bücher, die gehen „unter die Haut“.
Das Buch, über das ich hier berichten möchte, ist so eines.
Es ist ein Buch über Cyber-Mobbing.
Aber dazu später …

In meinem ersten Blogartikel über Cyber-Mobbing habe ich bereits definiert, was dieser Begriff bedeutet. Er meint das über einen längeren Zeitraum stattfindende absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel. Die Kommunikationsmittel können ein Handy sein (SMS oder Anrufe) oder / und das Internet (Soziale Netzwerke, Video- und Fotoportale) Der Täter, auch Bully genannt, handelt meist anonym, so dass das Opfer nicht weiß, von wem die Angriffe kommen.

Seit 2007 liegt eine interessante Studie zum Thema Gewalt im Web 2.0 vor, dem Umgang Jugendlicher mit gewalthaltigen Inhalten im Internet sowie die rechtliche Einordnung der Problematik. Interviews mit Jugendlichen haben ergeben, dass Jugendliche heutzutage regelmäßig mit der Situation des Fotografiert- und Gefilmtwerdens konfrontiert sind und mit der Möglichkeit, dass diese Bilder veröffentlicht werden. Bei diesem Bildmaterial sind natürlich auch Szenen dabei, in denen die Jugendlichen in unvorteilhaften oder peinlichen Situationen zu sehen sind (schlafend, betrunken …). Werden diese Bilder durch Freunde oder in guter oder witziger Absicht ins Netz gestellt, so finden die Jugendlichen dies akzeptabel. Werden die Bilder als Racheakt ins Netz gestellt, so ist dies schmerzhaft. Mädchen empfinden dabei die Veröffentlichung derartigen Bildmaterials insgesamt sehr viel stärker problematisch als Jungen. Beide greifen in einem solchen Fall zu Relativierungsstrategien: „Das kann jedem passieren, dass mal solche Bilder erscheinen.“

Das jedoch ist kein Cyber-Mobbing im Sinne der obigen Definition. Die Webseite klicksafe.de, die sich mit Cyber-Mobbing beschäftigt, erwähnt acht Stufen des Cyber-Mobbings. Diese von Nancy Willard beschriebenen Ausprägungen des Cyber-Mobbings umfassen zunächst Beleidigungen und Beschimpfungen (Flaming) sowie die Belästigung des Opfers (Harassments), daran schließt sich das Anschwärzen, Gerüchte verbreiten (Denigration), das Auftreten unter falscher Identität (Impersonation), das Bloßstellen (Outing und Trickery) sowie der Ausschluss (Exclution) an. Abschließend finden das Phänomen im Cyberstalking (fortwährende Belästigung und Verfolgung) sowie im Cyberthreat (offene Androhung von Gewalt) seinen Höhepunkt.

So richtig kann man sich eigentlich nicht hineinversetzen in ein Cyber-Mobbing Opfer. Das neu erschienene Buch „Böses Spiel“ von Brigitte Blobel katapultiert den Leser in eine Cyber-Mobbing Welt. Svetlana Olga Aitmatowa, die 14jährige Hauptfigur des Jugendromans, stammt aus der Ukraine. Sie kommt als „Russlanddeutsche“ mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Deutschland. Dort geht sie zunächst in Wohlstorf in die Schule, bis sie ein Stipendium erhält und auf das Internatsgymasium Erlenhof gehen darf. Nachdem sie sich darüber zunächst riesig freut, fängt der Trouble bald an. Es ist wichtig, Markenkleidung zu tragen – da kommt Svetlana nicht mit. Zudem arbeitet ihre Mutter zuerst in einer Fleischwarentheke im Supermarkt und dann als Putzfrau, auch das kommt bei Svetlanas Klassenkameradinnen und Klassenkameraden im Edelinternat nicht gut an. Als Svetlana dann aber auch noch zur besten Schülerin der Klasse wird, ist nichts mehr aufzuhalten.

Die Beleidigungen von Svetlana sind an der Tagesordnung, und dann kommen die ersten SMSen dazu. „Bei Achselschweiss: Alles über Seife und Deos bei ichstinke.de“ so das Beispiel von einer der ersten SMS’. Kurz darauf treten auch schon die höheren Eskalationsstufen des Cyber-Mobbing im Internet auf. Space Shuttle, Rosenstolz, Luzifer und Prinz Eisenherz (alles Tarnnamen) verbreiten Fotomontagen von Svetlana mit hässlichem Inhalt, wählen sie zum hässlichsten Mädchen im Gymnasium und kennen absolut keine Grenzen mehr.

Das von Brigitte Blobel für Leser ab 12 geschriebene Buch “Böses Spiel“ verdeutlicht, wie die Gesundheit von Svetlana sich immer weiter verschlechtert, wie sie in eine Depression rutscht, sich immer mehr selber fremd wird, und wie sie schließlich sogar zum Suicid bereit ist. Kein einfaches Buch, fürwahr, aber eben ein „unter die Haut gehendes“. Wenn das Thema Cyber-Mobbing auf dem Stundenplan steht, dann sollte dieses Buch als Begleitlektüre nicht fehlen.

Eine irreale Geschichte? Mitnichten.
Man denke nur an 13jährige Megan aus Missouri, die sich nach einer Cyber-Mobbing-Attacke erhängte.

Unterstützen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bei Mobbing und Cyber-Mobbing bedingungslos!

Christa D. Schäfer

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