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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Schule in Berlin (Page 1 of 7)

Pädagogische Arbeit mit Flüchtlingskindern

Weltweit sind ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur ein Bruchteil davon kommt nach Europa. In den vergangenen Monaten waren geflüchtete Menschen in den deutschen Medien ein großes Thema. Die Bericht erfolgen oft dramatisierend und es wurde oft der Eindruck vermittelt, dass Deutschland eines der Länder ist, das am meisten Flüchtlinge aufnimmt.

Nach Angaben des Bundesinnenministerium (BMI) kamen 2015 bis Ende September 577.000 Menschen nach Deutschland. Schätzung nach werden es in 2015 fast 1 Million Menschen sein, die hier Asyl suchen. Eine unvorstellbare Zahl von vielen vielen Einzelschicksalen.

Ein Drittel bis die Hälfte der geflüchteten Menschen sind Kinder und Jugendliche. Viele Kinder und Jugendliche kommen mit ihren Eltern und gelten dann als „Begleitete Flüchtlingskinder“. Sie werden mit ihren Familien zusammen in Gemeinschaftsunterkünften eingegliedert. Andere Kinder kommen ohne ihre Eltern und sind damit „Unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche“. In Berlin sind 2015 ungefähr 4.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung angekommen. Ein Zahl, die schier unglaublich erscheint. Die meisten unbegleiteten Kinder und Jugendliche sind Jungen, nur ca. 5 bis 10 % sind Mädchen. Nach der Erstaufnahme bzw. einer Clearingphase kommen die Kinder und Jugendlichen in Kitas und Schulen in Berlin.

In Kitas werden die Kinder in den normalen Gruppenablauf integriert, in Schulen gibt es die sogenannten Willkommensklassen. Während es im November noch 575 Willkommensklassen gab, ist diese Anzahl in der Zwischenzeit auf 639 Willkommensklassen in Berlin angestiegen. Die Schülerinnen und Schüler lernen Deutsch und finden in diesen Klassen den Anschluss an das deutsche Schulsystem. Keine einfache Aufgabe!!

Da stellt sich die Frage, auf welchen fachlichen Hintergrund die Pädagogische Arbeit mit Flüchtlingskindern beruht und wo sich PädagogInnen Unterstützung für Ihre Arbeit holen können …

Statistisch gesehen haben 38,8% der kriegserlebten Menschen posttraumatische Belastungssymptome, und bei Kindern könnte diese Zahl noch höher sein. Das bedeutet nicht, dass alle geflüchteten Kinder ein Trauma haben – doch es macht für mich deutlich, dass es mehr Fachliteratur zu traumatisierten geflüchteten Kindern geben muss, denn da steckt die Expertise noch “in den Kinderschuhen”!

Aus diesem Grund war ich hocherfreut, das Buch “Pädagogische Arbeit mit Migranten- und Flüchtlingskindern. Unterrichtsmodule und psychologische Grundlagen” aus dem Beltz Verlag in den Händen zu halten. Sarah Inal und Hubertus Adam haben 2013 mit dieser Veröffentlichung ein Novum geschaffen – nicht nur beim Beltz Verlag.

Unterteilt ist das Buch in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der theoretische Part umfasst Migration und Flucht, psychische Belastung und Traumatisierung sowie Kindesentwicklung und Coping. Der Praxisteil stellt Methodiken vor wie z.B. das Arbeiten mit Ritualen und Unterrichtsentwürfe für Kinder und Jugendliche. Damit bietet das Buch sowohl Theorie als auch Praxis.

Der Teil zu Traumatisierung im Kindes- und Jugendalter hat mich ganz besonders interessiert. Die Erkenntnisse waren traurig. Denn traumatisierte Erfahrungen erschüttern das Vertrauen des Kindes oder des Jugendlichen in die Welt im Allgemeinen und die Unangetastetheit der eigenen Sicherheit und psychischen Integrität. Dies kann sich weitreichend auswirken:

“Schwere Belastungen vor und nach Migration oder Flucht können die Entwicklungskontinuität einer Person unterbrechen und ihre Fähigkeit zur Alltagsbewältigung, Beziehungsaufnahme und Zukunftsplanung zerstören (…). Derartige Erfahrungen nehmen – insbesondere bei Kindern – Einfluss auf:

  • neurobiologische Prozesse: zum Teil dauerhafte Veränderungen der Regulation von Neurohormonen (z.B. Katecholamine, Serotonin, Glukokortikoide und endogene Opioide) sowie Veränderungen von Hirnstrukturen mir negativen Effekten auf das Lernen, auf die Fähigkeit, sich an etwas zu gewöhnen, auf die Fähigkeit zur Reizdiskriminierung und auf die Sprachentwicklung (expressiv und rezeptiv)
  • Prozesse der Entwicklung: Beeinflussung der psychomotorischen Entwicklung der Persönlichkeitsentwicklung
  • Prozesse in der Gestaltung von Beziehungen: Beeinflussung der Fähigkeit, mit dem Verlust, von Beziehungen umzugehen bzw. neue aufzunehmen, der Fähigkeit, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben, und der Fähigkeit, Hilfe von anderen anzunehmen
  • soziokulturelle und politische Prozesse: Effekte aus dem Zusammenhalt von Gesellschaften durch ständiges Misstrauen als Folge von Gewaltherrschaft (Atomisierung der Gesellschaft)”

(Adam, Hubertus; Inal, Sarah: Pädagogische Arbeit mit Migranten – und Flüchtlingskindern. Unterrichtsmodule und psychologische Grundlagen. Weinheim und Basel: Beltz 2013 , S. 30)

Neben diesen gravierenden Prozessen gibt es aber doch auch Einiges, das Potential hat für positive und konstruktive Veränderungen, zum Beispiel ist für die Prävention von Störungen, die nach Belastungen auftreten können, die Nähe einer Bezugsperson relevant. Dabei sind intakte Familienstrukturen sowohl für die Verarbeitung der traumatisierenden Ereignisse immens wichtig als auch für den post-traumatischen Verlauf.

Wie viel mehr könnte zu diesem Buch noch gesagt werden … Doch ich hoffe, Sie versuchen es selbst einmal beim nächsten Stöbern im Bücherladen oder wenn Ihnen das Buch im Internet über den Weg läuft. Es ist für alle zu empfehlen – und natürlich ganz besonders für LehrerInnen der Grundschule und weiterführenden Schule, PädagogInnen und anderes Personengruppen, die mit geflüchteten und migrantisierten Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Ich wünsche mir in jedem Fall, dass auch über die Expertise dieser Veröffentlichung noch weitere Bücher zu ebendiesen Themen folgen werden. Nötig ist es – und “Pädagogische Arbeit mit Migranten- und Flüchtlingskindern” geht mit gutem Beispiel voran!

Viele Erkenntnisse beim Lesen
wünscht Christa Schäfer

Unterrichtsstörungen und auffällige SchülerInnen

Jetzt hat die Schule in glaube ich allen Bundesländern wieder gestartet, da wird auch dieses Thema wieder aktuell …

2006 habe ich mein Buch zum Thema Unterrichtsstörungen veröffentlicht. In diesem Buch werden Unterrichtsstörungen systemisch betrachtet und analysiert. Drei umfassende Fälle aus Berliner Schulen werden intensiv vorgestellt und mit Störungsprofil, Ursachenprofil und Lösungsprofil versehen. Welchen Stellenwert haben familiäre Ursachen? Was hat der Unterricht mit auffälligen SchülerInnen zu tun? Kann es sein, dass auch der Lehrer oder die Lehrerin etwas mit Unterrichtsstörungen zu tun hat :)) ? Und schließlich, wie sieht es mit dem Persönlichkeitsprofil des Schülers oder Schülerin aus?

In der letzten Zeit gibt es hervorragende und praxisorientierte Bücher, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigen. Eines davon möchte ich gerne hier vorstellen. Das Buch Praxisleitfaden auffällige Schüler und Schülerinnen, herausgegeben von Barbara E. Meyer, Tobias Tretter und Uta Englisch erschien 2015 im Beltz Verlag. Das Buch bietet eine Grundlage an theoretischem Wissen zum allgemeinen Thema „auffällige Schüler_innen“ und konkrete Schritte, Ideen und Tipps zum praktischen Handeln im Umgang mit diesen.

Was sind überhaupt „auffällige Schüler_innen“?
In der Einleitung des Buch, finden wir einen Abschnitt, der sich mit der Definition von „auffällig“ im Schulkontext befasst. Hier wird vor allem die Definition von Norbert Myschker hervorgehoben und folgendermaßen zusammengefasst:

» „Auffälligkeiten bei Schüler/innen“ bezeichnen das besonders facettenreiche, häufige oder schwere Abweichen der Entwicklungs-, Lern- oder Arbeitsfähigkeit einer Schülerin oder eines Schülers bzw. ihr/sein Abweichen in der Interaktion mit der Umwelt von der Erwartungsnorm eine Lehrkraft, die durch den zeit- und kulturspezifischen Kontext geprägt ist. Damit sich die Auffälligkeiten im Kontext Schule bestmöglich entwickeln, ist eine gezielte Intervention erforderlich.«
(Praxisleitfaden, S.8)

Wichtig ist, dass die Wahrnehmung von sogenannten Auffälligkeiten sehr subjektiv ist und wie oben beschrieben, an einer (Erwartungs-)Norm gemessen werden.

Die sechs Buchkapitel des Buches widmen sich folgenden Themen:

  1. Einleitung
  2. Förderliche Haltung im Umgang mit Auffälligkeiten
  3. Von der Haltung zum gesunden Handeln
  4. Dokumentation, Informations- und Schweigepflicht
  5. Vorgehen in sechs Schritten
  6. Spezifische Auffälligkeiten, Störungen und Behinderungen

Besonders hat mich das 5. Kapitel mit einem 6-Schritte-Programm angesprochen, das einen konkreten Handlungsrahmen für den Umgang mit auffälligen SchülerInnen vorschlägt:

Der erste Schritt ist die Beobachtung des_r Schüler_in. Hierbei spielt die gezielte Beobachtung eine wichtige Rolle. Dabei geht es darum, nicht nur das Verhalten des_r Schüler_in wahrzunehmen, sondern auch zu versuchen es einzuordnen. Ein Beispiel: Weint ein Schüler öfter, sollte gezielt beobachtet werden, in welchen Situationen und wie häufig er weint, und er sollt nicht gleich als Person abgestempelt werden, die einfach immer heult. Die weiteren Punkte, die daraus folgen sind: Was macht eine gute Beobachtung aus? – Wann und wie beobachten? – Dokumentation der Beobachtung – Beobachtungshilfe.

Der zweite Schritt besteht darin, ein Gespräch zu führen. Hier wird ein allgemeiner Ratgeber zum Thema „Gespräche führen“ vorgestellt. Thematisiert wird: die Vorbereitung für ein Gespräch – sich zu fragen, wer das Problem hat – der Ablauf eines Gesprächs – die Rolle der Gesprächsatmosphäre – Gesprächsmethoden und Konflikte im Gespräch. Weiter geht es dann mit der Konkretisierung und dem Gespräch mit Personen und Personengruppen in der Schule. Das Gespräch kann und sollte mit mehreren Leuten gesucht werden: dem_der auffälligen Schüler_in – Kolleg_innen und der Schulleitung – Freund_innen der Person, um die es geht – in der Klasse. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Gespräch mit den Eltern, dem ein etwas größerer Abschnitt gewidmet ist.

Der dritte Schritt heißt „Trotzdem unterrichten“. In diesem Kapitel geht es darum, wie der Klassenunterricht strukturiert werden kann, um den Schulalltag aufrecht zu erhalten und gleichzeitig unterschiedliche Schüler_innen miteinzubeziehen, ohne den Fokus zu verlieren. Strukturierung betrifft hierbei: das Klassenzimmer – die Unterrichtsabläufe – Interaktionen – akustische Reize – Lehrer_innensprache und -verhalten – das Lernmaterial – Lerninhalte und Unterrichtsmethoden. In einem Abschnitt wird auch die Zusammenarbeit mit Schulbegleiter_innen thematisiert.

In den nächsten drei Schritten geht es um weiterführende Maßnahmen: Hilfe aktivieren – Förderplan erstellen – Bewerten und nachsteuern. Im vierten Schritt gibt es eine ausführliche Beschreibung von Möglichkeiten der Hilfesuche. Im fünften Schritt geht es um die Erstellung eines Förderplans: Wer erstellt diesen? – Organisatorische Rahmenbedingungen – Konkretisierung der Förderbereiche und Förderziele – Durchführung – Beobachtungen und Evaluation. In der Phase der Bewertung geht es darum, als Lehrende alleine und gemeinsam mit der „betroffenen“ Person und der Klasse zu evaluieren und dementsprechend weiter zu handeln.

Im 6. Kapitel werden zu verschiedenen Auffälligkeiten Symptome, Häufigkeiten und Hintergründe aufgezählt. Damit wird dieses Kapitel zu einer Art Nachschlagewerk, ergänzt durch die Punkte Anregungen zum Umgang, weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten, die einen bestimmten Handlungsrahmen vorschlagen.

Super, dass meine vor langer Zeit niedergelegten eher theoretischen Gedanken meiner Dissertation zum Thema „Unterrichtsstörungen“ heutzutage derart praktische Nachfolger finden. Das hier besprochene Buch ist gut ausgearbeitet und sehr empfehlenswert. Es bietet eine ausführliche Übersicht an theoretischem Wissen und einen ausführlichen Rahmen, um selbst handeln zu können. Pluspunkte sind außerdem die ausführliche Literaturliste und das Online-Material.

Falls es in diesem Schuljahr also mal wieder „ernst“ wird:
Buch besorgen
empfiehlt Dr. Christa D. Schäfer

Lehrergeschichte mit „Wehmut“ am Ende

„Mit meinem grauen Anzug bin ich hier eindeutig overdressed, stelle ich fest, als ich mich in der Mensa umschaue. Eine verbindliche Kleiderordnung gibt es halt nicht mehr, nicht einmal bei der feierlich gedachten Verleihung der Abiturzeugnisse.Da sitzen vereinzelt dunkel gekleidete Kopftuchträgerinnen, daneben coole Jungs in verschlissenen Jeans, nicht mal rasiert heute Morgen. Schüler mit feinen Sakkos neben überschminkten, schmuckbeladenen Schwestern in kurzen Röcken. Einige Kollegen haben sich fein gemacht, andere, gerade aus dem Unterricht gekommen, tragen die üblichen Lehrer Cordjeans.
Wir sitzen in unserer wenig feierlichen, etwas heruntergekommenen und notdürftig mit Blumen aufgehübschten Mensa und haben eben der ziemlich quietschigen Schulband gelauscht, die sich mühsam an einem getragenen Pop-Lied abarbeitete. Trotzdem war der Applaus frenetisch, eine Gelegenheit, wieder einmal zu pfeifen und zu johlen. So richtig feierlich kriegen wir es einfach nicht hin. Nicht hier in Kreuzberg.
Die neue Rektorin hält jetzt, immer wieder gestört durch Verspätete, ihre Rede. Vom neuen Aufbruch spricht sie, vom Wandel zur Gemeinschaftsschule und dem Konzept des individualisierten Lernens, von der kommenden Inklusion. Der neue Geist sei schon überall zu spüren.
Es ist meine letzte Abiturfeier. Vor 28 Jahren wurden hier die ersten Abiturzeugnisse ausgegeben, und ich habe seither viele Reden von Aufbruch und Neuanfang gehört, deshalb kann ich ich einer gewissen Skepsis nicht erwehren: Mein Blick fällt auf die wenigen jungen Kollegen. Einige scheinen ja sehr engagiert zu sein. Aber werden sie wirklich die Wende schaffen? Wer sie „von oben“ die versprochene Unterstützung bekommen? Wird sich ein neues Team finden, das diesen Neuanfang entschlossen vorantreibt? …“
(A. Johann: Rock’n’Roll und Ramadan. S.286 f.)

Das sind Gedanken von Albrecht Johann, einem Berliner Lehrer, der 34 Jahre lang an einer sogenannten „Brennpunktschule“ im Bezirk Kreuzberg unterrichtet hat. Er erzählt in seinem Buch Rock ‘n’ Roll und Ramadan Unterhaltsames und Nachdenkliches aus dem bunten Alltag seiner Schule. Das ist für die Leserschaft interessant und herausfordernd zugleich. Johann begann seine Lehrerkarriere am 11. Dezember 1977 in einer Gesamtschule. Schnell merkte er, dass Schüler so etwas wie Wesen von einem anderen Stern sein können. Da wird in Vertretungsstunden gespielt, da toben die Schülerinnen und Schüler über Tisch und Bänke und es ist an „echtes“ Unterrichten kaum zu denken.

Albrecht Johann Rock'n' Roll und RamadanDer Junglehrer Johann lernt schnell, sich in Schule zu behaupten. Seine Gedankengänge und Lernerfolge sind im Buch nachzulesen: „In meinem Unterricht merke ich täglich, wie wenig praxistauglich unsere naive Vorstellung ist, man müsse einfach nur nett zu den Schülern sein. Dazu kommen persönliche Defizite …“ (ebenda, S. 17)

Von da aus geht die Reise weiter und schnell kommt der Johann in seinem Beruf fest an. Der Lehrer Johann wird eine Lehrerpersönlichkeit. Er arbeitet und kämpft in der Schule, im Umgang mit seinen Schülerinnen und Schülern. Er erzieht und bildet seine Schülerschaft, bezieht KollegInnen, Eltern und Schulleitung in seine Gedanken und Arbeit mit ein. Später dann sagt er über die Berliner Schule: „Berlin muss sparen, aber das kostet seinen Preis. In den Schulen liegen die Nerven blank. Hetze und Genervtheit prägen zunehmend den Alltag, der Krankenstand steigt und damit auch die Anzahl der Vertretungsstunden. Dabei laufen gleichzeitig die kräftezehrenden Reformen an. Jahrzehntelang haben wir fast unbeachtet vor uns hinwerkeln können, aber seit dem Pisa Schock rotiert die Bildungsverwaltung und kehrt in den Schulen das Unterste zuoberst, bloß kosten darf es nichts. Fast wöchentlich finden wir Gedanken, Entwürfe, Erlasse, Ausführungsvorschriften, Ergänzungen und Erläuterungen zu Reformen im Fach, die verstanden, diskutiert und umgesetzt werden müssen. Alles wird umgekrempelt. Ein ungeheurer Kraftakt.“ (ebenda, S. 205)

Der mit Wehmut überschriebene erste Absatz dieses Artikels beschreibt die letzte Abiturfeier, die Johann an seiner Schule erlebt, und zugleich auch seinen Weg aus der Schule heraus in die Zeit „nach der Schule“ – auch Rente genannt. Viel ist passiert in der Laufbahn des Lehrers Albrecht Johann, viel ist passiert in der Berliner Schullandschaft der vergangenen Jahrzehnte. Super, dass dies alles nachzulesen ist in dem Buch Rock’n Roll und Ramadan. Ein Buch, das als Ferienlektüre für Lehrerinnen und Lehrer bestens geeignet ist !!

Schöne Ferien wünscht
Christa Schäfer

Lehrergeschichten von Hildegard Monheim …

Lehrergeschichten von Frau Freitag …

I am proud to present you: Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zur demokratischen Schulkultur

In Schulen wächst das Bedürfnis nach Methoden und Konzepten, mit denen sie Gewalt vorbeugen, Probleme lösen und Konflikte bearbeiten können. Ziel der Implementierung partizipativer Methoden ist es, den Wert von Schule als Lern- und Lebensort zu steigern. Das soziale Klima an Schulen wird dadurch nachhaltig gestärkt, das Lernverhalten der Schüler verändert sich positiv und Lehrer und Schüler gestalten ihre Schule gemeinsam.

Mein neues Buch „Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zu einer demokratischen Schulkultur vermittelt kompakt die Grundlagen der partizipativen Schulentwicklung als Voraussetzung für demokratische Strukturen. Im praktischen Teil profitiert der Leser anhand zahlreicher Praxisprojekte von Anregungen und Erfahrungsberichten und findet außerdem Unterstützung für die Umsetzung an der eigenen Schule. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche exklusive Online-Materialien.

Ende letzten Jahres geschrieben,
Anfang diesen Jahres gesetzt und gedruckt,
jetzt erhältlich !!

Das Buch eignet sich hervorragend als Ferienlektüre für die anstehenden Sommerferien, denn dann können Sie nach den Ferien mit neuen Ideen in das neue Schuljahr starten. Es ist geeignet für Schulleitungen, Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und viele weitere an Schule Beteiligte.

Gerne können Sie Ihre Eindrücke zum Buch hier im Blog, auf amazon oder auch persönlich bei mir rückmelden.

Und natürlich können Sie bei mir anfragen für:

  • Beratung für Schulentwicklung
  • Coaching für Schulleitungen und Lehrkräfte
  • Mediationen für Konflikte in Schulen
  • Moderation für Studientage, Zukunftswerkstätten, Open Space Veranstaltungen und World-Cafés
  • Projektbegleitung für Programme zur demokratischen Schulkultur
  • Training für pädagogische und kommunikative Themen

Lassen Sie uns in Verbindung bleiben.
Ich freue mich auf Sie.
Dr. Christa D. Schäfer

 

Sie können das Buch bestellen,
indem Sie auf folgenden Link klicken:

Wann ist eine Pädagogik systemisch?

Vor längerer Zeit habe ich in diesem Blog bereits ein Buch vorgestellt, das systemisches Wissen für Coaching, Mediation und Pädagogik zur Verfügung stellt. Ebenfalls habe ich an anderer Stelle bereits einiges zur Systemischen Pädagogik berichtet …

Hier_fuehle_ich_mich_wohlJetzt habe ich ein wunderbar praxisorientiertes Buch zur Systemischen Pädagogik entdeckt, es ist das Buch „Hier fühle ich mich wohl“ von Erika Gollor aus dem Carl-Auer Verlag. Die systemische Pädagogik wird kurz und gut nachvollziehbar erklärt. Das Buch enthält viele Situationsbeispiele, mit denen die systemische Pädagogik erläutert wird. Viele Übungen (zur sozialen Kompetenzerweiterung und zum systemischen Verständnis) ergänzen den Text. Sowohl für diejenigen gut geeignet, die sich erstmals mit dem Thema auseinander setzen, als auch für diejenigen, die vertiefende Erkenntnisse und besonders praxisrelevante Hinweise zur systemischen Pädagogik suchen !!

Sehr gefällt mir die von Erika Gollor geprägte Definition für die systemische Pädagogik:

„Allgemein lässt sich sagen, dass systemische Pädagogik die Anwendung von systemischen Sichtweisen in der pädagogischen Praxis ist. Die systemische Sichtweise ist eine vernetzte Sichtweise. Sie blickt ‘weit’ auf das Kind. Das heißt, sie sieht das Kind nicht nur als Einzelperson, sondern als einen Teil der verschiedenen Systeme, in die es eingebunden ist: Familie, Klasse, Freundeskreis … Dabei ist der Einfluss wechselseitig.Der Einzelne beeinflusst das System und umgekehrt. Das bedeutet, dass nichts bleibt, wie es ist. Sowohl der Einzelne als auch das System verändern sich ständig, in gegenseitiger Abhängigkeit.“ (Gollor: Hier fühle ich mich wohl. S. 14)

Zu den Grundordnungen eines Systems zählt Erika Gollor:

  1. Zugehörigkeit: In Systemen gelten gewisse, in der Tiefe wirksame Grundordnungen. Eine davon ist das Recht auf Zugehörigkeit. Das Kind braucht die Sicherheit, dass es zur Gemeinschaft gehören kann und darf.
  2. Reihenfolge des zeitlichen Eintritts: Jedes Mitglied einer Gemeinschaft ist gleichwertig. Dennoch gibt es im Systemischen den Vorrang des Früheren vor dem Späteren. Diejenigen, die früher in die Gemeinschaft eintreten, haben mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten.
  3. Vorrang der Gruppe: Die Gruppe hat Vorrang vor dem Einzelnen. Verlangt das Verhalten eines Gruppenmitglieds eine Entscheidung, so hat der Schutz der Gruppe Vorrang.
  4. Stärken erkennen, Ressource nutzen: Lehrer sehen leicht Fehler, Schwächen und Probleme – beim Kind und auch bei sich selbst. Die systemische Sichtweise lenkt den Blick hingegen auf die Ressourcen und Fähigkeiten, die jeder in sich trägt. Diese zu stärken und auf ihre Kraft zu vertrauen, tut allen gut.
  5. Der Blick auf die Lösung: Probleme gehören zum Alltag eines Pädagogen. Der systemische Blick sucht nach Lösungen, statt an den Problemen hängen zu bleiben.
  6. Die Verbundenheit des Kindes mit seinem Familiensystem: Aus der Verbundenheit mit der Familie müssen sich Kinder so verhalten, wie sie es tun. Dies ist unbewusster Ausdruck einer tiefen Liebe und Treue zu den Eltern. Das Wissen darum hilft im pädagogischen Alltag.
  7. Wertschätzung und Achtung der Eltern: Kinder haben innerlich immer ihre Eltern dabei, wenn sie in die Schule kommen. Widersprechen Werte in der Schule bestimmten Werten aus dem Elternhaus, so verwirrt das die SchülerInnen und bringt sie in innere Konflikte. Die systemische Sichtweise hilft, dieses Dilemma zu mildern.

Leider ist die systemische Pädagogik, also die Verbindung zwischen systemischen Gedankengängen und der Pädagogik heutzutage immer noch ziemlich unbekannt. Geht man in eine Schule und fragt dort nach systemischer Pädagogik, so erntet man meist ungläubige Blicke. Manche PädagogInnen fragen sogar, ob man im Rahmen der systemischen Pädagogik mit den SchülerInnen in der Schule Familien- oder Systemaufstellungen macht.

Aber das ist natürlich nicht der Fall. Vielmehr nutzt man die systemischen Gedanken für die Haltung und das Agieren als Pädagogin/als Pädagoge. Im Buch „Hier fühle ich mich wohl“ findet man deshalb neben einleitenden theoretischen Gedanken auch Kapitel zu den Themenfeldern: „Leiten und führen“ (die Rolle des Pädagogen), „Ich gehört dazu“ (das Bedürfnis nach Zugehörigkeit), „Wir gehören zusammen“ (Gemeinschaftsgefühl stärken), „Ich weiß um meinen Platz“ (Rangordnung einhalten), „Ich kann, ich bin“ (Stärken erkennen, Ressourcen nutzen), „Ich komme nicht allein in die Schule“ (die Eltern gehören dazu), „Herausforderungen im Schulalltag“ (systemische Herangehensweise) und „Hier komme ich nicht mehr weiter“ (Grenzen von Pädagogen).

Ärger- und Freuderunden

Es gibt viele Übungen, die auch von Lehrkräften durchgeführt werden können, die keine systemische Ausbildung genossen haben. Ich denke hier beispielsweise an die von Erika Gollor vorgeschlagenen „Ärger- und Freuderunden“. Diese Übung genügt dem Grundsatz „Wir gehören zusammen. Gemeinschaftsgefühl stärken“. Einmal in der Woche sollte innerhalb einer Schulklasse eine Ärger- und einmal eine Freuderunde abgehalten werden. Beide Runden dauern ca. 10 bis 15 Minuten und können gut unabhängig voneinander durchgeführt werden (bsp. die Ärgerrunde am Donnerstag und die Freuderunde am Freitag). Es gibt spezielle Regeln:

  • Alles, was – speziell in der Ärgerrunde – gesagt wird, unterliegt der Schweigepflicht.
  • Das Kind, an das sich der Ärger oder die Freude richtet, wird mit Namen angesprochen.
  • Die Gesprächspartner schauen sich an.
  • Keine Beschimpfungen und Beleidigungen.
  • Ich-Botschaften nutzen.
  • Das angesprochene Kind nimmt nicht Stellung, es kann lediglich sagen, dass es ihm leid tut.

Diese Übung kann bereits in Vorschulgruppen, auf jeden Fall aber ihn Grundschulklassen durchgeführt werden. Sie ist eine wunderbare Vorübung zum Klassenrat. Und auch für Klassen, die den Klassenrat nicht einführen wollen, bieten sich Ärger- und Freuderunden an, um das Soziale Klima in der Klasse zu verbessern.

Besten Dank für diese wunderbare Übung !!
sagt Christa Schäfer

 

Weitere Literaturhinweise:

Systemisches Wissen für Pädagogik und Mediation

Einführung in die systemische Pädagogik

Der systemische Lehrer

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