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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Schulmediation (Page 2 of 9)

Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sekundarstufe I

Welche SchülerInnen und LehrerInnen wünschen sich das nicht?

Eines der ersten Bücher zum Thema Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sek. I, das bereits 1995 mit genau diesem Titel erschienen ist stammt von Jamie Walker und stammt aus dem Cornelsen Verlag. 2013 wurde das Buch überarbeitet und ist jetzt in der 7ten Auflage wieder erschienen.

Jamie Walker schreibt, dass es wichtig ist mit allen am Schulleben Beteiligten eine konstruktive Konfliktkultur zu schaffen – das meint Schüler_innen, Lehrer_innen, weitere Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Schulleitung. Das scheint zwar fast selbstverständlich, ist aber immer noch recht unüblich in vielen Schulen. Dennoch: In vielen Schulen Berlins ist das Konzept der Schülermediation (auch Konfliktlotsen oder Streitschlichter oder Peer-Mediation genannt) bereits angekommen und immer mehr Schulen wünschen sich diese Konfliktbearbeitung für Ihre Schule.

Gewöhnlich gibt es zwei Pädagoginnen (meist Frauen, deshalb hier das kleine „i“), die sich im Rahmen einer Mediationsausbildung als Mediatorinnen ausbilden lassen. Diese übernehmen es dann eine Gruppe von SchülerInnen aus ihrer Schule zu trainieren, damit diese die Streitigkeiten zwischen ihren Schulkameraden mediieren können.

Ganz ganz selten gibt es ein Mediationsangebot für Streitigkeiten zwischen LehrerInnen oder Lehrer und Schulleitung oder Eltern und Lehrer bzw. Schulleitung. Dafür wären in der Tat auch externe MediatorInnen am besten geeignet, die nicht im direkten System Schule arbeiten, sondern von außen kommen. Von Zeit zu Zeit werde ich für dieses Spezialgebiet angefragt, und es ist mir stets eine große Freude diese Streitfälle bearbeiten zu können.

Und noch eine dritte Möglichkeit der Unterstützung im Streitfall gibt es für die Schulen, die SIS – Senior Partners in School. Ältere Menschen werden geschult, um anschließend die Streitigkeiten der Schüler in der Schule zu mediieren – ein wunderbarer Ansatz, der viel Respekt verdient.

Gut ist es für eine Schule, ein „Paket“ an Möglichkeiten zur Konfliktbearbeitung zu haben. Ein solches Konzept sollte Walker zufolge drei Säulen umfassen: Prävention, Intervention und die Konfliktbewältigung z.B. durch Mediation.

„Die allgemeine Prävention umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen, dass sich Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern mit der Schule identifizieren.“ (S. 13)

„Wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird, muss sofort interveniert werden. Ziel der Intervention ist die Deeskalation, d.h., es geht darum, die angedrohte Gewalt zu verhindern bzw. die bereits ausgeübte Gewalt zu unterbrechen und weitere Gewaltvorkommnisse zu verhindern.“ Die Mediation bzw. Klassenmediation kann eine Maßnahme der Intervention im Konflikt oder auch u.U. im Gewaltfall bei geringer Eskalationsstufe sein. (S. 14)

Das hier vorgestellte Buch umfasst nützliches Grundwissen über die gewaltfreie Konfliktaustragung in der Schule, über das Phänomen Mobbing und das Verfahren der Mediation. Äußerst hilfreich ist der dem Buch angegliederte praktische Teil, dem „Spiele“ und Übungen für die Klassenstufen 5 bis 10 entnommen werden können. Neben Übungen zum Kennenlernen und Auflockern gibt es auch Übungen zur Förderung des Selbstwertgefühls, zu Kommunikation, Kooperation, zur interkulturellen Interaktion und schließlich zur gewaltfreien Konfliktaustragung. Gerne möchte ich hier eine meiner Lieblingsübungen vorstellen, die ich regelmäßig am Anfang von Mediationsausbildungen nutze.

Die drei Musketiere

Man bilde Gruppen aus jeweils vier SchülerInnen bzw. AusbildungsteilnehmerInnen. In der Übung „Die drei Musketiere“ geht es nun darum festzustellen, was die einzelnen Gruppenmitglieder gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Die Gruppen sollen jeweils drei Aspekte herausfinden, die alle vier Gruppenteilnehmer an einem Konflikt beängstigend finden, die sie ärgerlich finden und die sie spannend finden. Das gibt meist die erste intensive Auseinandersetzung mit dem Konfliktthema. Und alle Gruppen stellen schließlich fest, dass es am Konflikt zwar viele ärgerliche und beängstigende Dinge gibt, dass es aber auch spannend, interessant und wegweisend sein kann, einen Konflikt zu haben. Abschließend stelle ich dann jeder Gruppe die Frage, ob es bereits einen Gruppenkonflikt gab, denn vier Personen, die drei Aspekte suchen sollen – das kann mitunter schon einen Minikonflikt geben, und dann ist es interessant, wie dieser in der Gruppe gelöst (oder auch nicht gelöst) wurde.

Ja, und in dieser Übung finden wir auch bereits das Konfliktverständnis, das wir in der Mediation haben. Konflikte sind vielfältig und bunt. Jeder fasst einen Konflikt anders auf. Der Konflikt ist einerseits belastend, unangenehm und hochgradig emotional aufgeladen – und er ist andererseits auch eine Chance und zeigt neue Wege auf.

Ich freue mich übrigens sehr, dass ich zu diesem Buch ein Beispiel für eine gelungene Schulmediation beisteuern durfte: Zickenkrieg, so lautet das Mediationsbeispiel auf den S. 63 ff im Buch von Jamie Walker. Vor mehreren Jahren habe ich diese Mediation selber in einer Berliner Klasse durchgeführt. Konfliktbeteiligte waren Amira, Ayshe und Leonie. Nachdem Leonies Mutter meinte, das H-Wort von Amira und Ayshe gehört zu haben, gab es eine Mediation mit einem für alle zufriedenstellenden und nachhaltigen Ausgang. So muss Mediation sein …

In diesem Sinne:
Alles Gute für Sie und Ihre Konflikte
von Christa Schäfer

Übrigens: Gelingensbedingungen für Mediationsprojekte an Schulen sind …

4 Jahre Mediationsblog

Am 30. Mai 2008 erschien der erste Artikel in diesem Blog.
Seit der Zeit sind genau 232 Artikel entstanden.
Das will gefeiert werden !

Deshalb freuen Sie sich bitte mit mir auf das Buch zum Blog, das in Kürze erscheinen wird. Es fasst verschiedene Artikel dieses Buches zusammen und behandelt Themen von der Konfliktbearbeitung in Berlin über Emotionale Kompetenz, Gewaltprävention, Kommunikation, Mediation, Mobbingprävention, Soziales Lernen, Soziale Trainingsprogramme und Unterrichtsstörungen.

Demnächst können Sie Ihr Buchexemplar hier bestellen.

Christa D. Schäfer

BuddYs aus Lichtenberg im Bundestag

Die Lichtenberger BuddYs arbeiten als Ordnungshelfer, PausenbuddYs, Streitschlichter, 1. Hilfe BuddYs, LesebuddYs, HausaufgabenbuddYs, HofbuddYs, SpielehausbuddYs, LernbuddYs und vieles andere mehr. Und weil dieses Engagement so ganz und gar nicht selbstverständlich ist, wurden die BuddYs aus den Lichtenberger Grundschulen mitsamt ihren Lehrerinnen sowie den Lichtenberg buddY-Koordinatoren Rainer Bäth und Dr. Wolfgang Steininger von der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Lichtenberger BuddYs im Bundestag
Frau Dr. Lötzsch erkundigte sich, was die BuddYs so alles arbeiten und erklärte, dass es auch im Bundestag so manchen Streit gibt. Sie ließ sich von den Schülerinnen und Schülern in einem Rollenspiel demonstrieren, wie man Streit am besten schlichtet und beantwortete Fragen zu ihrer Arbeit als Politikerin. Beeindruckt waren die BuddYs vom Ambiente im Bundestag. Cool, nobel und modern fanden die BuddYs das Bundestagsgebäude; und begeistert waren sie natürlich von dem Rundgang im Gebäude sowie der Dachterasse und dem wunderbaren Blick von dort.

 

Mich als buddY-Trainerin hat es natürlich sehr gefreut, dass die BuddYs durch diesen Besuch eine Würdigung ihrer Arbeit erfahren haben. Deshalb kann ich nur sagen: Weiter so … !!!

Christa D. Schäfer

Gruppenentwicklung und Kennenlernübungen

Eine Gruppe besteht aus mindestens drei Personen, die in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. Auch eine Schulklasse ist eine Soziale Gruppe. Sie kommt zunächst nur locker miteinander in Kontakt, tritt dann aber intensiv in den Austausch und in Verbindung miteinander. Eine Schulklasse ist zudem ein dynamisches System, denn in jedem Intragruppen-Konflikt müssen Standpunkte geklärt, Konflikte gelöst und neue Spielregeln ausgehandelt werden. In einer Schulklasse kommen mitunter Schüler dazu und es gehen andere Schüler weg, so dass sich das Gefüge in der Gruppe auch mitten im Schuljahr verändern kann.

Eine Gruppe entwickelt sich. Sie ist zunächst nur ein loser Verbund, in der jedes Gruppenmitglied vorsichtig die anderen Gruppenmitglieder betrachtet, dann werden die Beziehungen untereinander fester und am Schluss steht dann irgendwann die Auflösung der Gruppe und die Trennung. Jede Klassenlehrerin, jeder Gruppenleiter kennt diese Entwicklung.

Nach Bruce Tuckman (1965) gliedert sich der Entwicklungsprozess einer Gruppe in fünf Phasen:

  1. Orientierungsphase (forming)
  2. Konfrontationsphase (storming)
  3. Kooperationsphase (norming)
  4. Wachstumsphase (performing)
  5. Auflösungsphase (adjourning)

In der ersten Phase findet das Kennenlernen zwischen den Gruppenmitgliedern statt. Alle Mitglieder sind noch „vorsichtig“ und schauen, wo sie ihren Platz in der Gruppe finden. In der zweiten Phase werden Machtkämpfe ausgetragen und vielfältige Konflikte gelöst, es findet der Kampf um die informelle Führung statt. Nach gelungener Bewältigung dieser Phase folgt die dritte Phase, die Kooperationsphase, in der das Team zusammen wächst, und in der erstmals gut und intensiv miteinander gearbeitet werden kann. Die vierte Phase führt durch eine gelungene Kooperation der Gruppenmitglieder zu einer hohen Arbeitseffektivität; es herrscht eine hohe Gruppenkohäsion und eine hohe Arbeitsmotivation. Die fünfte und letzte Phase führt zur Trennung der Gruppenmitglieder und dem Auflösen der Gruppe.

In jeder Gruppenphase gibt es also eine besondere Entwicklungsaufgabe für die Gruppe. Für diejenigen, die sich intensiv der Anfangsphase widmen möchten, hat Josef Griesbeck für den Don Bosco Verlag die 50 besten Kennenlernspiele zusammengetragen. Die Spiele sind unterhaltsam und leicht anwendbar und gut für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren geeignet. Es gibt Spiele für den Erstkontakt, Spiele zum Vertrautwerden, Spiele zum Kontakte knüpfen, Spiele um ins Gespräch zu kommen und Spiele zum Festigen von Beziehungen.

Ich möchte Ihnen gerne eine Übung aus diesem Buch vorstellen, die dem Vertrautwerden miteinander dient, jedoch nicht gleich zu Anfang der Orientierungsphase durchgeführt werden sollte. Die Übung heißt Wiegekreis und bietet vielen Kindern im Grundschulbereich ein besonderes Erlebnis.

Wiegekreis

Für alle Gruppen oder Gemeinschaften gibt es Augenblicke, die gute Voraussetzungen für das Wachsen von Vertrauen und Solidarität bieten. Mit dem Wiegekries kann das beginnen.
Die Kinder stehen mit herabhängenden Armen im Kreis und zwar so, dass man sich an den Oberarmen leicht berührt. Es wird bewusst gemacht, dass jedes Kind ein Glied in der Kette ist. Auch die Spielleiterin steht mit im Kreis und erklärt: „Augen bitte nun schließen und einige Male kräftig durchatmen! Es soll bei geschlossenen Augen ein Wiegekreis hergestellt werden, der Gestalt, dass sich schließlich alle gleichzeitig hin und her bewegen.“
Die Spielleiterin kann zwischendurch die Augen öffnen und dann zum Öffnen der Augen auffordern, wenn der Wiegekreis hergestellt ist. Auf diese Weise wird das gemeinsame Wiegen nicht nur gespürt, sondern auch gesehen.
(Griesbeck, Josef: Die 50 besten Kennenlernspiele. München: Don Bosco, S. 31)

Ich habe diese Übung kürzlich mit einer vierten Klasse durchgeführt und war beeindruckt von der Intensität, mit der einige Mädchen und Jungen diese Übung durchgeführt und genossen haben. Auch Ihnen und Ihren SchülerInnen wünsche ich viel Freude bei dieser Übung.

Christa D. Schäfer

Was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat?
Auch das können Sie in diesem blog nachlesen …

Die Stopp-Regel-BuddYs

Stopp-Regel BuddYsder Anne-Frank-Grundschule in Berlin wurden im Februar 2011 zu Gewinnern beim buddY-Projekt des Monats !!

Das buddY-Projekt dient der Suchtprophylaxe und Gewaltprävention an Schulen. Die Stopp-Regel wurde von Thomas Grüner und Franz Hilt (siehe deren Buch im AOL Verlag) konzipiert. Sie sichert in aktuellen Situationen eines Schülerkonfliktes die Forderung eines Konfliktpartners nach Unterbrechung der jeweilig unerwünschten Handlung und verhindert so in den meisten Fällen die Eskalation eines Streits.

Wie oft wird auf dem Schulhof aus Spaß schnell Ernst. Erst wird ein wenig geschubst und Spaßkampf gespielt, dann fängt einer der beiden Kampfhähne an zu weinen und liegt am Boden. Da kann die STOPP-Regel helfen, indem nämlich derjenige, der nicht mehr weiter und stattdessen eine Grenze ziehen möchte „Stopp“ sagt. Daraufhin hat der andere Schüler die Pflicht in seinem Tun aufzuhören.

Damit dies auch gut klappt, gibt es an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin die STOPP-buddYs. Die BuddYs unterstützen ihre MitschülerInnen bei der Um- und Durchsetzung dieser Regel. Sie verhandeln Regelverstöße und regen ihre Mitschüler zum eigenständigen Lösen ihres Konfliktes an. Wenn dies nicht zufriedenstellend gelingt, leiten sie die Kontrahenten zur Mediation weiter bzw. sorgen dafür, dass die KlassenlehrerInnen den Konflikt weiter bearbeiten. Ein Film gibt einen kurzen Einblick in dieses buddY Praxisprojekt.

Das Projekt der Stopp-Regel-buddYs wurde von Christine Spies konzipiert und wird jetzt von Birgit Breithaupt und Birgit Neumann weitergeführt. Ein Mal jährlich bewerben sich Schülerinnen und Schüler, um buddYs zu werden. Dann werden sie in einem workshop auf ihre Rolle und Tätigkeit vorbereitet und dann schließlich beginnen sie ihre Arbeit.

Die Konfliktbearbeitung wird so auf dem Schulhof der Anne-Frank-Grundschule von den Stopp-Regel-BuddYs übernommen. Die meisten Konflikte gelangen dadurch gar nicht mehr zu den PädagogInnen der Schule, sondern werden mit Unterstützung der BuddYs gelöst. Als Hüter der Stopp-Regel erhalten sie deshalb im Februar den buddY-Preis für das Projekte des Monats. Ich freue mich sehr, dass ich als buddY-Trainerin den Preis an die buddYs überreichen durfte.

Interessant fand ich in der Anne-Frank-Grundschule auch die Sprüche auf den Türen und Fenstern der Schule, die während eines Projekttages entstanden sind. So haben die Schülerinnen und Schüler der Schule jetzt Ihre Regeln zum Umgang miteinander sogar vor Augen.
Regeln in Schule Regeln an Schule Regeln in Schule

Gratulieren möchte ich an dieser Stelle auch Christine Spies, die mit ihrem neu erschienenen Buch „Wir können auch anders! Gefährlichen Entwicklungen bei Schülern vorbeugen“ für die Gewaltfreiheit in Schule einsteht.

Hoffentlich gewinnt die Stopp-Regel weiterhin viele Anhänger,
das wünscht sich Christa D. Schäfer

Falls Sie sich für BuddYs in der Berliner Oberschule interessieren …

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