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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Systemischer Ansatz (Page 2 of 6)

Systemische Pädagogik? Systemische Pädagogik!

Oft kann man den Artikeln hier im Blog entnehmen, dass ich systemisch denke und arbeite. Mediation systemisch betrachten … Pädagogik systemisch betrachten …

Zur systemischen Pädagogik gibt es ein kleines, kompaktes und fachlich sehr kompetentes und aussagekräftiges Buch, die „Einführung in die systemische Pädagogik“ von Karl Ludwig Holtz aus dem Carl-Auer Verlag. Darin steht:

Mit Pädagogik meinen wir vor allem die Wissenschaft von der Erziehung. Ein Teilbereich sind die Analyse und Veränderung pädagogischer Praxis, hier verstanden als die Gesamtheit der Prozesse, die unter bestimmten Organisationsformen (z.B. Schule) und bestimmten Fragestellungen (z.B. Erziehungsziele betreffend) zu beobachten sind. Wenn notwendig, wollen wir im Folgenden zwischen systemischer Pädagogik (als Wissenschaft) und systemischer-pädagogischer Praxis unterscheiden.
Unter „systemisch“ wollen wir in Bezug auf wissenschaftliche Prozesse eine Forschungsstrategie verstehen, die (…) „systemisches Denken“ als verbindliche Erkenntnisperspektive zu Grunde legt. (…)
(…) Zeitsignaturen bedeuten für eine „Schule der Zukunft“, sich verstärkt auf verschiedene Lebenswelten und Lebensentwürfe, auf umfassendere ökosystemische Zusammenhänge und veränderte Strategien des Wissenserwerbs und der Wissensvermittlung einzustellen. Und sie bedeuten auch, dass neben die klassischen Funktionen der Schule, nämlich Qualifikation, Allokation (Selektion) und Integration (vgl. Fend 1980) zunehmend Aufgaben des Kontakts treten müssen, „für die nicht Unterricht, sondern andere und vor allem familiäre Formen und Inhalte des Umgangs besser geeignet sind“ (Prange 1997, S. 28): Aufgaben intensiver Beziehungsgestaltung und sozialemotionaler Unterstützung.
Holtz, Karl Ludwig: Einführung in die systemische Pädagogik. Heidelberg: Carl-Auer 2008. S. 11 f.

Bis die Erkenntnisse der systemischen Pädagogik wirklich in der Schule ankommen, wird sicherlich noch etliche Zeit vergehen. Zunächst muss diese Erkenntniswelt erst einmal in der Ausbildung von Lehramtsstudierenden Wirklichkeit werden, und auch dieses Ziel steht noch in einiger Ferne …

Die systemische Pädagogik hat natürlich auch Konsequenzen für die Didaktik von Lehr-Lern-Arrangements in Hochschulen, Schulen, Seminaren – wie ich aus eigener Anschauung weiß. Eine „Übermittlungsdidaktik“, die über Instruktion einen Wissenstransport von Lerngegenständen beabsichtigt, ist als Lehrmethode offensichtlich nicht geeignet. Viel mehr geeignet ist eine „Ermöglichungs-“ oder „Vermittlungsdidaktik“, deren wesentliche Elemente die Bereitstellung geeigneter Lernumgebungen, Problemstellungen und damit verbundenen Beziehungsangebote sind. In diesem Sinne wird Lernen verstanden als ein Bereitstellen von Perspektiven, als Lernbegleitung und als die Anregung von Lernprozessen:

Selbst unter radikalkonstruktivistischer Perspektive wird jedoch selten behauptet, dass instruktive Vermittlungen nicht wirksam seien, d.h. im herkömmlichen Unterricht nicht gelernt werde. Es wird jedoch betont, und da stehen die Vertreter der systemisch-konstruktivistischen Didaktik in einer langen pädagogischen Tradition, dass die Qualität des erworbenen Wissens unter selbstgesteuerten, entdeckenden und sozialen Lernprozessen eine andere sei. Es gebe eben weniger träges, unverbundenes, nicht transferierbares Wissen, zudem würden die Eigenaktivität, Kreativität und Verantwortung der Lernenden gefördert.“ (ebenda, S. 79)

Wer sich für den Unterschied zwischen einer mechanistischen und einer systemischen Didaktik interessiert, der sei auf den online verfügbaren Aufsatz „Die Systemik des pädagogischen Feldes“ von Rolf Arnold verwiesen – oder eben auf oben beschriebenes Buch von Karl Ludwig Holtz.

Ja, und was Kommunikation für systemisch denkende Pädagogen bedeutet, das können Sie hier im Blog nachlesen, da steht: „Kommunikation ist der Stoff, aus dem soziale Systeme bestehen …

Viele gelingende Lern-Prozesse
wünscht Ihnen Christa D. Schäfer

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen …

Gibt es das?

Angelika Kindt hat ein Buch darüber geschrieben. Sie wurde von ihrer Tochter ohne Vorwarnung verlassen – warum, weiß sie bis heute nicht. Auf der Suche nach Antworten und Hilfe stellte sie fest, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist. Das Phänomen „verlassene Eltern“ zieht sich durch alle sozialen Schichten, wird von der Gesellschaft jedoch tabuisiert. – so heißt es auf der Rückseite dieses spannenden Buches.

Das Phänomen „Verlassene Eltern“ ist in zweierlei Hinsicht interessant für mich und diesen blog.

Zum einen ist natürlich die Systemische Sicht auf dieses Phänomen höchst faszinierend. Was passiert oder auch was muss bereits passiert sein, wenn eine 30jährige Tochter ihrer Mutter den Kontakt aufkündigt, sich nicht mehr meldet und keine Verbindung mehr existiert?! Obwohl – eine Verbindung existiert ja schon, von beiden Seiten aus, und zumindest für die Mutter ist diese Situation sehr schmerzhaft. Ob sie das auch für die Tochter ist, kann man in dem Buch nur erahnen, denn zur Tochter gibt es ja keinen Kontakt mehr. Wahrscheinlich aber litt die Tochter schon viel früher und hat deshalb diesen radikalen Schritt zum Kontaktabbruch gewählt? Vermutungen über Vermutungen.

Die Autorin Angelika Kindt begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Sie hatte stets versucht eine gute Mutter zu sein und natürlich immer so gehandelt, wie sie es am besten in den jeweiligen Situationen zu den jeweiligen Zeiten konnte und wusste. Nach der „Trennung“ plagten sie Selbstvorwürfe und Zweifel. Andere Menschen belegten sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung.

„Kinder distanzieren sich nicht von den Eltern, weil diese ihnen fremd geworden sind, sondern eher, weil sie ihnen zu nahe sind. … Auch ich schämte mich, wie viele andere verlassene Eltern, dass mir so etwas als Mutter ‘passieren’ konnte. Inzwischen habe ich begriffen, dass immer zwei Seiten an so einem Bruch beteiligt sind. Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder, die von ihren Eltern nichts mehr hören wollen, das auch verstehen und sich bewusst machen.“ (Buch, S. 85)

Wenn Kinder erwachsen werden, dann lassen sich beide Seiten – Eltern und Kinder – los. Dies sollte ein positives Loslassen sein, das schließlich wieder zu einer Verbindung führt. Eltern und Kinder (oder Mutter und Tochter) führen beide „ihr Leben“, lassen Raum zwischen sich und sollten spüren und wissen, dass sie jederzeit wieder eine angemessene Nähe suchen können. In gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Fairness gibt es ein gesundes Einpendeln zwischen Loslassen und Wiederfinden.

Dieser gegenseitige Respekt und die darin wohnende Fairness scheinen in manchen Eltern-Kind-Beziehungen schwierig bis unmöglich zu sein. Kontaktabbruch ist Flucht, ist Wegrennen vor der Aufgabe einen fast nicht aushaltbaren Konflikt lösen zu müssen. Jeder der beiden Konfliktpartner (Mutter und Tochter) haben gewisse Vorstellungen von ihren Rollen bzw. der Rolle der jeweiligen anderen. Was geschieht, wenn diese Rollenbilder nicht deckungsgleich sind, sondern differieren? Dann tut es emotional weh und ist hart.

Die Verweigerung des Kontaktes ist in diesem Fall natürlich auch eine Form der Kommunikation, denn wenn wir an Paul Watzlawick denken, so heißt es in dessen erstem Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Im Falle des Kontaktabbruchs ist es so, dass man lediglich Vermutungen über die Ursache anstellen kann, aber keine Rückmeldung zu dieser Sichtweise bekommt. Damit fühlt man sich ohnmächstig und empfindet den Kontaktabbruch als solches als aggressive Verhaltensweise.

Je nach Konflikttyp könnten Mutter und Tochter auch an dieser Thematik der verschiedenen Rollenerwartungen arbeiten, die Kommunikation miteinander suchen oder auch eine Mediatorin, einen Mediator als „Vermittler zwischen den beiden Welten“ einsetzen. – Und hier ist natürlich der zweite Anknüpfungspunkt zu diesem blog. Bisher habe ich einen solchen Fall noch nicht bearbeitet, aber ich bin sicher, dass Mediation unterstützen kann – wenn beide Parteien dazu bereit sind und sich darauf einlassen. Dann wäre Mediation wahrscheinlich sogar die bessere Wahl als eine Familientherapie – denn diese ist dichter und intensiver und wird oft gar nicht gewünscht.

In dem Buch “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ von Angelika Kindt gibt es viele weitere fachlich interessante Passagen wie beispielsweise diejenige zu den Stichworten „Trauerarbeit“ und den „vier Phasen eines Verlusts“. Mit anderen Worten: Sowohl aus Systemischer Sicht als auch aus MediatorInnensicht ist dies ein super interessantes Buch, das sich lohnt zu lesen!

Christa D. Schäfer

Übrigens: Kommunikation ist …

Vielfalt ist ergiebig …

Mediation

Die Streitparteien in der Mediation haben unterschiedliche Sichtweisen, sie stammen mitunter aus verschiedenen sozialen Schichten, sind unterschiedlichen Geschlechts, repräsentieren unterschiedliche Kulturen, Lebensstile, Generationen usw. Mediationsverfahren zeigen Erkenntnisse über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Werte und Verhaltensnormen sowie Kommunikationsmuster der Streitparteien. Die Aufgabe der MediatorInnen ist es, für ein gutes Gesprächsklima zu sorgen und dem Gespräch Struktur zu geben, damit sich die MediandInnen auf die Inhalte des Gesprächs sowie auf ihre Bedürfnisse und Emotionen konzentrieren können. Aus Vielfalt ergibt sich hier eine neue Chance.

Mediation in Organisationen hilft die persönliche Ebene zu bearbeiten, aber auch Zusammenhänge auf der Gruppen- und Organisationsebene zu beleuchten. Dadurch können strukturelle Veränderungen thematisiert und Ideen dafür generiert werden.

Diversity Management in Wirtschaftsbetrieben

„Vielfalt ist allgegenwärtig. Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Diversity Managements ist es, diese Vielfalt nicht als Erschwernis zu verstehen, sondern die großen Chancen zu erkennen und zu nützen, die sie bieten.“ (Pauser; Wondrak, S. 9)

„Diversity Management ist das Management von Vielfalt. Es nutzt personelle Vielfalt zur Zielerreichung. Größtmögliche Vielfalt ist also nicht ein Ziel an sich, sondern hat den Zweck, die Zielerreichung von Unternehmungen zu unterstützen.“ (Pauser, Wondrak, S. 27)

Vielfalt in Schule – Inklusion

Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Schule ist in manchen Großstädten nahezu unübersehbar. Dennoch wird heutzutage immer noch von „Integration“ gesprochen, anstatt die Inklusion zu gestalten. Schulen in Berlin sollen jetzt umdenken und sind auf dem Weg …

Der Begriff der Inklusion entstand Anfang der 1990er Jahre. Eine Erklärung über die Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und ein Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO- Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“ Salamanca Erklärung

Die UNESCO-Erklärung führt aus, dass Regelschulen mit Inklusiver Pädagogik das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften aufzubauen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat im Januar 2011 ein Konzept zur Umsetzung der UN-Konvention in der Berliner Schule vorgelegt. Marzahn-Hellersdorf hat sich mit INKA (Inklusion auf dem Weg) bereits bewegt.

Buch zum Thema

Über Diversity Managment gibt es jetzt ein absolut lesenswertes Buch aus dem Österreichischen Facultas Verlag. Obige Gedanken sind großteils diesem Buch entnommen. Von Norbert Pauser und Manfred Wondrak herausgegeben ist das „Praxisbuch Diversity Management“ optisch unglaublich ansprechend und inhaltlich äußerst reich und informativ. Wem die oben stehende Einblicke in das Thema „Management von Vielfalt“ nicht ausreichen, der tut gut daran, sich dieses Buch zu besorgen. Es wird nicht mehr lange dauern, da ist es auch in Deutschland absolut notwendig, ein gutes Diversity Management zu haben – in Schulen und anderswo …

Christa D. Schäfer

Ein Buch über die Mediation als systemisch orientierten Prozess …

Für systemisch orientierte Beratungsprozessen lässt sich u.a. folgender Sprachgebrauch finden:

Die Interventionsarchitektur eines Beratungsprozesses bestimmt den Rahmen und die Struktur des Prozesses. Sie beeinflusst, dass etwas geschieht und was passiert. Eine Mediation ist in diesem Sinne eine Interventionsarchitektur.

Mit dem Interventionsdesign wird entschieden, wie das architektonische Gebäude im Inneren ausgestattet ist: Wie ist der Zeitrahmen für die Mediation, wie die Räume, worum geht es …

Mit dem Begriff der Tools sind die vielfältigen Werkzeuge gemeint, die im jeweiligen Kontext des Designs und der Architektur eingesetzt werden. Je mehr Werkzeuge und Wissen über Werkzeuge für den Bereich der Mediation zur Verfügung stehen, desto flexibler können die Tools genutzt werden und desto besser können die Mediationssitzungen gelingen.

„Mediation als Wendepunkt in Beziehungen“, das ist ein Buch von Ernst Feistauer und Marcella Zauner-Grois, das sowohl für Mediationsanfänger interessant ist, als auch für erfahrene MediatorInnen selber viele spannende Aspekte bietet. Neben Hinweisen zur Mediations als Interventionsarchitektur sowie zum Design von Mediation stehen vorallem viele Interventionen und Tools selber im Zentrum dieses Buches aus dem Facultas Verlag. Da das Buch einem humanistischen Weltbild verpflichtet ist und die kybernetische Systemtheorie sowie die konstruktivisische Erkenntnistheorie als wichtig anerkennt, werden vorallem systemische Techniken mit ihrer Nutzung im Mediationsbereich beschrieben.

Neben der Sprache als Universalintervention für alle Phasen reichen die Themen dabei bis zur Methode der Musterunterbrechung und bis zu Kapiteln über Hindernisse, Fokussierung, Ressourcen und Optionen. Eine gelungene Intervention bildet nach Feistauer und Zauner-Grois die Brücke zwischen der Selbstorganisation von Menschen und der Unterstützung bzw. Hilfestellung von außen.

Mit einigen der vorgestellten Interventionen arbeite ich oft und gerne in der Mediation, mit einigen anderen bisher weniger. Von der Intervention: „Die besten aller Welten“ hatte ich bisher sogar noch nie etwas gehört. Sie ist an ein Modell von Johan Galtung angelehnt, und nach Galtung ist ein Kopromiss eine recht fantasielose Regelung für einen Konflikt, denn eine wirkliche Lösung sollte die Elemente Konsens und Versöhnung beinhalten – erst dann kann diese Lösung auch nachhaltig zu etwas Neuem führen.

So anregend die Beschreibungen der in der Mediation einsetzbaren systemischen Tools sind, so spannend ist auch das Ende des Buches, denn neben einigen Fallbeispielen wird im Ausklang auch die Frage beleuchtet, was eine „gelungene Mediation“ ist. Bislang habe ich ich eine Antwort auf diese Frage so klar und deutlich noch nirgendwo lesen können, deshalb möchte ich sie hier vollständig zitieren:

„Eine Mediation ist gelungen, wenn die Beteiligten einen Weg gefunden haben, ihre Beziehungsgestaltung neu zu ordnen oder neu zu definieren. Diese Veränderung findet auf allen Ebenen statt: im Denken, im Fühlen und im Handeln. Eine bisher schwierige Beziehung erfährt einen Wendepunkt dahingehend, dass sich die Beteiligten von bisher kämpferischen oder destruktiven Mustern verabschieden können und sich gemeinsam um eine Lösung bemühen, die möglichst den Bedürfnissen und Wünschen aller gerecht werden kann.“ (Buch S. 178)

In diesem Sinne wünsche ich allen MediatorInnen viele gelingende Mediationen …
Christa D. Schäfer

Ostern, oder: Alles eine Frage der Sichtweise …

 

Oups ist ein kleines drolliges Wesen, das auf einem fernen Stern wohnt und manchmal uns Erdbewohner besucht. Hanna und Luca sind seine Freunde und so saß er mit ihnen im Frühling, irgendwann in den letzten Tagen, auf einer kleinen Holzbank und blickt faszinierend nach oben, um das Spiel der Wolken zu beobachten. Es verblüfft ihn, wie sich die Wolkenlandschaft mit jedem Augenblick veränderte und dabei die unterschiedlichsten Gebilde entstanden.

Oups ließ seinen Gedanken und seiner Fantasie freien Lauf, worauf ihm so manche Wolkengebilde bald als Gestalten, bald als Gegenstände oder Symbole erschienen – wie in einem Traum.

„Seht mal – ein Herz“, sagte er und zeigte auf eine kleine weiße Wolke. „Und da drüben – diese Wolke sieht aus wie ein Engel, der seine Flügel über uns ausbreitet. Das ist ein gutes Zeichen, was meint ihr?“

Hanna und Luca blickten nach oben. Zusamen mit Oups hatten sie sich auf der alten Holzbank niedergelassen, um sich mit einer kleinen Jause zu stärken und sich etwas vom anstrengenden Anstieg auszuruhen. Gemeinsam waren die drei auf einem Wanderpfad unterwegs, der sie bergauf und bergab über viele Hügel führte.

„Ja, sieht wirklich aus wie ein Herz“, stimmte Hanna zu und lies ihren Blick schweifen, um auch die „Engelwolke“ zu entdecken.

„Wo seht ihr ein Herz? Ich sehe da oben Wolken, die eher wie Monster aussehen. Die werden uns bald nass machen“, entgegnete Luca skeptisch und zeigte auf ein dunkles Wolkengebilde.

Oups schmunzelte. „Das ist eine Frage der Sichtweise.“

Und auch in der Mediation hat man die Frage der Sichtweise. Oft hat man zwei Streitparteien vor sich sitzen und denkt, dass die beiden unmöglich von ein und derselben Situation sprechen können. Doch es ist auch da so wie bei den Wolken; für die Einen ist eine Wolke bedrückend, weil sie so dunkel ist, und der Regen bald kommt – und für die Anderen ist dieselbe Wolke am Himmel wunderschön, weil sie sich bewegt, verändert und zum Träumen anregen. So ist der Blick auf eine zuvorderst „objektive Situation“ höchst subjektiv geprägt und welche Ansicht die Wirklichkeit der Wolke wiederspiegelt, das ist nun wirklich nicht zu klären …

Der Konstruktivismus geht von der Grundannahme aus, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt des Gehirns ist. Die Kernaussage des Radikalen Konstruktivismus sagt, dass eine Wahrnehmung niemals ein Abbild der Realität liefert, sondern immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung eines Individuums ist. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich; ausnahmslos jede Wahrnehmung ist subjektiv. Darin besteht die Radikalität (Kompromisslosigkeit) des radikalen Konstruktivismus.

Natürlich kann man auch Kinder schon zu dieser „Weltsicht“ anregen, denn was ich in einer Wolke sehe ist nicht dasselbe, das du in einer Wolke siehst und nicht dasselbe, was Sie in einer Wolke sehen …

Mit obigem Zitat aus dem wunderbar klugen Buch „Das Leben ist schön“ wünsche ich Ihnen ein sonniges, wolkiges und schönes Osterfest 2011,
Ihre Christa Schäfer

Ach ja, in diesem Blog finden sie übrigens auch eine Oups-Herzensübung …
(einfach auf den roten Text klicken …)

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