mediation-berlin-blog

Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Unterrichtsstörungen (Page 1 of 6)

Unterrichtsstörungen und auffällige SchülerInnen

Jetzt hat die Schule in glaube ich allen Bundesländern wieder gestartet, da wird auch dieses Thema wieder aktuell …

2006 habe ich mein Buch zum Thema Unterrichtsstörungen veröffentlicht. In diesem Buch werden Unterrichtsstörungen systemisch betrachtet und analysiert. Drei umfassende Fälle aus Berliner Schulen werden intensiv vorgestellt und mit Störungsprofil, Ursachenprofil und Lösungsprofil versehen. Welchen Stellenwert haben familiäre Ursachen? Was hat der Unterricht mit auffälligen SchülerInnen zu tun? Kann es sein, dass auch der Lehrer oder die Lehrerin etwas mit Unterrichtsstörungen zu tun hat :)) ? Und schließlich, wie sieht es mit dem Persönlichkeitsprofil des Schülers oder Schülerin aus?

In der letzten Zeit gibt es hervorragende und praxisorientierte Bücher, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigen. Eines davon möchte ich gerne hier vorstellen. Das Buch Praxisleitfaden auffällige Schüler und Schülerinnen, herausgegeben von Barbara E. Meyer, Tobias Tretter und Uta Englisch erschien 2015 im Beltz Verlag. Das Buch bietet eine Grundlage an theoretischem Wissen zum allgemeinen Thema „auffällige Schüler_innen“ und konkrete Schritte, Ideen und Tipps zum praktischen Handeln im Umgang mit diesen.

Was sind überhaupt „auffällige Schüler_innen“?
In der Einleitung des Buch, finden wir einen Abschnitt, der sich mit der Definition von „auffällig“ im Schulkontext befasst. Hier wird vor allem die Definition von Norbert Myschker hervorgehoben und folgendermaßen zusammengefasst:

» „Auffälligkeiten bei Schüler/innen“ bezeichnen das besonders facettenreiche, häufige oder schwere Abweichen der Entwicklungs-, Lern- oder Arbeitsfähigkeit einer Schülerin oder eines Schülers bzw. ihr/sein Abweichen in der Interaktion mit der Umwelt von der Erwartungsnorm eine Lehrkraft, die durch den zeit- und kulturspezifischen Kontext geprägt ist. Damit sich die Auffälligkeiten im Kontext Schule bestmöglich entwickeln, ist eine gezielte Intervention erforderlich.«
(Praxisleitfaden, S.8)

Wichtig ist, dass die Wahrnehmung von sogenannten Auffälligkeiten sehr subjektiv ist und wie oben beschrieben, an einer (Erwartungs-)Norm gemessen werden.

Die sechs Buchkapitel des Buches widmen sich folgenden Themen:

  1. Einleitung
  2. Förderliche Haltung im Umgang mit Auffälligkeiten
  3. Von der Haltung zum gesunden Handeln
  4. Dokumentation, Informations- und Schweigepflicht
  5. Vorgehen in sechs Schritten
  6. Spezifische Auffälligkeiten, Störungen und Behinderungen

Besonders hat mich das 5. Kapitel mit einem 6-Schritte-Programm angesprochen, das einen konkreten Handlungsrahmen für den Umgang mit auffälligen SchülerInnen vorschlägt:

Der erste Schritt ist die Beobachtung des_r Schüler_in. Hierbei spielt die gezielte Beobachtung eine wichtige Rolle. Dabei geht es darum, nicht nur das Verhalten des_r Schüler_in wahrzunehmen, sondern auch zu versuchen es einzuordnen. Ein Beispiel: Weint ein Schüler öfter, sollte gezielt beobachtet werden, in welchen Situationen und wie häufig er weint, und er sollt nicht gleich als Person abgestempelt werden, die einfach immer heult. Die weiteren Punkte, die daraus folgen sind: Was macht eine gute Beobachtung aus? – Wann und wie beobachten? – Dokumentation der Beobachtung – Beobachtungshilfe.

Der zweite Schritt besteht darin, ein Gespräch zu führen. Hier wird ein allgemeiner Ratgeber zum Thema „Gespräche führen“ vorgestellt. Thematisiert wird: die Vorbereitung für ein Gespräch – sich zu fragen, wer das Problem hat – der Ablauf eines Gesprächs – die Rolle der Gesprächsatmosphäre – Gesprächsmethoden und Konflikte im Gespräch. Weiter geht es dann mit der Konkretisierung und dem Gespräch mit Personen und Personengruppen in der Schule. Das Gespräch kann und sollte mit mehreren Leuten gesucht werden: dem_der auffälligen Schüler_in – Kolleg_innen und der Schulleitung – Freund_innen der Person, um die es geht – in der Klasse. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Gespräch mit den Eltern, dem ein etwas größerer Abschnitt gewidmet ist.

Der dritte Schritt heißt „Trotzdem unterrichten“. In diesem Kapitel geht es darum, wie der Klassenunterricht strukturiert werden kann, um den Schulalltag aufrecht zu erhalten und gleichzeitig unterschiedliche Schüler_innen miteinzubeziehen, ohne den Fokus zu verlieren. Strukturierung betrifft hierbei: das Klassenzimmer – die Unterrichtsabläufe – Interaktionen – akustische Reize – Lehrer_innensprache und -verhalten – das Lernmaterial – Lerninhalte und Unterrichtsmethoden. In einem Abschnitt wird auch die Zusammenarbeit mit Schulbegleiter_innen thematisiert.

In den nächsten drei Schritten geht es um weiterführende Maßnahmen: Hilfe aktivieren – Förderplan erstellen – Bewerten und nachsteuern. Im vierten Schritt gibt es eine ausführliche Beschreibung von Möglichkeiten der Hilfesuche. Im fünften Schritt geht es um die Erstellung eines Förderplans: Wer erstellt diesen? – Organisatorische Rahmenbedingungen – Konkretisierung der Förderbereiche und Förderziele – Durchführung – Beobachtungen und Evaluation. In der Phase der Bewertung geht es darum, als Lehrende alleine und gemeinsam mit der „betroffenen“ Person und der Klasse zu evaluieren und dementsprechend weiter zu handeln.

Im 6. Kapitel werden zu verschiedenen Auffälligkeiten Symptome, Häufigkeiten und Hintergründe aufgezählt. Damit wird dieses Kapitel zu einer Art Nachschlagewerk, ergänzt durch die Punkte Anregungen zum Umgang, weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten, die einen bestimmten Handlungsrahmen vorschlagen.

Super, dass meine vor langer Zeit niedergelegten eher theoretischen Gedanken meiner Dissertation zum Thema „Unterrichtsstörungen“ heutzutage derart praktische Nachfolger finden. Das hier besprochene Buch ist gut ausgearbeitet und sehr empfehlenswert. Es bietet eine ausführliche Übersicht an theoretischem Wissen und einen ausführlichen Rahmen, um selbst handeln zu können. Pluspunkte sind außerdem die ausführliche Literaturliste und das Online-Material.

Falls es in diesem Schuljahr also mal wieder „ernst“ wird:
Buch besorgen
empfiehlt Dr. Christa D. Schäfer

Sommerlektüre

Jetzt im Sommer steht sicherlich einigen von uns (inklusive mir) der Sinn nicht so sehr nach Fachbüchern, sondern nach leichter Sommer- und Urlaubslektüre. Darum möchte ich Ihnen gerne in den nächsten Wochen einige Bücher vorstellen, die eher in die „leichte Richtung“ gehen, die Geschichten erzählen, zum Schmunzeln anregen und einfach Spaß beim Lesen bringen. Aus jedem dieser Bücher wird es eine längere Passage geben, die ich Ihnen hier im Blog gerne im Originalwortlaut vorstelle.

Mit dem Buch „Nerd forever“ habe ich letzte Woche den Start zu dieser Reihe „Sommerlektüre“ gegeben. Heute soll es weitergehen mit einem historischen Roman (By the way: Ich liebe historische Romane …), der Geschichte von Bruno Kohler. Dazu hier die ersten Romanseiten:

“Der Schlag traf ihn völlig unvorbereitet. Sofort schossen ihm die Tränen in die Augen. Vom Schmerz überwältigt, konnte er ein gequältes Aufstöhnen nicht unterdrücken. Reflexartig war seine Hand zum Nacken gezuckt, wo die Weidenrute so unvermittelt seine Haut aufgerissen hatte. Er spürte das warme, klebrige Gefühl des austretenden Blutes. Die Wunde brannte, und die Tränen ließen sich trotz aller Anstrengung nicht zurückhalten. Verschwommen nahm er durch den ‘Schleier vor seinen Augen seine Klassenkameraden wahr. Einige von ihnen grinsten und freuten sich augenscheinlich über die ihm widerfahrene Pein – eine weitere Demütigung für den kleinen Jungen, der in der letzten Bank sitzen musste. Vor ihm stand sein Lehrer. Wiesner lächelte ihn böse an, strich dabei fast zärtlich über die Rute, mit der er ungeheuerlich gemein zugeschlagen hatte. Mit voller Wucht war sie von hinten auf den Kinderhals niedergeknallt. Fast sah es so aus, als würde der Lehrer die Rute für den Dienst loben, den sie ihm soeben erwiesen hatte.

Vater hilf mir, hilf mir, bitte!, flehte der Junge in Gedanken. Er konnte gar nicht verstehen, was mit ihm geschah. Mit einem einhzigen, scharfen Kommando brachte in diesem Augenblick Wiesner die Klasse zur Ruhe. Niemand wagte mehr ein Lachen, alle warteten nur noch espannt, was als Nächstes folgen würde. Wiesner blicke den Jungen mit gehässigem Lächeln an. Sein spitzes Gesicht das so gar nicht zu seinem fülligen Körper passen wollte, beugte sich zu ihm hinunter. Weil es ganz still war, empfand der Junge sein leises Schluchzen als besonders peinlich. Alle sahen, dass er weinte. Er schämte sich dafür und senkte den Kopf.

„Schau mich gefälligst an, wenn ich mich mit dir befasse“, sprach Wiesner mit zischend leiser Stimme. Dabei hielt er die Weidenrute unter das Kinn des Jungen und tätschelte mit ihr leicht dagegen. Der Junge schaute auf, die Hand immer noch auf den scherzenden Nacken gedrückt. Mit einer fast sanft klingenden Stimme fragte nun Wiesner:
„Mein lieber Junge! Ist dir klar, weshalb ich dich bestrafen musste?“ Der Junge fürchtete sich. Er war sich keines Vergehens bewusst und schüttelte leicht den Kopf. Das verärgerte den Lehrer, der anfing, ihn mit der Rute zu stoßen.
„Unser Bruno weiß es nicht! Er weiß es anscheinend nicht!“ Zur Klasse gewandt fragte er. „Na, wer von euch kann es ihm erklären?“
Die Buben rührten sich nicht. Tatsächlich konnte keiner einen Grund angeben. Sie schwiegen. Einige von ihnen waren sich in diesem Augenblick durchaus im Klaren, dass einer von ihnen ungerecht behandelt worden war. Und dabei geschah dies Bruno nicht zum ersten Mal …”

Quelle: Görlich, Harald: Kellerkind und Kaiserkrone. Der Aufstieg des Bruno Kohler. Meßkirch: Gmeiner Verlag 2012. S. 7f

Der Roman Kellerkind und Kaiserkrone von Harald Görlich spielt in den Jahren zwischen 1841 und 1888. Er stellt die Geschichte von Bruno Kohler vor, der aus ärmlichen Verhältnissen stammend durch Mut, Glück und harte Arbeit Karriere macht und in die höchsten politischen und wirtschaftlichen Kreise aufsteigt. Das obigen Zitat spiegelt die Verhältnisse in den Schulen der damaligen Zeit wunderbar wieder. Der Roman beinhaltet Spannung, Verruchtheit, Liebe, Intrigen und viel Menschlichkeit, und spielt zudem in vielen Teilen in Berlin. Harald Görlich hat übrigens über die Geschichte der Handelsschulen in Stuttgart und Württemberg promoviert und ist Mediator.

Kellerkind und Kaiserkrone –
empfehlenswert sowohl für heiße Sommer- als auch kalte Wintertage
Christa D. Schäfer

Der Zusammenhang zwischen Motivation, Sozialem Lernen und Lernerfolg

Grundschulkinder lernen weitgehend intrinsisch und aus eigenem Antrieb. Mit dem Beginn der Pubertät werden äußere Einflüsse wie Belohnung, Lob und soziale Beziehungen wichtiger als Aspekte der inneren Motivation.

Ergebnisse der Gehirnforschung zeigen schon seit längerem, dass Angst der größte Lernhemmer ist. Sie zeigen ebenfalls, dass positiv wahrgenommene Emotionen sowie positiv erlebte soziale Beziehungen dazu in der Lage sind, das Lernen zu einem aufregendem und bereichernden Erlebnis zu machen und das körpereigene Belohnungssystem zu aktivieren.

Eine Gruppe von Erziehungswissenschaftern, Psychologen und Neurowissenschaftlern untersuchte kürzlich an der FU Berlin und der Charité den Einfluss sozio-emotionaler Lernfaktoren = SELF auf den schulischen Lernprozess. Die Forschungsgruppe hat unter der Leitung von Diana Raufelder 1000 Schülerinnen und Schüler Brandenburgs aus 7ten und 8ten Klassen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien befragt.

Das Projekt SELF hat vier verschiedene Motivationstypen identifiziert:

1. den Peer-abhängige Motivationstyp
2. den Peer- und Lehrer-abhängige Motivationstyp
3. den unabhängige Motivationstyp
4. den Lehrer-abhängige Motivationstyp

36,4 % der befragten SchülerInnen wurden als peer-abhängiger Motivationstyp identifiziert. Ihre schulische Motivation wird von SchülerInnen geprägt, die sie umgeben. Interessant vor diesem Hintergrund ist, dass während der Adoleszenz die Bedeutung von Peers gegenüber der Bedeutung der Familie wächst. In diesem Sinne sind Klassenkameraden potentielle Freunde, die Bedürfnisse des sich entwickelnden Jugendlichen erfüllen könnten.

Bei 27,8 % der SchülerInnen ist die schulische Motivation abhängig von ihrer Umgebung, also von LehrerInnen und anderen SchülerInnen und von positiv ausgerichteten Beziehungen in diesem Geflecht.

26,3 % der an der Untersuchung teilnehmenden SchülerInnen gehören zum unabhängigen Motivationstypen, sie orientieren sich in der Höhe ihrer Motivation

Nur 9,5 % der Jugendlichen sind dem lehrer-abhängigen Motivationstyp zuzuordnen.

Insgesamt ist also für 73,7 % aller SchülerInnen, also für die Mehrzahl der SchülerInnen die Qualität der schulischen Beziehung sowie das Klassen- und Schulklima zentral für ihre Lernmotivation. Da heißt es also dranbleiben, als Lehrperson gute Beziehungen aufbauen und für ein gutes Klassenklima sorgen !!! Schon damit minimiert sich die Anzahl der Unterrichtsstörungen um einen Großteil.

Lediglich für 26,3 % der Jugendlichen scheinen weder Peers noch Lehrer eine Rolle für ihre Motivation zu spielen. Vermutlich würden diese SchülerInnen von einer autonomen Lernumgebung profitieren mit weniger Vorgaben und mehr individuellen und kreativem Spielraum. Auch hier können Lehrkräfte ja gut die Voraussetzungen für schaffen …

Ab Sommer 2012 steigt die Charité Berlin in das Projekt mit ein. Je 20 SchülerInnen je Motivationstyp werden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) auf Unterschiede in der Aktivierung von Motivationsarealen im Gehirn untersucht und anschließend in qualitativen Interviews zu ihrem Motivationserleben und ihren Motivationsstrategien befragt. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt …

Interessant ist übrigens auch eine Untersuchung, über die ich kürzlich hier berichtet habe, in der der Frage nachgegangen wurde, ab wie viel Jahren Kinder lernen fair zu sein …

Christa D. Schäfer

Viele Unterrichtsstörungen in einem Buch

Schon öfters habe ich in diesem Blog über Unterrichtsstörungen geschrieben, und schon oft habe ich dabei gegenwärtige und aktuelle Literatur zitiert. Jetzt gibt es ein flott geschriebenes Buch über das Lehrersein heute. Lehrer, die dieses Buch lesen, werden sicherlich durch viele Situationen an eigene Erlebnisse erinnert. Nicht-Lehrer, die das Buch lesen, staunen sicherlich über die Herausforderungen, denen sich Lehrerinnen und Lehrer heutzutage stellen müssen.

Das Buch, von dem ich hier berichte, stammt von der Lehrerin Hildegard Monhein. Es trägt den Titel: Manchmal schauen sie so aggro und ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf in Berlin erschienen.

Hildegard Monheim erzählt in den 33 Kapiteln des Buches vieles zum Thema „Unterrichtsstörung“, sie erzählt von Schülern, deren Kreativität bisweilen keine Grenzen kennt:

„Wir Lehrer nehmen unseren Unterricht sehr ernst. Wir beklagen uns zwar ständig, dass nichts von dem hängen bleibt, was wir den Schülern an den Kopf oder zum geistigen Fraß vorwerfen, aber wehe, einer stört unseren Unterricht! Gerade hatte man die Aufmerksamkeit der Racker gebündelt! Gerade hatte man die Kerle endlich zur Ruhe gebracht! Gerade jetzt wäre es so wichtig geworden! Und da … Da stört jemand. Das darf nicht sein! Das ist eine Todsünde!“ (Monheim, Hildegard: Manchmal schauen sie so aggro, S. 46)

Unterrichtsstörungen werden von Monheim auf fünf verschiedene Störungsursachen zurückgeführt, für alle „Nicht-Insider“ beschreibt sie die
Hitliste der Störungen
:

Der Klassiker – Störungen durch die eigenen Schüler
Pädagogisch wertvolle Störungen – Schüler in Mission
Störungen auf Augenhöhe – Kollegen vor der Klassenzimmertür
Störungen rein akustischer Natur
Störungen rein visueller Natur

Ein wenig mehr zum Klassiker Nr. eins:
„Irgendeiner aus der Klasse ist sich der Wichtigkeit der Sekunde nicht bewusst. Es reicht ihm nicht dass er mit den Gedanken woanders ist, nein, er hat die Frechheit, genau in dem Moment zu schwatzen, abzutauchen oder gar zu lachen, in dem die Lehrkraft den einen wichtigen Satz von sich geben möchte.
Rein theoretisch weiß ich zwar, dass es zum Wesen des Schülers gehört, nicht aufzupassen. Dass die Unaufmerksamkeit üblicher ist als das An-den-Lippen-der-Lehrkraft-Hängen. Rein theoretisch. In der Praxis könnte ich austicken, wenn ich mich gerade so wunderbar in Hochform unterrichtet habe und dann einer das mit Füßen tritt: schwatzt laut und dauerhaft, muss plötzlich lachen, obwohl es nichts zu lachen gibt, fällt unter dem Gejohle seiner Mitschüler vom Stuhl, wirft zum vierten Mal sein Lineal zu Boden.“ (Monheim, Hildegard: Manchmal schauen sie so aggro, S. 46)

Und zu guter letzt stellt Moheim fest:
„Der Normalzustand ist aber die Störung, das Problem, die Herausforderung – und genau für diese sind die Pädagogen da.“ (S. 104)

Das ist natürlich überspitzt formuliert, aber sehr amüsant zu lesen.
Lehrer werden schmunzeln und Nicht-Lehrer werden sich wundern …
Ein Buch, das man also nicht verpassen sollte, wenn man sich für das Lehrerdasein heute interessiert.

Das Thema Unterrichtsstörungen ist und bleibt sicherlich auch in nächster Zeit noch für LehrerInnen ein ganz existentielles. In dem Zusammenhang möchte ich gerne nochmals auf mein Buch zum Thema „Unterrichtsstörungen“ verweisen. In diesem Buch werden Unterrichtsstörungen auf der Grundlage moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse aus den Fachgebieten Pädagogik, Psychologie und Kommunikationstheorie intensiv betrachtet. Drei Fälle werden exemplarisch anhand ihres Störprofils, Ursachenprofils und Lösungsprofils vorgestellt. Anhand dieser Fallpräsentationen, der zugehörigen Fallerschließung und der sich anschließenden Hypothetische Falllösung kann man Unterrichtsstörungen verstehen lernen und Rückschlüsse auf eigene Unterrichtsstörungen vornehmen.

Weitere Hinweise zu diesem Buch unter: Schäfer, Christa: Unterrichtsstörungen: Jugendliche verstehen – Schule verändern

Und weitere literarische Kostproben zum Thema Unterrichtsstörungen beispielsweise von Frau Freitag oder Stephan Serin

Christa D. Schäfer

Leistungsdruck und das leidige Thema Hausarbeiten

Eigentlich müssten wir umgeben sein von perfekten Kindern, hoch gebildet, sozial kompetent. Denn die dreisprachigen Kindergärten schießen aus dem Boden, Eltern investieren mehr als jemals zuvor in die Bildung ihrer Kinder, sie werden verschickt und gefördert, was das Zeug hält.

Irgendwann machen viele Kinder einfach zu, sie sind überfordert, alles wird ihnen zu viel. Die Lösung ist allerdings, wie so oft, ganz einfach. Nicht die Menge ist wichtig, sondern dass das Lernen Spaß macht und nicht überfordert. Zum Beispiel kann auf nachhilfeportal.de ein klares Zeitfenster vorgegeben werden. So kann ein Kind lernen, dass man nach einer konzentrierten Stunde Mathenachhilfe dank Nachhilfeportal Fußball spielen gehen darf und die Nachhilfelehrerin oder der Lehrer kann selbst ausgesucht werden. So wird Mathe kein schreckliches Fach nur weil “der Lehrer doof ist”.

Auch Kinder müssen lernen, ihre Zeit selbst einzuteilen, sie lernen zwar spielend mit den neuesten Smartphones umzugehen, allerdings nicht sich selbst für die richtigen Dinge zu motivieren und die Zeit sinnvoll einzuteilen. So kann die Nachhilfe durch das Nachhilfeportal nicht nur die Noten verbessern, sondern auch die Zeiteinteilung schulen, eine Eigenschaft, die für den Rest des Lebens die Arbeitsqualität jedes Einzelnen verbessern wird.

Und auch wenn es kein 1,0 Abitur wird, ist das kein Weltuntergang. So befassen sich bereits alle großen Medien mit der Frage ob es nicht mehr reicht, einfach zu Sein, auch mal nicht Deutscher Meister zu werden oder nur ein kleines Tier in einem Konzern zu werden. Selbst die großen Blätter interessieren sich für das Thema: Ist es so schlimm, nicht in drei verschiedenen Ländern gelebt zu haben und fünf Sprachen zu sprechen?

Nein, ist es nicht. Wenn Kinder früh lernen, dass es für alles eine Zeit gibt, auch für das Entspannen und Nichts tun, dann werden diese Kinder gesunde Erwachsene und keine ausgebrannten Menschen, denen der Erfolg zum Verhängnis wird.

Antje Sachwitz

 

Und wenn es dann doch mal Streit in der Familie zum Thema Hausaufgaben gibt?

Dann ist es gut und nützlich, sich die Bücher von Thomas Gordon ins Gedächtnis zu rufen. In der Methode der Familienkonferenz von Th. Gordon lernen Eltern zunächst zu unterscheiden, wann sie ihren Kindern zuhören und wann sie besser zu ihnen sprechen. Sowohl Zuhören als auch Sprechen sind wichtige Kompetenzen, die es gilt in gelingenden Kommunikationswegen wohl dosiert und an der richtigen Stelle einzusetzen.

Gewöhnlich ist es so, dass Eltern, wenn sie mit einem Problem konfrontiert werden, in der Regel etwas sagen: Sie geben einen Befehl, warnen, halten eine Moralpredigt, geben einen Rat, halten einen Vortrag, äußern Kritik, schimpfen, diagnostizieren, predigen, trösten, fragen oder lenken ab. Gordon nennt diese typischen Elternantworten “Kommunikationssperren”, denn die Eltern bekommen nichts über das vorliegende Problem mit.

Kommunikationssperren verschließen Kinder (und natürlich auch Erwachsenen) den Mund, machen sie wütend, geben ihnen das Gefühl Schuld zu sein, geben ihnen das Gefühl nicht verstanden zu werden, verleihen ihnen das Gefühl ihre Eltern seien uninteressiert usw. (Gordon, Thomas: Familienkonferenz in der Praxis. München: Heyne Vlg. 1976, S. 42 ff)

Wichtig wäre an dieser Stelle das Zuhören, und zwar das „gute Zuhören“. Wichtig beim aktiven Zuhören ist, dass sich Eltern auf ihre Kinder einlassen können, dass sie Zeit haben, ihre eigene Meinung zunächst erst einmal zurück halten können, evtl. mitfühlen können und sich innerlich in die Situation ihres Kindes hinein versetzen können. Das ist sicherlich nicht zu viel verlangt. Natürlich sind auch nonverbale Signale wie eine zugewandte Körperhaltung, der Augenkontakt sowie die Mimik und Gestik Teil des aktiven Zuhörens. Wenn der Fernseher läuft oder das nächste Meeting ansteht oder das Handy immer wieder zwischendurch rappelt, wird gutes Zuhören schwierig.

Aktives Zuhören heißt für das Elternteil nicht, dass ich mit dem, was mein Kind sagt, einverstanden bin. Vielmehr muss ich mein Gegenüber, meinen Sohn oder meine Tochter als eine von mir getrennte „Einheit“ betrachten können, als Individuum mit eigenem Leben und eigener Identität (egal welches Alter das Kind auch hat). Ich muss die Gefühle meines Gegenübers bedingungslos akzeptieren und tiefes Vertrauen in die Fähigkeit meines Gegenübers haben, mit seinen Gefühlen umgehen und Lösungen für sein Problem finden zu können. Eingehen muss ich dabei das „Risiko“, dass meine Meinung als Elternteil, meine Einstellungen und Werte sich durch das, was ich höre, eventuell ändern, und dass die Lösung meines Gegenübers eventuell nicht „meine“ Lösung als Elternteil ist.

Nichts leichter als das?
Dann frage ich mich, warum Kommunikationsprozesse in Familien so oft misslingen.

Letzlich steht in solchen Kommunikationsprozessen auch eine bestimmte Haltung des kommunizierenden Elternteils dahinter. Und damit wären wir dann beim Thema Erziehung und Erziehungsstil gelandet …

Mehr zum Thema Kommunikation in der Familie gibt es in dem Buch Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch in der Familie.

Welche Vorgehensweise Thomas Gordon für die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern empfiehlt, finden Sie im Blogartikel zur
Lehrer-Schüler-Konferenz.

Und zum Thema Entspannung im Klassenraum gibt’s gleich mehrere Artikel hier im Blog, zum Beispiel zu den Geschichten mit der Fly.

Christa D. Schäfer

Page 1 of 6

Copyright©mediation-berlin-blog.de 2008

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén