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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Category: Unterrichtsstörungen (Page 2 of 6)

4 Jahre Mediationsblog

Am 30. Mai 2008 erschien der erste Artikel in diesem Blog.
Seit der Zeit sind genau 232 Artikel entstanden.
Das will gefeiert werden !

Deshalb freuen Sie sich bitte mit mir auf das Buch zum Blog, das in Kürze erscheinen wird. Es fasst verschiedene Artikel dieses Buches zusammen und behandelt Themen von der Konfliktbearbeitung in Berlin über Emotionale Kompetenz, Gewaltprävention, Kommunikation, Mediation, Mobbingprävention, Soziales Lernen, Soziale Trainingsprogramme und Unterrichtsstörungen.

Demnächst können Sie Ihr Buchexemplar hier bestellen.

Christa D. Schäfer

Entspannungsgeschichten für unruhige, unauffällige, übermütige und ängstliche Grundschüler

374 Grundschulen gibt es derzeit in Berlin. Sie arbeiten als verlässliche Halbtagsgrundschule oder als offene bzw. gebundene Ganztagsgrundschule. Damit stehen den Eltern konzeptionell und zeitlich unterschiedlich ausgerichtete schulische Angebote zur Verfügung.

In der verlässlichen Halbtagsgrundschule werden die Kinder zwischen 7:30 und 13:30 Uhr auf jeden Fall verlässlich in der Schule betreut, auch wenn mal Unterricht ausfallen sollte, das Angebot ist für die Eltern kostenfrei.

80 % dieser Grundschulen arbeiten im offenen Ganztagsbetrieb. Das Angebot der verlässlichen Halbtagsgrundschule wird in dieser Schulform um ergänzende Förderungs- und Betreuungszeiten in Form von Angebotsmodulen erweitert: Frühbetreuung 6:00 bis 7:30 Uhr, Nachmittagsangebot 13:30 bis 16:00 Uhr, Spätbetreuung 16:00 bis 18:00 Uhr sowie Ferienbetreuung. Der Nachweis eines Betreuungsbedarfs ist für die Teilnahme an den Modulen der offenen Ganztagsgrundschule notwendig, die Eltern beteiligen sich abhängig von ihrem Einkommen an den Betreuungsmodulen sowie dem Mittagessen.

64 Grundschulen einschließlich der 17 Staatlichen Europa-Schulen Berlin arbeiten als gebundene Ganztagsgrundschulen; die in Berlin derzeit vorhandenen 10 Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt sind wie die Gemeinschaftsschulen gleichfalls gebundene Ganztagschulen. In diesen gebundenen Ganztagsgrundschule gibt es ein schulisches Gesamtkonzept von Unterricht, Erziehung, ergänzender Förderung und Betreuung, an dem alle Schülerinnen und Schüler in der Zeit von 8:00 bis 16:00 Uhr an mindestens vier Tagen in der Woche verpflichtend teilnehmen. Der Besuch der gebundenen Ganztagsgrundschule ist für die Eltern kostenfrei, nur die Kosten für das Mittagessen müssen übernommen werden. Betreuungsmodule vor und nach der Unterrichtszeit sowie in den Ferien erweitern das Angebot, die Eltern müssen hierfür einen Betreuungsbedarf nachweisen und einkommensabhängig für dieses Angebot bezahlen.

Unter dem Stichwort „Berlin macht ganztags Schule“ kann man mehr über diese verschiedenen Arten der Berliner Grundschulen im offiziellen Hauptstadtportal www.berlin.de nachlesen.

Ich habe in diesem Blog über die verschiedenen Grundschultypen berichtet, um deutlich zu machen, dass Rhythmisierung in der Grundschule ganz wichtig ist. Nur durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung ist kindgerechtes Lernen und Arbeiten gut möglich. Das ABC der Ganztagsschule sagt zum Stichpunkt der Rhythmisierung:

Leben ist durchgängig rhythmisch und nicht etwa mechanisch-linear konstituiert. Der menschliche Körper unterliegt vielfältigen vorgegebenen rhythmischen Ordnungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Rhythmen, die sich etwa auf die Jahreszeiten beziehen, und der Biokurve mit den über den Tag verteilten Leistungshöhepunkten und Tiefpunkten sowie dem „Eigenrhythmus“, der sich im Biorhythmus und im persönlichen Tempo bei Menschen stark unterscheiden kann. (…) Eine Schule, die Kindern bis zu sechs oder sogar sieben Unterrichtsstunden am Vormittag zumutet, kämpft gegen den Biorhythmus des Menschen und fordert erheblich mehr Kraft. Schule sollte daher ihre Jahres-, Wochen- und Tagesplanung nach rhythmischen Gesichtspunkten überprüfen. Vor allem der Gesamtverlauf eines Tages sollte auf den Wechsel von Phasen der Anspannung und Erholung hin geplant werden.

Im Sinne der Rhythmisierung, aber auch im Sinne der Konflikt- und Gewaltprävention sind Entspannungsgeschichten und Fantasiereisen von besonderer Bedeutung. Gelingt Rhythmisierung in Grundschule, so sind dort auch weniger Konflikte und weniger Gewalt feststellbar.

Mit Entspannungsgeschichten und Fantasiereisen kann es Grundschülern ermöglicht werden, zur Ruhe zu kommen. Seit einiger Zeit gibt es zu diesem Zweck die Geschichten mit der Fly. Die Fly ist eine Border Collie Hündin, die in diesen Geschichten die Hauptrolle spielt. In dem Buch „Die Fly reist um die Welt“ bereist sie unterschiedliche Kontinente und Länder. Wissenswertes wird verbunden mit Entspannung und einer dicken Prise Konzentration. Das Buch “Die Fly reist um die Welt“ ist aus dem Borgmann Verlag und stammt von Dieter Krowatschek (Text) und Caroline Reid (Illustration).

Der 2011 verstorbene Marburger Schulpsychologe Dieter Krowatschek hat in diesem Buch zunächst kurz und präzise grundlegende Gedanken zur Nutzung von Entspannungsgeschichten in der Schule benannt: Was sind physiologische und psychologische Hintergründe der Geschichten? Was haben sie mit Autogenem Training zu tun? Wozu ist Entspannung bereits im Kindesalter wichtig? Wie sollte die Körperhaltung bei Entspannungsgeschichten sein? Was sind Voraussetzungen für die Entspannung? Anschließend gibt es dann sage und schreibe 40 Geschichten von der Fly, von Alaska bis China und zum Sternbild des Großen Bären geht die Reise. Und damit Sie einen kleinen Eindruck erhalten, folgt hier ein Auszug aus der ersten Geschichte, in der die Fly über den Regenbogen geht:

Die Fly ist eine Border Collie Hündin und inzwischen zwölf Jahre alt. Als sie noch sehr jung war, hat sie Schafe gehütet und sogar auf Wettbewerben Preise gewonnen. Insgesamt bekam sie 42 Junge. Sie sehen alle aus wie die Fly und sind schwarz-weiß mit braunen Pfoten. Man nennt das tricolor. Die Fly stammt eigentlich aus Wales in England, aber daran kann sie sich natürlich nicht mehr erinnern. Jetzt ist sie eine ältere Dame, aber immer noch sehr unternehmenslustig.
Stell dir vor, die Fly geht jeden Tag mit mir spazieren und bei jedem Spaziergang nehme ich einen Gummiball mit, den ich möglichst weit werfen muss. (…)
Einmal gab es ein richtig heftiges Gewitter mit vielen leuchtenden Blitzen und grollendem Donner. Aber ganz kurz nach dem Gewitter schien sofort wieder die Sonne und weil es auch ein bisschen geregnet hatte, bildete sich am Himmel ein wunderschöner farbiger Regenbogen. Als die Fly den Regenbogen sah, war sie ganz begeistert. So beschloss sie, schnell einmal über den Regenbogen zu laufen. Und schon raaste sie zu dem einen Ende und ehe ich überhaupt etwas sagen konnte, winkte sie mir von oben aus zu. Umso höher sie hinaufstieg, desto weiter konnte sie sehen. Erst hat sie nur unser Haus erkannt, dann das Städtchen, in dem wir wohnen, und schließlich konnte sie über viele ferne Länder und schließlich auf die ganze Erde blicken.

Die Fly war begeistert. Und weil dieser Blick auf fremde Länder so schön war, entschloss sich die Fly, ihr Flugzeug zu betanken und in ferne Länder zu reisen. Was sie dabei erlebt, das erfahren KiTa- und Grundschulkinder in den Geschichten des Buches. Jeder Geschichte ist natürlich eine Ruhetönung vorangestellt und eine Rücknahme zum Wiederankommen in der Realität angefügt. Damit können die Geschichten ganz einfach im Ganztagsbetrieb oder auch zu Hause genutzt werden.

Ein entspanntes zweites Schulhalbjahr
wünscht Christa D. Schäfer

Beachten Sie bitte auch die Blogpostings zu weiteren Entpannungsgeschichten:
Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt
50 Spiele für 100 % Entspannung

Unterrichtsstörung – Physik siebte Stunde

Es ist an einem ganz normalen Donnerstag. Siebte Stunde Physik, 14.00 Uhr.

Die Schüler tummeln sich unruhig wartend auf dem Gang, stecken ihre Augen noch einmal schnell in die krakeligen Physikformeln und warten. Peng, die Tür springt auf. Der Physiklehrer steht am Anfang des Gangs zum Physiktrakt. „ACHTUNG ER IST DAAA, ER KOMMMT!“, ruft ein Schüler. Es wird mucksmäuschenstill. Geladen wie eine rollende Dampfwalze und mit hochrotem Kopf erreicht der dicke Alte schnaufend den Raum und schließt die Tür auf. Die Schüler stürmen herein, die hölzernen Stühle zerhacken den Boden, die Fenster werden geöffnet und von wütenden Mädchen, die immer frieren, wieder zugeknallt. Der Lehrer kneift seine Augen zusammen. Er denkt sich im Inneren „Na toll, die sehen aber wieder motiviert aus. Und diese drei kleinen blonden frechen Jungs lachen mich doch permanent aus. Ja, die machen sich über mich lustig. Da – da haben wir’s. Schon wieder lachen sie. Und diese Sabine. Wie sie schon wieder gelangweilt und träge da sitzt. Jede Stunde dieses fahle Gesicht. Für nichts zu begeistern. Die hat doch was gegen mich. Die guckt mich jede Stunde so an, als hätte sie was gegen mich. Die guckt mich angewidert an! Das ist kein Spaß. Ich seh’s doch genau, bin doch kein Blinder. Na woll’n wir doch mal sehn, der werd ich’s schon zeigen. Dann woll’n wir mal sehn, wer hier am längeren Hebel sitzt. (Insgeheim grinste Herr Schniedler in sich hinein.) Ohne eine Begrüßung geht der Unterricht auch schon los. „SO“, schreit er und führt mit gereizter und angespannter Stimme fort: „es gibt ja IMMER noch Leute unter euch, DIE MIR JETZT GERNE IHRE HAUSAUFGABEN VORTAGEN, SABINE, AN DIE TAFEL!“

Sabine hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie hat es versucht, aber nach zwei Sekunden aufgegeben. Sie hat einfach nichts verstanden. Sie ist ein schüchternes Pferdemädchen. Sie hat es nicht hinbekommen. Sie hat wahllos irgendwelche Formeln aufgeschrieben, um wenigstens etwas im Heft stehen zu haben. Aber, sie hat es wenigstens versucht.

„AUF WAS WARTEST DU, WIR WOLLEN ALLE AUCH IRGENDWANN NOCHMAL NACH HAUSE“. „Ääähm…. Herr.. Herr Schniedler… ich … hab’ das noch nicht so ganz verstanden …“ „WAS GIBT ES DENN DA NICHT ZU VERSTEHN?“, schallt es ungedulig aus ihm heraus, als hätte er durch ein viel zu lautes Mikrophon gesprochen. „Ehm naja …“

„FRECHHEIT, VERSUCH ES DOCH WENIGSTENS, AUF, MACH JETZT. AN DIE TAFEL. MENSCHENSKINDER, HERRGOTTNOCHMAL“ Seine Stimme wirkt mächtig wie ein Donnergrollen. Alle sind ernst, keiner wagt sich mehr zu lachen oder dem Lehrer in die Augen zu sehen. Denn: Anscheinend hatte niemand die Hausaufgaben so richtig verstanden. Und jeder wusste, ein falsches Wort und der Vulkan bricht aus! „ES KANN DOCH NICHT ANGEHN BEI SO EINER LEICHTEN AUFGABE EINFACH NICHTS ZU SAGEN ZU HABEN. MÄDCHEN“ Herr Schniedler stampft wütend mit seinem Bein auf den Boden und es tat einen Schlag! Jeder im Raum erschreckt sich. Die Schülerin, die Sabine, die fängt an zitternd, zu weinen. „DAS IST DOCH JETZT KEIN GRUND ZU WEINEN“, schrie er erboßt, „DU HAST ES EINFACH NICHT GEMACHT, JETZT SIEH ZU, DASS DU DEINEN MUND AUFMACHST“. Ein Schüler ist ergriffen vom Zorn und schreit wutentbrannt: „DAS KANN DOCH NICHT SEIN, DASS EIN LEHRER EINE SCHÜLERIN SO ANSCHREIT, WEIL SIE ETWAS NICHT VERSTANDEN HAT.“ Danach war der Schüler heiser und die Stunde, die Stunde war dahin. Dann meldete sich ein freiwilliger Streber, ein Physik-Ass und löste die Aufgabe.

Einen Tag später geht Sabine, nachdem sie sich mit einer Vertrauenslehrerin beraten hat, in Herrn Schniedlers Sprechstunde.

„Herr Schniedler, mir ist die gestrige Physikstunde nicht mehr aus dem Kopf gegangen, ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Auf jeden Fall wollte ich mich entschuldigen, dass ich die Hausaufgaben nicht gemacht habe. Ich habe es ja versucht, aber habe keinen kompletten Lösungsweg gefunden.“

„Sabine, verstehe mich nicht falsch, aber du bist mir schon öfters aufgefallen, dass du Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht hast. Aber wenn du schon Lösungsansätze hast, warum hast du diese denn nicht einfach vorgeschlagen? Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen wenn wenigstens jemand ein bisschen was hat.“

„Ganz ehrlich Herr Schniedler, ich hatte den Eindruck, dass sie so extrem gereizt gewesen waren, … da habe ich mich einfach nicht mehr getraut.“

„Jaa, da könntest du recht haben. Weißt du, ich bin immer ganz unterzuckert, weil es die 7. Stunde ist und ich wurde in der großen Pause davor gerade noch zu einem Pausenaufsichtsdienst verdonnert. Und ja, ich hätte nicht so rumbrüllen brauchen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.“

„Dann machen wir doch ein Abkommen. Sie sorgen dafür, dass Sie nicht völlig ausgehungert zur Stunde erscheinen und wir versuchen die Hausaufgaben besser zu lösen, unter der Voraussetzung, dass Sie sich Mühe geben und nicht gleich an die Decke gehen, wenn jemand etwas nicht weiß.“

„Ja Sabine, so machen wir es. Ich danke dir, dass du das Thema angesprochen hast. Das zeigt mir, dass dir das Fach nicht ganz egal ist.“

Text:
Melanie Schaum, UdK Berlin

 

Dieser Text ist in meinem Seminar an der UdK zum Thema „Konflikte in und um Schule“ entstanden. Vollkommen realistisch wird im Text die Situation einer Unterrichtsstörung geschildert. Herr Schniedler würde sagen: Sabine hat den Unterricht gestört. Die Schüler der siebten Klasse würden sagen: Herr Schniedler ist mal wieder total mies drauf und macht scheiß Unterricht.

Der Vertrauenslehrerin aber kommt ein großer Verdienst in dieser Geschichte zu. Sie hat es geschafft, Sabine so aufzubauen, dass diese sich traut zu Herrn Schniedler zu gehen und den entstandenen Konflikt gut zu lösen.

Dabei nutzt sie viele Möglichkeiten, die im Konfliktfall deeskalierend wirken:
Sie sucht den Kontakt und das Gespräch mit Herrn Schniedler.
Sie verzichtet im Gespräch auf eine anklagende Haltung.
Sie macht ihr eigenes Verhalten transparent.
Sie zeigt Verantwortung für ihr Verhalten.
Sie interessiert sich für die Sichtweise von Herrn Schniedler.
Sie nimmt die Interessen von Herrn Schniedler ernst.
Sie schlägt eine Lösung vor, die sowohl ihr als auch Herrn Schniedler entgegen kommt.

Ob Herr Schniedler in der Realität allerdings so zugänglich wäre, wenn Sabine zu ihm kommt, das weiß man nicht. Dennoch könnten sich verschiedene real existierende Lehrer Schniedler an Sabines deeskalierender Kommunikation und ihrem konstruktivem Konfliktlöseverhalten ein Beispiel nehmen …

Besten Dank an Melanie Schaum für dieses wunderbar Beispiel
sagt Christa Schäfer

 

Weitere Geschichten zum Thema Unterrichtsstörungen …

Und ein ganzes Buch über Unterrichtsstörungen …

Mal wieder Unterrichtsstörungen aus einer deutschen Großstadt

Kennen Sie schon Frau Freitag, eine unerschrockene Lehrerin, die in einer überdrehten und recht leistungsschwachen 9. Klasse einer deutschen Großstadt unterrichtet? Ich kenne sie leider nicht – oder halt, ich kenne viele Frau Freitags, denn das Synonym Frau Freitag könn(t)e für viele Lehrerinnen stehen.

Und diese Frau Freitag, von der ich spreche, die hat ein Buch geschrieben über ihren Alltag in der Schule: „Chill mal, Frau Freitag“, so heißt das Buch. Zwischen Rap und Ramadan battelt sich Frau Freitag durch den Schulalltag ihrer Brennpunktschule. Rat holt sie sich von ihrer Freundin, Frau Dienstag, die ebenfalls Lehrerin ist, oder von Fräulein Krise. Eine Realsatire ist es geworden, in der man Zeuge unfreiwillig komischer Situationen wird – Situationen, die dennoch beispielsweise täglich in Sekundarschulen Berlins zu erleben sind.

Schon öfters habe ich in diesem Blog Literaturauszüge veröffentlicht, in denen es um Unterrichtsstörungen ging, so beispielsweise aus:

Jugend ohne Gott (Ödön von Horváth)
Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot (Frank McCourt)
Föhn mich nicht zu (Stephan Serin)

Und natürlich habe ich auch beim Lesen des Buches von Frau Freitag nach Beschreibungen für Unterrichtsstörungen gesucht. Wie bereits erwähnt, ist das gesamte Buch damit gespickt, und so habe ich mich für eine Passage entschieden, in der es gerade nicht um störende SchülerInnen geht:

Vielleicht sollte man sich einfach mehr mit den unproblematischen Schülern beschäftigen. Die gibt es nämlich auch. Wenn wir über unseren Berufsalltag reden, dann erzählen wir doch immer von den Schwierigen, von den Nervtötern, von den Nixtuern, den Alles-kaputt-Machern. Von den Schülern, mit denen man am meisten Arbeit hat und die einem den Unterricht, den Tag und den Spaß am Beruf zerstören.
Konzentrieren wir uns deshalb einmal auf die netten Schülerinnen und Schüler. Die, deren Namen wir leider am Schuljahresende noch immer nicht kennen oder die wir ständig verwechseln – gerade weil sie nicht stören. Deren Eltern wir nicht kennen, weil wir sie nie anrufen oder zum Gespräch einladen müssen. Überhaupt reden wir nur selten mit den lieben, netten Schülern, weil sie ja immer da sind und alles tun, was man von ihnen verlangt. Sie machen ihre Hausaufgaben, lernen, schreiben gute Arbeiten – was sollte es also zu besprechen geben? Probleme scheinen die nicht zu haben, denn sie tanzen nie aus der Reihe Wenn sie mal eine Stunde oder in einer Miniphase des Unterrichts unkonzentriert sind, dann spreche ich sie schon mal an: „Das bin ich von dir aber nicht gewohnt. Mach nicht so, das ist doch gar nicht deine Art von dir erwarte ich aber mehr.“ Diese Schüler dürfen nicht negativ auffallen, denn sie bilden das wacklige Gerüst, auf dem ich so tue, als fände bei mir geregelter Unterricht statt. Sie müssen immer die perfekten Schüler sein. Sie dürfen sich nicht verändern, dürfen nicht in die Pubertät kommen, schlecht gelaunt sein oder faul oder unverschämt werden.
In meiner Klasse gibt es davon vielleicht sechs oder sieben. Sechs oder sieben Schülerinnen und Schüler, die einfach so funktionieren und um die ich mich so gut wie gar nicht kümmere. Wenn sie einmal mit irgendeinem Problem zu mir kommen, dann fordere ich von ihnen, es auf schnellstem Wege alleine zu lösen. Ich habe keine Zeit, keinen Nerv und keine Lust, mich auch noch intensiv um die lieben, netten Schüler zu kümmern.
Quelle: Frau Freitag: Chill mal, Frau Freitag. Berlin: Ullstein 2011. S. 100 f.

Da kommt man doch glatt wieder ins Reflektieren zur Theorie über Unterrichtsstörungen heute. Aber jetzt haben wir in Berlin ja erst einmal eine Woche Winterferien …
Christa D. Schäfer

Die Schule der Tiere

 
Es war einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine eigene Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als ihr Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein ganz besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittsnoten aber waren akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum – außer der Ente.

Der Adler wurde als schwieriger Schüler angesehen. Zwar schlug er in der Kletterstunde alle anderen darin, als Erster den Wipfel des Baumes zu erreichen. Jedoch wurde er unnachsichtig und streng gemaßregelt, da er darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse. Dann bekam es einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Pferd gab sich beim Klettern besondere Mühe. Es war nämlich schon beim Flugunterricht unangenehm aufgefallen. Im Fliegen hätte es beinahe eine Fünf bekommen und sollte jetzt Nachhilfeunterricht nehmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ es seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreier“ im Klettern und „Fünfer“ im Rennen.

Die Präriehunde waren der Meinung, dass man Buddeln auf jeden Fall in der Schule lernen müsse. Als die Schulbehörde es aber ablehnte, Buddeln zu einem neuen Unterrichtsfach zu machen, gaben sie ihre Jungen zum Dachs in die Lehre.

Am Ende des Schuljahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen konnte, etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als bester Schüler die Abschlussrede.

Soweit zum Thema “Notwendigkeit von Individualisierung im Unterricht”. Diese Geschichte trägt den Namen “Die Schule der Tiere”. Sie wird mitsamt dem zugehörigen Bild immer wieder im deutschsprachigen Raum genutzt. Es war mir nicht möglich, die Ursprungsquelle herauszufinden. Vielleicht kann jemand helfen?!

Auch in meinem Buch “chicken soup for the soul“ ist sie zu finden – da natürlich in der englischen Version.

Christa D. Schäfer

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